TravelTalk@FVW - Touristiker im Studio

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TravelTalk@FVW - Touristiker im Studio episodes

  • 25 Jahre Digitalisierung im Tourismus
    TravelTalk@FVW - Touristiker im Studio, Episode 36
    Digitaler Wandel: Was die Touristik gelernt hat

    Die nächste digitale Umwälzung im Tourismus könnte weniger sichtbar sein als der Aufstieg der Online Travel Agencies (OTA) vor 25 Jahren – und dennoch weitreichender. Wenn künstliche Intelligenz (KI) künftig den Zugang zum Kunden und damit die Kaufentscheidung bestimmt, entstehen neue Gatekeeper. Die Regeln, nach denen KI Reisen empfiehlt, sind noch intransparenter als die inzwischen vertraute OTA-Logik, die auf Reisewunschabdeckung, Preis und Weiterempfehlungsquote basiert.

    Rund 25 Jahre Digitalisierung im Tourismus und die nächsten Veränderungen – darüber diskutierten beim Experten-Talk auf fvw.de: Michael Buller, Vorstand des Verbands Internet Reisevertrieb (VIR), Tom Reiter, Geschäftsführer von Kreuzfahrtberater.de und zuvor unter anderem beim Flugportal Opodo, und der frühere LMX- und Suntrips-Manager Alexander Sieland.

    Als um die Jahrtausendwende in Deutschland die ersten Online-Reiseportale wie Hinundweg.de, Nix-wie-weg.de, Lastminute.de und Expedia aufkamen, war der digitale Vertrieb für viele Kunden noch ungewohnt. "Die Leute zögerten anfangs, höhere Summen auszugeben", erinnerte sich Reiter. Ein Buch für 20 Euro bei Amazon zu bestellen, sei schnell akzeptiert gewesen. Bei einer teuren Reise hätten die Kunden dagegen gezögert. Deshalb habe sich der E-Commerce insgesamt immer schneller entwickelt als die Touristik.

    Unister: Rasantes Wachstum, fragwürdige Mittel

    Zu den prägenden Akteuren der frühen Phase gehörte Thomas Wagner mit Unister und dem 2003 gestarteten Portal Ab-in-den-urlaub.de. Buller übte deutliche Kritik am Geschäftsgebaren von Wagner und Unister. Das aggressive Vorgehen habe den Wettbewerb belastet und die Touristik eher aufgehalten als vorangebracht. "Er hat uns aufgezeigt, dass man mit gewissen Methoden durchaus schnell wachsen kann", sagte Buller.

    Sieland ordnete den Aufstieg differenzierter ein. Wagner habe ein starkes Team um sich gehabt und sei als Nicht-Touristiker mit enormer Geschwindigkeit vorgegangen. "Wir waren alle überrascht, wie schnell Unister groß geworden ist." Dass das Modell funktioniert habe, sei unbestritten. Die Ursachen für die spätere Insolvenz hätten zudem nicht im Travel-Geschäft gelegen. Buller hielt dagegen: "Gesetze zu beugen, war nicht okay."

    Reiter berichtete aus seiner Zeit beim Flugportal Opodo, wie stark der Aufstieg von Unister damals den Wettbewerb beeinflusst habe. Die Frage sei gewesen, ob man auf Cashflow-Maximierung setze und wie man mit dem zunehmenden Preisdruck umgehe. "Thomas Wagner wollte der Cowboy sein." Wagner verunglückte 2016 tragisch bei einem Flugzeugabsturz auf dem Rückweg von potenziellen Geldgebern, kurz danach erklärte Unister sich für insolvent.

    Dynamische Paketierung schafft neue Angebote

    Eine zentrale Folge der Digitalisierung war nach Ansicht der Experten die Veränderung des Veranstalter-Geschäfts. Buller verwies auf die dynamische Paketierung: Was früher nur mit klassischen, langfristig geplanten Kontingenten möglich gewesen sei, lasse sich nun aus unterschiedlichen Quellen flexibel zusammenstellen. Dadurch sei eine deutlich größere Angebotsvielfalt entstanden.

    Sieland bestätigte diese Entwicklung aus eigener Erfahrung. Bei Suntrips seien beispielsweise Hotelverträge bei Besuchen vor Ort unterschrieben worden, die dann für die vereinbarte Zeit unverändert galten. Heute werde aus unzähligen Quellen gesourct. Das ermögliche aktuellere und preislich attraktive Angebote für die Reisenden. Der ganze Point-to-Market-Prozess habe sich stark verändert und benötige viel weniger Personal.

    Die Digitalisierung erhöhte den Druck – allerdings nicht für alle Anbieter gleichermaßen. Standardprodukte, etwa Pauschalreisen ans Mittelmeer, stünden stärker im Preiswettbewerb. Spezialveranstalter könnten dagegen profitieren, weil ihre Leistungen schwerer vergleichbar seien und sie zugleich durch die Digitalisierung von viel mehr Interessenten gefunden werden. "Alles, was einfach vergleichbar ist, steht unter höherem Druck", fasste Sieland zusammen. Der aktuelle Wandel hin zu KI beschleunige die Entwicklung nochmals.

    Beim Blick auf die Zukunft erwarten die Experten keinen einfachen Siegeszug der Maschinen.

    Das Portal Kreuzfahrtberater.de etwa setzt nach Reiters Worten auf eine Kombination aus digitalem Vertrieb und persönlicher Beratung. Kunden könnten selbst entscheiden, ob sie online oder telefonisch buchen. "Wir denken nicht darüber nach, Menschen durch Maschinen zu ersetzen."

    Gerade bei komplexen Reisen bleibe Expertise wichtig, so der Konsens der Experten. Sieland sieht deshalb auch künftig Bedarf an gut ausgebildeten Reiseberatern. "Der Mensch wird gebraucht, wenn er Expertise hat." Gleichzeitig werde es mehr Kunden geben, die Reisen vollständig selbst über KI-Plattformen zusammenstellen.

    Neue Gatekeeper bestimmen digitale Reise

    Entscheidend könnte künftig daher weniger die eigene Website als der Zugang zu den Kunden sein. Reiter sieht in großen KI-Sprachmodellen einen möglichen neuen Zugangskanal – ähnlich wie früher Suchmaschinen und die Optimierung der Vertriebswebsites dafür. "Wenn du in einem KI-Modell den Kundenzugang eroberst, so wie früher bei SEO, dann kannst du künftig schnell groß werden."

    Damit verschiebt sich auch die Frage nach den Gatekeepern. Buller erwartet neue Akteure: "Wer wird gefunden? Wen spielen die KI-Modelle aus?" Ob eine eigene Website künftig noch der zentrale Zugangspunkt sein müsse, sei offen. Kreuzfahrtberater.de testet bereits neue Kanäle und wird nach Reiters Worten kommende Woche mit Werbung in ChatGPT-Antworten starten, um damit Erfahrungen zu sammeln. Zugleich, so Reiter, bleibe man auf Plattformen wie Tiktok aktiv.

    Vertrauen wird zum Wettbewerbsfaktor

    Für die etablierten Anbieter bleibt damit die Frage, welchen Wert sie künftig gegenüber KI-Systemen bieten. Ein reiner Preiskampf sei keine tragfähige Strategie, waren sich Buller, Reiter und Sieland einig. Entscheidend seien Kundenzugang, Vertrauen, Sicherheit und Expertise.

    Gerade die Pauschalreise könne dabei einen Vorteil bieten, argumentierte Buller. Die Pauschalreiserichtlinie sichere nicht nur den Reisepreis ab, sondern garantiere Betreuung und Service für den Kunden während seiner Reise.

    Dass große Konzerne, die KI-Modelle betreiben, diesen Job übernehmen wollen, gilt als abwegig. Das Sicherheitsversprechen könne im Wettbewerb mit KI-basierten Buchungsmodellen an Bedeutung gewinnen, so Buller, ein Pluspunkt für Reiseveranstalter.

