SWR Aktuell: Wenn man mal von Krokus und Co. absieht, gefühlt ist ja gerade alles viel zu früh dran im Garten, oder?
Anne Rostek: Es ist schon bemerkenswert, wie die Pflanzen jetzt bereits rausschieben aus der Erde oder rausspitzen aus den Knospen. Ja, es ist schon relativ früh.
SWR Aktuell: Meine Kamelie hat zwei Wochen vor der normalen Zeit und trotz der frischen Temperaturen schon ein, zwei Blüten geöffnet. Ist sie ein Opfer des Klimawandels?
Rostek: Das ist schwierig zu sagen, man hat natürlich immer mal wieder so, je nach Frühjahr, so kleine Ausreißer. Jetzt würde ich auch sagen, es ist tatsächlich so gut zwei Wochen vielleicht schon vorgezogen das Ganze. Aber wenn man den generellen Klimatrend sich anschaut, könnte man es schon auch einen Hinweis auf den Klimawandel nennen, das stimmt.
SWR Aktuell: Tagsüber 15 Grad und nachts dann um die Null. Wann wird es denn für unsere Gartenpflanzen kritisch?
Rostek: Das Kritischste, was passieren kann, ist eigentlich, wenn die Temperaturen nach hohen Tagestemperaturen nachts wieder in den Frostbereich rutschen, weil die Pflanzen dann durch diese warmen Temperaturen am Tage wirklich diesen Impuls bekommen: jetzt wachsen, austreiben. Die verlieren damit dann sozusagen ein klein wenig ihren Frostschutz, und wenn dann eben nachts der Frost nochmal drüber geht, dann schädigt das schon das Pflanzengewebe.
SWR Aktuell: Und welche Pflanzen sind da gerade am meisten gefährdet?
Rostek: Man kann es zum Beispiel bei Rosen beobachten, da sieht man oftmals jetzt schon so diese schönen Austriebe an den Zweigen, dass die so diese rötlichen Blätter zeigen. Wenn die irgendwie sehr viel Nachtfrost noch abbekommen, dann werden die ganz glasig. Das kann auch diverse andere Gartenpflanzen, also auch Stauden, betreffen, die jetzt im Austrieb begriffen sind, das kann man gar nicht so ganz spezifisch sagen, was das ist. Aber man sieht es meistens daran, wenn man Pflanzen schon im Austrieb gesehen hat im Garten: Wenn die dann so glasig aussehen, das ist meistens dann das Zeichen, dass hier ein Frostschaden passiert ist.
SWR Aktuell: Wie kann ich helfen, damit das vielleicht gar nicht passiert?
Rostek: Es ist sehr schwierig, jetzt ganz generell seinen Garten flächendeckend zu schützen. Ich würde mir im Garten tatsächlich nur einzelne Schmuckstücke vielleicht zum Schutz rauspicken, wo ich sage, da wäre ich sehr, sehr traurig, wenn die jetzt Spätfrostschäden bekommen würden. Zum Beispiel sowas Kostbares wie Strauchpfingstrosen: Die haben ja so ein Zweiggerüst - und diese wunderschönen asiatischen Blüten, diese großen seidigen Blüten, können tatsächlich, wenn sie zu früh austreiben, einen schweren Frostschaden erleiden und dann die Blüten dadurch verlieren. Bei so einem Strauch kann man zum Beispiel einfach locker am späten Nachmittag so ein dünnes luftdurchlässiges Vlies über die Pflanze legen, kann das auch unten mit einer Schnur festmachen, und dann schützt man sie im Grunde genommen gegen diesen Kahlfrost, der dann im Zweifel die Pflanze schädigt.
SWR Aktuell: Wir haben gerade schon von Rosen gesprochen, die sind ja härter im Nehmen, als man denkt. Das heißt, man könnte so ein glasiges Teil am Zweig einfach abschneiden?
Rostek: Das kann man schon. Und die Empfehlung wäre tatsächlich, mit diesem Abschneiden zu warten, bis die Pflanze im Grunde genommen sich selbst geholfen hat und an anderer Stelle ganz normal nochmal frisch durchgetrieben hat. Dass dieses geschädigte Gewebe, das sieht man ja dann irgendwann deutlich, dann irgendwie abstirbt. Das würde ich erst später wegschneiden, wenn man wirklich sicher weiß, wo die Pflanze ansonsten wieder ausgetrieben hat. Es kann nämlich sein, wenn man zu früh abschneidet und nochmal einen Nachtfrost oder Spätfrost drüber geht, dass die Pflanze dann insgesamt zu stark zurückfriert.
SWR Aktuell: Das Klima verändert sich. Gibt es denn Pflanzenarten, die wir jetzt in unsere Gärten holen können, die es früher im Außenbereich nicht geschafft hätten?
Rostek: Man sieht es immer wieder, gerade so im süddeutschen Raum, dass zum Beispiel Olivenbäumchen relativ problemlos im Freien überwintern können. Es überleben mittlerweile auch vielerorts schon Oleander, die schönen farbenfrohen Oleanderbüsche, die man sonst immer so mühsam in seinen Keller oder die Garage geräumt hat. Man muss es immer noch mit Vorsicht genießen, es kann immer noch sein, dass die mal verfrieren, aber die haben tatsächlich jetzt schon eine höhere Chance, draußen zu überwintern.
SWR Aktuell: Der Klimawandel sorgt für Extreme, will heißen, ein paar Wochen lang säuft der Garten quasi ab, und dann brutzelt die Sonne wochenlang erbarmungslos. Was kann ich denn durch geschickte Kombination von Stauden da gutmachen im Garten?
Rostek: Ganz generell würde ich sagen, im Garten mehr auf so Generalisten zu setzen, die mit relativ vielen Standortansprüchen zurechtkommen, die also weder sehr viel Wasser brauchen, noch sehr viel Trockenheit aushalten. Gerade so bei den Stauden, diesen mehrjährigen Pflanzen gibt es durchaus sehr viele, die also wirklich unterschiedlichsten Sachen, also Bedingungen, Wetterbedingungen auch zurechtkommen. Das wäre zum Beispiel sowas wie Frauenmantel, Storchschnabel, und Lavendel toleriert eine kurze Zeit sogar auch eine Überschwemmung im Garten und dann braucht er es wieder sehr trocken. Solche Pflanzen, die kurzfristig mal diese sehr feuchten Bedingungen im Garten aushalten, die kann man dann gut benutzen, weil wenn es dann trocken wird, dann halten die eben entsprechend länger durch.
Was ich ganz generell im Garten empfehlen kann, ist dafür zu sorgen, dass man den Boden im Grunde genommen gut und gesund hält. Also gerne auch Kompost einarbeiten in seine Beete, weil der Kompost den Boden auch etwas durchlässiger macht, gleichzeitig aber auch Feuchtigkeit genug hält. Und das ist gerade super, wenn man zum Beispiel einen sehr klebrigen, schweren Boden hat. Aber auch wenn es ein leichterer Sandboden ist, wenn man da Kompost dazu gibt mit den Humusstoffen, dann hält der einfach Feuchtigkeit genug, aber lässt trotzdem Wasser genug auch durch. Man zieht zum Beispiel auch Regenwürmer damit ins Beet rein, die dann mit ihren kleinen Röhren quasi für Drainagelöcher sorgen. Wenn dann eben starker Regen mal eine Zeit lang drauf geht, dass der Boden nicht völlig versinkt in so einer völlig wasserdichten Lache sozusagen.