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Die Geschichtswissenschaften in den USA stehen unter Druck. Sinkende Studierendenzahlen, erschwerte Arbeitsbedingungen für die Lehrenden an Universitäten, teils heftige Auseinandersetzungen in den Medien und in einer Reihe von Bundesstaaten auch gesetzgeberische Maßnahmen, die die Freiheit von Lehre und Forschung einschränken (können) zählen zu den gegenwärtigen Problemen. Wie erleben unsere Kolleginnen und Kollegen die Situation? Darüber hat Daniel Menning im März 2024 mit Kolleg:innen im Mittleren Westen gesprochen und berichtet im Gespräch mit Claudia Prinz. Felix Krämer kontextualisiert die gegenwärtigen Befunde mit Entwicklungen in der US-amerikanischen Zeitgeschichte seit den 1970er Jahren.
Zu den Personen:
Dr. Felix Krämer ist wiss. Mitarbeiter an der Universität Erfurt. Im Sonderforschungsbereich Transregio 294 "Strukturwandel des Eigentums" leitet er das Teilprojekt zu "Eigentum am eigenen und am anderen Körper in den USA vom 18. bis zum 20. Jahrhundert". Er erforscht derzeit die Geschichte von Schulden in den USA. Bei H-Soz-Kult ist er Teil der Fachredaktion für die Geschichte Nordamerikas.
Zum Weiterlesen:
Informationen zur erwähnten Veranstaltung in Erfurt
https://www.uni-erfurt.de/universitaet/aktuelles/veranstaltungskalender/eventdetail/fighting-the-backlash-gay-and-queer-history-in-populist-times
As Historians Gather, No Truce in the History Wars, in: The New York Times, 08.01.2023, https://www.nytimes.com/2023/01/08/arts/american-historical-association-james-sweet.html
Felix Krämer, Good News. Moral Masculinity, Whiteness, and the Media in Contemporary US History, in: Daniel Gerster / Michael Krüggeler (Hrsg.), God’s Own Gender? Religions and their Concepts of Masculinity, Würzburg 2018, S. 65-84.
Felix Krämer, Leben auf Kredit. Menschen, Macht und Schulden in den USA vom Ende der Sklaverei bis in die Gegenwart (erscheint im Juni 2024): https://www.campus.de/buecher-campus-verlag/wissenschaft/geschichte/leben_auf_kredit-17941.html
Memes sind aus dem Internet, vor allem von den Plattformen der Sozialen Medien, nicht mehr wegzudenken. In Memes wird so ziemlich alles verhandelt, was die Menschen im Internet bewegt. Auch die Verständigung über Geschichtsbilder und Erinnerungskultur läuft online nicht zuletzt in Form von Memes. Damit werden sie zu einem interessanten Thema für die Geschichtswissenschaften. Was Memes sind, was sie uns über Geschichtskultur verraten, was sie spezifisch macht – über diese Fragen sprechen Claudia Prinz und Christian Schwarzenegger.
Zur Person:
Christian Schwarzenegger ist Professor für Kommunikations- und Medienwissenschaft mit Schwerpunkt Medienwandel am Zentrum für Medien-, Kommunikations- und Informationsforschung der Universität Bremen. Er erforscht u.a. die Nutzung alternativer Medien und Öffentlichkeiten.
Zum Weiterlesen:
Christian Schwarzenegger / Anna Wagner / Cornelia Brantner / Katharina Lobinger, Hitler, Stalin, LOL? Geschichte als Ressource „grenzwertiger Komik“ in Memes linker und rechter Aktivist:innen in Social Media, in: Digital Communication Research (2022) https://www.digitalcommunicationresearch.de/v10/schwarzenegger-wagner-et-al/
Der Memes-Boom. Ein Gespräch mit Joanna Nowotny und Julian Reidy, in: Geschichte der Gegenwart (Nov. 2022), https://geschichtedergegenwart.ch/der-memes-boom-ein-gespraech/
Die erwähnten Memes sind u.a. hier zu finden:
Downfall-Hillary-Meme: https://archive.org/details/HillarysDownfall
Time traveler / CIA Meme: https://imgflip.com/i/3zpvrl
„This is not a meme“ (Ukrainischer Twitter-Account): https://jasoninstitute.com/the-weaponisation-of-memes/
Welche Rolle spielte die Popkultur für die mit dem Ende des Staatssozialismus einsetzenden gesellschaftlichen Veränderungen ab 1989/90?