    Das noch schnellere Tempo nicht unterschätzen

    Was vor 25 Jahren kaum fassbar war, ist für die Teilnehmer heute eine der wichtigsten Erkenntnisse: Die Dimension des Wandels wird häufig unterschätzt. Buller räumte ein, man habe den Verbraucher unterschätzt. Hatte man den Wandel zu Beginn der Digitalisierung schneller erwartet, kam er zwar langsamer, aber dann heftig. Dass digitale Vertriebswege nach wie vor wachsen, sei eine Verbraucherentscheidung, so Buller.

    Die nächsten 25 Jahre, auch da waren sich die Experten einig, dürften von einer vielfach erhöhten Veränderungsgeschwindigkeit geprägt sein. Für Veranstalter, OTA und stationäre Reisebüros wird entscheidend sein, wie sie ihre Rolle in einer zunehmend KI-geprägten Customer Journey definieren.

    Sielands Prognose fällt dabei weniger digital aus, als man erwarten könnte: "Was sich in den nächsten 25 Jahren nicht verändern wird: das Bedürfnis, persönliche Beratung zu bekommen." Das gelte aber sicher nur für einen Teil der Kunden und Reisen. Für andere Kundensegmente werde entscheidend sein, wer es schafft, seine Produkte zielgenau über die neuen digitalen Gatekeeper zum Kunden zu bringen.

    1 hr 7 min
  • Lernidee - Erfolg und Nachfolge
    TravelTalk@FVW - Touristiker im Studio, Episode 35
    Die Nachfolge, die niemand planen konnte

    Als Hans Engberding 2018 die Nachfolge bei Lernidee Erlebnisreisen einleitete, schien die Welt noch in Ordnung. Schon Jahre zuvor hatte es Übernahmeangebote gegeben, darunter dasjenige eines Finanzinvestors, der Lernidee mit Windrose zusammenführen wollte. Rund 18 Mio. Euro standen damals im Raum.

    Doch Engberding lehnte ab. Stattdessen entschied sich der Gründer viele Jahre später, das von ihm über 36 Jahre aufgebaute Unternehmen an zwei langjährige Weggefährten zu übergeben: Felix Willeke und Nurlan Mukash.

    Von Geschäftsführern zu Inhabern

    Für die beiden kam diese Entscheidung nicht überraschend, wohl aber mit großer Verantwortung. Als das Angebot auf den Tisch kam, arbeiteten beide bereits seit 17 Jahren für Lernidee und gehörten seit 2013 der Geschäftsführung an.

    "Für uns war es etwas Besonderes, dass Hans das selbst aufgebaute Unternehmen an zwei Mitarbeiter übergeben wollte", erinnert sich Mukash beim Live Talk auf fvw.de mit Bianca Wilkens. Gleichzeitig sei der Respekt groß gewesen: Eigentümer zu sein bedeute noch einmal eine völlig andere Verantwortung als die Rolle eines angestellten Geschäftsführers.

    Die eigentliche Übergangsphase von 2018 bis 2022 entwickelte sich dann zu einer Herausforderung, die sich niemand hätte vorstellen können. Die Corona-Pandemie und der russische Angriff auf die Ukraine veränderten die Rahmenbedingungen grundlegend.

    "2022 war eine völlig andere Welt als 2018", sagt Engberding. Besonders kompliziert wurde die Lage durch die Unternehmensbewertung: Während das Finanzamt den Wert von Lernidee zunächst auf rund 45 Mio. Euro taxiert habe, halbierte die Pandemie diesen praktisch. Und nach dem russischen Angriff legte man sich dann auf gar keine Zahl mehr fest.

    Plötzlich fielen 50 Prozent weg

    Für Willeke und Mukash wurde der Einstieg damit unmittelbar zum Krisenmanagement. Ausgerechnet einen Tag vor dem Beginn des Ukraine-Kriegs sei die Übernahmevereinbarung per Handschlag bekräftigt worden, berichtete Willeke. Danach betrieb das Unternehmen zunächst sechs Monate lang vor allem Schadensbegrenzung.

    Das Russland-Geschäft, mit der Transsib über Jahrzehnte tragende Säule des Veranstalters, musste eingestellt werden. "Plötzlich fielen 50 Prozent des Geschäfts weg", sagte Mukash. Zugleich galt es, neue Produkte zu entwickeln und Perspektiven für die Mitarbeiter zu schaffen.

    Der Einschnitt traf Lernidee an einem besonders empfindlichen Punkt. Über viele Jahre war das Unternehmen vor allem als Spezialist für Transsib-Reisen bekannt. Zeitweise habe Russland für rund 80 Prozent des Geschäfts gestanden, berichtet Engberding.

    Auf der ersten ITB nach der Pandemie seien Branchenkollegen überrascht gewesen, dass Lernidee überhaupt noch existiere. Dabei hatte die Diversifizierung längst begonnen. Auch dank frühzeitiger Impulse aus der fvw sei dem Unternehmen klar gewesen, dass die Abhängigkeit von einem Markt zu groß geworden war.

    Vier Spezialisten übernommen

    Die Nachfolger setzten deshalb konsequent auf Spezialisierung und Diversifizierung. Bereiche wie das klassische FIT-Geschäft wurden aufgegeben. Stattdessen konzentriert sich Lernidee auf Nischen, die sich schwer kopieren lassen: exklusive Bahnreisen, Flusskreuzfahrten und außergewöhnliche Rundreisen.

    Gleichzeitig wurden Spezialveranstalter wie Bahnurlaub.de, Schnieder, Galapagos Reisen und Tuja übernommen. Mit Belvelo hatte Lernidee zuvor bereits selbst einen E-Bike-Reiseanbieter aufgebaut. "Wir fokussieren uns auf das, was wir besonders gut können und was andere nicht haben", beschreibt Mukash die Strategie.

    Neue Routen und Reiseideen

    Engberding sagte, er habe nach der Übergabe "ein Jahr auf Flugmodus geschaltet". Einmischungen gab es nicht. Dennoch erinnerte er sich an eigene Erfahrungen in den 90er-Jahren, als internationale Expansionen nicht erfolgreich verliefen. Doch letztlich habe sich die neue Ausrichtung als richtig erwiesen.

    Sein Vertrauen in die Nachfolger sei immer groß gewesen. Gleichzeitig bleibt sein Know-how gefragt. Noch immer spürt der Gründer weltweit neue Routen und Reiseideen auf, häufig abseits der ausgetretenen Pfade.

    Viele internationale Gäste

    Die wichtigste Wachstumsplattform sieht das Management heute im Geschäft mit Schiffs- und Bahnreisen. Auf dem Mekong betreibt Lernidee inzwischen drei Schiffe, ein viertes auf dem mittleren Mekong wird ab 2028 im Einsatz sein.

    Dabei wächst auch die internationale Nachfrage stetig. Auf einzelnen Zugreisen kommen mittlerweile bis zu 60 Prozent der Gäste über ausländische Vertriebspartner; über das gesamte Portfolio liegt der internationale Anteil bei etwa einem Viertel. Entsprechend investiert Lernidee weiterhin in den Ausbau seines weltweiten Vertriebsnetzes.

    Nachfolger und Nachfolgepartner

    Gleichzeitig profitiert das Unternehmen von den Skaleneffekten der Übernahmen. Gemeinsame Software-Lösungen und zentralisierte Prozesse verschaffen den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern mehr Zeit für Beratung und Kundenservice. Die erworbenen Marken wachsen laut Mukash jährlich um rund 25 Prozent.

    Weitere Zukäufe schließt Willeke ausdrücklich nicht aus. Interessant sei dabei, dass viele Unternehmer aus Altersgründen selbst eine Nachfolgelösung suchen. Lernidee kenne diese Situation inzwischen aus beiden Perspektiven: als Nachfolger und als potenzieller Nachfolgepartner.

    Trotz aller Wachstumspläne bleibt Risikomanagement ein zentrales Thema. Charterprodukte werden oft zwei bis drei Jahre im Voraus geplant und vermarktet. Fehlentscheidungen können teuer werden.

    Engberding erinnert daran, dass von Hunderten Ideen letztlich nur wenige wirklich erfolgreich geworden seien. Ein Kauf eigener Züge in Russland etwa sei letztlich verworfen worden. Rückblickend eine glückliche Entscheidung.

