SWR Aktuell Im Gespräch

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SWR Aktuell Im Gespräch episodes

  • Warum geht der Hochwasserschutz nicht voran?
    Ein Nationales Hochwasserschutzprogramm – das wurde in Deutschland schon vor zehn Jahren ins Leben gerufen. Trotzdem gab es die Hochwasserkatastrophe im Ahrtal und auch jetzt erleben wieder dutzende Gebiete in Baden-Württemberg ein Jahrhunderthochwasser. Was ist also aus diesem Nationales Hochwasserschutzprogramm geworden? "Schon bei der Oder-Katastrophe 1997 hat der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl gesagt, dass wir Flüssen mehr Raum lassen müssen – passiert ist seitdem leider wenig", erklärt der Hochwasserexperte vom BUND, Sascha Maier, im SWR. "Man hat den Eindruck: es muss erst wieder eine Katastrophe passieren, und dann bewegt sich was – so schlimm ist es nicht. Aber wir haben trotz Hochwasserschutzprogramm weiterhin das Problem, das zu wenig Flächen für Hochwasser zur Verfügung stehen und auch zu wenig Fachpersonal für die entsprechenden Abteiltungen", meint Maier. Warum die Umsetzung des Nationalen Programms immer noch so lange dauert, erklärt der Hochwasserexperte im Gespräch mit SWR Aktuell-Moderatorin Laura Koppenhöfer.
    5 min
  • Klimawandel: Warum Hochwasser dem Ökosystem Fluss nicht schadet
    Das Hochwasser in Baden-Württemberg geht zurück. Die Pegelstände fast aller Gewässer sinken. Die materiellen Schäden in den betroffenen Regionen sind gewaltig, doch dem Ökosystem Fluss mache Hochwasser relativ wenig aus, sagt Ingo Kramer, Geschäftsführer vom Landesfischereiverband Baden-Württemberg im Gespräch mit SWR Aktuell-Moderator Andreas Herrler.
    Hochwasser hat einen "reinigenden Effekt" auf Flüsse
    "Ein Fluss ist ein Gewässersystem mit stark fließenden Bewegungen." Alle Organismen hätten sich gut daran angepasst, ergänzt der Experte. Gelegentliche Hochwasser wirkten sich deshalb eher positiv aus. "Sie haben einen reinigenden Effekt: Schlamm, der sich abgelagert hat, wird abgetragen. Das Kiesbett wird wieder freigelegt. Es gibt wieder bessere Lebensräume als vorher."
    Kein Regen und Austrocknung sind der Super-Gau für ein Fließgewässer

    Quelle: Ingo Kramer, Landesfischereiverband BW

    Hitze im Sommer setzt der Dreisam zu
    Der Klimawandel führt auch dazu, dass im Hochsommer Hitzeperioden länger andauern und Regen ausbleibt. In Südbaden hat das zur Folge, dass die Dreisam bei Freiburg an einigen Stellen immer wieder austrocknet. Dem Sommer 2024 blickt Ingo Kramer mit gemischten Gefühlen entgegen. Die längerfristigen Wetterberichte würden zwar einen etwas kühleren und nasseren Juli vorhersagen - doch Juni und August sollen demnach zu heiß und zu trocken werden.
    "Kaltwasser-Pools" als Gegenmaßnahme
    Als Maßnahme gegen Hitze und Trockenheit seien in der Dreisam "Kaltwasser-Pools" angelegt worden, sagt der Geschäftsführer des Landesfischereiverbands Baden-Württemberg: "Das sind tiefe Stellen, in denen sich das Wasser sammelt." Dorthin könnten sich die Fische bei Hitze und Niedrigwasser zurückziehen und überleben. Mit "Beschattung, Renaturierung und ökologischer Aufwertung" werde versucht, das Ökosystem Fluss resilient gegen den Klimawandel zu machen.
    6 min
  • "Bis hierhin können wir": Rettungskräfte stoßen beim Hochwasser-Einsatz an ihre Grenzen
    Der Dauerregen in Baden-Württemberg hat aufgehört. In den Hochwassergebieten geht das Aufräumen los. Für die Malteser habe sich deshalb die Lage entspannt - der Einsatz sei beendet, sagt Stefan Simon von der Diözese Rottenburg-Stuttgart im Gespräch mit SWR Aktuell-Moderator Andreas Herrler. Jetzt werde das Erlebte der vergangenen Tage aufgearbeitet.
    Situation war teilweise "surreal"
    Er habe während des Einsatzes in den Hochwassergebieten mit einer jungen Helferin gesprochen, ergänzt Stefan Simon. Sie habe die Situation in der Nacht mit dem vielen Blaulicht als surreal beschrieben. "Es macht etwas mit den Menschen", ergänzt er.
    Wir werden uns auf diese extremen Situationen einstellen und vorbereiten müssen.

