Taiwan in Bewegung

Taiwan in Bewegung

By Juliane Miller,RtiSociety & CultureGovernment
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Taiwan in Bewegung episodes

  • Taiwanische Lokalwährung Mibi — ein Mittel im Kampf gegen Gentrifizierung?
    Seit 2021 gibt es im Landkreis Taitung an der taiwanischen Ostküste die Lokalwährung Mibi (米幣). Chiang Hui-yi (江慧儀) ist eine der Initiatorinnen des Projektes. Im Rti-Interview erzählt sie wie die Währung dabei helfen soll, die lokale Wertschöpfung zu stärken und Menschen stärker miteinander in Verbindung zu bringen.
    Die taiwanische Ostküste gilt als ein Ort, an dem die Zeit langsamer fließt. Nicht wenige Menschen versuchen, hier dem Trubel und Smog der westtaiwanischen Großstädte und Industriestandorte zu entfliehen — und tauscht Menschengedränge gegen Meeresrauschen.
    Insbesondere Dulan gilt als eine Oase für Aussteiger, Surfer und Remote-Worker. Während der Ort bei Touristen immer beliebter wird, ist das Leben dort weiterhin stark von der Kultur der indigenen Amis geprägt. Auch um das zu erhalten, wurde hier vor einigen Jahren eine Lokalwährung namens “米幣” ins Leben gerufen.
    Meine Kollegin Sasa aus der französischen Rti-Redaktion hat mit Chiang Hui-yi (江慧儀) gesprochen. Sie ist nicht nur Mitbegründerin des Permakultur-Forschungszentrum Earth Passengers in Dulan, sondern auch eine der Initiatorinnen des “Mi-Bi”. Im Interview erzählt sie von den Ursprüngen des Projektes:
    “2021 hat ein Verein der Amis in Dulan Gelder des Nationalen Entwicklungsrates erhalten für die Förderung von Jugendinitiativen erhalten. Der Verein hat diese Gelder dann ausgeschrieben und Menschen in Dulan konnten Projektvorschläge einreichen, was sie machen wollen, um die Gemeinschaft zu fördern. Damals gab es einige Leute, die vorgeschlagen haben, dass wir einen Plan einreichen für die Entwicklung einer Lokalwährung.
    Wir haben den Projektantrag als Earth Passengers eingereicht. Nach Prüfung des Antrages haben wir die Gelder erhalten. Unter den eingereichten Anträgen war es der einzige, der eine etwas öffentlichere Aktion war. Andere Anträge waren kreativ oder die Eröffnung eines Buchladens oder Restaurant. Wir nahmen damals das Geld und druckten eine Lokalwährung. Sie sind wie echte Geldscheine.
    Menschen die teilnehmen wollen, müssen sich bei ‘Etolan Style anmelden. Sie müssen dabei nur belegen, dass sie in Taitung leben. Wir wollen, dass die Menschen, die die Lokalwährung nutzen auch wirklich in Taitung leben. Man muss für die Teilnahme kein Geld zahlen. Wenn deine Anmeldung bestätigt wurde kannst du anfangen, an der Lokalwährung teilzunehmen. Anfangs bekommt jeder 240 Mibi. Diese 240 Mibi entsprechen in etwa 240 Minuten, also werden nach Zeit bemessen. Normalerweise in unserer Gesellschaft hat unterschiedliche Arbeit unterschiedlichen Wert, also dein Stundenlohn ist unterschiedlich, beispielsweise bei einem Anwalt und einem Bauer. Aber wir sind Menschen, und jeder Mensch hat nur 24 Stunden. Es ist sehr gerecht, wenn man Zeit als Tauschmittel nimmt.”
    Der Mibi ähnelt daher dem Konzept einer “Zeitbank”, also einem System der Nachbarschaftshilfe, bei dem der Wert von Dienstleistungen nach der Arbeitszeit bemessen wird. Anders als viele Zeitbank-Systeme erlaubt der Mibi aber auch den Kauf von Waren. Durch die Nutzung einer Papierwährung entfällt die Notwendigkeit, verrichtete Arbeitszeit in einem Zeitkonto zu notieren.