    Für die kommenden Jahre formuliert die neue Führung ambitionierte Ziele. Der Umsatz soll innerhalb von fünf Jahren von derzeit rund 50 Mio. auf 80 Mio. Euro steigen.

    Gleichzeitig wollen Willeke und Mukash den stationären Vertrieb ausbauen. Denn viele der "Lebenstraum-Reisen" des Veranstalters seien stark beratungsintensiv und ließen sich am besten über Reisebüros verkaufen.

    Die Botschaft des Firmengründers an seine Nachfolger fällt dabei klar aus: "Schaut nicht zu viel zurück." Für Lernidee gilt dieser Satz heute mehr denn je. Aus der Nachfolgegeschichte ist längst eine Zukunftsgeschichte geworden.

    1 hr 1 min
  • Auszubildende und Nachwuchskräfte dringend gesucht
    TravelTalk@FVW - Touristiker im Studio, Episode 34
    Azubi-Krise – so soll der Job wieder attraktiv werden

    Der Fachkräftemangel im Tourismus verschärft sich weiter. Junge Menschen kehren der Ausbildung zur Tourismuskauffrau oder zum Tourismuskaufmann den Rücken – trotz Vielfalt und der Aussicht auf regelmäßige Reisen. Doch die Ansprüche der jungen Generation steigen. Was für die Trendwende jetzt getan werden muss.

    Der Tourismus steckt in einer Nachwuchskrise. Das machen auch die neuesten Zahlen des Bundesinstituts für Berufsbildung deutlich, die mit 957 Neuverträgen zur Ausbildung zum Tourismuskaufmann einen Rückgang von 6,4 Prozent belegen. Dazu kommt eine hohe Abbrecherquote in der Ausbildung von rund 30 Prozent. Doch warum wollen junge Leute nicht mehr in der "in der schönsten Branche der Welt" arbeiten?

    Im fvw|TravelTalk-Experten-Talk gehen Ulrike Katz, DRV-Vizepräsidentin, Lena Kowalzik, Reiseverkäuferin und Ausbilderin im ADAC Reisebüro Weser-Ems, Gregor Leiß, Abteilungsleiter Tourismus BS und BfS der Beruflichen Schule für Logistik, Schifffahrt und Touristik, und die Dertour-Auszubildende Lara Vogt dieser Frage auf den Grund.

    Lara Vogt fühlt sich derzeit "megawohl" bei ihrer Ausbildung bei Veranstalter Dertour. Für Gregor Leiß und Lena Kowalzik ist es die "schönste Branche der Welt", und für Ulrike Katz kann die Ausbildung zum Tourismuskaufmann oder zur Tourismuskauffrau "viele Türen öffnen". Also ist doch eigentlich alles in Ordnung? Eher nicht.

    Verstaubtes Image, alter Lehrplan

    Denn neben unterdurchschnittlichen Gehältern in der Branche hat das Ausbildungsimage über die Jahre viel Staub angesetzt. Das untermauern der sogenannte Rahmenlehrplan, der seit 2011 nicht mehr angefasst wurde, und ein aktuelles Vorstellungsvideo für den Beruf von der Agentur für Arbeit, das im Experten-Talk gezeigt wurde und schon lange nicht mehr der Realität des Jobs entspricht: "Da wird ein falsches Bild vermittelt, was den Beruf ausmacht, und da müssen wir was tun", sagt Katz. Das Video sei fehlleitend.

    Leiß nimmt – wohl auch deswegen – lieber Ausbilder und Fachkräfte aus der Branche mit in seine Schulklassen, um für das Berufsbild beim Nachwuchs zu werben. Doch reicht das aus? Der erneute Rückgang bei den abgeschlossenen Verträgen spricht eine andere Sprache. "Alle Branchen fischen derzeit eben im gleichen Teich", sagt Leiß angesprochen auf die Suche nach Auszubildenden.

    Denn der demografische Wandel mit den geburtenschwachen Jahrgängen trifft natürlich auch den Tourismus. "Dazu kommt, dass wir beispielsweise mit den Pleiten von FTI und Thomas Cook vor einigen Jahren auch große Ausbilder verloren haben", sagt Katz. Wer nicht mehr da sei, könne auch nicht mehr ausbilden.

    Die DRV-Vizechefin legt aber auch den Finger bei bestehenden Unternehmen in die Wunde und nimmt diese in die Pflicht: "Ich muss auch mit dem erhobenen Finger auf einige Unternehmen schauen", sagt Katz. Viele würden die Ausbildung gar nicht anbieten, weil sie mit den heutigen Anforderungen der Azubis, beispielsweise beim Thema Homeoffice, nicht umgehen könnten.

    Sie legt sich daher auch fest: "Wir werden nicht mehr auf die Ausbildungszahlen zurückkommen, die wir vor der Pandemie hatten, das ist meine Prognose." Gleichzeitig wissen die jungen Leute laut Berufsschullehrer Leiß oft gar nicht mehr, dass es diesen Beruf noch gibt: "Wir müssen das mehr nach außen tragen."

    Laut Kowalzik, die auch als Ausbilderin tätig ist, gibt es auch Problem mit Vorurteilen: Wenn sie Leuten erzähle, was sie mache, dann höre sie oft Sätze, wie: "Ach, du Arme, hast du keine Angst? In drei Jahren macht das doch die KI?".

    KI kann Mensch am Counter nicht ersetzen

    Doch sie habe "gar keine Angst. Weil die KI den Kontakt von Mensch zu Mensch nicht ersetzen kann." Viele schätzen laut der ADAC-Ausbilderin die Fachkraft, die im Ernstfall helfen kann. "Es kommen sogar viele junge Menschen bei uns ins Reisebüro, die sich durch die große Anzahl der aufblinkenden Angebote im Netz überfordert fühlen und daher die Beratung im Reisebüro zu schätzen wissen."
    Lara Vogt gehört auch noch zur jungen Generation und hat sich trotzdem für den Weg im Tourismus entschieden: "Ich durchlaufe bei Dertour viele Abteilungen, kann viel sehen und werde bei jeder neuen Aufgabe sofort von den Kollegen mitgenommen."

    Genau das seien auch Faktoren, die ihrer Meinung nach wichtig seien, um junge Menschen für den Job zu begeistern: "Ich denke, Auszubildende wollen gehört und auf Augenhöhe wahrgenommen werden und wünschen sich einen offenen Austausch, um auch ihre Ideen einbringen zu können. Denn die Ausbildung ist keine Einbahnstraße."

    Die Abbrecherquote von rund 30 Prozent zeigt deutlich, dass zwischen der guten Erfahrung, die Vogt derzeit macht und der generellen Ausbildung von jungen Touristikern offenbar eine große Lücke klafft. Daher sind Katz und Kowalzik auch für eine grundlegende Überarbeitung der Ausbildungsverordnung. "Wir müssen uns einfach die Frage stellen, wie wir in den nächsten Jahren arbeiten", fasst Katz zusammen.

    1 hr 15 min
  • Deutschland im Trend
    TravelTalk@FVW - Touristiker im Studio, Episode 33
    Urlaub in Deutschland legt zu

    Welche Verkaufsargumente es gibt, wie sich das Angebot entwickelt und warum Reisen in Hotels, Ferienparks sowie Ferienhäuser und Ferienwohnungen ein lukratives Geschäft sind, erläuterten Experten von TUI, Interhome und Center Parcs bei einem Talk auf fvw.de.

    Der Iran-Krieg hat im Frühjahr vor allem die Buchungen für Flugreisen in die Türkei, nach Ägyptenn, Griechenland und Zypern stark in Mitleidenschaft gezogen. Erst im Last-Minute-Geschäft gab es noch eine kleine Erholung. Dennoch: Viele Veranstalter von Flugpauschalreisen liegen in der Sommersaison im Minus. Das gleiche gilt laut dem Tats-Reisebüro-Spiegel für die Reisebüros, dort sorgt nur der Zuwachs in der Kreuzfahrt noch für einen kleinen Ausgleich.

