Was mich trägt und hält... - eine Auslegung zum Evangelium

Was mich trägt und hält... - eine Auslegung zum Evangelium

By P. Markus Johannes StraubhaarReligion & Spirituality
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Was mich trägt und hält... - eine Auslegung zum Evangelium episodes

  • Geliebt, bevor der Anfang war
    Das Gebet Jesu am Ende seines Lebens erinnert an das Gebet am jüdischen Versöhnungsfest, dem höchsten Festtag im Judentum, an dem der Hohepriester das einzige Mal in das Allerheiligste eintritt und für das Volk um Vergebung bittet, damit es neu zum Raum für Gottes Heiligkeit wird.So betet Jesus hier im Abendmahlsaal für alle, die ihm gegeben sind, damit sie ein Resonzraum für Gott werden in der Welt, damit alle "seine Herrlichkeit erkennen": die Liebe, mit der der Vater den Sohn geliebt hat, vor der Grundlegend des Kosmos. Und mit dieser Liebe sind auch wir geliebt!
    19 min
  • Gottes Herrlichkeit ist der lebendige Mensch

    Das Wort „verherrlichen“, das im heutigen Evangelium fünfmal hintereinander auftaucht, kommt in unserer Alltagssprache nicht vor und ist zunächst wenig zugänglich. 

    Vielleicht kann man das, was Jesus hier sagen möchte, besser verstehen, wenn man sich vor Augen führt, was Liebende tun, wenn sie ihren Geliebten anderen vorstellen und all jene Vorzüge in den Vordergrund stellen wollen, von denen die anderen noch keine Ahnung haben. „Verherrlichen“ kann dann so verstanden werden, dass ich die verborgene Herrlichkeit im Leben eines anderen Menschen sehe und alles dafür tue, dass das auch vor anderen sichtbar wird. So tut auch der Sohn alles dafür, dass die Herrlichkeit des Vaters offenbar wird.

    Und nirgends leuchtet die Herrlichkeit des Vaters so sehr auf wie in der Hingabe des Sohnes. Wenn in ihm und in seiner Hingabe Gottes Herrlichkeit aufleuchtet, dann wird in ihm auch sichtbar, zu welcher Herrlichkeit wir Menschen berufen sind, dass unsere Größe und Würde darin besteht, zu lieben und das Leben liebend hinzugeben.

    Jesus zeigt, wie auch durch das Leben der Jünger etwas von Gottes Herrlichkeit in diese Welt hineinkommt. Da, wo Menschen einander lieben, da wird etwas von Gottes Herrlichkeit sichtbar.

    „Gottes Herrlichkeit ist der lebendige - man könnte auch sagen der liebende -  Mensch!“, so Irenäus von Lyon (Kirchenvater im 2. Jh.).


    13 min
  • Hirte der Einheit - im Dienst der Schafe
    Am vierten Ostersonntag steht uns immer das Bild des Hirten vor Augen. Es ist einerseits ein Bild von grünen Wiesen und satten Weiden, von Bächen mit frischem Wasser und Ruheplatz, aber es ist auch das Bild des Hirten, der sein Leben für seine Schafe gibt. Jesus sagt das bewegende Wort, dass ihm die Schafe vom Vater gegeben sind und dass Hirte und Schafe einander kennen und miteinander vertraut sind. Und hinter dieser Einheit zwischen Hirt und Herde steht die Einheit des Sohnes mit dem Vater, in die weder ein Spalt noch der geringste Haarriss der Trennung und Verweigerung kommen kann. Der Hirte ist eingeladen, in diese Einheit einzutreten und in dieser Einheit zu bleiben, um sein Leben im Dienst an den Brüdern und Schwestern hinzugeben.
    16 min
  • Gottes Liebe ist uns immer voraus

    Es ist wie eine zweite Berufung des Petrus, die sich hier am Morgen, am See, abspielt: ein Mann steht am Feuer, den er nicht kennt, es ist eine Nacht ohne den erhofften Fischfang vorausgegangen und dann, als Petrus erfährt, wer dort am Ufer ist, wirft er sich in den See und schwimmt. Bei der ersten Berufung hat sich Petrus Jesus zu Füßen geworfen mit der Bitte: „Geh weg von mir, ich bin ein sündiger Mensch!“ und hier gesteht er dreimal seine kleine, menschliche Liebe, wie der griechische Test erkennen lässt. Doch er weiß sich angenommen von Jesus, der bei der dritten Frage zu erkennen gibt, dass er nicht mehr erwartet, als Petrus geben kann. Und er führt ihn hinein in die Grenzenlosigkeit der Liebe.

