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Das Bergsteigerdorf Mauthen ist ein geschichtsträchtiger Ort. Hier wird und ist vieles lebendig, was vor hundert, hunderttausend oder hundert Millionen Jahren in Kärnten passierte. „Und doch ist Mauthen“, wie Bergsteigerdorf-Projektkoordinator Ingo Ortner sagt, „alles andere als rückwärtsgewandt.“ Man weiß um die Erdgeschichte und hat sie in die Gegenwart transportiert. Mit einem Geopark und entsprechenden Wissens-Wegen. In der Gemeinde haben die Menschen begriffen, dass sich mit den kulturhistorischen Wurzeln, die bis in die Römerzeit reichen, kreative und moderne Ideen umsetzen lassen. „Und dass wir nie wieder Krieg wollen“, erzählt die Leiterin des Antikriegsmuseums, Karin Schmid. Von 1915 bis 1918 war das Gebiet in den Karnischen Alpen Frontlinie. Wer den Karnischen Höhenweg geht, kann sich ein lebendiges Bild vom Irrsinn des Stellungskriegs machen. Der blinde Bergsteiger Andy Holzer tut das. Dazu braucht er kein Augenlicht. „Ich sehe mit Händen, Ohren, Nase und Gaumen.“ Der Osttiroler saugt alle Informationen auf wie ein Schwamm.
Neugierig ist Holzer wie der Vorsitzende der Alpenvereins-Sektion Obergailtal-Lesachtal, Sepp Lederer. Den 76-Jährigen bezeichnen viele Menschen als eine der treibenden Kräfte in Mauthen. Lederers Anliegen sind bis heute vor allem die jungen Leute. Keine Idee ist ihm zu schräg. „Widerstände sind dazu da, sie zu überwinden“, sagt Lederer, der für sein Leben gerne singt. Auch hiervon bekommt Andy Holzer eine Kostprobe, genauso wie von dem in Mauthen gebrauten Bier. Dass der Ort schon immer irgendwie innovativ war, zeigt auch der Weg in Energiefragen. Schon vor 135 Jahren wurden in der Kärntner Marktgemeinde dafür die Weichen gestellt. Mit erneuerbaren Energien. Wasser, Wind, Sonne, Biomasse. Ein Modell, das sich inzwischen international herumgesprochen hat und mehrfach ausgezeichnet wurde. Das gilt übrigens auch für die kulinarischen Genüsse. Kötschach-Mauthen bildet mit den Nachbarn im Gailtal, im Lesachtal und am Weißensee eine Keimzelle der österreichischen Slow-Food-Bewegung. Genuss von regionalen Produkten, und zwar in aller Ruhe.
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Foto zur Folge 12: Simon Schöpf
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Wenn ein Ort das Prädikat Bergsteigerdorf zu Recht tragen darf, dann sicher Vent. Das 130-Seelendorf ist umringt von den zahlreichen Dreitausendern der Ötztaler Alpen. Die Auswahl an luftigen Hochtouren ist enorm. Wildspitze, Similaun, Weißkugel, Kreuzspitze oder Ramolkogel und viele mehr. Extremkletterer Thomas Huber ist beeindruckt von der Vielfalt, die er das letzte Mal vor mehr als 40 Jahren kennenlernen durfte. Auch damals stieß der Berchtesgadener auf das Vermächtnis eines Mannes,“ der ein modernes Bergführerwesen schuf und den Alpin-Tourismus maßgeblich prägte.“ Die Rede ist vom Gletscherpfarrer Franz Senn. Jener Priester, der den Deutschen Alpenverein mitbegründete und sich engagiert um die Menschen in dem abgelegenen Alpendorf kümmerte.
