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  • Wolfswinter
    Durch Vaasa tobt ein Blizzard. Es ist der 16. Februar 2024. Angekündigt sind 30 cm Neuschnee bis zum Morgen. Um die Mittagszeit meldet sich Peter Lüttge aus einem Aufnahmestudio des staatlichen Radiosenders Yle. Wir sind besorgt: Wie will er nach unserem Gespräch wieder heil heimkommen? Langsamer als sonst, ist seine gelassene Antwort. Die Finnen wären an solche Wetterphänomene wie diesen Schneesturm gewöhnt. Wer mit dem Fahrzeug unterwegs sei, passe seine Fahrweise an die Bedingungen an. Darin hätten alle Übung. Jedes Jahr ab Oktober fällt in der Region Schnee. Bis Ende April könne es dauern, ehe er restlos geschmolzen sei.
    Peter Lüttge stammt aus dem Rheinland. Er lebt seit mehreren Jahrzehnten in Finnland. An seinem Wohnort Vörå bewirtschaftet er mit Partnerin Dorothee Schulte-Basta den Abramsgården, ein kleines Kulturzentrum. Wir lernten die beiden vor rund einem Jahr bei ihrem Besuch in Schleswig-Holstein kennen. Seither folgen wir Peters Instagram-Account. Darüber erfuhren wir von einer Woche voll krasser Eisglätte, gegen die weder Winterreifen noch Spikes etwas ausrichten konnten. Wir bibberten mit, als das Thermometer stetig minus 30 Grad anzeigte, im Haus die Wasserleitungen einfroren und Klempner sie nicht auftauen konnten. Darüber wollten wir mit ihm sprechen. Passend zur ersten Schneeflocke 2025 in Schleswig-Holstein veröffentlichen wir diese gleichsam unterhaltsame wie schneereiche Episode.
    Inhaltlich vorbereitet und moderiert wird dieser Podcast vom Medienproduzenten Dieter Bethke und der Journalistin Daniela Mett. Die Idee dazu keimte vor Jahren beim Kieler Podcasttag während der Digitalen Woche. Entstanden ist ein ausführliches Magazin zum Hören mit Themen die das Leben schreibt, aus Kiel, über die Förde, die Ostsee und gelegentlich weit darüber hinaus. Unterstützt werden die beiden durch Beiträge deutschsprachiger Kolleginnen und Kollegen aus dem dafür eigens gegründeten Baltic Sea Media Network.

    Kapitel
    Kapitel 1 Begrüßung. 
    Wir treffen einander digital. Peter Lüttges Stimme überwindet aus Vaasa 2.000 Kilometer, um in Dieters Aufnahmestudio zu landen. Auch Daniela schaltet sich hinzu. Es ist Freitag, der 16. Februar 2024. Eingangs fragt Peter nach unseren Erfahrungen mit extremer Kälte.
    Kapitel 2 Kälteloch Vörå.

    Im Januar besaß die Sonne noch keinen wärmenden Effekt. Daher sei es tagsüber so kalt wie während der gesamten Nacht gewesen, berichtet Peter. Eine Woche hielt diese extreme Kältephase an. Die Warmwasserleitung fror zuerst ein, danach alle anderen. Ein Kapitel über Klempner, die sich vergeblich mühen, sprudelnde Fußbodenheizungen und Eis, das Bäume unter Pistolenknall sprengt. 

    Kapitel 3 Eisblumen.

    Durch kein Fenster hätte er nach draußen sehen können. Alle wären mit Eisblumen übersät gewesen, schildert Peter. Sie hätten sich ins Obergeschoss ihres über 200 Jahre alten Hauses zurückgezogen. Dank Unterstützung zusätzlicher Elektroheizkörper schafften sie es, dort die Temperatur auf 18 Grad zu halten. Irgendwann knallte jedoch die Hauptsicherung durch. Und dann musste Peter mit dem Auto fahren. Doch das sei bei Extremkälte eine körperliche Herausforderung. Er erklärt das mit fehlender Viskosität der Teile. Hinzu kämen verstörende Geräusche durch gefrorenes Kondensat in der Lüftung sowie steife Gummireifen. Seine Schilderung erinnert Dieter an das Fahrzeug der Familie Feuerstein. 

    Kapitel 4 Snowhow. 

    Das Gespräch gleitet hinüber zum Snowhow der Finnen: Wohin mit den Schneemassen? Sie bleiben für Monate und es komme Neues hinzu. Daher braucht es einen Plan fürs Ablagern bzw. obendrauf Lagern. Peter erwähnt gigantische Halden außerhalb von Vaasa, wo der Schnee aus der Innenstadt nachts abgeladen wird und berichtet von Schatzsuchern, die zur Schmelze dort nach Brauchbarem schauen. Wir kehren zurück zum Thema Straßenverkehr, denn Peter rutschte in der Woche mit seinem Pkw auf eisglatter Straße in den Graben. Er hat daraus Einiges gelernt.

    Kapitel 5 Sagenlandschaft. 

    Der Bottnische Meerbusen zwischen Schweden und Finnland friert im Winter komplett zu. Aktuell betrüge die Eisdecke 50 Zentimeter, berichtet Peter. Schneepflüge hätten bereits Fahrwege über die Ostsee hinaus zu den Schären frei gefräst. Uns wäre beim Überfahren des Eises mulmig. Doch Peter wiegelt ab: Autos würden eine Weile schwimmen, bevor sie untergehen. Schneemobile dagegen wären sofort weg. Unlängst seien zwei Männer damit verunglückt.

    Kapitel 6 Winterfreuden.

    Der Begriff Wolfswinter geht auf einen Mythos zurück. Früher bewohnten Fischer die Inseln. Bei Eis gelangten auch Wölfe zu ihnen hinaus. Heutzutage leben Finnen auf dem Festland. Bei extremer Kälte gäbe es zudem in den Wäldern ausreichend Nahrung für Wölfe. Dammwild beispielsweise schneidet sich an scharfen Eiskanten die Läufe auf und verendet daran. Elche jedoch nicht, es sind keine Huftiere. Peter nimmt uns die Furcht vor den Härten des Winters. Er verweist auf die Freuden: Schlittschuhlaufen auf geräumten Flächen vor der Stadt, Loipen für Langlauf, eine garantiert superdick mit Schnee bedeckte Landschaft, günstige Preise für Skipisten. Er rät zu einem Flug nach Helsinki mit anschließender 3,5 stündiger Bahnfahrt nach Vaasa. Unser Gespräch gerät vom Pfad ab. Dieter und Peter unterhalten sich zum Ende über rheinischen Karneval. Daniela ist raus.