    Da man bei der Registrierung 240 Mibi erhält, ist es sogar so, als würde man Geld (beziehungsweise Zeit) kostenlos erhalten - finanziert letztendlich durch Steuergelder, die als aus Mittel des Nationalen Entwicklungsrats in dieser Form an die lokale Gemeinschaft zurückfließen.
    Es gibt drei unterschiedliche Wertstufen: 15, 30 und 60 Mibi. Diese entsprechen theoretisch 15, 30 und 60 Minuten an Arbeit. Letztendlich ist es aber nicht immer einfach, den “Zeitwert” eines Dienstes oder auch eines Gegenstandes zu bestimmen. Wichtig ist aber eigentlich nur, dass zwei Leute in der Lage sind, sich auf einen Wert für ihre Transaktion zu einigen.
    Wie funktioniert das Ganze?
    “Jeder Handel geht.....
    17 min
  • Ein Stück Taiwan im Wedding: Wie Kulturraum P60 zeitgenössische taiwanische Kultur nach Berlin bringt
    Seit August 2025 ist die Prinzenallee 60 im Berliner Wedding das Zuhause von zwei taiwanischen Kulturinitiativen sowie einem Hongkonger Buchladen. Gemeinsam wollen sie hier einen Ort der Begegnung und des Austausches über zeitgenössische ostasiatische Kultur schaffen. Mit Angie von Deerland Tea und Hao-ping von Impression Taiwan habe ich über ihre Pläne für das Projekt gesprochen.
    Über bevorstehende Veranstaltungen informieren die drei Kulturinitiativen auf ihren jeweiligen Instagram-Kanälen: Deerland Tea, Impression Taiwan und Encounters Bookspace.
    Die Möglichkeit Encounters Bookspace und Impression Taiwan auch finanziell zu unterstützen gibt es hier und hier.
    11 min
  • Wie Desinformationen die Energiewende in Taiwan bremsen
    Als Mitbegründerin der NGO Research and Action forscht Elena Yi-ching Ho zu Desinformationen im Bereich Erneuerbare Energien und Klimawandel. Im Rti-Interview erzählt sie, warum ausgerechnet Solarenergie Ziel von Desinformationen in Taiwan geworden ist und welche Akteure dahinterstecken. Außerdem hören wir, wie Mängel in der Politikgestaltung das Vertrauen in die Energiewende in Taiwan schwächen und mit welchen Mitteln gegen Desinformationen vorgegangen werden kann.
    18 min
  • Haustieradoption in Taiwan
    Shangning Postel-Heutz ist nicht nur Rti-Reporterin, sondern auch eine große Tierfreundin. Vor ihrer journalistischen Tätigkeit war sie in der Adoptionsvermittlung von Straßenkatzen in Taipei aktiv. Im Interview spricht sie über ihre Erfahrungen und was es bei der Adoption von Haustieren in Taiwan zu beachten gibt.
    12 min
  • Proteste gegen Müllverbrennungsanlage in Mingjian
    Mingjian im Landkreis Nantou ist eines der wichtigsten Anbaugebiete für taiwanischen Tee, doch nun soll ausgerechnet dort eine Müllverbrennungsanlage gebaut werden. Warum es dagegen Proteste gibt, erzählt Simon Chang im Rti-Interview.
    Bis in die 90er Jahre war Taiwan noch als “Garbage Island”, also “Müllinsel” bekannt. Auf zahlreichen Mülldeponien türmten sich stinkende Abfallberge; es kam zum Teil zu heftigen Protesten von Anwohnern, die sich um Auswirkungen auf Menschen und Umwelt sorgten.
    Daraufhin wurden Müllverbrennungsanlagen gebaut und Mülltrennung eingeführt. Heute hat Taiwan eine der höchsten Recyclingquoten weltweit; fast 60% des Abfalls wird recycelt. Der Rest wird fast vollständig verbrannt - und das ist nicht unumstritten. Immer wieder gibt es Proteste gegen den Bau von Müllverbrennungsanlagen. So auch im Landkreis Nantou.
    Simon Chang (常行深) betreibt den instagram-Account “theteaoryofeverything”. Dabei verbindet er Videos über Tee mit Videos über taiwanische Politik. Eines der Themen, dem er sich dabei widmet, ist der Bau einer Müllverbrennungsanlage in Mingjian im Landkreis Nantou. Diese könnte sich nämlich negativ auf die Qualität des dort produzierten Tees auswirken.