    Quelle: Stefan Simon, Diözese Rottenburg-Stuttgart

    Malteser rechnen mit mehr Einsätzen
    Die Malteser gehen wegen des Klimawandels davon aus, dass hochwasserbedingte Einsätze zunehmen werden. Dabei stehe jedoch immer die Sicherheit der Einsatzkräfte im Vordergrund. Man arbeite nach der Devise: "Bis hierhin können wir. Das eigene Leben unserer Helfenden geht natürlich vor."
    4 min
  • Hochwasser: Was wir daraus lernen
    Die Hochwasser-Situation in Baden-Württemberg entspannt sich langsam. Jetzt werden Forderungen laut, die Ausgaben für die Schutzmaßnahmen zu erhöhen. Die Umsetzung sei eine langfristige Aufgabe, sagt der Geophysiker Andreas Schäfer vom Zentrum für Katastrophenmanagement und Risikominderungstechnologie am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) im Gespräch mit SWR Aktuell-Moderator Andreas Herrler.
    "Da braucht es einen überparteilichen, gesellschaftlichen Konsens." Das könne Jahrzehnte dauern, weil die Flächennutzung angepasst werden müsse. Nur so könnten solche Hochwasser abgeschwächt oder im besten Fall auch verhindert werden.
    Klimawandel erfordert schnelles Handeln
    Unter normalen Bedingungen ist nach Aussage des Wissenschaftlers nach einem hundertjährigen Hochwasser genügend Zeit zum Handeln. Doch der Klimawandel mit höheren Temperaturen und höheren Regenmenge führe dazu, dass sich die Zeiträume verkürzen würden. "Das heißt: Wenn man da jetzt sagt, wir müssen zehn oder zwanzig Jahre diskutieren, dann ist das kontraproduktiv."
    Regionaler Hochwasserschutz notwendig
    Da Handlungsbedarf besteht, rät der KIT-Experte dazu, sich regional die Situation genau anzuschauen. "Einen kleinen Fluss kann man mit kleineren Maßnahmen hochwassersicher machen." Anders sei die Ausgangslage bei größeren Städten. Dort seien die Uferbereiche der Flüsse im Laufe der Jahrhunderte oft dicht bebaut worden. Deshalb müsse geklärt werden: "Gibt es vor der Stadt Flächen, die überflutet werden dürfen?" Wenn ja, müssten Besitzverhältnisse für solche Polder geklärt, und die Besitzer gegebenenfalls enteignet werden.
    Bestehe ein gesellschaftlicher Konsens, könne der Hochwasserschutz in solchen Fällen innerhalb von ein paar Jahren umgesetzt werden. Wenn aber in einer Stadt keine Überflutungsflächen für einen Fluss zur Verfügung stünden, habe man nur die Möglichkeit zu warten. "Das nächste Zeitfenster der Umsetzung ist dann das nächste Hochwasser, wenn sowieso vieles neugebaut werden muss", sagt der Geophysiker.
    5 min
  • Post Vac Awareness Day – Mehr Aufmerksamkeit für Corona-Impfgeschädigte
    Corona – die meisten Menschen möchte das Ganze am liebsten vergessen, das Covid-Virus, die Pandemie etc. Aber wer Long-Covid hat, für den geht das nicht. Und wer Impfschäden durch die Corona-Impfung hat, ebenfalls nicht. Für Erstere gibt es inzwischen immer mehr Kliniken und Behandlungen. Und für die Impfgeschädigten? Bekommen sie zuwenig Aufmerksamkeit? Ja, sagt zumindest das Post Vac Netzwerk, das für heute zum ersten deutschen "Post Vac Awareness Day" aufgerufen hat. Dem Netzwerk zufolge sind zehntausende Bürgerinnen und Bürger durch die Schutzimpfungen schwer erkrankt – und bekommen kaum Unterstützung. Der Facharzt und Spezialist für Long Covid und Post Vac, Dr. Michael Kacik, kann die Kritik des Netzwerks verstehen. "Die Patienten von Post Vac leiden unter anderem unter chronischen Erschöpfungssyptomen, Schlafstörungen, Kopfschmerzen und teilweise auch Sehstörungen", erklärt Kacik im SWR. Das Problem für die Menschen sei die Eile in der Pandemie gewesen. "Damit es schneller geht mit dem Impfstoff, hat die Bundesrepublik die Haftung von den Impfherstellern übernommen. Und in der Praxis ist es schwierig, jetzt Leistungen für Impfschäden zu erhalten", so Kacik. Warum vor allem der Nachweis der Schädigung so schwierig ist, erklärt der Facharzt im Gespräch mit SWR Aktuell-Moderator Florian Rudolph.
    7 min
  • Mangel an Musik-Lehrkräften: "Angst vor Eignungsprüfung ist da, aber unbegründet"
