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Trotz großen Engagements und aller Argumente hat die Klimabewegung ihr wichtigstes Ziel nicht erreicht: Die Mehrheit für effektiven Klimaschutz zu gewinnen. Was also, wenn der Kollaps unaufhaltsam kommt - oder bereits da ist? Der Klimaaktivist und Blogger Tadzio Müller sucht in seinem Buch nach Erklärungen für das kollektive Verharren in der Verdrängung und plädiert für Solidarität im Kollaps.
Tadzio Müller: Zwischen friedlicher Sabotage und Kollaps. Wie ich lernte, die Zukunft wieder zu lieben. Mandelbaum Verlag, Wien 2024, 316 Seiten, 20 Euro.
In dieser dissens-Podcastfolge spricht Tadzio Müller mit Lukas Ondreka: https://podcast.dissenspodcast.de/275-klima
Bild: Hartmut Kiewert
Für mich eins der spannendsten Bücher 2023:
Miranda Fricker: Epistemische Ungerechtigkeit. Macht und die Ethik des Wissens. Aus dem Englischen von Antje Korsmeier. Mit einer Einführung von Christine Bratu und Aline Dammel. Verlag C.H.Beck, München 2023, 278 Seiten, 34 Euro.
Dieses einflussreiche Buch der britischen Philosophin Miranda Fricker erschien im Original bereits 2007, wurde aber erstmals 2023 ins Deutsche übertragen - und ich finde, es hat überhaupt nichts an Bedeutung verloren, im Gegenteil. Es ist sehr hilfreich für die aktuellen Debatten um Rassismus und Sexismus und kann m.E. auch für die Tierrechtsidee fruchtbar gemacht werden, wenn man die von Fricker vorgeschlagenen Begriffe ein wenig weiterdenkt.
Bild: Hartmut Kiewert
In dieser Folge stelle ich drei ganz unterschiedliche aktuelle Bücher vor, die dafür plädieren, der Natur verfassungsmäßig Rechte zu verleihen. Kann das funktionieren? Und falls ja: Inwiefern sind Tiere bei „Natur“ eigentlich mitgemeint?
Tilo Wesche: Die Rechte der Natur. suhrkamp taschenbuch wissenschaft, Berlin 2023, 347 Seiten, 22 Euro.
Elisabeth Weydt: Die Natur hat Recht. Wenn Tiere, Wälder und Flüsse vor Gericht ziehen – für ein radikales Umdenken im Miteinander von Mensch und Natur. Knesebeck Stories, München 2023, 271 Seiten, 20 Euro.
Jens Kersten: Das ökologische Grundgesetz. Verlag C.H. Beck, München 2022, 241 Seiten, 34,95 Euro.
Bild: Hartmut Kiewert
Diese Buchbesprechung ist etwas persönlicher als sonst, zum einen, weil das Buch persönliche Elemente enthält, zum anderen, weil ich - wie vermutlich viele von Euch - von den schwierigen politischen Umständen sehr "angefasst" bin. Worüber lohnt es sich derzeit nachzudenken - und "was dürfen wir hoffen"? Dazu ein Buch der französischen Philosophin und Tierrechtlerin Corine Pelluchon.
Corine Pelluchon: Die Durchquerung des Unmöglichen. Hoffnung in Zeiten der Klimakatastrophe. Aus dem Französischen von Grit Fröhlich. Verlag C.H. Beck, München 2023, 153 Seiten, 22 Euro.
Bild: Hartmut Kiewert
Immer wieder werden Tierethiker*innen nach der ethischen Bedeutung von Pflanzen gefragt (oder sie fragen es sich gleich selbst). Die französische Philosophin Florence Burgat legt nun eine dichte Beschreibung des pflanzlichen Lebens vor, das erklärt, was Tiere und Pflanzen gänzlich unterscheidet. Und das ist nicht etwa das Einzelmerkmal Empfindungsfähigkeit.
Florence Burgat: Was ist eine Pflanze? Versuch über das pflanzliche Leben. Aus dem Französischen von Brita Pohl. Verlag Turia + Kant, Wien 2022, 187 Seiten, 24 Euro.