    Doch die Erfahrung auch aus der Pandemie zeigt, die Deutschen verzichten kaum auf ihren Urlaub, sondern weichen bei Krisen in der Welt gerne auf heimische Gefilde aus. Boomt also diesen Sommer der Deutschland-Urlaub? Von einem "Boom" wollten Jörg Herrmann, CEO von Interhome, Ibo Degirmenci, Sales Director D-A-CH bei Center Parcs, und Sven Görrissen, Leiter Hoteleinkauf Deutschland, Österreich, Benelux und Osteuropa bei der TUI Group, in einem Live-Talk auf fvw.de nicht sprechen. Aber: "Es ist ein langfristiger Aufwärtstrend, der Freude macht", sagte Görrissen. Bei TUI liege Deutschland seit Jahren unter den Top-Fünf-Destinationen.

    Herrmann sieht einen "leicht wachsenden und stabilen Wachstumsmarkt". Der Ferienhaus-Veranstalter, der seit einem Jahr zu Hometogo gehört, habe seit Corona das Angebot in Deutschland fast verdoppelt. Für Center Parcs sind deutsche Gäste sehr wichtig, betonte Degirminci – nicht nur für die sechs Anlagen in Deutschland, sondern auch für die Parcs in den Nachbarländern.

    Kein Flug, günstige Nebenkosten

    Deutschland ist nicht nur ein attraktives Reiseland von Nord- und Ostsee über die Mittelgebirge und Regionen wie Schwarzwald, Sauerland und Harz bis zum Allgäu und den Bergen, betonten die Experten. Wichtig ist insbesondere für Familien auch das Preis-Leistungsverhältnis: "Die Urlauber reisen mit dem Auto oder der Bahn – oft auch mit dem Deutschland-Ticket an und sparen den Flug. Sie kennen die Nebenkosten und das Preisnivau am Urlaubsort und können sich in einer Ferienwohnung oder Ferienhaus auch selbst versorgen", sagte Herrmann.

    Eine Rolle spiele dabei auch, dass durch die gestiegenen Flug- und Hotelkosten Ziele im Ausland deutlich teurer geworden seien. "Da fragen sich dann doch Familien, ob Ihnen ein Urlaub in der Türkei, Griechenland oder Spanien noch diese hohen Preise wert ist", meinte Degirmenci.

    Verkaufsargumente gibt es jedenfalls viele für Deutschland-Urlaub, so die Experten. Hier einige der genannten Punkte in dem von Bianca Wilkens und Lea Sommer moderierten Live-Talk im Studio in der Hamburger fvw|TravelTalk Redaktion:

    Vielfalt: Deutschland bietet eine breite Palette an Urlaubsmöglichkeiten. Renner bei der TUI sind Mecklenburg-Vorpommern und die Nordsee, aber auch Bayern, so Görrissen.

    Erreichbarkeit: Per Auto oder Bahn ist man schnell am Ziel. Viele Kunden wählen einen Radius von vier Stunden Anreise, berichtete Herrmann.

    Preis-Leistungsverhältnis: Gemessen an vielen anderen Ländern ist das Preiseniveau von Hotels, Ferienwohnungen, Gastronomie und Supermärkten günstig - weswegen die Deutsche Zentrale für Tourismus im Ausland auch damit wirbt, dass Deutschland "erschwinglich" sei.

    Wetter: Es gibt zwar keine Sonnengarantie, aber durch Ferienanlagen wie Center Parcs mit ihren Spaßbädern Aqua Mundo und dem überdachten Market Dome sowie den Wellness- und Sportangeboten von vielen Hotels sind Urlauber wetterunabhängiger.

    Kurze Auszeiten: Viele Urlaube in Deutschland sind Zweit- oder Drittreisen, etwa Städtetrips, Kultur- und Wellnessreisen.

    Vierbeiner dabei: Seit der Pandemie haben sich noch mehr Deutsche einen Hund angeschafft - Familie Görissen ebenfalls. Bei einer Autoreise kann der Hund mit ins Hotel oder Ferienhaus genommen werden.

    Klimawandel: Die hohen Temperaturen am Mittelmeer sind nicht jedermanns Geschmack, Nord- und Ostsee werden zur Alternative. Die Saison werde immer länger, so Herrmann. "In der Nebensaison kommen dann die Rentner mit ihren Enkeln".

    Deutschland-Urlaub wird zwar überwiegend direkt gebucht, aber es biete "eine große Chance" für Reisebüros, meint Görissen. "Mit unseren Hotelmarken bieten wir Konzepte, die Reisebüros und Kunden aus dem Ausland kennen", sagt er und verweist auf sechs TUI Kids Clubs, TUI Blue (Sylt) und Robinson (Fleesensee) sowie zwei Ferienapartment-Anlagen unter der Marke Time to Smile. Die Zielgruppen-Konzepte helfen laut Görissen bei der Kundenansprache und es gebe auch viel Interesse von Hoteliers. Denn es gehe nicht darum, ein Bett, sondern ein Erlebnis zu verkaufen.

    Interhome setzt nach den Worten von Herrmann stark auf den Reisebüro-Vertrieb, der rund ein Viertel der Buchungen ausmacht, leider mit leicht abnehmender Tendenz. Reisebüros würden sich mit Rennstrecken wie Mallorca oder Antalya besser auskennen, bei einer Reise ins Saarland oder Fewo-Urlaub werde es schwieriger mit dem Produktwissen. "Wer weiß schon, dass die Reiserücktrittskosten-Versicherung auch greift, wenn der Hund krank ist?", so Herrmann.

    Aber es gebe "tolle Tools" wie Profewo und auch im Bistro Portal sei das Informationsangebot verbessert worden. "Die Reisebüros müssen diese Tools dann aber auch nutzen", forderte Herrmann, der früher selbst im Reisebüro und bei der Kooperation Schmetterling gearbeitet hat. Ferienwohnungen und Ferienhäuser seien ein wichtiges Produkt - nach einer Studie des Deutschen Ferienhausverbands haben sie einen Marktanteil von 44 Prozent an allen touristischen Übernachtungen in Deutschland. Auch TUI vermittelt Ferienhäuser, kooperiert hier aber nach dem Verkauf der Sparte mit Hometogo.

    Bei Center Parcs kommen nur 2,5 Prozent der Buchungen für deutsche Anlagen aus dem Reisebüro, was Ibo Degirmenci gerne ändern würde. "Man muss dem Kunden signalisieren, dass man sich auch mit erdgebundenen Reisen auskennt." Trotz des überschaubaren Reisebüro-Anteils unterstütze man den Vertrieb mit Roadshows und Info-Reisen und wolle das Geschäft ausbauen.

    Lukratives Geschäft auch für den Vertrieb

    Einig waren sich alle drei Experten, dass der Verkauf von Deutschland-Urlaub ein lukratives Geschäft auch für Reisebüros ist. Zum einen, um auch bei Zweit- und Drittreisen im Spiel zu bleiben, und zum anderen, weil ein Familienurlaub im Sommer vom Preis her auch keine Billigreise sei. Bei Interhome liege der Durchschnittspreis pro Buchung bei 1100 Euro, könne in der Hauptsaison aber deutlich höher liegen. "Die Staffel reicht bis 14 Prozent, und wir haben das System seit zwölf Jahren nicht mehr verändert", so Herrmann.

    1 hr 6 min
  • KI im Reisebüro
    TravelTalk@FVW - Touristiker im Studio, Episode 32
    In welchem Bereich hat der Einsatz von KI den Arbeitsalltag im Reisebüro längst verändert?

    Welche Tools werden genutzt, um die Arbeit zu erleichtern? Welche Aufgaben kann künstliche Intelligenz bereits heute eigenständig übernehmen, ganz ohne menschliche Kontrollinstanz? Wo braucht es sie dennoch? Und an welchen Stellen könnte kurz- oder mittelfristig zusätzlicher Aufwand durch die Integration von KI entstehen?