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Foto zur Folge 11: Bernd Ritschl/Ötztal Tourismus
Lunz am See ist das östlichste der 22 österreichischen Bergsteigerdörfer. Und das einzige in Niederösterreich. Allein diese Fakten verleihen dem Ort am Fuße des Dürrensteins schon eine gewisse Sonderstellung. Das aber reicht den Verantwortlichen in der Marktgemeinde nicht. Bürgermeister Josef Schachner sagt, „wir entwickeln unser Dorf behutsam weiter.“ Was nicht immer einfach ist. Aber Schachners Vorgänger im Amt, Martin Ploderer, findet: „Wir haben schon einiges auf den Weg gebracht, das sieht man, wenn man durch Lunz spaziert.“
Dem stimmt der Alpinist und Bergsteiger Walter Laserer zu, obwohl er bei seiner Ankunft zunächst einen ganz anderen Eindruck hatte. „Aha, wieder ein Ende der Welt. Natürlich, das Wetter passte irgendwie dazu. Weltuntergangsstimmung, mit Nebelschwaden, mit gespenstischem Nieselregen über dem See. Da habe ich mir gedacht. Von was leben die Leute hier?“
Bei seinem Rundgang und den vielen Gesprächen entwickelt sich aber ein spannendes und komplett anderes Gesamtbild. Laserer besucht das Haus der Wildnis, in dem er sich über Urwald und Wildnis informiert. Der Bergsteiger trifft im Amonhaus den Bürgermeister und seine Mitstreiter und lässt sich über den Werdegang der Gemeinde, aber auch über die Hindernisse informieren. Im Wassercluster (eine internationale Forschungseinrichtung dreier Universitäten) lernt Laserer viel über das Zusammenwirken von Mensch und Natur. Immer wieder begegnet dem Besucher die Vernetzung von Wasser, Wildnis und Wissenschaft. Und nicht zuletzt die zahlreichen wanderbaren Erlebnisse, wie der Weg hinauf zum Dürrenstein, dem höchsten Berg der Region.
Sein Fazit: „Überall in Österreich reden Touristiker vom sanften Qualitätstourismus. Lunz füllt diese Qualität mit gelebtem Inhalt. Hut ab, unglaublich…“ Ein Ort guten Lebens. Ein cooles Bergsteigerdorf. Im Wortsinn: Denn hier findet man auch den kältesten Punkt Mitteleuropas. Im grünen Loch haben Meteorologen schon minus 52 Grad gemessen. „Keine Sorge“, sagt Tourismus-Obmann Hans Mayr. „Erfroren ist bei uns noch niemand.“
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Foto zur Folge 10: Martin Ploderer
Das Große Walsertal hat viele Besonderheiten. Nicht nur, weil es in einem tiefen V-Tal liegt. Das Große Walsertal ist das einzige Bergsteigerdorf im österreichischen Bundesland Vorarlberg. Sechs eigenständige Gemeinden zählen dazu. Alle mit BürgermeisterInnen, Schule, Verwaltung, Kirche, Nahversorger, Kindergarten und Bibliothek. Und natürlich mit einer eigenen Geschichte, die mit der Besiedelung vor etlichen hundert Jahren beginnt. Die Walser stammen ursprünglich aus dem Wallis. Im Mittelalter galt der schweizerische Kanton als äußerst arm. Viele Menschen wanderten ab. Einige von ihnen ins heutige Große Walsertal, wo sie mit offenen Armen empfangen wurden.
Das Gebiet stellte die Zuwanderer vor extreme Herausforderungen: Steile Hänge, schwere Erreichbarkeit, harte und schneereiche Winter mit besonderer Lawinengefahr. Im Prinzip ist das bis heute so. „Ein großes Glück“, wie Einheimische und Besucher dennoch sagen. „So konnte sich das Große Walsertal ein großes Stück seiner Ursprünglichkeit bewahren“, findet Monika Bischof. Sie arbeitet im Biosphärenparkhaus. Seit mehr als 20 Jahren trägt das Große Walsertal den Titel Biosphärenpark der UNESCO. Das Schutzgebiet verbindet Wirtschaft, Tourismus und Natur auf besonders nachhaltige Weise. „Vieles hat sich seither positiv in und für die gesamte Region entwickelt“, sagt David Ganahl, der Direktor des Museums Großes Walsertal im Gespräch mit Barbara Zangerl. Die Alpinistin lebt in Vorarlberg und klettert bevorzugt an der Roten Wand, dem höchsten Berg des Großen Walsertales. „Weil es da besonders ursprünglich ist, hoffentlich bleibt das so.“
In den sechs Tal-Gemeinden tun sie dafür jedenfalls einiges. Die Dorf-VertreterInnen von Ragall, Thüringerberg, Blons, Fontanella, St. Gerold und Sonntag arbeiten in vielen Fragen eng zusammen. „Das machen wir auch in Zukunft so“, fasst Sonntags Bürgermeister Stefan Nigsch das gemeinsame Engagement zusammen. „Das sind wir den rund 3.500 EinwohnerInnen des Großen Walsertales schuldig.“ Denn irgendwie lieben sie ihr Leben in Extremlagen.
