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Wieso machen Leute immer so ein Spektakel, wenn ein Fuchs oder Wildschwein diesseits der gelben Ortsschilder auftaucht? Wieso denken Menschen, ihre eigene Anwesenheit im Stadtgebiet sei selbstverständlich, die von Tauben oder Ratten aber nicht? In dieser Podcastfolge stelle ich Euch zwei Bücher zum Thema vor und skizziere im Anschluss einige eigenen tierethische Überlegungen. Insgesamt plädiere ich für viel mehr Rücksicht auf die nichtmenschlichen Bewohner:innen der Stadt.
Die vorgestellten Bücher sind:
Nigel Thrift: Killer Cities. SAGE Publications, London 2021, 251 Seiten.
Johan Eklöf: Das Verschwinden der Nacht. Wie künstliches Licht die uralten Rhythmen unserer Umwelt zerstört. Aus dem Schwedischen von Ulrike Strerath-Bolz. Droemer Verlag, München 2022, 237 Seiten, 22 Euro.
(Coverbild: Hartmut Kiewert)
So wichtig der Kampf gegen Klimawandel und ökologische Verwüstungen auch ist - der gängige Naturschutzdiskurs kann eine:n bisweilen ziemlich verzweifeln lassen. Denn fast immer geht es auch um Tiere als Hauptleidtragende, aber fast nie um tierliche Individuen, sondern um Arten, um "Populationen", um "Vorkommen" oder "Bestände".
Für diesen Podcast habe ich mir drei Bücher angeschaut, die auf unterschiedliche Weise Informationen und Anregungen geben, wie es Tieren inmitten von Dürre, Erderwärmung, Landzerstörung und -zersiedlung ergeht.
Chris D. Thomas: Inheritors of the Earth. How Nature is thriving in an Age of Extinction. Penguin Books 2017, 300 Seiten.
Bernhard Kegel: Die Natur der Zukunft. Tier- und Pflanzenwelt in Zeiten des Klimawandels. Im DuMont Buchverlag als Hardcover 2021, als Taschenbuch 2022, 382 Seiten. (Tb 14 Euro.)
Leonie Bossert: Gemeinsame Zukunft für Mensch und Tier. Tiere in der Nachhaltigen Entwicklung. Verlag Karl Alber, Freiburg 2022, 322 Seiten, 59 Euro.
(Bild: Hartmut Kiewert)
In dieser Folge spreche ich über ein Buch des britischen Umweltschützers George Monbiot, der für eine (Rück)Verwilderung sowohl von Natur als auch von uns Menschen eintritt. Dieses Buch kann als ein Beispiel des seit einigen Jahren sehr beliebten Genres „Nature Writing“ angesehen werden, das ich hier sozusagen aus tierlicher Perspektive betrachte. Dabei spielt das Prinzip des Fressens und Gefressen-Werdens keine geringe Rolle, weswegen ich im Anschluss über ein Buch der Ökofeministin Val Plumwood vorstelle, die zu den wenigen Menschen zählte, die eine Krokodilattacke überlebte. Beide Autor:innen sehen uns Menschen als Teil der Natur, aber diese Einsicht speist sich bei beiden aus denkbar unterschiedlichen Erfahrungen, und sie ziehen recht unterschiedliche Konsequenzen.
George Monbiot: Verwildert. Die Wiederherstellung unserer Ökosysteme und die Zukunft der Natur. Aus dem Englischen von Dirk Höfer. Matthes & Seitz Berlin Verlagsgesellschaft mbH, Berlin 2021, 430 Seiten, 28 Euro.
Val Plumwood: In ther Eye of the Crocodle. Edited by Lorraine Shannon. Australian National University E Press, Canberra 2021, 99 Seiten.
(Bild: Hartmut Kiewert)
„Jedes Leben“ Zählt – Lebenshöfe in der Theorie
Auf Lebenshöfen versuchen wir Tierrechtler:innen, Tieren unabhängig von ihrer Spezies und ihrer „Nützlichkeit“ für den Menschen einen Platz zum möglichst selbstbestimmten Leben zu bieten.
Ich stelle Euch hier ein Buch des Kulturanthropologen Elan Abrell vor sowie einen Aufsatz der Philosoph:innen Sue Donaldson und Will Kymlicka vor, die den ethischen und politischen Zweck von Lebenshöfen diskutieren und dabei übliche Wertkonflikte thematisieren.
Elan Abrell: Saving Animals. Multispecies Ecologies of Rescue and Care. University of Minnesota Press, Minneapolis 2021, 260 Seiten. Ca. 30 Euro.
Sue Donaldson/Will Kymlicka: „Farmed Animal Sanctuaries: The Heart of the Movement? A Socio-Political Perspective“. Politics and Animals, Volume 1, FALL 2015, S. 50-74. (Lässt sich leicht downloaden.)
(Bild: Hartmut Kiewert)
Die Kritik am Anthropozentrismus ist ganz gut bekannt (wenn sie auch selten beherzigt wird) - aber was, wenn wir noch einen Schritt weitergehen und die Bevorzugung des "Geistes" gegenüber der "Materie" in Frage stellten? Wie stellen sich uns Menschen, Tiere und Ökosysteme dar, wenn wir uns die Welt so denken, dass schlechthin jede Materie belebt ist?
Jane Bennett: Lebhafte Materie. Eine politische Ökologie der Dinge. Aus dem amerikanischen Englisch von Max Henniger. Verlag Matthes& Seitz Berlin, Berlin 2020, 271 Seiten, 28 Euro.
(Bild: Hartmut Kiewert)
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