    Episodencover: Rainer Sturm_pixelio.de 
    1 hr 28 min
  • Filmkunst
    Während wir aufzeichnen, neigt sich das 28. FilmFest Schleswig-Holstein (FFSH) bereits seinem Ende zu. Es ist Freitag, der 12. April 2024, Vortag der finalen Preisverleihung. In der zum Netzwerken eingerichteten Filmlounge treffen wir die beiden Initiatorinnen der BLICKFANG Kurzfilmsektion. Eugenia Bakurin gehört seit Jahren zum Management des FFSH. Mit ihrem aktuellen Kurzfilm Long Time no Techno war die Regisseurin über Monate auf Welttournee. Er spielte eine Vielzahl an Festivaleinladungen ein und erhielt großartige Auszeichnungen, darunter den Jurypreis des renommierten Ann Arbor Film Festivals für Experimentalfilm in Michigan. Auch Kollegin und Freundin Pola Rader lebt für Film und visuelle Kunst. Von ihr stammt das Motiv unseres Episodencovers. Es ist das offizielle Plakatmotiv der von Eugenia und Pola entwickelten Sektion, einer offenen Plattform für Film- bzw. Medienkunst aus aller Welt. 
    Erstmals kuratierten beide in diesem Jahr zusätzlich zum Kurzfilmprogramm noch eine Ausstellung experimenteller Arbeiten. Unterstützung erhielten sie dabei von Dr. Susanne Schwertfeger. Die Kunsthistorikerin der CAU ist Mitglied der Vorjury vom FFSH und Mitorganisatorin des Infotages Filmberufe. Seit November gehört sie dem neuen Vorstand des Kieler Kunstvereins Kunstraum B an. Parallel zum Festivalprogramm in den Kinos wurden in den Räumen dieser Galerie u.a. Arbeiten aus Hongkong und Italien sowie eine mittels VR-Brille begehbare digitale Installation gezeigt.Mit den drei Expertinnen für visuelle Kunst sprechen wir über Experimentalfilm, spezielle Filmgenres sowie die Geschichte der Medienkunst und erfahren nebenher, dass Kunst stets visionär alle technischen Innovationen unserer Zeit vorhersieht.
    Inhaltlich vorbereitet und moderiert wird dieser Podcast vom Medienproduzenten Dieter Bethke und der Journalistin Daniela Mett. Die Idee dazu keimte vor Jahren beim Kieler Podcasttag während der Digitalen Woche. Entstanden ist ein ausführliches Magazin zum Hören mit Themen die das Leben schreibt, aus Kiel, über die Förde, die Ostsee und gelegentlich weit darüber hinaus. Unterstützt werden die beiden durch Beiträge deutschsprachiger Kolleginnen und Kollegen aus dem dafür eigens gegründeten Baltic Sea Media Network.

    Kapitel 1 Begrüßung. 
    Das Programm des jährlich stattfindenden FilmFest Schleswig-Holstein verteilt sich über alle Kieler Kinos sowie einige per Streaming eingebundene Kinos außerhalb. Zentrale Anlaufstelle für Filmschaffende wie Publikum ist die FilmLounge in der Pumpe. Das Team zeichnet dort nach jedem Screening selbst Interviews mit der jeweiligen Filmcrew auf. Daher verabredeten wir uns abseits der Show mit Organisatorinnen einer für das Festival eher untypischen Filmsektion.
    Kapitel 2 FilmFest SH. 

    Unsere Gesprächspartnerinnen sind Teil des Kernteams um die beiden Festivalleiter Daniel Krönke und Christoph Zickler. Wir fragen sie nach ihren Rollen und Aufgaben bei der Organisation. Eugenia Bakurin und Pola Rader sind Filmregisseurinnen und bei eigenen Projekten meist auch Produzentinnen. Dieter fragt nach der Unterscheidung. Pola skizziert ihm eine endlos wirkende Liste an Aufgaben, die unter die jeweilige Berufsbezeichnung fallen. Dr. Susanne Schwertfeger wirbt für den Infotag Filmberufe am 15. Mai 2024.

    Kapitel 3 Blickfang Sektion. 

    Einreichkriterium für das FilmFest ist der Bezug zu Schleswig-Holstein. Einzig für die von Eugenia und Pola kuratierte Sektion BLICKFANG gelten andere Regeln. Über die offene Plattform Film Free Way können Filmschaffende aus aller Welt ihre experimentellen Arbeiten für Kiel einreichen. Das geschiet bereits. Nächstes Etappenziel der beiden ist, die Künstlerinnen und Künstler zum Austausch nach Kiel einladen zu können.

    Kapitel 4 Experimentalfilm. 

    Als Überleitung zu diesem Kapitel erwähnt Daniela die spezielle Form eines mittellangen Films, der im Wettbewerb lief. Wie definiert sich die Kategorie Experimentalfilm? Susanne hat darauf eine verblüffend klare Antwort. Daraus entspinnt sich ein Gesprächsfaden über die Rolle des Publikums, der stets erst spät erfolgenden akademischen Einordnung und einer Kunst, auf der kein Etikett länger zu haften vermag.

    Kapitel 5 Filmkunst. 

    Das Gespräch schwingt herüber zum frischen Ableger der BLICKFANG Sektion. Erstmals wurden während des FilmFestes rund eine Woche lang Arbeiten im White Cube gezeigt. Pola beschreibt den Animationsfilm „Overheating“ von Jiin Chung und Lizzy Bovee, der aus Hongkong eingereicht wurde. Zudem konnten sich Besucherinnen mittels VR-Brille in einen digital konstruierten Raum begeben. Dort schwebten einem Gedichte der kürzlich mit dem Liliencron-Nachwuchspreis ausgezeichneten Franziska Ostermann wie Skulpturen entgegen.

    Kapitel 6 Kunstgeschichte. 

    Ein kurzer Rückblick auf die Anfänge der Medienkunst in den 1950er/1960er Jahren. Susanne erwähnt Namen von Künstlerinnen und Künstlern, die als Meilensteine der Entwicklung in der Kunstgeschichte Platz fanden. Anhand filmischer Arbeiten ließe sich ein Teil der Technikgeschichte erzählen, erklärt sie. Dieter erwähnt Beispiele.