Bild: Hartmut Kiewert
Zugegeben, es fiel mir etwas schwer, einen Titel für diese Folge zu machen, denn es geht um zwei recht unterschiedliche Bücher. Das eine befasst sich damit, was vermeintlicher, von Deutschland mitfinanzierter Artenschutz in Zentralafrika anrichtet; das andere mit indigenem Wissen (auch: TEK -traditional ecological knowledge) in Mittel- und Nordamerika. Der rote Faden sind Fragen, die ich schon in früheren Folgen angesprochen habe - wie lässt sich Naturschutz denken, ohne die "Art" auf Kosten von Individuen zu fetischisieren? Was richtet herkömmliches ökologisches Denken und Handeln vielleicht negativ an? Und wie sieht das derzeitige ökologische Schlamassel aus, wenn wir es einmal mit außereuropäischen Augen betrachten?
Simone Schlindwein: Der grüne Krieg. Wie in Afrika die Natur auf Kosten der Menschen geschützt wird - und was der Westen damit zu tun hat. Ch.Links Verlag, Berlin 2023, 256 Seiten, 20. Euro.
Jessica Hernandez: Fresh Banana Leaves. Healing Indigenous Landscapes Through Indigenous Science. North Atlantic Books, Berkeley 2022, 260 Seiten.
Bild: Hartmut Kiewert
Am 8. Juni 2023 erschien eine gänzlich überarbeitete und auch mit neuem Titel versehene Ausgabe des Klassikers von 1975, dessen Einfluss auf Tierethik und Tierrechtsbewegung gar nicht zu überschätzen ist; ich vergleiche diese neue Version mit der von vor 48 (!) Jahren.
Außerdem erwähne ich Peter Singer (Hrsg.): Verteidigt die Tiere. Überlegungen für eine neue Menschlichkeit. Übersetzt von Kurt Simon. Ullstein Sachbuch, Frankfurt am Main1988 (erstmals 1986 im Paul Neff Verlag, Wien – englisches Original: 1985)
Peter Singer: Praktische Ethik. Aus dem Englischen übersetzt von Jean-Claude Wolff. Philipp Reclam junior, Stuttgart 1984 (englisch: 1979)
sowie Ursula Wolf: Das Tier in der Moral. Vittorio Klostermann, Frankfurt am Main 1990.
Es wird Bezug genommen auf die Podcastfolgen
12 Christine Korsgaard
17 Sunaura Taylor
23 Martha Nussbaum
und, nur bei Youtube: 3 Clare Palmer (Stichwort: Wild Animal Ethics)
Bild: Hartmut Kiewert
In dieser Folge schaue ich mir den Gewinner des Deutschen Sachbuchpreises 2023 an: Ewald Frie: Ein Hof und elf Geschwister. Der stille Abschied vom bäuerlichen Leben in Deutschland. Verlag C.H.Beck, München 2023, 191 Seiten, 23 Euro.
Außerdem wird kurz erwähnt: Veronika Settele: Deutsche Fleischarbeit. Geschichte der Massentierhaltung von den Anfängen bis heute. Verlag C.H.Beck, München 2022, 240 Seiten, 18 Euro.
(Kleiner Nachtrag: Während der Preisverleihung sagte Frie laut NDR: "Der heutige Abend ist der zweite Teil eines Doppelsiegs, denn 'Wolke zwei', der erste Star der Kuh-Herde meines Vaters, gewinnt heute zum zweiten Mal."
Coverbild: Hartmut Kiewert
In dieser Folge denke ich mal nicht über Sachbücher, sondern über Romane nach. Wie ergeht es Tieren in Romanen, beziehungsweise wie geht es tiersensitiven Menschen beim Lesen von Romanen? Mir hat es schon manche Lektüre vergällt, dass der Story allzu lässig ein Schaf, ein Hund oder ein Drache geopfert wurde...
Coverbild: Hartmut Kiewert
Die einflussreiche amerikanische Philosophin Martha Nussbaum stellt in ihrem aktuellen Buch vor, wie der von ihr vorgeschlagene "Fähigkeitenansatz" die Rechte der Tiere moralisch begründet - in der Hoffnung, dass sie dann endlich auch politisch, in realen Verfassungen, verankert werden. Dabei legt sie viel Wert darauf zu zeigen, dass Tiere nicht sozusagen kleinere und unvollständige Versionen von Menschen sind, die immerhin "ein wenig" von dem können, was wir vermögen, und daher auch "ein wenig" beachtet werden müssen. Sondern Menschen und andere Tiere sind für sie gleichermaßen in die Welt geworfene Wesen, die verletzlich sind und handeln und nach dem streben, was für sie gut ist.
Martha Nussbaum: Gerechtigkeit für Tiere. Unsere kollektive Verantwortung. Aus dem Englischen von Manfred Weltecke. wbg Theiss, Darmstadt 2023, 415 Seiten, 35 Euro.
(Coverbild: Hartmut Kiewert)
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