    “Das Hauptproblem mit dieser Müllverbrennungsanlage ist, dass sie genau neben wichtigen Anbaugebieten für Bubble Tea und Flaschen-Tee gebaut wird. Wenn sie erstmal gebaut wird, wird sich das nicht nur auf die Lokalbevölkerung auswirken. Da es nämlich das Anbaugebiet für den Tee der ganzen Insel ist, wird es sich auf die ganze Insel auswirken.“
    Er macht der Lokalregierung vor Ort schwere Vorwürfe.
    “Die Regierung des Landkreises Nantou hat aber keine Absicht zu kommunizieren, warum sie die Müllverbrennungsanlage dort bauen. Alles was sie versuchen zu sagen, ist, dass es den Regelungen entspricht. Aber wenn du deinen gesunden Menschenverstand benutzt, ist klar: Warum baust du eine Müllverbrennungsanlage direkt neben einem Hauptanbaugebiet für Tee in Taiwan? Was ist deine eigentliche Absicht?”
    Simon sagt:
    “Die Müllverbrennungsanlagen in Taiwan reichen eigentlich aus, um den ganzen Müll der Insel zu verbrennen. Das große Problem ist, wenn ein Landkreis versucht, seinen Müll zu einem anderen Landkreis zu senden. Der andere Landkreis wird den Müll normalerweise zurückweisen, selbst wenn sie Kapazität hätten, den Müll zu verbrennen.
    Es gibt nur zwei Landkreise in Taiwan die keine eigene Müllverbrennunganlage haben. Das sind zum einen Nantou, worüber wir heute reden, und Hualien.”
    Ursprünglich hatte der damalige Premierminister von Taiwan Hau Pei-tsun (郝柏村) 1991 eine Initative gestartet, in jedem Landkreis Taiwans eine Müllverbrennungsanlage zu bauen. Mitte der 2000er Jahre dann entschied jedoch der neue Premierminister Frank Hsieh (謝長廷), die geplanten Müllverbrennungsanlagen in Nantou, Hsinchu und Hualien zu streichen - stattdessen sollten sich Landkreise gegenseitig helfen, den Müll zu verbrennen.
    Das funktioniert aktuell aber nur mit mäßigem Erfolg. Zwar haben die 28 bestehenden Müllverbrennungsanlagen in Taiwan eigentlich genügend Kapazität, den gesamten anfallenden Haushaltsmüll zu verbrennen. Aber nicht jeder ist scharf darauf, den Müll seiner Nachbarn zu beseitigen. Eigentlich ganz verständlich, oder?
    Das Hin- und Hergeschiebe des Mülls ist politisch komplex. Das Commonwealth Magazine schreibt im September 2024, wie der Landrat des Landkreises Hsinchu seine persönlichen Beziehungen zum Landkreis Miaoli nutzte, um dort 100 Tonnen Müll pro Tag verbrennen zu lassen. Das ging zu Lasten des Landkreises Nantou, dessen Müllverbrennungsvolumen in Miaoli entsprechend um 100 Tonnen Müll reduziert wurde. Für Müllverbrennungsanlagen ist es zudem finanziell rentabler, Gewerbeabfälle zu verbrennen, anstatt Haushaltsmüll.
    Ein Vertreter des Umweltministeriums argumentiert, dass jeder Landkreis seine eigenen Abfallbeseitigungsanlagen bräuchte. Langfristig könne man sich nicht auf andere Landkreise verlassen und sich bei Problemen an die Zentralregierung wenden.....
    10 min
  • OKEN – Geburt eines Dichters
    “OKEN – Geburt eines Dichters” (im Original: OKEN: 時的端倪) handelt von der Kindheit des taiwanischen Dichters Yang Mu (楊牧) an der taiwanischen Ostküste, illustriert mit träumerischen Malereien von Wu Shih-Hung (吳識鴻). Die deutsche Übersetzung von Marc Hermann erschien im März dieses Jahres im Chinabooks Verlag.
    Auf der Basis autobiografischer Essays von Yang Mu erzählt “OKEN” von einer Kindheit geprägt von historischen Umbrüchen in Taiwan; vom Ende der Herrschaft der Japaner und der Ankunft der chinesischen Kuomintang, zugleich aber von einschneidenden Erfahrungen im Leben eines heranwachsenden Jungens. Wie man so ein Werk für deutschsprachige Leser übersetzt, darüber habe ich mit dem Übersetzer Marc Hermann gesprochen.
