Worum geht’s in dieser Folge?
Wann fühlen wir Gleichberechtigung als „erreicht“? Und warum entsteht dieses Gefühl manchmal, obwohl sich an den realen Verhältnissen noch wenig geändert hat?
In dieser Folge sprechen wir über genau dieses Spannungsfeld: zwischen dem, was wir wahrnehmen, und dem, was tatsächlich messbar ist.
Wir schauen darauf, warum gleiche Regeln noch lange nicht gleiche Chancen bedeuten, wie unbewusste Denkmuster unsere Wahrnehmung beeinflussen und weshalb sich Gleichstellung oft schon „erreicht“ anfühlt, obwohl strukturelle Unterschiede weiterhin bestehen.
Dabei geht es nicht um Anklage, sondern um Aufmerksamkeit. Denn viele dieser Dynamiken entstehen nicht aus Absicht, sondern aus Gewohnheit, Sprache und gesellschaftlichen Bildern, die sich über Jahrzehnte aufgebaut haben.
Im Gespräch geht es unter anderem um:
warum Gleichberechtigung auf dem Papier nicht automatisch Gleichstellung im Alltag bedeutet
wie unser Gefühl von Fairness durch Wahrnehmungsverzerrungen geprägt ist
weshalb Minderheiten in Gruppen häufig „größer“ wirken, als sie zahlenmäßig sind
wie Sprache beeinflusst, wen wir als Norm wahrnehmen und wen als Ausnahme
welche kleinen Interventionen im Alltag helfen können, Denkmuster zu hinterfragen
Am Ende bleibt eine einfache, aber wirkungsvolle Frage: Welche Gedanken nehme ich eigentlich als selbstverständlich wahr und welche davon stimmen wirklich?
___________________
Studien und Forschung aus der Folge
Einige der Gedanken aus der Folge basieren auf Forschung zu Wahrnehmung, Repräsentation und Gruppendynamiken diese Forschungsarbeiten zeigen, dass unser Gefühl von Ausgewogenheit stark von Wahrnehmungseffekten geprägt ist.
Tokenism und Sichtbarkeit von Minderheiten Rosabeth Moss Kanter (1977)Some Effects of Proportions on Group Life: Skewed Sex Ratios and Responses to Token Women
Wahrnehmung von Fairness und Repräsentation Baniamin, H. M. & Jamil, I. (2021)Effects of Representative Bureaucracy on Perceived Performance and Fairness
Sprachliche Markierung von Frauen in Organisationen Smith, D. G., Rosenstein, J. E., & Nikolov, M. C. (2018)The Different Words We Use to Describe Male and Female Leaders
Repräsentation und Wahrnehmung von Überrepräsentation Giakoumi, S. et al. (2021)Gender quotas and perceptions of fairness in representation
Buchtipps:
Caroline Criado Perez – Unsichtbare Frauen: Wie eine von Daten beherrschte Welt die Hälfte der Bevölkerung ignoriert Ein eindrückliches Buch darüber, wie Datenlücken dazu führen, dass viele gesellschaftliche Strukturen, von Medizin bis Stadtplanung, eher auf Männer ausgerichtet sind.
Daniel Kahneman – Schnelles Denken, langsames Denken Ein Buch zum Verständnis von Bias. Kahneman erklärt, wie unser Gehirn Abkürzungen nutzt und warum diese Denkmuster unsere Wahrnehmung verzerren.
Iris Bohnet – What Works: Wie Verhaltensdesign die Gleichstellung revolutionieren kann Die Harvard-Ökonomin zeigt anhand vieler Studien, wie Organisationen Strukturen verändern können, damit Gleichstellung nicht nur ein Ziel bleibt, sondern tatsächlich umgesetzt wird.
Wo du uns findest:
Instagram: @wofunkenwachsen
Kontakt: [email protected]
Credits
Musik: Bernifox
Layout: Tahnee