Im November 2023 fand im Atelierhaus am Berliner Flutgraben die internationale Tagung „Pop after Communism. The Transformation of Popular Culture after 1989/90“ statt. Wir von der Podcast-Redaktion waren vor Ort mit dabei und haben die Initiatoren Jürgen Danyel und Florian Völker (beide ZZF) sowie drei Referent:innen nach dem Wandel der populären Kultur ab 1989/90 und deren Bedeutung als Motor der postkommunistischen Transformation gefragt.
Zu den Personen:
Christine Bartlitz ist Rezensionsredakteurin für Web-Angebote bei H-Soz-Kult. Sie arbeitet als wissenschaftliche Mitarbeiterin am ZZF in Potsdam und leitet die Projekte Docupedia-Zeitgeschichte und Visual History.
Janaina Ferreira dos Santos war Volontärin am ZZF und arbeitet nun als Referentin für internationale Kulturbeziehungen bei der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien.
Dr. Jürgen Danyel ist Abteilungsleiter und stellvertretender Direktor des ZZF in Potsdam und beschäftigt sich seit langem mit Popgeschichte.
Dr. Florian Völker ist assoziierter Wissenschaftler am ZZF und hat eine Dissertation über den „Kälte-Pop. Die Geschichte des erfolgreichsten deutschen Popmusik-Exports“ (Berlin/Boston 2023) geschrieben.
Maximilian Kreter ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Hannah-Arendt-Institut für Totalitarismusforschung in Dresden und arbeitet an einer Promotion über „Juvenile Rebellion oder rechtsextreme Propaganda? Die Ideologie des Rechtsextremismus im deutschsprachigen Rechtsrock von 1977 bis 2017“.
Chang Liu ist Fellow an der Universität Heidelberg im Projekt „Epochal Life Worlds: Man, Nature and Technology in Narratives of Crisis and Change“ mit einem Forschungsvorhaben zum Thema „Documenting the Afterlives of American Musical Waste in China“.
Dr. Alexandra S. Kolesnik hat am ZZF 2023 über „Public History in Russian New Social Media“ geforscht.
Zum Weiterlesen:
Tagung "Pop after Communism. The Transformation of Popular Culture after 1989/90", Berlin, 15.11.2023 bis 17.11.20223
Jens Balzer: No Limit. Die Neunziger – das Jahrzehnt der Freiheit, Berlin 2023
Jürgen Danyel: (Hrsg. zus. mit Jennifer Schevardo/Stephan Kruhl): crossing 68/89. Grenzüberschreitungen und Schnittpunkte zwischen den Umbrüchen, Berlin 2008
Florian Völker (zus. mit Nikolai Okunew und Tom Koltermann): Lost in Transformation. Pop und Identität in unsicheren Zeiten, in: Zeitgeschichte-online, Januar 2023, https://zeitgeschichte-online.de/themen/lost-transformation-pop-und-identitaet-unsicheren-zeiten
Historiker:innen schreiben Bücher. Manche von uns schreiben gern, manche unter Qualen, manche viel und manche unkonventionell. Und wir lesen Bücher - mit Leidenschaft, immer zu wenig, wann immer der hektische Alltag uns Zeit lässt. Manche von uns schreiben Sachbücher, die sich nicht nur an Spezialist:innen richten. Und gelegentlich sind diese Sachbücher dann auch wirklich erfolgreich. Was bedeutet das, was ändert das für die Autor:innen, und ändert es überhaupt etwas? Darüber spricht Daniel Menning mit Ewald Frie, dessen "Ein Hof und elf Geschwister. Der stille Abschied vom bäuerlichen Leben in Deutschland" (München 2022) zu seiner eigenen Familiengeschichte offensichtlich einen Nerv getroffen und sich innerhalb weniger Monate sechsstellig verkauft hat.