    Audio-Quelle: “sound of the waves”, Tsan-Cheng Wu (吳燦政), CC-BY
    20 min
  • Degrowth im Schatten der Halbleiterindustrie?
    Während man in Europa schon länger über eine Abkehr vom Diktat des Wirtschaftswachstums diskutiert, steht die Debatte über Degrowth in Taiwan noch am Anfang. Der Elefant im Raum ist natürlich die Halbleiterindustrie, Wirtschaftsmotor und (vermeintlicher) Sicherheitsgarant in einem. Song Yuan-jen (宋沅臻), Gründerin einer taiwanischen Degrowth-Jugendgruppe, gibt Einblicke, wie Degrowth auch in Taiwan vorangetrieben werden kann.
    10 min
  • Vor COP30: Taiwaner demonstrieren für Resilienz im Angesicht des Klimawandels
    Es ist Samstag der 1. November. Der Himmel in Taipei ist grau, aber der Demonstrationszug, der durch die Straßen des Businessbezirk Xinyi in Taipei zieht, ist auffallend bunt. “為氣候而走 - march for climate” steht auf dem vordersten Banner. Dahinter sieht man selbstbemalte Pappschilder und die Fahnen taiwanischer und internationaler NGOs.
    Etwas über 1000 Menschen sind zusammengekommen, darunter viele junge Menschen und Familien mit kleinen Kindern. Aufgerufen hat ein breites Bündnis von über 100 NGOs und Organisationen, von Greenpeace und Amnesty International bis hin zu studentischen Gruppen, indigenen Gruppen und sogar einem Second Hand Laden. Gemeinsam fordern sie ein "widerstandsfähiges Taiwan" – was das bedeutet, erfahrt ihr in dieser Folge "Taiwan in Bewegung".
    9 min
  • Wie begeistert man junge Menschen für Taiwan? Die Junge Taiwan Initiative im Gespräch
    Das Interesse an Taiwan steigt – auch in Deutschland. Im Dezember 2019 gründete sich die Junge Taiwan Initiative (kurz: JTI), als Jugendgruppe der bereits länger bestehenden Deutsch-Taiwanische Gesellschaft.
    Warum sie sich für Taiwan engagieren, welche Veranstaltungen besonders gut ankommen und wie sie auf die deutsche Taiwanpolitik blicken, darüber habe ich mit Fabian Mainka und Konrad Waschkies gesprochen. Fabian Mainka ist seit 2023 Teil der JTI und aktuell Präsident der Organisation. Konrad Waschkies ist seit etwas über einem Jahr dabei und aktuell Teamleiter der Arbeitsgruppe Partnership und Networking.
    Hier geht es zur Website und zum Instagram-Kanal der Jungen Taiwan Initiative.
    Mehr zum Thema: Neues von der "großen Abwahl": Taiwaner in Deutschland sammeln Unterschriften
    Fabians Restaurantempfehlungen: Mibap und Cozy Mazu in Berlin, Ilha Formosa in Düsseldorf
    26 min
  • Chinesen fragen, Taiwaner antworten: Prof. Kristin Shi-Kupfer über taiwanisch-chinesischen Austausch auf Social Media
    Prof. Kristin Shi-Kupfer ist Professorin für Sinologie an der Universität Trier, mit einem Forschungsschwerpunkt auf chinesischsprachigen digitale Medien. Aktuell ist sie in Taiwan und forscht als Gastwissenschaftlerin an der National Chengchi Universität zu chinesisch-taiwanischen Diskursen auf der Social Media Plattform Xiaohongshu (小紅書, auch bekannt als RedNote). Im Rti-Interview spricht sie über die Dynamiken im Online-Austausch zwischen Taiwanern und Chinesen, wie Xiaohongshu taiwanische Nachtmärkte prägt – und wie ihr Forschungsaufenthalt ihren Blick auf Taiwan verändert hat.
    22 min

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Juliane beleuchtet in dieser Sendung wöchentlich Themen, die Menschen in Taiwan bewegen, und spricht mit Menschen, die etwas in Taiwan bewegen wollen.