    Kapitel 7 Subgenres.
    Foundfootage und Mockumentary waren Begriffe, denen Daniela erst auf dem FilmFest begegnete. Alle drei Expertinnen für visuelle Kunst liefern Erklärungen und Beispiele. Dieter bringt noch ein bekanntes Biopic auf. Zu Susannes Stichwort „Fringe“ für Franse oder Subgenre fällt Daniela das „Machinima“ ein: „Hold on for dear Life“ lief im Wettbewerb von BLICKFANG. Der Animationsfilm des Italieners Simone Fiorentino nutzt Bildmaterial aus einer Unterhaltungskonsole.
    Kapitel 8 Projekte & Pläne. 
    In der Abschlussrunde berichten unsere Gäste von ihren Plänen. Pola und Eugenia werden gemeinsam an ihrem „Terra Media“ Projekt für Kinder weiterarbeiten. Für Susanne beginnt das Semester mit Seminaren zu Street Photography und Comic sowie zwei Buchpublikationen. Daniela ruft zur Teilnahme am nächsten FilmFest auf: 1.-5. April 2025.


    Motiv im Episodencover ©Pola Rader / Blickfang@FFSH 2024 
    1 hr 6 min
  • Stimme
    „Jeder kann singen“ behauptet Dieter Rathke. Das wollten wir ihm gern glauben, nehmen aber in dieser Episode die Gelegenheit wahr, seine These eingehend zu hinterfragen. Dabei spiegelt ihn Sängerin Anna Hengelhaupt. Sie studierte zunächst Schulmusik und Musikwissenschaften, um an Gymnasien zu unterrichten, bevor sie in Hamburg eine Ausbildung zur staatlich anerkannten Berufsmusikerin im Bereich Jazz- und Populargesang absolvierte. Aktuell arbeitet Anna als Sängerin, Songwriterin, Vocal Coach und Musiklehrerin. Mit ihrer Band „The Line Walkers“ steht sie jedes Jahr rund 50-mal auf der Bühne. Nebenher ließ sich Anna zur LAX VOX® Trainerin ausbilden. Was das ist und wozu es dient, erklärt sie eingehend in dieser Episode.  
    Dieter Rathke sammelte reiche Berufserfahrung. Er war Lehrbeauftragter und Seminarleiter für Sprecherziehung und Stimmbildung an der Hochschule der Künste in Berlin. Seit 1995 arbeitet er selbstständig, lehrte an der FH Kiel sowie an diversen anderen Einrichtungen. Als Stimm-Coach schulte er professionelle Sprecherinnen und Sprecher bei Radio- und TV-Sendern. Aktuell leitet Dieter mehrere Kieler Chöre, darunter den Krooger Männerchor.

    Kapitel 
    Kapitel 1 Begrüßung. In der Regel öffnet das Bistro vom Schauspielhaus gegen Nachmittag, weit vor Beginn des Bühnenprogramms. Für unser Gespräch mit Anna Hengelhaupt und Dieter Rathke reservierten wir einen Tisch. Am Nachmittag des 12. Januar 2024 treffen wir sie dort. Zum Einstieg weist uns Dieter Rathke auf die beiden Pionierinnen Clara Schlaffhorst und Hedwig Andersen hin. Sie entwickelten um 1910 die Atem-, Stimm- und Sprechlehre - ein ganzheitliches Konzept, nach dem er ausgebildet wurde. 
    Kapitel 2 Vorbereitung.  Wärmten die beiden Profis ihre Sprechstimmen vor unserem Treffen auf? Wenn ja, wie? Anna berichtet von täglichen Übungen mit einem Schlauch. Er ist unter dem Namen LAX VOX patentiert. Als zertifizierte Ausbilderin darf sie andere im Umgang damit schulen.

    Kapitel 3 Tonerzeugung.  Dieter Rathke greift korrigierend ein. Der umgangssprachlich benutzte Begriff „Stimmbänder“ sei falsch, korrekt dagegen „Stimmlippen“. Es folgt ein eingehender Diskurs über diverse Organe des Körpers, die an der Stimmbildung beteiligt sind. Anna erwähnt Estill Voice der amerikanischen Sängerin und Stimmpädagogin Jo Estill. Mit dieser Trainingsmethode verbessert sie ihre Sing- und Sprechstimme. Dieter Rathke erklärt die bipolare Atemtypenlehre des Geigers Erich Wilk und Dr. med. Charlotte Hagena am Beispiel.

    Kapitel 4 Emotionen. In nahezu allen Chören herrscht ein Mangel an Männerstimmen. Dieter Rathke leitet den seiner Ansicht nach letzten Männerchor in Kiel. Er hat eine Erklärung für das Phänomen. Generell sind sich beide Gäste darin einig, dass die Stimme ein Spiegel der Persönlichkeit darstellt. Singen und Sprechen sind eins, wobei das Singen nicht nur das Sprachzentrum, sondern beide Hirnhälften aktiviert. Die Erkenntnis mündet in einem Exkurs zum Musikunterricht in der Schule. 

    Kapitel 5 Stimmtraining. Mit einer gut ausgebildeten, lauten und klaren Stimme lasse sich Macht ausüben, behauptet Dieter Rathke und macht dies auch gleich vor. Er appelliert an alle, die eigene Stimme zu trainieren. Im Alter drohe sie brüchig oder knarzig zu werden. Für beides bringt er Beispiele. Das Gespräch schwenkt zu Stimmstörungen und innere Krankheiten, die sich an der Stimme erkennen lassen.