    17 min
  • Im Überfluss leben - Barmherzigkeit empfangen und weiterschenken

    Die ganze Schöpfung, alles, was uns umgibt, ist Ausdruck eines überfließenden Herzens, das sich verschenken möchte, das sich selbst mitteilen und verschenken möchte. Unser ganzes Dasein ist eingebettet in den Strom göttlichen Erbarmens, der im Lauf der Zeit und der Geschcihte nicht kleiner wird, sondern mehr und mehr anwächst und, wie in der Vision des Ezechiel, sich nach und nach über alles ergießt und alles erfasst. Auch Sünde und Verweigerung beeinträchtigen nicht die Kraft, vielmehr fordert dies die Zuwendung Gottes heraus. Wo die Sünde mächtig ist, da ist die Gnade übermächtig. Auch deshalb, weil alle die, die selbst der Barmherzigkeit Gottes begegnen, selbst zum Ausbreiten des Stromes beitragen. Wir sind gerufen, Gottes Barmherzigkeit, seine Vergebung, seinen Frieden und seine Zuwendung zur Welt sichtbar zu machen.

    24 min
  • Die Leere aushalten und auf den Durchbruch warten

    Die letzten Tage haben in den weinenden Menschen vor Notre-Dame etwas gezeigt, was auch in der Gestalt von Maria Magdalena gegenwärtig ist, die Johannes heute in den Focus nimmt. In seinem Bericht vom Ostermorgen gibt es nur diese eine Frau, wie sie in Sorge nach etwas fragt, auf das keiner eine Antwort hat: "Man hat meinen Herrn weggenommen." 

    Noch im Dunkeln eilt sie zum Grab und weder ist vom anbrechenden Licht, wie bei den anderen Evangelisten, noch ist von anderen Frauen die Rede, auch nicht von Öl und Balsam und Engeln. Sie bleibt allein zurück, als die Jünger gegangen sind und nun überlässt sie sich ihrem Weinen, in das hinein Jesus kommt. Nur in der Begegnung mit ihm, findet sie wieder, was ihr verloren gegangen war, auch ein Stück ihrer Identität. 
    Die Menschen vor der brennenden Kirche weinen und spüren, dass auch ihnen ein Stück ihrer Identität verloren geht. Und wo die Leere bleibt, wo Gott fehlt, da möchte man lieber nicht sein, wie ein Journalist gesagt hat: "Ich füchte mich vor einer Welt, in der alles erlaubt ist und der Mensch das Maß aller Dinge ist."

    22 min
  • Jesus trägt uns hinauf...

    Auch mitten im Passionsgeschehen, in das wir in dieser Woche eintreten, bleibt Jesus der, der heilt. Er heilt nicht nur den Mann, dem Petrus das Ohr abgeschlagen hat, er heilt auch Petrus, der sich durch die Verleugnung von ihm entfernt und distanziert hat, Der liebende Blick holt ihn zurück in die Gemeinschaft, lässt sein Herz aufbrechen und verwandelt ihn. Die tiefste Heilung aber erfährt der Verbrecher am Kreuz, der in der Zusage des Paradieses ein endgültiges Hineingenommensein in die Liebe erfährt. 

    Allein diese Liebe hat die Kraft, alle Verwundung und Verletzung des Menschen zu heilen. Und es ist die Würde des Menschen, zu dieser Liebe fähig zu sein.


    2 min
  • Das Christusgeheimnis
    Bewahren und Erneuern sind keine Gegensätze, im Gegenteil! Alles bewahren, was Christus ist, kann allein zu einer echten Erneuerung führen, von unserem eigenen Leben, aber auch im Leben der Kirche.Nur wo wir Menschen werden, die den Menschen heilend und bergend begegnen, wie Jesus im heutigen Evangelium der Ehebrecherin, nur da tragen wir das Bild Christi in die Welt.
    15 min
  • Liturgie ist Heimkehr
    Die Heimkehr, die im Gleichnis Jesu vom verlorenen Sohn geschildert wird, ist nichts anderes, als das, was wir fortwährend in der Liturgie feiern. Die Liturgie aber ist nur in dem Maße lebendig, in dem sie Teilhabe ist an der Festfreude des Vaters ist. Als der ältere Sohn zurückkehrt, kommen Missklänge hinein, in das, was im Haus des Vaters gefeiert wird. Im Griechischen heißt es hier: "synphonia kai choros"  - Zusammenklang, also Musik, und Reigentanz, leibhaftiger Ausdruck darüber, dass das, was verloren war, lebt, aber der ältere Bruder stimmt nicht ein, zu sehr hängt er in der Verbitterung fest, in allem, was ihm zur Last geworden war und scheinbar nie honoriert wurde. Aber der Vater lässt sich nicht aus der Fassung bringen und er hat keine Angst alles zu geben. Er lässt es sich etwas kosten, sogar die "Opferung" des Mastkalbes, das kostbarste, was er hat. 
    18 min

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"Nicht vom Brot allein wird der Mensch leben, sondern von jedem Wort aus Gott" (Mt 4,4). Die Homilie zum Sonntagsevangeliums legt einen Text aus dem Neuen Testament aus und macht ihn aus seinen Wurzeln heraus verständlich. Die Worte, Gleichnisse und die Person Jesu selbst werden lebendig und werden zum Brot für jeden Tag. Die Predigten von P. Markus Johannes Straubhaar CRVC begleiten durch das Kirchenjahr und erschließen die Texte der katholischen Liturgie.