TravelTalk@FVW - Touristiker im Studio, Episode 30
Wie die neue Alpha-Spitze Nachfolge, KI und Cashback angehen will
Helen Schröder ist seit viereinhalb Jahren bei der Alpha-Kooperation tätig und tritt nun in die Fußstapfen von Detlef Schroer, der in die Schauinsland-Geschäftsführung berufen wurde. Michael Sawang startete vor ziemlich genau einem Jahr, im August 2025, an der Alpha-Spitze. Damit kommt frischer Wind in die Kooperation und die Zeichen stehen auf Veränderung. Aber Sawang betont im Talk auf fvw.de direkt: "Das, was Albin Loidl 20 Jahre lang aufgebaut hat, dieses Familiengefühl, das wollen wir fortführen."
Aber man wolle dennoch Veränderungen bewirken – in dem Zusammenhang appelliert Sawang an die Mitglieder: "Wir wollen euch zuhören, sagt uns bitte ganz offen, was eure Bedürfnisse sind. Denn wir können nur Sachen verändern, wenn wir davon wissen."
VUSR-Austritt nicht wegen inhaltlicher Differenzen
Die neueste Veränderung betrifft den Austritt von Alpha aus dem VUSR. "Es geht uns dabei nicht um inhaltliche Differenzen", stellt Schröder klar. "Wir finden die Arbeit des VUSR gut. Aber die Entwicklungen in den letzten Monaten haben uns rhetorisch nicht gefallen." Dabei seien ganz viele Informationen in den Entscheidungsprozess eingeflossen und man habe die Entscheidung "nicht von heute auf morgen getroffen", so Sawang.
Die Doppelspitze habe auch auf die Meinungen der Reisebüros gehört, die geteilt ausfielen. Einige schätzten demnach den Einsatz der VUSR-Vorsitzenden Marija Linnhoff, insbesondere während der Corona-Zeit. "Die meisten Büros schätzen die Inhalte, aber nicht die Tonalität", fasst Sawang zusammen.
Beratungsfirma unterstützt bei Nachfolge
Eine weitere Neuigkeit von der Alpha-Geschäftsführung: Die Kooperation möchte künftig auch als Käufer auftreten. Damit haben Sawang und Schröder vor allem die Nachfolge im Blick. "Wir haben festgestellt, dass in vielen unserer Büros innerhalb der nächsten zehn Jahre eine Nachfolge ansteht. Wenn die Büros dann verkauft werden, verlieren wir sie im Verbund", erklärt Sawang die strategische Überlegung hinter der Entscheidung.
Dabei zieht Alpha in Betracht, sowohl interne als auch externe Reisebüros zu kaufen, sofern diese zur Kooperation passen. Büros ab einem Jahresumsatz von 2,5 Mio. Euro kommen dabei infrage, fünf bis sieben sollen es pro Jahr werden. "Für die nächsten drei Jahre wären 21 Büros mit einem Umsatz von 60 bis 70 Mio. Euro die optimale Zielgröße", so Sawang.
In den Entscheidungsprozess eingebunden war die Beratungsfirma Generation Nachfolge, "die unsere Büros bei Nachfolgeregelungen unterstützen", berichtet Schröder. "Wir sind seit neun Monaten mit Generation Nachfolge in Kontakt, sie passen zu Alpha, passen zu unseren Büros und sprechen auf Augenhöhe mit ihnen."
Das solle auch überhaupt mehr junge Leute anlocken. "Wenn ich mehr Nachwuchs möchte, muss ich dem Nachwuchs auch eine Perspektive geben. Um den Job spannend zu gestalten, muss man den jungen Leuten eine berufliche Perspektive aufzeigen", sagt Sawang. Das sei eine der Aufgaben, die die Kooperation leisten müsse.
Auch digitale Veränderungen auf dem Weg
Dazu kommt die allgemeine Unterstützung der Reisebüros im Alltag: "Wir sind in erster Linie Dienstleister für unsere Mitglieder und schauen, wie wir ihre Probleme lösen können." Schröder ergänzt: "Ein Thema sind Kundendaten – unsere Aufgabe als Kooperation ist es, einen Weg zu finden, wie Reisebüros mit Kundendaten umgehen können, ohne Zeit zu verlieren. Denn Reisebüros müssen sich aufs Verkaufen konzentrieren, in der Realität gibt es im Alltag aber auch ganz viele andere Aufgaben."
Mithilfe von künstlicher Intelligenz (KI) und Automatisierung könne hier Abhilfe geschaffen werden. Eine komplette Buchung über eine digitalen Avatar lehnt die Doppelspitze jedoch ab: "Der menschliche Kontakt und die Beratung werden weiterhin wichtig bleiben", so Schröder. Aber eine KI könne etwa bei Fragen nach Gepäck- oder Transferleistungen perspektivisch immer besser weiterhelfen.
Alpha-Spitze zu Dauerbrenner-Thema Cashback
Social Media sei ebenfalls hilfreich. Eine Community über einen oder mehrere Kanäle zu pflegen, könne den Kundenstamm sichern und erweitern, so Sawang. Gerade auch mit Blick auf aktuelle Herausforderungen, wie etwa Cashback, sei das nicht zu vernachlässigen. "Cashback wird nicht verschwinden. Das würden wir uns zwar alle im stationären Vertrieb wünschen, aber das wird ein Wunsch bleiben", sagt der Alpha-Co-Chef zum Dauerbrennerthema der Branche.
"Reisebüros müssen sich darüber im Klaren werden, wo ihren Stärken liegen und wo sie austauschbar sind." Denn mit Angeboten, die es im Cashback-Bereich nicht gibt, lasse sich Abhilfe schaffen. "Man muss sich auf spezielle Produkte konzentrieren, die nicht vergleichbar sind, und die Stärken immer weiter ausbauen", so Schröder. Das könnten die Online-Portale, zumindest derzeit, noch nicht so gut.
"Ich glaube schon, dass es im Online-Bereich auch zu 100 Prozent funktionierende Avatare geben wird", sagt Sawang, aber auch er betont die Bedeutung des menschlichen Kontakts im Reisebüro. Und: "Am Ende vertraut man dann doch eher dem Menschen als einer Maschine."
Sich vor Veränderungen, vor allem im digitalen Bereich, zu verschließen, sei so oder so aber immer der falsche Weg. Manche Reisebüros funktionierten aktuell vielleicht noch gut ohne eine eigene digitale Präsenz, "weil das Geschäft mit Stammkunden funktioniert, aber wenn sie dann in ein paar Jahren Neukunden suchen, brauchen sie auch digitale Präsenz." Auch laut Schröder ist ein Auftritt auf einer Website, die aktuell gehalten werde, das Minimum, das Reisebüros heutzutage bringen könnten.
Festhalten an Zwei-Marken-Strategie
Auch in Zukunft möchte die neue Alpha-Spitze außerdem weiterhin auf die Zwei-Marken-Strategie mit den Vertriebsschienen Holiday Land und Schauinsland Reisen Partner setzen. "Aber wir möchten die Markendifferenzierung noch weiter herausarbeiten", sagt Schröder. "Wir haben noch Kommunikationsbedarf nach außen, denn bisher ist noch nicht griffig genug, was die Unterschiede sind", erklärt Sawang.
Schauinsland Reisen Partner habe den Veranstalter im Namen, Holiday Land ist ein neutralerer Name, denn "es möchte auch nicht jeder einen Veranstalter im Namen haben", so Schröder. Und es gebe teils unterschiedliche Leistungen, bei Holiday Land seien etwa mehr Marketing-Leistungen aus der Zentrale integriert.