    Kapitel 6 Einzigartigkeit. Einzigartig wie der Fingerabdruck ist unsere Stimme. Warum, das erklärt uns Dieter Rathke. Es fallen die Fachbegriffe Timbre, Sängerformanten und Obertöne, Stimmmasse. Kurz streifen wir Deep Fakes mittels künstlicher Intelligenz. Am Ende fasst er zusammen: Tiefe ist angeboren, die Tonhöhe dagegen trainierbar.
    Kapitel 7 Projekte & Pläne. Anna freut sich auf ihre Produktionsphase im Hamburger Tonstudio. Neben „Let them in“ und „First floor“ soll es demnächst weitere eigens komponierte Songs geben. Sobald das Album komplett ist - eine Mischung aus Soul, Pop und Jazz - wird sie damit Live auftreten. Dieter Rathke wirbt für den Krooger Männergesangverein. Der probt jeden Mittwoch von 20 bis 22 Uhr im Sängerheim Kroog. „Jeder kann singen“ schwört er und bittet darum, sich bei Interesse am Mitsingen bei ihm zu melden.
    Episodencover ©Jason[email protected] / Download: https://unsplash.com/de/@jasonrosewe
    1 hr 8 min
  • Taxizentrale
    In unserer Episode 004 „Wasser“ trafen wir erstmals auf den Kieler Autor Kurt Geisler. Damals hatte er mit „Endstation Öresund“ just seinen dritten Krimi veröffentlicht. Aktuell schreibt Kurt an Geislers Zeitreisen. „Taxi 99“ ist der zweite Band dieser neuen literarischen Reihe. Sein Erscheinen feiert der dco Verlag am 22. April mit einer Premierenlesung - eine Woche nach unserem Recording.
    Im Taxiunternehmen von Siegfried „Siggi“ Albrechts Vater war Kurt mehrere Jahre als Nachtfahrer engagiert. Seine Erlebnisse aus dieser Zeit - Untertitel: „Es geht in die wilden 70er Jahre“ - lieferten ihm den Stoff zum neuen Buch. Sein Ich-Erzähler Tim Kleindienst erlebt darin allerhand kuriose Begegnungen mit Fahrgästen. Neugierig auf den wahren Kern dieser Geschichten und darauf, was professionelle Akteure aus dem Gewerbe darüber erzählen, zog es uns in die Taxi-Zentrale. Dort treffen wir mit Anya Haase auf eine Frau, die viele Jahre selbst als Taxifahrerin auf der Straße unterwegs war, bevor sie in den Innendienst wechselte. Ihr Platz ist in der sogenannten „Funkbude“. Dort vermittelt sie Fahrten und schult neue Kräfte für die Arbeit mit dem Datenfunk. 
    Auch Thomas Krotz kennt das Leben als Taxifahrer aus eigener Erfahrung. Er besitzt heute ein eigenes Taxiunternehmen, agiert im Vorstand der Genossenschaft Taxi-Zentrale eG und ist Vorsitzender des Landesverbandes für das Taxi- und Mietwagengewerbe mit 600 Mitgliedern.
    Inhaltlich vorbereitet und moderiert wird dieser Podcast vom MedienproduzentenDieter Bethke und der Journalistin Daniela Mett. Die Idee dazu keimte vor Jahren beim Kieler Podcasttag während der Digitalen Woche. Entstanden ist ein ausführliches Magazin zum Hören mit Themen die das Leben schreibt, aus Kiel, über die Förde, die Ostsee und gelegentlich weit darüber hinaus. Unterstützt werden die beiden durch Beiträge deutschsprachiger Kolleginnen und Kollegen aus dem dafür eigens gegründeten Baltic Sea Media Network.

    Kapitel 1 Begrüßung. 

    Dieter stellt die Runde vor. Neben Buchautor Kurt Geisler sitzt Siegfried „Siggi“ Albrecht. Er ist der Sohn von Kurts ehemaligem Chef und gehört heute dem Aufsichtsrat der Taxi-Zentrale eG an. Mitglied im dreiköpfigen Vorstand der Genossenschaft ist Thomas Krotz. Anya Haase arbeitet als Fahrtenvermittlerin in der Funkbude.
    Kapitel 2 Funkbude.

    Amüsante oder pikante Pannen beim Sprechfunk gehören der Vergangenheit an. Die Funktaste gibt es nicht mehr. Das Management der Kieler Flotte von 200 Taxen erfolgt per Webfleet. Das ist eine cloud-basierte Anwendung für Ortung und Vernetzung. Aufträge in Form digitaler Datenpakete leitet die Zentrale an ihre mit Minicomputer ausgestatteten Fahrerinnen und Fahrer weiter - in Zukunft via 5G-Netz.

    Kapitel 3 Landesverband.

    Angesprochen auf die Konkurrenz durch Anbieter wie Clever Shuttle oder Uber, nutzt Thomas Krotz seine Antwort für einen dringenden Appell an die Gesellschaft. Er erinnert an die 24/7-Bereitschaft, den festen Fahrpreis per Taxameter und die Beförderungspflicht, zu denen das Taxigewerbe gesetzlich verpflichtet wurde. Das Taxi sichere Teilhabe am gesellschaftlichen Leben wie er am Beispiel Kieler Woche ausführt.

    Kapitel 4 Datenfunk. 

    „Ihr habt uns die Sprache genommen“. So klagten Fahrerinnen und Fahrer nach Abschaffung der zwei Kanäle für den Sprechfunk. Ein Kapitel über ungewollte Übertragung, den persönlichen Austausch mit der Zentrale sowie untereinander und Fahrgäste, die sich kutschieren ließen, nur um den Sprechfunk zu hören.

    Kapitel 5 Taxi 99. 

    Kurt berichtet von seiner Zeit als Nachtfahrer. Thomas würde heute nicht mehr nachts fahren. Dieter bringt das Gespräch auf Fahrzeuge und deren Sonderausstattung wie den Notknopf und die rot blinkende Dachlampe.
    Kapitel 6 Taxischicht.

    Rund zwölf Stunden dauert eine Schicht. Pausen wären selbst einzuhalten, erklärt Anya. Die Nachtschicht beginnt um 18 Uhr und dauert demnach bis 6 Uhr morgens. Die Zentrale ist rund um die Uhr besetzt, am Wochenende mit bis zu 4 Personen, vor allem ab Mitternacht. Wir wollen wissen, nach welchen Regeln die Vermittlung läuft.
    Kapitel 7 Lotsenfahrt.