    Über diese und weitere Fragen haben wir mit Alexander Mirschel, KI-Experte von Realizing Progress und Rainer Gnyp, Bereichsleiter von Meinreisebüro24 gesprochen.

    **Es gibt einen Fünf-Stufen-Plan von Open AI, der Firma, die unter anderem ChatGPT bereitstellt. **Demnach befinden wir uns aktuell in Stufe drei, in der KI-Agenten immer mehr verfügbar sind.

    Gehen würde es laut diesem Plan bis zur komplett KI-gesteuerten Entität in Stufe fünf, wo es Menschen nicht mehr bräuchte. "Da ich gehe ich nicht mehr mit", sagt Alexander Mirschel, KI-Experte von Realizing Progress, im Experten-Talk auf fvw.de. Von Chatbots und KI-Agenten könne man aber auch im Reisebüro-Alltag gut profitieren.

    Automatisierte E-Mails und Angebote

    Wie genau, darum ging es im Live-Talk, und dafür hatten die Experten mehrere Beispiele parat. So unterscheiden sie zwischen den Vorteilen, die die KI dem Reisebüro auf interner Ebene bringt, und zwischen dem Nutzen, den sie in Zusammenarbeit mit den Kunden bringt. So verschickt der KI-Reiseassistent Toni von Meinreisebüro24 etwa automatisierte E-Mails mit Angeboten an die Kunden, die sogenannten Magic Mails.

    "Toni analysiert, welche Angebote passend sind anhand der Historie der Kunden", erklärt Rainer Gnyp, Bereichsleiter von Meinreisebüro24. "Wir nehmen da einen kompletten Arbeitsschritt raus." Toni sei quasi ein "digitaler Mitarbeiter im Reisebüro".

    Die Arbeitserleichterung: Die Reisebüros müssten sonst die Kundendaten selbst analysieren und schauen, wohin der Kunde gern reist, ähnliche Angebote raussuchen und diese an die Kunden schicken.

    Bessere Erreichbarkeit, besserer Überblick

    Alexander Mirschel hat weitere Beispiele für eine gute KI-Nutzung am Counter: Ein Reisebüro hat etwa mit KI ein Dashboard gebaut, auf dem die Mitarbeitenden sehen können, wo die Kunden in den nächsten zwei Wochen unterwegs sind. So haben sie einen besseren Überblick und können bei Problemen oder Fragen schneller reagieren.

    Außerdem könne die KI eine Lücke am Sonntag schließen: "Der größte Zugriff auf touristische Seiten findet sonntags statt, denn da haben die Menschen Zeit. Aber sonntags haben Reisebüros geschlossen." KI-Tools können so die Sichtbarkeit, Wahrnehmung und Erreichbarkeit erhöhen – auch über die Öffnungszeiten hinaus.

    "Es geht nicht darum, dem Reisebüro etwas wegzunehmen", betont Mirschel – im Gegenteil. Denn bei der herkömmlichen Online-Suche wäre der Kunde vielleicht gar nicht im Reisebüro gelandet, sondern direkt bei einem OTA. Der Chatbot von Toni etwa verweist die Nutzer aber direkt auf ein Reisebüro aus dem Meinreisebüro24-Pool.

    Faktor Mensch immer noch das A und O

    Wichtig sei bei der Nutzung von KI aber auf jeden Fall, dass immer noch ein Mensch dahintersteht, wie die beiden Experten mehrfach im Laufe des Talks betonen. "Es ist wichtig, die Qualitätssicherung ganz hoch zu hängen, sonst verwässert der Faktor Mensch", so Mirschel. Das gelte auch für die Kommunikation nach außen, beispielsweise im Social-Media-Bereich.

    Beide KI-Experten entpuppen sich als Fans von Viralspoon, das den Reisebüros per KI dabei hilft, Beiträge für Social Media zu erstellen. Dabei dürften auch KI-Bilder genutzt werden, aber man müsse darauf achten, "dass Reisebüros Menschliches weiterhin nach vorn stellen", sagt Mirschel. "Marken, Wahrnehmung und Sichtbarkeit sind im KI-Zeitalter sehr wichtig." Das, was gepostet werde, müsse auch zur Marke passen.

    KI-Tipps fürs Reisebüro

    Mirschel und Gnyp haben noch mehr Tipps fürs Reisebüro im Gepäck: Es sei besser, sich nur auf ein KI-Tool zu fokussieren, anstatt immer neue Tools auszuprobieren und immer wieder bei null anzufangen. "Ein kleines Reisebüro sollte sich außerdem mit dem Team zusammensetzen und über die Ängste und Bauchschmerzen sprechen, die mit KI zusammenhängen. Ich bin mir sicher, gute Reisebüros wird es in einem Zeitalter der Überinformation weiterhin brauchen", so Mirschel.

    Der Fokus könne sich aber ändern, weg von Sun-&-Beach-Pauschalreisen, die sich über den Preis verkaufen, hin zu speziellen Produkten, "wo man als Mensch glänzen kann". Aber: "Die Motivation muss intrinsisch kommen", so Mirschel weiter. "Die Zeit des Abwartens ist vorbei, wir müssen jetzt agieren."

    Gnyp ergänzt außerdem, dass nicht nur die Tech-Experten und Nerds mitgenommen werden dürfen, sondern auch und vor allem die Mitarbeitenden, die am Counter sitzen. Hier appelliert er an die Reisebüros, regelmäßig untereinander in den Austausch zu gehen.

    Schnelle Entwicklung birgt bereits weitere Ideen

    Bei der Unterstützung seien aber auch die Kooperationen und Führungsetagen gefragt, so Mirschel wiederum: "Die wichtigste Aufgabe ist, Wissen und Kompetenzen und den Umgang mit KI zu vermitteln." Und das fortlaufend, denn KI entwickle sich schnell weiter.

    Dementsprechend hat Gnyp bereits Ideen, wie Toni in Zukunft weiterentwickelt werden könnte: So könnten den Kunden etwa je nach Bundesland, in dem sie leben, unterschiedliche Angebote zugeschickt werden. Außerdem könnte Gnyp sich auch vorstellen, den Reisebüros künftig eine größere Schulungsplattform, die sie ebenfalls zum Austausch nutzen können, zur Verfügung zu stellen.

    1 hr 11 min
  • Wettbewerb – auch im Reisevertrieb
    TravelTalk@FVW - Touristiker im Studio, Episode 31

    Die Nationale Tourismusstrategie,

    die gleich zu Beginn von der neuen Bundesregierung verabschiedet worden war, hat aus Sicht von Karliczek die Schwerpunkte für die Politik in der Reisebranche gesetzt. "Ganz oben steht die Wettbewerbsfähigkeit, das zieht sich durch viele Themen, vom Fachkräftemangel über die Digitalisierung und KI bis zur Nachhaltigkeit", sagte sie in einem von Alexander Krug und Bianca Wilkens moderierten Live-Talk im Studio in der Hamburger Redaktion von fvw|TravelTalk.

    "Die gesamte Branche hat kleine Margen und hohe Investitionskosten. Wir müssen deshalb den Unternehmen mehr Luft verschaffen, damit sich Investitionen schnell amortisieren." Der Investitionszyklus sei schneller geworden, gleichzeitig stiegen die Erwartungen der Kunden. Als Beispiel nannte sie die seit dem Jahresbeginnn von 19 auf 7 Prozent ermäßigte Umsatzsteuer für Speisen in der Gastronomie.

    "Das Schnitzel wird dadurch nicht billiger, aber die Betriebe brauchen mehr Spielraum, damit sie investieren und ihre Mitarbeiter vernünftig bezahlen können." Schließlich sei es heute nicht leicht, Personal zu finden, das auch gern abends und am Wochenende arbeitet, so die gelernte Bankkauffrau, Hotelfachfrau und studierte Betriebswirtin, die lange im familieneigenen Hotel arbeitete.

    Da es in der Gastronomie viele Minijobs gibt, unterstützt sie die Forderung der Verbände, diese zu erhalten. "Wir müssen die Flexibilität für Zusatzarbeitsverhältnisse erhalten, da das Arbeitsaufkommen abhängig vom Wetter und der Saison nicht immer planbar ist. Aber wir müssen die Fehlanreize rausnehmen." Damit meint sie, dass Minijobber in der Regel von der Krankenversicherung befreit sind und sich von der Rentenversicherung befreien lassen können.