Alte Bücher neu gelesen: Wir alle kennen Bücher, die wir immer wieder in die Hand nehmen. Wenn wir aktuelle Forschungsfragen an den Text herantragen, liefern sie neue Antworten. Gemeinsam mit einem oder auch mehreren Gästen gehen wir diesen Anregungen nach. In der zehnten Folge des Hsozkult-Podcast widmen wir uns Eric Hobsbawms „The Age of Extremes (dt. Das Zeitalter der Extreme)“, erstmals erschienen 1994. Was bietet uns der Text aus der Sicht der heutigen, multipolaren Welt für unser Verständnis vom „kurzen 20. Jahrhundert“? Welche Impulse nehmen wir für unser wissenschaftliches Arbeiten mit? Und was haben Hobsbawm Werk und die heutige Umweltgeschichte gemeinsam? Über diese und andere Fragen sprechen wir mit der Zeithistorikerin Sonja Levsen.
Zu den Personen:
PD Dr. Eva Bischoff ist Redaktionsmitglied von HSozkult seit 2020 und arbeitet im Bereich Internationale Geschichte an der Universität Trier. Zuletzt erschien von ihr: An Elm Tree at the Yarra River? Batman’s Treaty as a Nexus of Settler-Colonial Space|Time, in: Comparativ 33:1 (2023), S. 89–108. https://doi.org/10.26014/j.comp.2023.01.06.
Prof. Dr. Sonja Levsen ist seit April 2023 Professorin für Neuere Geschichte mit besonderer Berücksichtigung der Zeitgeschichte und Direktorin des Seminars für Zeitgeschichte an der Universität Tübingen. Zu ihren neuesten Veröffentlichungen zählt: Beyond Transnationalism. Mapping the Contours of Political Activism in Europe’s Long 1970s, ein Schwerpunktheft der European Review of History / Revue européenne d'histoire 29:3 (2022), das sie zusammen mit Kiran Patel herausgegeben hat.
Zum Weiterlesen:
Eric Hobsbawm, The Age of Extremes. The Short Twentieth Century, 1914-1991. London 1994.
Eric Hobsbawm, Das Zeitalter der Extreme. Weltgeschichte des 20. Jahrhundert, übersetzt von Yvonne Badal, 11. Aufl, Berlin 2001.
Gil Shohat, Rezension zu: Evans, Richard J.: Eric Hobsbawm. A Life in History. Boston 2019 , ISBN 978-1-4087-0741-8 [Titel anhand dieser ISBN in Citavi-Projekt übernehmen] , In: H-Soz-Kult, 06.06.2019, www.hsozkult.de/publicationreview/id/reb-28201.
Francis Fukuyama, The Age of Extremes: A History of the World, 1914-1991 by Eric Hobsbawm, in: Foreign Affairs, July 1, 1995, https://www.foreignaffairs.com/reviews/capsule-review/1995-07-01/age-extremes-history-world-1914-1991.
Edward Said, Contra Mundum, London Review of Books 17:5 (9. März 1995), https://www.lrb.co.uk/the-paper/v17/n05/edward-said/contra-mundum.
Die "Neue Ostpolitik" der sozialliberalen Regierungen unter Willy Brandt und Helmut Schmidt galt in Deutschland lange als wichtiger Beitrag für die Überwindung des Kalten Krieges und den Ausgleich mit Osteuropa. Seit dem russischen Angriff auf die Ukraine wird zunehmend nach den negativen Folgen dieser Politik gefragt: Hat sie nach 1990 zur Fixierung der deutschen Außenpolitik auf Russland beigetragen und deren Blindheit gegenüber Putins imperialen Ambitionen befördert? Wie wurde und wird die Wirkung dieser Politik in Polen bewertet? Braucht es heute eine Neubewertung der "Neuen Ostpolitik"? Darüber sprechen wir mit dem Osteuropa-Historiker Florian Peters. Das Gespräch haben wir bereits im Juli 2023 geführt.
Zu den Personen:
Dr. Christoph Classen ist Rezensionsredakteur für Medien- und Zeitgeschichte bei H-Soz-Kult und arbeitet in der Abteilung "Zeitgeschichte der Medien- und Informationsgesellschaft" am Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam (ZZF). Zuletzt erschien von ihm: Echt inszeniert. Historische Authentizität und Medien in der Moderne, Potsdam 2022 (Hg., zus. mit Achim Saupe und Hans-Ulrich Wagner).
Dr. Florian Peters ist Rezensionsredakteur für Ostmitteleuropäische Geschichte bei H-Soz-Kult und arbeitet im Sonderforschungsbereich 294 "Strukturwandel des Eigentums" an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Sein neuestes Buch "Von Solidarność zur Schocktherapie. Wie der Kapitalismus nach Polen kam" ist im Frühjahr 2023 bei Ch. Links erschienen.