    Individuelle Dienste wie Hol- und Bringeservice, Patientenfahrten, Vorbestellungen mit Weckdienst gehören zum Leistungsspektrum unter der Kieler Telefonnummer 68 01 01. Siggi erklärt uns, was eine Lotsenfahrt ist. Und Thomas berichtet von einem ungewöhnlichen Lieferservice.
    Episodencover 
    Coverfoto: Dieter Bethke - Alle Rechte vorbehalten
    1 hr 1 min
  • Stadtbahn für Kiel
    Ende März 2023 nehmen wir mit den beiden Chefplanern in ihrem Besprechungsraum Platz. Nils Jänig arbeitet als Spearhead Director Rail Systems Germany für den dänischen Konzern Ramboll. Sein Team erstellte die Trassenstudie. Es ist mit der gesamten Planung beauftragt. Mit ihm und Jakob Mirea sprachen wir vor gut zwei Jahren in unserem Podcast über generelle Lösungen für die Mobilitätswende. Die Interessen der Stadt vertritt und koordiniert Christoph Karius als Leiter der Stabsstelle Mobilität. 
    Die Dokumentation aller Planungsschritte umfasst Dutzende von Dateien. Sie stehen auf der Projektwebseite allen Interessierten via Download zur Verfügung. Darüber hinaus informiert der Kieler Mobilitäts-Blog umfassend über kommende Bürgerbeteiligungsformate, den Stand der Entwicklung und Medienberichte. Daher werfen wir einen Blick in die Zukunft und fokussieren uns auf Indikatoren, die den geplanten Übergang in die Genehmigungs- und Bauphase noch beeinflussen könnten. Steht die Finanzierung durch Fördermittel? Welche Bedingungen müssen dafür erfüllt sein? Wie zuverlässig ist das Datenmaterial auf dessen Grundlage die Vorplanung erfolgt? Was genau steht nun zur Disposition und worauf können Bürgerinnen und Bürger Einfluss nehmen?
    Inhaltlich vorbereitet und moderiert wird dieser Podcast vom MedienproduzentenDieter Bethke und der Journalistin Daniela Mett. Die Idee dazu keimte vor Jahren beim Kieler Podcasttag während der Digitalen Woche. Entstanden ist ein ausführliches Magazin zum Hören mit Themen die das Leben schreibt, aus Kiel, über die Förde, die Ostsee und gelegentlich weit darüber hinaus. Unterstützt werden die beiden durch Beiträge deutschsprachiger Kolleginnen und Kollegen aus dem dafür eigens gegründeten Baltic Sea Media Network.
    Kapitel
    Kapitel 1
    Begrüßung. 
    Wir sind zu Gast bei der Stabsstelle Mobilität der Stadt Kiel. Uns gegenüber sitzen Nils Jänig vom Panungsbüro Ramboll und der Leiter der Stabsstelle, Christoph Karius. Der Ratsbeschluss vom 17. November 2022 sorgt für Gesprächsstoff an den Stammtischen. Die Abschaffung der Straßenbahn 1985 wird als teuere Fehlentscheidung gewertet. Deren Wiedereinführung brauche nun niemand mehr. Dies sei reine Verschwendung von Steuereinnahmen. Was antworten die Experten darauf?
    Kapitel 2
    Bundesmittel.

    Seit der Änderung des Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetzes GVFG stehen den Kommunen in wesentlich größerem Umfang Finanzmittel zur Modernisierung ihrer ÖPNV-Infrastruktur zur Verfügung. Ab 2025 umfasst das Gesamtbudget für Modellprojekte jährlich 2 Milliarden Euro.

    Kapitel 3
    Zeitplan.

    Mit vier bis fünf Jahren für die Plangenehmigung beim Bund rechnen die Planer. 2028/29 könnte mit der Ausführungsplanung für die ersten 36 Kilometer Bahnstrecke begonnen werden. Die Bauzeit dafür beträgt ca. zwei bis drei Jahre. Demnach wäre 2033 die erste Strecke fertig.

    Kapitel 4
    Planungsstand.

    Die im Netz veröffentlichten Pläne zeigen nur eine mögliche Aufteilung des Straßenraumes. In der aktuellen Phase bis Ende 2024 will das Team unter Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern detaillierte Varianten erarbeiten. Dazu bietet es öffentlich Trassenspaziergänge und bildet Arbeitsgruppen mit Vertretern der Anlieger.

    Kapitel 5
    Kernkriterien. 

    In diesem Kapitel erläutern die beiden Experten welche Vorzüge die Tram bietet gegenüber einem Bus Rapid Transit System. Neben der Wirtschaftlichkeit spielte bei der Entscheidung auch die Stadtökologie eine Rolle.

    Kapitel 6 Pulkführerschaft.
    Bei der Aufteilung des Straßenraumes auf die unterschiedlichen Verkehrsbeteiligten seien diverse Varianten möglich. Ein Gespräch über Betonfahrbahn versus Rasengleis, eigene Trassen versus Teilung der Spur mit dem motorisiertem Verkehr bei dynamischer Straßenraumfreigabe für ÖPNV.
    Kapitel 7
    Fahrgastkomfort.
    Laut BOStrab, der Verordnung über den Bau und Betrieb der Straßenbahnen, sind Fahrzeuge bis zu einer Breite von 2,65 Metern zulässig. Das sei mittlerweile die Standardbreite im Waggonbau. Damit ergäben sich großzügigere Multifunktionsbereiche als wir sie aus Bussen kennen. Nils zählt uns die weiteren Vorteile auf.
    Kapitel 8
    Datengrundlage.
    Die Planung der Stadtbahn müsse nicht nur den IST-Zustand detailgenau aufnehmen, sondern auch Visionen für die weitere Stadtentwicklung vorausschauend einbeziehen. Daher werden sowohl Bebauungspläne herangezogen als auch Karten- und Datenmaterial aus allen Ämtern der Stadt Kiel sowie alle im Netz verfügbaren Informationen - inkl. OpenStreetMap. Von einem digitalen Bautagebuch mit Common Data Environment und mehrdimensionaler Visualisierung der Ausführung sei das Team jedoch noch etwas entfernt. Aber die Grundlage ist gelegt.
    Kapitel 9
    Bürgerbeteiligung.
    Was eine „Gläserne Akte“ ist, erklärt Christoph in diesem Kapitel. Wer Interesse am Mitdenken und Planen habe, fände alle erforderlichen Unterlagen dazu im Netz. Wo sollen Haltestellen entstehen? Wo kommt ein Rasengleis und wo ein Übergang hin? Teilen sich Rad und Pkw eine Spur oder bekommt jeder eine eigene? Die Stadtbahn wird Kiel verändern, sind sich beide Chefplaner sicher.