    Cashback von OTA lässt sich nicht einfach verbieten

    Aufmerksam verfolgt Karliczek die Debatte um die Zukunft der Reisebüros, die nach ihrer Ansicht besonders für komplexere und beratungsintensivere Reisen wichtig bleiben. "Je digitaler wir alle werden, desto wichtiger wird der persönliche Kontakt und der Mehrwert durch eine qualitative Beratung", so die Münsterländerin.

    Vielen Reisebüros sind die Cashback-Offerten von OTA, besonnders von Marktführer Check24, ein Dorn im Auge. Doch das zu verbieten wäre nicht nur rechtlich schwierig. "Wenn es die Rückvergütung in dieser Form nicht mehr gäbe, würden die OTA sicher neue Formen erfinden." Zudem sei sie prinzipiell dagegen, "wieder neue Regelungen zu schaffen, die kaum durchsetzbar oder nur schwer zu kontrollieren sind".

    Öffentliche Anhörung im Tourismusausschuss

    Die Situation von Reisebüros und Reiseveranstaltern wird auch Thema einer öffentlichen Anhörung am 23. September im Bundestag. Zu der Sitzung, die auf der Website des Bundestags übertragen wird, sind unter anderem DRV-Präsident Albin Loidl und die VUSR-Vorsitzende Marija Linnhoff sowie Unternehmen eingeladen.

    Angesprochen auf das angespannte Verhältnis der beiden, meinte Karliczek: "Ich finde es nicht schlimm, wenn eine Diskussion auch mal emotionaler geführt wird. Man darf nur die Brücke nicht zerstören, so dass die Kontrahenten hinterher kein Bier mehr zusammen trinken würden oder keine Kompromisse mehr finden. Und das ist nach meiner Wahrnehmung nicht der Fall."

    Viele Verbände stellen Forderungen an die Politik. Die Luftfahrt beklagt hohe Standortkosten und Gebühren und fordert, dass die Luftverkehrssteuer ganz gestrichen wird. Auch Karliczek spricht sich nach der jüngsten Senkung für eine weitere Entlastung aus: "Die Luftfahrt ist ebenfalls margenschwach und muss hohe Investitionen finanzieren. Die Nachfrage ist da, aber das Angebot ist nach der Pandemie noch zu niedrig."

    Es habe mal die Absicht gegeben, die Luftverkehrssteuer mit dem steigenden CO2-Preis zurückzuführen, was sie sinnvoll finde. "Ich habe den Bundesfinanzminister bereits darauf angesprochen und werde das weiterführen", sagte die frühere Bundesministerin für Bildung und Forschung unter Kanzlerin Angela Merkel.

    Luftfahrt sei nicht nur für den Tourismus zentral, sondern ein wichtiger Wirtschaftsfaktor, verdeutlicht sie am Beispiel ihrer Heimatregion mit dem Flughafen Münster/Osnabrück: "Wir mussten kämpfen, damit Lufthansa die einzige Drehkreuz-Verbindung beibehält. Dieser Flug ist für unsere mittelständische Wirtschaft, die international aktiv ist, sehr wichtig."

    Der Tourismusausschuss wird auch bei der Umsetzung der reformierten EU-Pauschalreise-Richtlinie ins Spiel kommen. Karliczek spricht sich dafür aus, dass die EU-Vorgabe seitens des deutschen Gesetzgebers nicht noch verschärft wird. Ein Streitthema ist die außergerichtliche Streitbeilegung, die das Bundesministerium für Justiz und Verbraucherschutz forcieren möchte. Verbraucherschützer begrüßen dies.

    Verbände wie DRV und ASR sowie Vertreter von Veranstaltern erklärten dagegen vor einer Woche bei einem Runden Tisch, die Branche verfüge bereits über ein funktionierendes Beschwerdemanagement, gerichtliche Auseinandersetzungen seien vergleichsweise selten. Hinzu kommen Sorgen vor zusätzlichem Personalaufwand, Kosten und Mitnahmeeffekten. Karliczek sagte bei dem Live-Talk, sie unterstütze generell freiwillige Ombudsstellen, um die Gerichte zu entlasten, sprach sich aber klar gegen eine verpflichtende Teilnahme aus.

    Karliczek begrüßte in dem Talk weiter, dass der Deutsche Reisesicherungsfonds (DRSF) die Entgelte der Veranstalter zum neuen Touristikjahr senkt. Zum 1. November 2026 halbiert der Fonds die Entgelte pro Jahr von bisher 0,5 Prozent auf künftig 0,25 Prozent des absicherungspflichtigen Pauschalreiseumsatzes des Vorjahres und differenziert stärker bei den Sicherheitsleistungen.

    "Wenn noch eine weitere Absenkung machbar wäre, wäre das gut, denn das entlastet auch die Verbraucher", sagte die Ausschussvorsitzende. Nach der Aufbauphase des DRSF gehe es nun darum, das Anlagemanagement zu verbessern.

    1 hr 5 min
  • Strategie und Ziele von Alpha
    TravelTalk@FVW - Touristiker im Studio, Episode 30

    Wie die neue Alpha-Spitze Nachfolge, KI und Cashback angehen will

    Helen Schröder ist seit viereinhalb Jahren bei der Alpha-Kooperation tätig und tritt nun in die Fußstapfen von Detlef Schroer, der in die Schauinsland-Geschäftsführung berufen wurde. Michael Sawang startete vor ziemlich genau einem Jahr, im August 2025, an der Alpha-Spitze. Damit kommt frischer Wind in die Kooperation und die Zeichen stehen auf Veränderung. Aber Sawang betont im Talk auf fvw.de direkt: "Das, was Albin Loidl 20 Jahre lang aufgebaut hat, dieses Familiengefühl, das wollen wir fortführen."

    Aber man wolle dennoch Veränderungen bewirken – in dem Zusammenhang appelliert Sawang an die Mitglieder: "Wir wollen euch zuhören, sagt uns bitte ganz offen, was eure Bedürfnisse sind. Denn wir können nur Sachen verändern, wenn wir davon wissen."

    VUSR-Austritt nicht wegen inhaltlicher Differenzen

    Die neueste Veränderung betrifft den Austritt von Alpha aus dem VUSR. "Es geht uns dabei nicht um inhaltliche Differenzen", stellt Schröder klar. "Wir finden die Arbeit des VUSR gut. Aber die Entwicklungen in den letzten Monaten haben uns rhetorisch nicht gefallen." Dabei seien ganz viele Informationen in den Entscheidungsprozess eingeflossen und man habe die Entscheidung "nicht von heute auf morgen getroffen", so Sawang.

    Die Doppelspitze habe auch auf die Meinungen der Reisebüros gehört, die geteilt ausfielen. Einige schätzten demnach den Einsatz der VUSR-Vorsitzenden Marija Linnhoff, insbesondere während der Corona-Zeit. "Die meisten Büros schätzen die Inhalte, aber nicht die Tonalität", fasst Sawang zusammen.

    Beratungsfirma unterstützt bei Nachfolge

    Eine weitere Neuigkeit von der Alpha-Geschäftsführung: Die Kooperation möchte künftig auch als Käufer auftreten. Damit haben Sawang und Schröder vor allem die Nachfolge im Blick. "Wir haben festgestellt, dass in vielen unserer Büros innerhalb der nächsten zehn Jahre eine Nachfolge ansteht. Wenn die Büros dann verkauft werden, verlieren wir sie im Verbund", erklärt Sawang die strategische Überlegung hinter der Entscheidung.

    Dabei zieht Alpha in Betracht, sowohl interne als auch externe Reisebüros zu kaufen, sofern diese zur Kooperation passen. Büros ab einem Jahresumsatz von 2,5 Mio. Euro kommen dabei infrage, fünf bis sieben sollen es pro Jahr werden. "Für die nächsten drei Jahre wären 21 Büros mit einem Umsatz von 60 bis 70 Mio. Euro die optimale Zielgröße", so Sawang.