    In Deutschland fehlen Musiklehrerinnen und Musiklehrer - kaum jemand bewirbt sich noch für das Lehramtsstudium. Vor Studienantritt muss man eine Eignungsprüfung absolvieren, unter anderem mit einem Hörtest und dem Vorspielen eines Instrumentes. Und eine neue deutschlandweite Studie der Bundesfachgruppe Musikpädagogik zeigt jetzt, dass genau das viele potenzielle Anwärterinnen und Anwärter abschreckt. Dieses Ergebnis überrascht Antje Valentin, Generalsekretärin des Deutschen Musikrats, nicht. "Es bestätigt sich in der Studie, dass die Eignungsprüfung ein großer Hindernisgrund ist. Junge Menschen scheinen zu vermuten, dass die Eignungsprüfung so schwer ist, dass sie diese ohnehin nicht bestehen", so Valentin im SWR. Dabei sei das eigentlich das falsche Bild. In Universitäten gebe es inzwischen zum Beispiel ganz unterschiedliche Formen der Eignungsprüfung. "Oft reicht es, wenn man das eigene Instrument ganz gut spielt, und wenn man zeigt, dass man Hören kann - und damit ist nicht die hohe Schule der Gehörbildung gemeint", erklärt Valentin. Warum sie die Schuld für diese Prüfungsangst auch bei den Hochschulen sieht, erklärt die Generalsekretärin des Deutschen Musikrats im Gespräch mit SWR Aktuell-Moderator Florian Rudolph.
    6 min
  • Nach Messerattacke in Mannheim: "Haben Islamismus im Netz unterschätzt"
    Nach der Messerattacke am Freitag in Mannheim ist der verletzte Polizist gestern seinen schweren Verletzungen erlegen. Der mutmaßliche Attentäter, ein 25-jähriger Afghane, liegt weiterhin auf der Intensivstation und ist nicht vernehmungsfähig. Er hatte auf dem Mannheimer Marktplatz mehrere Teilnehmer einer Kundgebung der islamkritischen "Bürgerbewegung Pax Europa" angegriffen. Ein islamistisches Motiv ist noch nicht bestätigt, gilt aber als wahrscheinlich. Auch die Islamwissenschaftlerin und Bundestagsabgeordnete Lamya Kaddor (Grüne), sieht das so. "Ich habe das auch relativ zügig so eingeschätzt. Ich glaube auch, dass es kein Zufall ist, dass diese Tat an einem Freitag geschehen ist – dass Islamisten solche Anschläge freitags zum Beispiel nach ihrem Freitagsgebet verüben, ist ja nicht unbekannt", erklärt Kaddor in SWR Aktuell. Beim Schutz vor solchen Anschlägen sieht sie durchaus noch Optimierungsbedarf in der Politik von Innenministerin Nancy Faeser (SPD). "Wir müssen uns Gedanken machen, worin eigentlich die islamistische Gefahr für junge Menschen besteht. Die findet nicht mehr überwiegend in den Moscheen statt, sondern vorwiegend in den Sozialen Medien. Und darauf war die Vorgängerregierung so nicht vorbereitet, zum Beispiel, dass es professionelle Videos von Islamisten auf TikTok gibt", meint Kaddor. Inwiefern sie auch die Islamverbände in der Verantwortung sieht, erklärt die Islamwissenschaftlerin von den Grünen im Gespräch mit SWR Aktuell-Moderatorin Laura Koppenhöfer.
    6 min
  • Steuerbonus für Rentner: Warum CDU/CSU den Vorstoß der SPD unterstützen
    Wer als Rentner freiwillig länger arbeitet, soll einen Steuerbonus erhalten. Diese Pläne von Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) stoßen auch bei CDU/CSU auf Zustimmung. "Mich freut alles, was die Situation von Beschäftigung im Alter unterstützt", sagt der Rentenexperte der Unions-Bundestagsfraktion Stephan Stracke (CSU) im Gespräch mit SWR Aktuell-Moderator Andreas Herrler.
    Bitte arbeitet weiter. Macht das freiwillig und ihr bekommt dafür auch einen Bonus.
    "Aktivrente": das CDU-Konzept für längeres Arbeiten
    Die CDU habe mit der "Aktivrente" bereits einen entsprechenden Vorschlag präsentiert. Vorgesehen sei ein Steuerfreibetrag von 2.000 Euro für Rentner, die weiterarbeiten würden. "Das hat viel mit Wertschätzung zu tun", ergänzt Stracke. Außerdem profitiere die Volkswirtschaft davon.
    Anders als die Ampelkoalition, die sich einseitig auf die Zuwanderung von Fachkräften konzentriere, wolle die Union "das inländische Potenzial stärken". Man fokussiere dabei auf jüngere Menschen ohne Abschluss, auf bereits Erwerbstätige und auf "die Älteren, die gerne weiterarbeiten wollen", so der rentenpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion.
    Rentenreform beschlossen
    In der letzten Kabinettssitzung hat die Bundesregierung die Rentenreform beschlossen. Das "Rentenpaket II" sieht vor, dass das Rentenniveau von 48 Prozent gehalten werden soll.
    5 min
  • Todesopfer im Fluteinsatz: Wie gefährlich ist die Arbeit der Feuerwehr?
    Die Feuerwehren in Süddeutschland sind wegen Dauerregen und Überflutungen im Dauereinsatz. Wie gefährlich die Arbeit ist, zeigt der Tod eines Feuerwehrmanns in Oberbayern im Kreis Pfaffenhofen. In Offingen in Oberschwaben (Kreis Günzburg) wird ein Feuerwehrmann noch vermisst.
    Wenn einem Kollegen etwas passiert, dann nimmt einen das schon mit.