    Episodencover 
    Coverfoto „Weiche“by johnnyb_pixelio.de
    1 hr 3 min
  • Finnland
    An einem Freitagnachmittag Mitte März 2023 sind wir mit Marianne Sinemus-Ammermann im Literaturhaus am Schwanenweg verabredet. Dessen Leitung übernahmen vor knapp einem Jahr Britta Lange und Olaf Irlenkäuser. Sie arbeitete im Nordkolleg, er ist Geschäftsführer des Wachholtz Verlages. Für gut eine Stunde dürfen wir ihre Gäste sein. Mit unserem Ethernet-Kabel belegen wir den hauseigenen Internetanschluss für den Call mit Peter im rund 2.000 Kilometer entfernten Vörå. Dann nehmen am Besprechungstisch mit bildschönem Blick auf den Alten Botanischen Garten Platz, setzen Kopfhörer auf und greifen nach den Mikrophonen.
    Unser Kontakt zu Marianne Sinemus-Ammermann besteht schon eine Weile. Sie leitet die Deutsch-Finnische Gesellschaft in Schleswig-Holstein und ist Vorsitzende der Finnisch-Deutschen Handelsgilde. Bis 2013 arbeitete sie für das Generalkonsulat im Finnenlandhaus Hamburg. Auf der Suche nach einer Kollegin, einem Kollegen aus Finnland für unser junges BSR Media Netzwerk baten wir die Finnlandexpertin um Vermittlung. Dass nach vielen vergeblichen Anläufen über große Distanz endlich ein Kontakt zustande kam, ist ihr Verdienst. 
    Sie lotste uns zum Finnentag nach Hohenlockstedt. Dort trafen wir sie und Peter Lüttge, einen Rheinländer, der als freier Journalist für einen schwedisch-sprachigen Radiosender in Vaasa arbeitet. An seinem Wohnort Vörå unterhält er den Abramsgården, ein kleines Kulturzentrum. Was ihn nach Hohenlockstedt führte und warum sich in Holo bzw. am Finnischen Ehrenmal des Lola dort Jahr für Jahr Finnen und Deutsche versammeln, erfahrt ihr in dieser Episode. 
    Natürlich sprechen wir mit der in Deutschland beheimateten Finnin und dem in Finnland wohnenden Deutschen auch über Saunen, Salmiakki und andere Köstlichkeiten in der finnischen Kultur und wollen wissen, welche Klischees die Finnen von Deutschen haben und wie man Honorarkonsul wird.
    Inhaltlich vorbereitet und moderiert wird dieser Podcast vom Medienproduzenten Dieter Bethke und der Journalistin Daniela Mett. Die Idee dazu keimte vor Jahren beim Kieler Podcasttag während der Digitalen Woche. Entstanden ist ein ausführliches Magazin zum Hören mit Themen die das Leben schreibt, aus Kiel, über die Förde, die Ostsee und gelegentlich weit darüber hinaus. Unterstützt werden die beiden durch Beiträge von deutschsprachigen Kolleginnen und Kollegen aus dem dafür eigens gegründeten Baltic Sea Media Network.



    Kapitel 1 Begrüßung. 
    Dieter holt Peter Lüttge via Call aus Finnland an unseren Besprechungstisch im Literaturhaus. Er begrüßt auch Marianne Sinemus-Ammermann. Sie berichtet von ihren finnisch-deutschen Wurzeln, ihrem Abitur an der Deutschen Schule in Helsinki und dem anschließendem BWL-Studium in Deutschland.
    Kapitel 2 Finnentag. 

    Für seinen Arbeitgeber recherchierte Peter Lüttge über die finnischen Jäger, die zwischen 1916 und 1918 im Lockstedter Lager von der preußischen Armee ausgebildet worden waren. Daraus entstand eine dreiteilige Podcastfolge - im Skript auf Deutsch nachzulesen. Hier berichtet er, welche Bedeutung dies für das Streben Finnlands nach nationaler Eigenständigkeit hatte. Noch ist das ehemalige Soldatenheim des Lockstedter Lagers eine Baustelle. Im Högerbau richtet die Artur Boskamp-Stiftung in Kooperation mit Peters Kulturzentrum Abramsgården und dem Finnland-Institut eine Stätte für interkulturelle Begegnungen ein. 

    Kapitel 3 Auslandsvertretung. 

    Marianne erklärt uns die Unterschiede zwischen Berufs- und Honorarkonsulaten. In den Jahren ihrer Tätigkeit für das Finnische Generalkonsulat war sie für den gesamten Norden zuständig. Warum es in Schleswig-Holstein gleich zwei Honorarkonsulate gibt und warum in Lübeck eine besonders rege Bezirksgruppe der Deutsch-Finnischen Gesellschaft aktiv ist, erläutert sie uns.

    Kapitel 4 Staatsbürgerschaft.

    Während Marianne die doppelte Staatsbürgerschaft besitzt, genießt Peter als EU-Bürger mit deutschem Pass in Finnland das ständige Aufenthaltsrecht. Faktisch ist er den Finnen gleichgestellt, darf aber an Reichstags- und Präsidentschaftswahlen nicht teilnehmen. In Finnland wurde der Euro eingeführt mit der Besonderheit, dass von 1- und 2-Cent-Münzen nur eine geringe Auflage pro forma existiert. 

    Kapitel 5 Finnisch sprechen. 

    Im Studium lernte Peter Schwedisch, vertiefte seine Sprachkenntnis noch während eines Auslandssemester an der schwedisch-sprachigen Åbo Akademie in Turku. Erst später widmete er sich dem Finnisch. Von ihm und Marianne erfahren wir einiges über Besonderheiten dieser Sprache. Sie geben uns eine Kostprobe.

    Kapitel 6 Sauna. 
    Jeder Finne besitzt eine. In Neubauten ist für jede Wohnung eine eigene Sauna vorgesehen. Auch Marianne hat eine eigene und meidet deutsche Saunen. Vom Saunawassermarathon bis zum verbotenen Wedeln mit dem Saunatuch erfährt man hier viel Wissenswertes über kulturelle Unterschiede und Peters unermüdliches Ringen für eine Lockerung der Regeln in deutschen Wellnesstempeln sowie die Abschaffung skurriler Aufgußessenzen. Hier berichtet er auch von seinem Freund, dem Künstler Dida Zende aus Berlin, der mit seinem ausrangierten Feuerwehrauto als finnische Sauna ebenfalls in Hohenlockstedt war.
    Kapitel 7 Finnische Events
    Die Liste der Festivals und Kulturveranstalter, bei denen in Schleswig-Holstein regelmäßig finnische Künstlerinnen und Künstler auftreten ist lang: im Literaturhaus lesen Autorinnen und Autoren, es gibt die Nordischen Filmtage in Lübeck, das junge Nørden-Festival in Schleswig, das nordkolleg, das Hansemuseum oder folkBaltica - um nur einige zu nennen. Auch die DFG veranstaltet regelmäßig Events. Zudem vermittelt sie bei der Suche nach FSJ-Stellen und Gastfamilien in Finnland sowie beim Schüleraustausch.
    Kapitel 8 Jedermannsrecht.
    Finnen seien den Deutschen eigentlich sehr zugewandt, meint Peter und tut sich schwer damit, uns Klischees über Deutsche zu nennen. Aber er weist auf das Jedermannsrecht,mit dem jeder Finne aufwachse, ohne dass es jemals schriftlich fixiert wurde.  Wo da die Grenzen der Toleranz sind, wäre für Fremde nicht immer klar. Wobei das Hinterlassen von Abfällen ja eigentlich überall zu Ärger führe.

