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Der Ukrainekrieg-Erklärer
In der Militärakademie in Wiener Neustadt bildet Oberst Markus Reisner Offiziere für das österreichische Bundesheer aus. Weil er seine Erklärvideos zum Ukrainekrieg mittlerweile auch einem Millionenpublikum auf YouTube zur Verfügung stellt, wurde der Niederösterreicher 2022 als "Militär des Jahres" geehrt. Mittlerweile ist er auch Kommandeur der Wiener Garde. Seine Auslandseinsätze in Afghanistan, in Afrika und auf dem Balkan haben ihn "demütig" gemacht, sagt der studierte Historiker und Jurist. Hier erzählt er davon, warum er Soldat werden wollte und warum er den Ukrainekrieg für eine echte "Zeitenwende" hält.
Tamara Scheers Steckenpferd ist die KuK-Armee. Aber die mit dem Staatspreis für Geschichte ausgezeichnete Militärhistorikerin interessiert sich weniger für Granaten und Kanonen, als für das babylonische Sprachgewirr im Vielvölkerstaat Donaumonarchie. Im Vielvölkerbezirk Ottakring aufgewachsen, freut sie sich über die zunehmende Ottakringisierung Wiens.
Buch: Von Friedensfurien und dalmatinischen Küstenrehen, Amalthea.
Der Liebe wegen kam sie nach Wien, das schon nach dem Ersten Weltkrieg viele Ukrainer anzog. Der russische Angriffskrieg auf die Ukraine 2022 ließ Bachmann-Preisträgerin Tanja Maljartschuk als Autorin zunächst verstummen. "Worte haben diesen Krieg nicht verhindern können", sagt sie. Die Worte werden hinterher gebraucht, "damit wir nicht verrückt werden".
Am Anfang war der Podcast, dann kam das Buch. QR-Codes verbinden Texte und Podcasts. Aus Tschuschenaquarium ist ein Multimedia-Projekt geworden. Ein Mehrwert für alle.
Enes und Esra Özmen sind EsRap. In Ottakring sind die Geschwister aufgewachsen, ihre Großeltern waren einst als Gastarbeiter aus der Türkei gekommen. In der Schule hat Esra ihr Leben in der Zwischenwelt in Gedichte gegossen, die fing sie irgendwann an zu rappen. "Der Tschusch ist immer da" ist ihr Kommentar zur Wiener Arbeitswelt, sie singen über das Fremdsein, "Tschuschistan" und hauen "Ausländer mit Vergnügen" in your face. Tschuschistan ist ihr idealer Ort, ein Gefühl von Heimat.
Als Journalist war er im Syrien-Krieg allen Seiten suspekt. Deshalb floh der Syrer aus Damaskus zunächst in den Libanon, dort schwärzte ihn sein Onkel bei der Polizei an. Er musste wieder weg. Ein Schlepper sprach ihn in Izmir an, weil er auf Arabisch telefonierte. In einem Schlauchboot setzte er über das Meer. Seine Tochter hat er erst nach der Familienzusammenführung in Wien kennengelernt. Mittlerweile lebt die Familie hier. Er hat einen festen Job als Bim-Fahrer. Entlang seiner Strecken kann er die Vielfalt der Stadt ausmachen: Araber, Jugos, Türken, Juden prägen das Bild der Wiener Bezirke. Das babylonische Sprachgewirr hört er in seiner Bim.
Orges Toçe ist Vollblutmusiker. Der Sohn einer Komponistin und eines Schauspielers wuchs in Tirana schon mit Musik auf, dort studierte er selbst Violine. Nach ein paar Jahren in Spanien kam er 2003 nach Wien, hier studierte er Jazzgitarre. In verschiedenen Formationen macht er klassische und moderne Musik, mit seiner Band "Ockus Rockus" schlägt er die Brücke zum Balkan, mit albanischen Texten und einem Crossover, den er "Balkanbilly" nennt. Das Rock´n´Roll-Leben ist sehr anstrengend, sagt er, "zuviel Schnaps, zuwenig Bewegung“.
Gursharan Singh Mangat kam als Kind ins Flüchtlingslager Traiskirchen. Seine Familie war vor dem ugandischen Diktator Idi Amin geflohen. Der junge Sikh wuchs im Arbeiterbezirk Favoriten auf, wo sie ihn "Tschusch" oder "Chinese" nannten. Seit einem Vierteljahrhundert importiert er asiatische Lebensmittel und ist Obmann der Wiener Sikhs. Während der Flüchtlingskrise organisierte er die Speisung der Vielen. "Jeder ist ein Sikh" (Schüler) bringt er sein spirituelles Credo auf den Punkt und verrät, dass Haare gar nicht so lang werden, wenn man sie nicht schneidet.
Menerva Hammad hat ägyptische Wurzeln, ist aber in Wien-Floridsdorf und der Donaustadt aufgewachsen, "zwischen Proleten und Rechtsradikalen", sagt sie, im Gemeindebau. Ihr Kopftuch triggert Hass, im Burkini an der Donau wird sie bespuckt, das N-Wort wird der Muslima nachgerufen. Heute schreibt die Journalistin und Mutter Bestseller - über Frauen, Sex und Mutterschaft - und durchstößt damit eine gläserne Decke, errichtet von Lehrer und Lektorin. Sie ist Nomadin, lebt in Texas, in Schottland, in Kuwait, in Abu Dhabi, die Zusatzausbildung zur Sexualpädagogin ist daher auf standby. Fixpunkt für die Feministin bleibt Wien, "manchmal Alptraum, immer daham".
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