Hinweis: Diese Folge enthält u.a. Inhalte, die einige Personen möglicherweise als verstörend oder belastend empfingen können (z.B. explizite Thematisierung sexueller Übergriffe oder anderer Gewaltformen).
Machtmissbrauch in der Wissenschaft wird derzeit intensiv diskutiert. Auf dem 54. Deutschen Historikertag 2023 in Leipzig hat dazu ein Panel stattgefunden, das die neu gegründete #metoohistory Initiative organisiert hat. Mit einigen der Initiatorinnen von #metoohistory und mit Teilnehmern des Podiums haben wir für diese Podcast-Folge gesprochen. Wie lässt sich das Problem überhaupt fassen? Wo beginnt Machtmissbrauch und was begünstigt missbräuchliches Verhalten? Welche Pflichten und Möglichkeiten zur Prävention und Sanktionierung haben Arbeitgeber? Diese Fragen besprechen wir mit den Initiatorinnen und erörtern sie aus psychologischer und aus juristischer Perspektive.
Dr. Franziska Davies, Akademische Rätin auf Zeit am Historischen Seminar der Ludwig-Maximilians-Universität München
Prof. Dr. Julia Herzberg, Professur für Geschichte Ostmitteleuropas/Russlands in der Vormoderne, Ludwig-Maximilians-Universität München;
Dr. Marie Huber, Institut für Wirtschafts- und Sozialgeschichte an der Universität Marburg.
Kathrin Meißner, Doktorandin am Center for Metropolitan Studies an der Technischen Universität Berlin
Prof. Dr. Daniel Leising ist Professor für Psychologie an der Technischen Universität Dresden. Er erforscht u.a. Fragen von Ethik und Machtmissbrauch in Organisationen und beschäftigt sich aus psychologischer Sicht sowie als Vertreter des Netzwerks gegen Machtmissbrauch in der Wissenschaft mit dem Thema.
Außerdem haben wir Simon Pschorr interviewt, der als Staatsanwalt und Abgeordneter Praktiker im Strafrecht am Fachbereich Rechtswissenschaft der Universität Konstanz juristische Perspektiven erläutert.
Weiteres Material:
#metoohistory Initiative auf X (ehemals twitter): https://twitter.com/metoohistory
Die DDR ist Geschichte, aber die Debatte um das Leben in der DDR und das Leben der Ostdeutschen nach 1989 nimmt wieder Fahrt auf. In dieser Ausgabe sprechen wir mit unseren Kolleg:innen Marcus Böick, Jens Gieseke und Annette Schuhmann über die Frage, was die Debatte ausmacht und wie sie sich in eine längere Kontinuität ähnlicher Debatten seit 1989 einordnet. Anlass waren zwei Publikationen, die als ostdeutsche Identitätspolitik gelesen werden können: Dirk Oschmanns "Der Osten, eine westdeutsche Erfindung" und Katja Hoyers "Diesseits der Mauer".
Zu den Personen:
Dr. Marcus Böick lehrt und forscht an der Ruhr-Universität Bochum; gesprochen haben wir mit ihm während seines Forschungsaufenthalts an der Harvard University. Über die Transformationsgeschichte der 1990er-Jahre schrieb er: Die Erforschung der Transformation Ostdeutschlands seit 1989/90. Ansätze Voraussetzungen, Wandel, in: Docupedia-Zeitgeschichte, 18.10.2022, https://www.docupedia.de/zg/Boeick_transformation_v1_de_2022 (31.08.2023).
Dr. Jens Gieseke ist Leiter der Abteilung I "Kommunismus und Gesellschaft" am Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam (gemeinsam mit Dr. Juliane Fürst) und forscht seit Langem zur DDR-Geschichte. Auf H-Soz-Kult erschien jüngst sein Rezensionsessay über Katja Hoyers Diesseits der Mauer. Eine neue Geschichte der DDR 1949–1990, in: H-Soz-Kult, 30.08.2023, https://www.hsozkult.de/publicationreview/id/reb-135972 (31.08.2023).
Dr. Annette Schuhmann leitet am Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam das Projekt zeitgeschichte-online. Hier werden Themen der zeitgeschichtlichen Forschung diskutiert und vermittelt, einschließlich der DDR-Geschichte.