    Coverfoto "Flagge":  Andreas Hermsdorf - [email protected]

    1 hr 16 min
  • Abenteurer
    Wir treffen unsere beiden Gäste nachmittags in Kiel vor dem Schifffahrtsmuseum. Es ist der letzte Freitag im Januar, ein kalter aber sonniger Tag. Wir haben Wolldecken und Thermoskannen dabei, denn wir dürfen unser Gespräch in der ungeheizten „Brausebude“ auf der Museumsbrücke aufzeichnen. Dieser Anleger nahe Seegarten ist eigentlich bis April für Publikum gesperrt. Denn mit Ausnahme des Feuerlöschbootes, befinden sich alle Museumsschiffe im Winterlager. Wolfgang Bossmann betreut die museumstechnischen Anlagen. Er rollt eine Palette Stühle für das unmöblierte Büdchen heran und öffnet uns das Gittertor. 
    Mit der Idee, Norwegen der Länge nach zu durchqueren, trug Swantje sich einige Jahre. Sie kannte das Fjell, sprach etwas Norwegisch und brachte Erfahrung von Kajak-, Ski- und Wandertouren mit. Doch das waren mehr oder weniger kurze Urlaube, beschränkt auf die Wochen, die einem neben der Berufstätigkeit bleiben. Für die rund 2.800 Kilometer lange Strecke von der Südspitze Norwegens bis ans Nordkapp brauchen Wanderer Monate. Ihr Arbeitgeber genehmigte Swantje Ehrens ein halbes Jahr Auszeit. Im Mai 2019 startete sie. 
    Carsten Scheibe wohnt in Plön. Als Fotograf und Autor ist er für deutsche Motorradmagazine durch die halbe Welt unterwegs. Ebenso gern organisiert er Touren mit Gleichgesinnten in seiner Region. Mit ein paar Freunden gründete er zuletzt die Reisediele. Über Winter veranstalten sie in Lepahn bei Lehmkuhlen Events. Beim nächsten tritt Swantje Ehrens auf. Sie berichtet in Wort, Bild und Ton von ihrer Durchquerung Norwegens. 
    Wir sprechen mit beiden über ihren Drang nach Freiheit, der sich durch ein hohes Maß an Unabhängigkeit ausdrückt: Isomatte statt Bett, Selbstversorger am Lagerfeuer sowie die Suche nach Wegen fernab der Zivilisation.
    Inhaltlich vorbereitet und moderiert wird dieser Podcast vom Medienproduzenten Dieter Bethke und der Journalistin Daniela Mett. Die Idee dazu keimte vor Jahren beim Kieler Podcasttag während der Digitalen Woche. Entstanden ist ein ausführliches Magazin zum Hören mit Themen die das Leben schreibt, aus Kiel, über die Förde, die Ostsee und gelegentlich weit darüber hinaus. Unterstützt werden die beiden durch Beiträge von deutschsprachigen Kolleginnen und Kollegen aus dem dafür eigens gegründeten Baltic Sea Media Network.
    Kapitelmarken
    Kapitel 1
    Begrüßung. Am Nachmittag des 27. Januar 2023 sitzen wir mit unseren Gästen Swantje Ehrens und Carsten Scheibe in der sogenannten Brausebude. Sie steht auf dem Anleger Museumsbrücke und gehört zum Kieler Stadt- und Schifffahrtsmuseum. Einst diente der hölzerne Pavillon als Verkaufsbude für nichtalkoholische Getränke. Er stand an Land im einstigen Seegarten. Dort legten die Fördefähren an. Für sie gab es drei Anleger. Einer davon wird über Sommerhalbjahr noch immer für Zu- und Abgang der Passagiere genutzt.
    Kapitel 2
    Norge på langs. Aus dem Norwegischen übersetzt bedeutet es, das Land „der Länge nach durchqueren“. Anders als Pilgerrouten wie der Jakobsweg bezeichnet es keinen Weg oder eine Wanderroute, sondern eine Unternehmung. Sie besteht aus einem Anfangs- und einem Endpunkt. Swantje startete am Kap Lindesnes. Dort trug sie sich am 29. Mai 2019 im Leuchtturm als 432. Teilnehmerin (seit 1951) in die Liste ein und lief auf eigens erkundeter Route über 2.800 Kilometer bis ans Nordkapp. 

    Kapitel 3
    Freiheitsdrang. Als Carsten Scheibe anfangs mit dem eigens dafür ausgebauten Wohnmobil auf Touren ging, gab es keine ausgewiesenen Stellplätze. Mit der Zeit wurde diese Art des Reisens immer populärer und kommerzialisiert. Für Carsten war der Spaß vorbei. Er machte einen Motorradführerschein und stieg um auf eine Enduro. Mit kleinem Gepäck und Campingausstattung umrundete er die Ostsee, fuhr durch Europa und in die Wüste. 

    Kapitel 4
    Notfallknopf. Während der 136 Tage ihrer Tour meldete Swantje regelmäßig ihren Standort über einen Notfallsender.Das erinnert Dieter an den Totmannschalter. Carsten berichtet von einem Notaus am Motorrad. Von automatischen Notfallmeldungen an Einsatzzentralen hält er jedoch nichts und bezweifelt, ob dies jemals länderübergreifend funktionieren könnte und illustriert uns das am Beispiel seines Plans, die sogenannten „-stan Länder“ zu durchqueren.