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Foto zur Folge 9: Verena Hetzenauer
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Drei historische Daten sind in Mallnitz von besonderer Bedeutung: Im Jahr 1299 findet der Ort erstmals eine urkundliche Erwähnung. 1909 hält nach acht Jahren Bauzeit zum ersten Mal die Tauernbahn in der Gemeinde. Und seit 1986 nennt sich Mallnitz stolz Nationalparkgemeinde, ein Tor zum Nationalpark Hohe Tauern. Das BIOS Nationalparkzentrum in Mallnitz ist ein Publikumsmagnet für Jung und Alt, für Hobby-Forschende und Naturfans, und auch für BergsteigerInnen und KletterInnen wie Sandra Pollak. Die Parasportlerin ist an Multipler Sklerose erkrankt und staunt: „Nicht nur der barrierefreie Wanderweg hat mich sehr beeindruckt, auch die Alpine Pearls. Die Initiative greift das Thema Mobilität in Bergregionen mit klugen Konzepten auf und setzt es zukunftsweisend um.“ Wie in vielen anderen Bergregionen sind in Mallnitz die Auswirkungen den Klimawandels spürbar. Das bestätigt auch Bürgermeister Günther Novak: „Das stellt die Kommune vor Herausforderungen, die wir aber meistern wollen.“
Lösungsansätze finden sich zum Beispiel in der Alpenkonvention, die zum Ziel hat, den gesamten Alpenraum behutsam weiterzuentwickeln und zu schützen. Kritiker sehen in dem Vertragswerk ein Verhinderungs-Instrument. „Das Gegenteil ist aber der Fall“, sagt Peter Angermann. Der Jurist und Geschäftsführer des ÖAV-Landesverbandes Kärnten lebt in Mallnitz und war dort mehrere Jahre Tourismusdirektor. „Die Alpenkonvention ist ein starkes Gestaltungs-Werkzeug. Man muss nur wissen wie!“ So wird in der ehemaligen Villa Liebermann an einem europäischen Klima- und Umweltbildungszentrum gearbeitet, wo die Paragrafen und Protokolle der Alpenkonvention praxisnah veranschaulicht werden. Das historische Gebäude war einst Sommerresidenz von Bergsteiger Edmund Mojsisovics, einem der Gründerväter des Österreichischen Alpenvereins, der die Mallnitzer Bergwelt mit seinen 3000ern wie Ankogel, Hochalmspitze oder Säuleck zu seiner alpinen Heimat erklärte. Einige Sektionen schlossen sich dieser Bewunderung für das Gebiet an, sodass das Bergsteigerdorf heute mit sechs Alpenvereinshütten aufwarten kann, von denen aus für verschiedene Ansprüche Berg- und Skitouren möglich sind.
Mehr zu den Bergsteigerdörfern des Alpenvereins: bergsteigerdoerfer.org
Foto zur Folge 8: Simon Schöpf
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Ines Papert war schon oft hier, bisher immer zum Eisklettern. Für den Podcast der Bergsteigerdörfer „Wo weniger mehr ist“ besucht die Alpinistin das Maltatal im Sommer. Dann, wenn sich an den zahlreichen Wasserfällen keine Zapfen bilden, sondern tosende Fluten in die Tiefe stürzen. Die Kletterin ist begeistert von den Möglichkeiten für ihren Sport, aber auch von Land und Leuten.