Weiterführende Literatur:
Kerstin Brückweh / Clemens Villinger / Kathrin Zöller (Hrsg.): Die Lange Geschichte der "Wende". Geschichtswissenschaft im Dialog, Berlin 2020.
Gunilla Budde: So fern, so nah. Die beiden deutschen Gesellschaften (1949–1989), Stuttgart 2023.
Jens Gieseke: After the Battles. The History of East German Society and Its Sources, in: German History, 36 (2018) 4, S. 598–620.
Ulrich Herbert: Geschichte Deutschlands im 20. Jahrhundert, München 2014.
Katja Hoyer: Diesseits der Mauer. Eine neue Geschichte der DDR 1949–1990, Hamburg 2023.
Matthias Jügler: Die Verlassenen, München 2021.
Raj Kollmorgen: Ostdeutsche Identität(en)? Bundeszentrale f. politische Bildung, 22.3.2022.
Dirk Oschmann: Der Osten: eine westdeutsche Erfindung, Berlin 2023.
Anne Rabe: Die Möglichkeit von Glück, Stuttgart 2023.
Felix Stephan: Die frühen Jahre, Berlin 2023.
Hans-Ulrich Wehler: Deutsche Gesellschaftsgeschichte, Band 5: Bundesrepublik und DDR 1949–1990, München 2008.
Petra Weber: Getrennt und doch vereint. Deutsch-deutsche Geschichte 1945–1989/90, Berlin 2020.
Inwiefern hilft uns Geschichte beim Verständnis der Gegenwart? Und wie viel Gegenwartsbetrachtung steckt eigentlich in historischer Forschung? Diese Fragen tauchten schon in den vergangenen Folgen unseres Redaktionspodcasts immer wieder auf. Grund genug, dem Verhältnis von Geschichte und Gegenwart tiefer auf den Grund zu gehen – diesmal in Form einer Gastfolge, die die drei Historiker:innen Laetitia Lenel, Kevin Lenk und Helge Jonas Pösche für uns zusammengestellt haben. Zu dritt geben sie zunächst einen Einblick in jüngere Debatten innerhalb der Geschichtswissenschaft. Anschließend folgt ein Interview mit dem Historiker Janosch Steuwer über den Gegenwartsbezug in der Geschichtsforschung.
Zu den Personen:
Dr. Laetitia Lenel ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Geschichtswissenschaften der Humboldt-Universität zu Berlin und Koordinatorin des DFG-Schwerpunktprogramms „Erfahrung und Erwartung. Historische Grundlagen ökonomischen Handelns“. In ihrer Dissertation beschäftigte sie sich mit der transatlantischen Wissensgeschichte der Konjunkturprognostik zwischen 1920 und 1960. Ihr aktuelles Projekt behandelt europäische und amerikanische Waffenexporte nach Argentinien und Chile zwischen 1860 und 1930.
Kevin Lenk ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Historischen Seminar der Universität Münster. Seine Promotion behandelte die politische Instrumentalisierung der Toten des deutschen Linksterrorismus und die Auswirkungen und deren Auswirkungen auf die politische Kultur der Bundesrepublik. Sein Habilitationsprojekt befasst sich mit Küstensicherung als transimperialem Projekt im 19. und frühen 20. Jahrhundert.
Helge Jonas Pösche ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Geschichtswissenschaften der Humboldt-Universität zu Berlin. Während seiner Promotion hat er sich mit der Bedeutung des Klagens auf Sozialleistungen vor Sozial- und Verwaltungsgerichten für die historische Entwicklung des Wohlfahrtsstaats in Deutschland im 20. Jahrhundert beschäftigt. Aktuell arbeitet er in einem Forschungsprojekt zur Geschichte von Kinderkuren und Kindererholungsmaßnahmen.
Dr. Janosch Steuwer ist wissenschaftlicher Mitarbeiter der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und Mitherausgeber des Online-Magazins Geschichte der Gegenwart (https://geschichtedergegenwart.ch/). In seiner Dissertation untersuchte er die Praxis des Tagebuchschreibens im Nationalsozialismus zwischen 1933 und 1939. Sein aktuelles Projekt widmet sich der Geschichte der gesellschaftlichen Auseinandersetzung mit der extremen Rechten seit den 1960er-Jahren.