    Quelle: Martin Scheerer, Feuerwehrverband Bodenseekreis

    "Das sind traurige Nachrichten. Das wünscht man sich nicht", sagt Martin Scheerer, Sprecher des Feuerwehrverbandes im Bodenseekreis, im Gespräch mit SWR Aktuell-Moderator Andreas Herrler. Aber die Einsatzkräfte gäben sich keinen Illusionen hin. Unfälle seien Teil der Arbeit, auch wenn Sicherheit immer Vorrang habe. "Man arbeitet nach den Unfallverhütungsvorschriften und versucht besonders gut aufzupassen." Unterstützung und Schutz biete die entsprechende Ausrüstung. Doch man müsse realistisch sein. "Unfälle passieren immer."
    Feuerwehr muss bei Einsätzen "priorisieren"
    Der Dauerregen der vergangenen Tage hat nach Aussage des Feuerwehrsprechers die Kräfte im Bodenseekreis stark gebunden. "Es war ein größerer Einsatz." Genaue Zahlen lägen noch nicht vor. Das schlimmste sei jetzt aber überstanden.
    Generell müsse man festhalten, dass die Einsatzkräfte nicht überall gleichzeitig sein können. "Die Feuerwehr muss priorisieren." Hilfe zur Selbsthilfe sei oft angesagt. "Man muss schon bei geringeren Regenmengen damit rechnen, dass irgendwo ein Keller vollläuft." Dann müsse die Feuerwehr mit Tauchpumpe oder Wassersauger ausrücken. "Das ist normal bei einem Starkregen-Ereignis."
    4 min
  • Nach Dauerregen: Grundwasser-Stand "übernormal"
    Der Dauerregen im Süden von Baden-Württemberg und Bayern hat Landstriche überflutet. Menschen mussten ihre Häuser verlassen. Auf den Grundwasserspiegel hätten sich die Niederschläge allerdings positiv ausgewirkt, erklärt der Meteorologe Hartmut Mühlbauer im Gespräch mit SWR Aktuell-Moderator Andreas Herrler.
    Man nennt das auch den mitteleuropäischen Frühlingsmonsun.

    Quelle: Hartmut Mühlbauer, Meteorologe

    "Im Augenblick haben wir eine Situation, wie wir sie seit Jahren nicht mehr hatten." Die Regenmengen hätten dazu geführt, dass der Grundwasserstand in einigen Regionen "übernormal" sei. Deshalb sei zu Beginn des meteorologischen Sommers am 1. Juni die Ausgangslage gut. Das gelte nicht nur für den Süden, sondern auch für Norddeutschland. Lediglich in Sachsen habe es noch nicht so viel geregnet. "Da ist der Grundwasserstand noch niedrig."
    Westwetterlage und Klimawandel verantwortlich für Dauerregen
    Viel Regen ist nach Aussage des Meteorologen typisch für den Frühling in Mitteleuropa. Dafür seien "Westwetterlagen" verantwortlich. Allerdings habe der Klimawandel dazu geführt, dass sich das Wetter nicht mehr so schnell verändere: "Wenn es regnet, dann hält das lange an. Wenn es wieder trocken wird, hält das auch länger an. Eine Wetterveränderung ist dann nicht so schnell in Sicht." Ursache dafür seien die sich verlangsamenden "atmosphärischen Zirkulationen". Früher hätten sich die Windbänder, die Tief- und Hochdruckgebiete steuern, sehr viel schneller verändert.
    5 min

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