    In den Entscheidungsprozess eingebunden war die Beratungsfirma Generation Nachfolge, "die unsere Büros bei Nachfolgeregelungen unterstützen", berichtet Schröder. "Wir sind seit neun Monaten mit Generation Nachfolge in Kontakt, sie passen zu Alpha, passen zu unseren Büros und sprechen auf Augenhöhe mit ihnen."

    Das solle auch überhaupt mehr junge Leute anlocken. "Wenn ich mehr Nachwuchs möchte, muss ich dem Nachwuchs auch eine Perspektive geben. Um den Job spannend zu gestalten, muss man den jungen Leuten eine berufliche Perspektive aufzeigen", sagt Sawang. Das sei eine der Aufgaben, die die Kooperation leisten müsse.

    Auch digitale Veränderungen auf dem Weg

    Dazu kommt die allgemeine Unterstützung der Reisebüros im Alltag: "Wir sind in erster Linie Dienstleister für unsere Mitglieder und schauen, wie wir ihre Probleme lösen können." Schröder ergänzt: "Ein Thema sind Kundendaten – unsere Aufgabe als Kooperation ist es, einen Weg zu finden, wie Reisebüros mit Kundendaten umgehen können, ohne Zeit zu verlieren. Denn Reisebüros müssen sich aufs Verkaufen konzentrieren, in der Realität gibt es im Alltag aber auch ganz viele andere Aufgaben."

    Mithilfe von künstlicher Intelligenz (KI) und Automatisierung könne hier Abhilfe geschaffen werden. Eine komplette Buchung über eine digitalen Avatar lehnt die Doppelspitze jedoch ab: "Der menschliche Kontakt und die Beratung werden weiterhin wichtig bleiben", so Schröder. Aber eine KI könne etwa bei Fragen nach Gepäck- oder Transferleistungen perspektivisch immer besser weiterhelfen.

    Alpha-Spitze zu Dauerbrenner-Thema Cashback

    Social Media sei ebenfalls hilfreich. Eine Community über einen oder mehrere Kanäle zu pflegen, könne den Kundenstamm sichern und erweitern, so Sawang. Gerade auch mit Blick auf aktuelle Herausforderungen, wie etwa Cashback, sei das nicht zu vernachlässigen. "Cashback wird nicht verschwinden. Das würden wir uns zwar alle im stationären Vertrieb wünschen, aber das wird ein Wunsch bleiben", sagt der Alpha-Co-Chef zum Dauerbrennerthema der Branche.

    "Reisebüros müssen sich darüber im Klaren werden, wo ihren Stärken liegen und wo sie austauschbar sind." Denn mit Angeboten, die es im Cashback-Bereich nicht gibt, lasse sich Abhilfe schaffen. "Man muss sich auf spezielle Produkte konzentrieren, die nicht vergleichbar sind, und die Stärken immer weiter ausbauen", so Schröder. Das könnten die Online-Portale, zumindest derzeit, noch nicht so gut.

    "Ich glaube schon, dass es im Online-Bereich auch zu 100 Prozent funktionierende Avatare geben wird", sagt Sawang, aber auch er betont die Bedeutung des menschlichen Kontakts im Reisebüro. Und: "Am Ende vertraut man dann doch eher dem Menschen als einer Maschine."

    Sich vor Veränderungen, vor allem im digitalen Bereich, zu verschließen, sei so oder so aber immer der falsche Weg. Manche Reisebüros funktionierten aktuell vielleicht noch gut ohne eine eigene digitale Präsenz, "weil das Geschäft mit Stammkunden funktioniert, aber wenn sie dann in ein paar Jahren Neukunden suchen, brauchen sie auch digitale Präsenz." Auch laut Schröder ist ein Auftritt auf einer Website, die aktuell gehalten werde, das Minimum, das Reisebüros heutzutage bringen könnten.

    Festhalten an Zwei-Marken-Strategie

    Auch in Zukunft möchte die neue Alpha-Spitze außerdem weiterhin auf die Zwei-Marken-Strategie mit den Vertriebsschienen Holiday Land und Schauinsland Reisen Partner setzen. "Aber wir möchten die Markendifferenzierung noch weiter herausarbeiten", sagt Schröder. "Wir haben noch Kommunikationsbedarf nach außen, denn bisher ist noch nicht griffig genug, was die Unterschiede sind", erklärt Sawang.

    Schauinsland Reisen Partner habe den Veranstalter im Namen, Holiday Land ist ein neutralerer Name, denn "es möchte auch nicht jeder einen Veranstalter im Namen haben", so Schröder. Und es gebe teils unterschiedliche Leistungen, bei Holiday Land seien etwa mehr Marketing-Leistungen aus der Zentrale integriert.

    52 min
  • Schweröl vs. Marinediesel - Kreuzfahrtdebatte
    TravelTalk@FVW - Touristiker im Studio, Episode 29

    „Der Weckruf ist schon lange passiert. Die Branche hat sich auf den Weg macht.“

    (Georg Ehrmann, Clia)

    Bereits seit 2013 veröffentlicht der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) sein – seitdem immer ausgefeilteres – Ranking zur Klima- und Umweltverträglichkeit von Kreuzfahrt-Reedereien. Mindestens so lange hält auch die Kritik der Branche an der Bewertung an, die die eigenen Bemühungen um mehr Nachhaltigkeit meist nicht ausreichend gewürdigt sieht.

    Genau das war auch einer der Kritikpunkte von Georg Ehrmann, Deutschland-Chef des internationalen Kreuzfahrtverbandes Clia. "Die Branche hat sich auf den Weg gemacht" betonte Ehrmann beim Experten-Talk zum aktuellen Kreuzfahrt-Ranking des Nabu auf fvw.de. Vor 15 Jahren habe die Kreuzfahrt noch ganz anders ausgesehen. Allein in den vergangenen fünf Jahren seinen die CO₂-Emissionen um fast 20 Prozent reduziert worden. Eine Entwicklung, die er im aktuellen Ranking nicht abgebildet sieht.

    Das Ranking sei ein Tool, um das Thema in die Öffentlichkeit zu bringen, meinte Ehrmann, der neben Raija Koch, Nabu-Referentin Schifffahrt, und Johannes Bade, Projektingenieur Konzeptdesign Meyer Werft, am dem rund einstündigen Talk teilnahm. Er halte sich lieber an konkrete Zahlen, so der Clia-Vertreter. Und die zeigten eben doch große Fortschritte der Reedereien im Bereich von Klima- und Umweltschutz. Ehrmann: "Der Weckruf ist schon lange passiert. Die Branche hat sich auf den Weg macht."

    Dass es Verbesserungen gibt, erkennt dabei auch der Nabu an. Allerdings: "Aus unserer Sicht tut sich zu wenig", wie Schifffahrt-Referentin Raija Koch im Experten-Talk anmerkte. Das spiegelt sich auch im Ranking wider, im seit Jahren eben nur wenig Bewegung herrscht und Havilla Voyages und Hurtigruten seit Jahren die Wertung anführen.

    Koch verwehrte sich dagegen, dass es sich beim Ranking um eine rein qualitative Bewertung. Man würde natürlich auf Zahlen zurückgreifen und verwies unter anderem auf den neu eingeführten Punkt "EU Klima-Emissionstrend", bei dem man explizit die Emissionsdaten der Reedereien, die innerhalb Europas anfallen auswertet und in das Ranking einfließen.

    Unterschiedlich bewerten Koch und Ehrmann auch den Einsatz von Schweröl. Hier, so Ehrmann, sei man mittlerweile bei einem Anteil von weniger als 50 Prozent angelangt mit sinkender Tendenz. Ein Fortschritt durchaus, der aus Sicht von Koch allerdings noch deutlich ausbaufähig ist. Mehr wäre möglich, allein durch den Einsatz von Marinediesel. Von den untersuchten zwölf Reedereien verzichten heute schon vier ganz auf das billige Schweröl, beispielsweise HX Expeditions oder Hurtigruten. Auch der Hinweis von Ehrmann, durch die Verwendung von sogenannten Scrubbern und weiteren Filtern Abgase zu reduzieren, verfing bei Koch nicht. Denn auch bei deren Einsatz und entsprechenden Filtern gelangten Schwermetalle in die Umwelt. Koch: "Das Problem wird hier nur von der Luft ins Wasser verlagert." Es sei "erschreckend, wie hoch der Anteil des Schweröls noch ist."