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Foto zur Folge 7: Klaus Rüscher
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Das „Xeis“ – also das Gesäuse – und damit auch das Bergsteigerdorf Johnsbach kennt der der Extrembergsteiger und Alpinist Christian Stangl auf dem Effeff. Stangl, der in den Ennstaler Alpen aufgewachsen ist, ist als Interviewer für den Podcast der Bergsteigerdörfer unterwegs. In kaum einem anderen Bergsteigerdorf liegen das Irdische und das Religiöse so dicht beisammen. „Den Bergsteigerfriedhof in Johnsbach kenne ich seit meiner Kindheit“, erzählt Christian Stangl. Früher hat ihn die letzte Ruhestätte namhafter Alpinisten kaum interessiert. „Heute bin ich einfach nur dankbar, dass ich noch lebe.“ Für Johnsbachs Dorfpfarrer, Pater Johannes Aichinger, ist der Friedhof ein Sinnbild des Endlichen. Stangl und der Benediktiner-Priester sind sich einig: „Der Tod gehört zum Leben dazu.“
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Foto zur Folge 6: Stefan Leitner
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Wer sich das Villgratental in Osttirol aus der Vogelperspektive anschaut, merkt schnell: Hier ist vieles herzlich. Und anders. Die HerzAss-Runde, ein Weitwanderweg, zwischen Heinfels und Kalkstein ist mit einem Herz markiert. Auf Teilen dieses Pfades ist auch der Alpinist Alexander Huber unterwegs.
Sie und ihre Arbeit besucht Alexander Huber am Handwerker-Rundgang. Von der Glasbläserin über Schmiede und Köche bis hin zu einem Schafbauern, der die Qualitäten von Wolle erfolgreich in die Welt trägt – das Spektrum ist breit. Alexander Huber, der das Tal von zahlreichen Skitouren kennt, staunt und lernt: „Bergsteigen und Spitzengastronomie etwa haben sehr viele Parallelen.“ Nicht nur im Tal der fleißigen Handwerker, dort aber ganz besonders.
„Weil wir in dieser einzigartigen Kulturlandschaft das Leben in den Bergen mit kreativen Ideen gestalten“, findet der Bürgermeister von Außervillgraten, Josef Mair. Sein Innervillgrater Kollege Andreas Schett ergänzt: „Hier hat das Bergsteigen nicht nur Tradition, sondern ist gelebter Alltag.“ Der Alpen-Pionier Ludwig Purtscheller bezeichnete das Villgratental im 19. Jahrhundert als „Hochbelvedere ersten Ranges“. Mit Gipfelzielen wie Kreuzspitze, Hochgrabe, Gabesitten, Marchkinkele u.v.m. ist es im Sommer eine Destination für ausgiebige Wanderungen und im Winter für unvergessliche Skitouren.
Die Ruhe, die Kulturlandschaft und die herzliche Gastfreundschaft sind die Markenzeichen der Region. Ein Tal, das seine Traditionen behutsam pflegt und aufgeschlossen für Neues ist.
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Foto zur Folge 5: Norbert Freudenthaler
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Im Lesachtal hängt der Himmel nicht voller Geigen. Obwohl man das zumindest im Dorf Liesing meinen könnte. Immerhin befindet sich in der Kulturwerkstatt ein recht ungewöhnliches Geigenbaumuseum zu Ehren des Lesachtalers Johann Lexer. Der ehemalige Gemeindesekretär hat als Autodidakt in seiner kleinen Werkstatt mehr als 700 Instrumente gebaut. Sie sind alle aus Haselfichte gefertigt, die im Lesachtal besonders häufig wächst.
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Foto zur Folge 4: Franz Gerdl
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Bergsteiger Ralf Dujmovits war und ist viel in der Welt unterwegs. Aber hier war der erfolgreiche deutsche Höhenbergsteiger noch nie. In Steinberg am Rofan. „Am schönsten Ende der Welt“, wie die Einheimischen gerne sagen. Wobei, das sei alles eine Frage der Perspektive, findet Steinbergs Bürgermeister Helmut Margreiter. „Vielleicht ist es ja auch der schönste Anfang". Dass man es in dem 300-Seelenort gut aushalten kann, merkt Alpinist Ralf Dujmovits sehr schnell. „Wenn du hier mit dem Auto von Achenkirch ins das Hochtal einbiegst, öffnet sich die Landschaft. Alles wird ganz ruhig, ganz still, einfach schön".
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Foto zur Folge 3: Uli und Hedi Saitner
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