Führungskräfte entscheiden täglich, viel und unter Druck. Und trotzdem ist in vielen Unternehmen eines der größten ungelösten Probleme nicht die falsche Entscheidung, sondern die ausbleibende.
Markus Eckhart nennt dafür einen Begriff, der weniger bekannt ist als sein Bruder FOMO, aber praktisch deutlich relevanter:
FOBO, Fear of Better Options. Die Angst, sich unter mehreren Möglichkeiten festzulegen, weil es ja noch etwas Besseres geben könnte. Das Ergebnis ist nicht Sorgfalt, sondern Stillstand.
Im Gespräch geht es darum, was Krisendauerdruck, also Jahre mit Pandemie, Energiekrise, geopolitischen Verschiebungen und wirtschaftlicher Unsicherheit, konkret mit dem Gehirn macht. Markus Eckhart erklärt, wie unter Stress das schnelle, automatische System 1 die Oberhand gewinnt, warum das für einfache Reaktionen sinnvoll ist, im unternehmerischen Kontext aber gefährlich werden kann, und weshalb Biases genau dann besonders stark zuschlagen, wenn Führungskräfte am meisten unter Druck stehen.
Ein zentrales Thema ist der Framing-Effekt: wie die Art, wie eine Frage gestellt wird, die gesamte nachfolgende Entscheidungskette beeinflusst, und warum eine falsch gestellte Ausgangsfrage selbst bei perfekter Ausführung zu teuren Fehlentwicklungen führen kann. Dazu kommen Loss Aversion und Omission Bias, zwei Mechanismen, die sich gegenseitig verstärken und erklären, warum Unterlassen in vielen Unternehmen systematisch besser wegkommt als Handeln, obwohl das Ergebnis dasselbe oder sogar schlechter ist.
Markus Eckhart beschreibt außerdem, was er Maximierungskultur nennt: den kulturellen Anspruch, dass immer die optimale Lösung erreicht werden muss. Was gut klingt, führt in der Praxis dazu, dass Menschen aufhören zu entscheiden, weil sie persönlich für jedes Ergebnis verantwortlich gemacht werden. Der Ausweg liegt nicht in weniger Anspruch, sondern in einer klaren Trennung zwischen Prozessverantwortung und Ergebnisverantwortung sowie in einer Fehlerkultur, die Lernen überhaupt erst ermöglicht.
Am Ende gibt es drei konkrete Schritte: Perfektionismusanspruch loslassen, klare Entscheidungskriterien im Vorhinein definieren und mit De-Biasing starten, also Schritt für Schritt neue Muster eintrainieren, die die alten ersetzen.
Keypoints- FOBO, also die Angst, sich zu entscheiden weil es vielleicht noch eine bessere Option geben könnte, ist praktisch relevanter als FOMO und einer der Haupttreiber von Entscheidungsparalyse in Unternehmen.
- Unter Dauerstress greift das Gehirn auf automatische Muster zurück, was genau dann passiert, wenn Biases am stärksten zuschlagen und am wenigsten auffallen.
- Eine Maximierungskultur, die immer das Optimum verlangt, erzeugt paradoxerweise Stillstand, weil Menschen aufhören zu entscheiden, sobald sie persönlich für jedes Ergebnis haftbar gemacht werden.
- De-Biasing ist kein einmaliges Training, sondern ein Prozess aus Verstehen, Erkennen und schrittweisem Eintrainieren neuer Verhaltensmuster, der sich in konkreten Entscheidungssituationen auszahlt.
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