    Ehrmann deutete zumindest an, dass sich hier noch mehr tun wird. Die Reedereien seien auch hier auf dem Weg und das Interesse, den umweltschädlichen Treibstoff langfristig zu nutzen, sei auch bei den Unternehmen nicht vorhanden. Alternative Kraftstoffe und Antriebe würden wichtiger. Zum Hochfahrenvon Produktion und Einsatz bedarf es allerdings auch der Unterstützung der Politik und entsprechender Rahmenbedingungen.

    Das noch viel Arbeit vor der Branche liegt, räumte auch der Clia-Vertreter ein. Bei dem Bemühen um mehr Nachhaltigkeit setzt er zudem stark auf Digitalisierung und KI – zwei Mittel, um gerade die Effzienz von Klimaschutzmaßnahmen (und zugleich der Wirtschaftlichkeit) auf Kreuzfahrtschiffen weiter zu steigern. Zugleich machte er deutlich, dass die Kreuzfahrtbranche insgesamt schon deutlich weiter sei, als die allgemeine Schifffahrt. Deren CO₂-Emissionen seien in den vergangenen Jahren lediglich um etwa 8,5 Prozent gesunken. Ehrmann: "Wir sind die Frontrunner."

    Was mittlerweile möglich ist, machte Johannes Bade, Projektingenieur Konzeptdesign bei der Meyer Werft, deutlich. Er stellte das Project Vision des Papenburger Schiffbauers vor. Dahinter verbirgt sich ein batterie-elektrisches Kreuzfahrtschiff, dass vollständig auf fossile Treibstoffe verzichtet. Ausgelegt ist das Schiff auf knapp 2000 Passagiere. Mit einer Ladeleistung von 16 Megawatt kann es Strecken von bis zu 1000 Kilometern zurücklegen. Die Kosten eines solchen Schiffes lägen, bezogen auf die Passagiere, etwa drei bis fünf Prozent über denen herkömmlcher Schiffe, erläuterte Bade. Aufträge liegen dabei noch keine vor. Doch: "Wir reden mit den Reedereien", so Bade. Man laufe offene Türen ein. Zumindest perspektivisch könnte in das Kreuzfahrt-Ranking also doch mehr Bewegung kommen.

    1 hr 6 min
  • Von TUI zurück zu Turbopass
    TravelTalk@FVW - Touristiker im Studio, Episode 28
    "Transformation war ein dickes Brett"

    Ende April kehrte Schelp der TUI zum wiederholten Male den Rücken – doch davon ist im Livetalk erst einmal nichts zu spüren. Der frühere Manager des Marktführers kommt stilbewusst mit TUI-Sneakern ins Hamburger fvw|TravelTalk-Studio am Nagelsweg. Zudem spricht er immer noch gerne von "wir", wenn es um TUI-Fragen geht. Steht etwa eine erneute Rückkehr bevor? "Ich habe gelernt, Dinge, die in der Zukunft liegen, nicht auszuschließen, doch es steht nicht auf meiner Agenda", sagt Schelp und muss anschließend etwas schmunzeln. Denn trotz all der TUI-Verbundenheit musste er als Vorstand im Bereich Markets & Airlines auch einige dicke Bretter bohren – doch dazu später mehr.

    Schelp will jetzt die "Turbopass-Liebe in den Vordergrund stellen." Das 40-Mann starke Unternehmen, an dem er seit 2022 als Co-Gesellschafter beteiligt ist, verkauft Städtepässe für 18 Destinationen. "17 davon sind in Europa – und Dubai", sagt Schelp. Turbopass erreicht damit nach eigenen Angaben 150 Quellmärkte mit den All-Inclusive-Pässen für Städte-Eroberer. Und für wen lohnt sich das? Vor allem für Touristen, die viel in kurzer Zeit erleben wollen.

    "Im Pass enthalten sind unter anderem viele Museen oder auch Observationspunkte von oben und von unten. Am Beispiel Hamburg kann ich dann erst auf den Michel hochfahren, um mich zu orientieren und dann, wenn ich den Hafen spannen finde, im Anschluss eine Hafenrundfahrt machen." So das Prinzip der Pässe, die es in mehreren Varianten gibt.

    Das kostet der Städtepass für zwei Tage Paris

    In jeder Stadt seien die Top-Attraktionen vorhanden, versichert der Ex-Manager von TUI. "In 99,9 Prozent auch mit Eintrittsgarantie, denn wir sichern uns bei den großen Attraktionen, wo es nur begrenzt Slots gibt, im Vorfeld Kontingente."

    Je nach Modell und Destination unterscheiden sich die Preise für die Tickets. Für zwei Tage Citypass in Paris, der teuersten Option mit allen Attraktionen, „fallen dann etwa 99 Euro pro Person an“, rechnet Schelp vor. "Wenn du nur maximal zwei Dinge machen willst, würde ich den Citypass nicht empfehlen."

    Während 80 Prozent der Erlebnispässe noch über die digitale Ladentheke der Turbopass-Website gehen, werden 20 Prozent fremdvermarket. "Dieser B2B-Bereich wächst derzeit sehr stark und das ist auch ein großer Ansatz für die Zukunft von Turbopass, hier über neue Vertriebspartner weiter zu wachsen", sagt Schelp. Wie soll es auch anders sein, ist einer der wichtigsten Partner TUI Musement. Die Erlebnissparte des Touristik-Marktführers hatte Schelp 2018 selbst maßgeblich mit aufgebaut und bis Ende 2022 als CEO geleitet. "Natürlich als erstes genannt. Auch da findet sich wieder die TUI-DNA."

    TUI-Transformation "ein dickes Brett"

    Daher überrascht es auch nicht, dass er im Talk auch aus dem TUI-Nähkästchen plaudert und erklärt, warum er 2023 dem Ruf vom heutigen TUI-Chef Sebastian Ebel gefolgt ist. Obwohl er nach eigenen Angaben vermutete, dass die Transformation von Markets & Airlines – vor allem im Bereich Finanzen – bei dem insgesamt 23.000 Mitarbeiter starken Konzern zu einer Mammutaufgabe werden würde.

    "Da gab es Nachholbedarf und da haben wir angesetzt, als ich wieder eingestiegen bin. Doch Veränderung in dem Ausmaß ist nicht einfach", sagt Schelp rückblickend. Ob er trotzdem gerne auf bestimme Meilensteile der TUI-Zeit zurückblickt, und warum die Transformationen "wirklich ein dickes Brett" war, erfahren sie im Live-Talk auf fvw.de.

    1 hr 8 min
  • Deutschland als Reiseziel
    TravelTalk@FVW - Touristiker im Studio, Episode 27

    Deutschland liegt unter den Top Ten der weltweit beliebtesten Reiseziele. Und der Incoming-Tourismus nimmt weiter zu. Für Reisebüros und Veranstalter eröffnen sich damit weitere Quellmärkte.

    Woher kommen die Touristen nach Deutschland? Wird die Bahn als nachhaltige Anreisemöglichkeit von internationalen Gästen angenommen? Wo liegen die größten Chancen für den Deutschland-Tourismus? Wie wird sich die Bahnreise künftig entwickeln? Und worauf sollte beim Verkauf geachtet werden?

    Darüber haben wir in unserem Live-Talk gesprochen mit:

    Petra Hedorfer, Vorstandsvorsitzende der Deutschen Zentrale für Tourismus (DZT)
    Alvaro Ungurean, Commercial Director Europe International Train bei Trip.com Group
    Moderiert wurde die Sendung von Lea Sommer, Redakteurin, und Alexander Krug, Chefredakteur von fvw|TravelTalk.

    1 hr 5 min

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