Weiterführende Literatur:
Hunt, Lynn, Against Presentism, Perspectives on History. The Newsmagazine of the American Historical Association, 1.5.2002, abrufbar unter: https://www.historians.org/research-and-publications/perspectives-on-history/may-2002/against-presentism (28.07.2023).
Landwehr, Achim, Die anwesende Abwesenheit der Vergangenheit. Essay zur Geschichtstheorie, Frankfurt am Main 2016.
Sweet, James, Is History History? Identity Politics and Teleologies Of the Present, Perspectives on History, in: The Newsmagazine of the American Historical Association, 17.08.2022, abrufbar unter: https://www.historians.org/research-and-publications/perspectives-on-history/september-2022/is-history-history-identity-politics-and-teleologies-of-the-present (28.07.2023).
Die Geschichte des Kapitalismus stößt seit einigen Jahren wieder auf großes Interesse. Welche Rolle spielt die Ausbeutung sozioökonomisch marginalisierter Gruppen für die Entwicklung kapitalistischer Strukturen? Was hat das mit Sklaverei und - auch lange nach ihrer Abschaffung - mit Rassismus zu tun? Das Konzept des "Racial Capitalism" ist ein Versuch, die Geschichte von Kapitalismus auch als eine Geschichte von rassistisch strukturierter Ungleichheit zu verstehen - nicht nur, aber vor allem in den USA. Mit Felix Krämer und Jan Logemann sprechen wir über "Racial Capitalism" und die Frage, was Historiker:innen mit dem Konzept erreichen können.
Zu den Gästen:
Dr. Felix Krämer ist wiss. Mitarbeiter an der Universität Erfurt. Im Sonderforschungsbereich Transregio 294 "Strukturwandel des Eigentums" leitet er das Teilprojekt zu "Eigentum am eigenen und am anderen Körper in den USA vom 18. bis zum 20. Jahrhundert". Er erforscht derzeit die Geschichte von Schulden in den USA. Bei H-Soz-Kult ist er Teil der Fachredaktion für die Geschichte Nordamerikas.
PD Dr. Jan Logemann ist wiss. Mitarbeiter am Institut für Wirtschafts- und Sozialgeschichte an der Georg-August-Universität Göttingen. Im Sommersemester 2023 vertritt er die Professur für amerikanische Geschichte am Obama Institute for Transnational American Studies der Universität Mainz. Er hat unter anderem zur Geschichte von Konsum und zur Rolle von Einwanderern in der US-Geschichte gearbeitet.
Weiterführende Informationen:
In Jan Logemanns Sammelrezension zu "Racial Capitalism" werden einige der erwähnten Publikationen besprochen:
https://www.hsozkult.de/review/id/reb-98486
Das Programm der 69. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Amerikastudien (DGfA) „America and Ownership: Territory, Slavery, Jubilee" (1.-3. Juni 2023) finden Sie hier:
https://www.iaa.uni-rostock.de/dgfa-conference/dgfa-conference/
Die erwähnte Monografie von Cedric Robinson, Black Marxism: The Making of the Black Radical Tradition, Chapel Hill 1983, ist aus zahlreichen Universitätsnetzen u.a. über JSTOR zugänglich. https://www.jstor.org/stable/10.5149/9781469663746_robinson
Jodi Melamed, Racial Capitalism, in: Critical Ethnic Studies 1,1 (Spring 2015), S. 76-85 https://doi.org/10.5749/jcritethnstud.1.1.0076
Jodi A. Byrd / Alyosha Goldstein / Jodi Melamed / Chandan Reddy, Predatory Value: Economies of Dispossession and Disturbed Relationalities, in: Social Text 36,2 (135) (2018), S. 1-18 https://read.dukeupress.edu/social-text/article-abstract/36/2%20(135)/1/135002/Predatory-ValueEconomies-of-Dispossession-and?redirectedFrom=fulltext
Matthew Desmond, Poverty by America, New York 2023
Ellora Derenoncourt (mit Chi Hyun Kim, Moritz Kuhn, Moritz Schularick), Wealth of two nations: The U.S. racial wealth gap, 1860-2020, working paper, in: Quarterly Journal of Economics (May 2022)
Zur Praxis des "Redlining" das Quellenmaterial "Mapping Inequlity": https://dsl.richmond.edu/panorama/redlining/#loc=5/39.1/-94.58
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