    Kapitel 5
    Begegnungen. Als „nötige Würze“ ihrer Touren bezeichnet Swantje die zufälligen Kontakte mit Menschen und gibt uns Beispiele. Während der Pandemie traf Carsten auf seinen Touren keine Seele. Ganz anders in England: Dort musste er zwei Stunden täglich einplanen für Kommunikation mit den Landsleuten.

    Kapitel 6
    Vorplanung. Seine nächste Tour führt auf einem Siedlertrail quer durch die USA. Obwohl es die Route als kostenpflichtigen Download aus dem Internet gibt, tüftelt Carsten bereits seit letztem Sommer an den Reisedetails. Ein halbes Jahr Vorbereitung brauchte Swantje. Ihrer Ansicht nach sei gute Planung die Voraussetzung, um eine Tour genießen zu können.
    Kapitel 7
    Reiseberichte. Dass Plätze und Routen, über die er schrieb und zu denen er Fotos veröffentlichte, im Laufe der Zeit zu „Hotspots“ wurden, mit Folgen für Natur und Mensch, hat Carsten gezeigt, welche Verantwortung er trägt. Bei seinen Vorträgen legt er Wert darauf, dem Publikum das Glück zu vermitteln, was er durch respektvolle Begegnungen mit Mensch und Natur erfährt.
    Kapitel 8
    Herausforderung. Drei Paar Schuhe verschliss Swantje während ihrer Wandertour. Ein Schlusskapitel über Strapazen, dauerhafte Belastungen und neue Tourenpläne der beiden.

    Episodencover: © Carsten Scheibe 
    1 hr 18 min
  • Zukunft Arktis
    An diesem Freitagnachmittag zu Beginn der Adventszeit begegnen wir im Zoologischen Museum nur wenigen Besucherinnen und Besuchern. Auf Anraten der Aufsicht ziehen wir uns für das Recording mit Dr. Thomas Henningsen in den Themenraum „Ostsee“ zurück. Er kennt das Kieler Museum noch vom Studium. Es ist eine Einrichtung der Christian-Albrechts-Universität. Danach wechselte er in die USA, promovierte über Delfine im Amazonas und lebte mehrere Jahre in Russland. Seit 1991 arbeitete er für Greenpeace, zuletzt als Kampagnenleiter. Vor zwei Jahren gründete er mit Freunden die ORCA Organisation for Rapid Climate Action GmbH. Sie berät Unternehmen bei der Realisierung unmittelbar umzusetzender, schnell wirksamer Maßnahmen zum Umwelt- und Klimaschutz.
    In unseren vorhergehenden Episoden 018 „Klimawandel“ und 025 „Meeresspiegel“ erwähnte Klimaforscher Dr. Tobias Bayr Kippelemente im Erdklimasystem. Das Grönlandeis ist eines von vier Punkten, die entscheidend das Ausmaß der Klimafolgen beeinflussen. Daher setzen wir an diesem Freitagnachmittag Anfang Dezember 2022 den Fokus auf die Arktis. Von einem, der sich auf dem Kontinent auskennt, wollen wir wissen, was sich dort abspielt, welche Nationen mit welchen Interessen das Gebiet um den Nordpol für sich beanspruchen. Und welche Rolle Deutschland dabei zukommt? Die Antwort von Dr. Thomas Henningsen fällt eindeutig aus: Leben wir als größte Wirtschaftsmacht in der EU, der stärksten Wirtschaftszone der Welt, es nicht vor, dann wird es keinen globalen Klimaschutz geben. Von den jährlichen Weltklimakonferenzen erhofft er sich keine Wende mehr. Trotz verheerender Dürren, Überschwemmungen, Waldbrände und Stürme in 2022 blieben zuletzt bei COP27, der 27. UN im ägypischen Sharm el-Sheikh, erneut dringend notwendige Impulse zur Einigung aus.  
    Inhaltlich vorbereitet und moderiert wird dieser Podcast vom Medienproduzenten Dieter Bethke und der Journalistin Daniela Mett. Die Idee dazu keimte vor Jahren beim Kieler Podcasttag während der Digitalen Woche. Entstanden ist ein ausführliches Magazin zum Hören mit Themen aus Kiel, über die Förde, die Ostsee und gelegentlich weit darüber hinaus.
    Kapitel 1
    Begrüßung.
    Dieter beginnt mit einem Dank an die Museumsleitung und das Team, was uns für das Recording am 2. Dezember 2022 überaus freundlich in den Räumen des Zoologischen Museums willkommen hieß. Einziger Gast in dieser Episode ist Dr. Thomas Henningsen. Ihn habe das Polarvirus erfasst, bekennt der Meeresbiologe und Klimaschützer eingangs.
    Kapitel 2
    Kipp-Punkt.
    Ein Überschreiten der UN-Klimaziele erhöht das Risiko eines Kippeffektes, berichtet Thomas Henningsen. Er verweist dazu auf Ergebnisse eines internationalen Teams am  Potsdam Institut für Klimafolgenforschung. Demnach zählt der Grönländische Eisschild zu den vier entscheidenden Punkten. Sein Abschmelzen würde für einen globalen Anstieg des Meeresspiegels um sieben Meter sorgen.

    Kapitel 3
    Geographie.
    Neun Nationen zählen zu den Anrainern der Arktis. Sie ist ein Kontinent aus Wasser, gesäumt von Landfläche. Achtzig verschiedene arktische Völker bewohnen dieses große Wildnisgebiet. Allein Grönland ist 6,5 mal so groß wie Deutschland. Gegenpol zur Arktis bildet die Antarktis. Sie besteht aus einer gigantischen Landfläche, wird umringt von Wasser. Ihre Eisfläche ist zehnmal größer als die der Arktis.

    Kapitel 4
    Eisschmelze
    . Bei seinem letzten Besuch vor vier Jahren, berichtet Thomas Henningsen, gab es auf Spitzbergen noch Gletscherzungen, die bis ins Meer gereicht hätten. Dreißig Meter hohe Eiswände seien komplett weggeschmolzen. Mit der Wärme kommen Mücken. Sie finden in Pfützen und Tümpeln ideale Brutplätze. Rentiere flüchten vor deren Attacken in höhere Lagen. Dort fehle ihnen jedoch Futter. Mücken transportieren Krankheiten wie Malaria, auf die weder Nordamerikas noch Europas Gesundheitssysteme vorbereitet sind.

    Kapitel 5
    Schatzkammer
    . Die Zahl der Militärbasen in der Arktis nimmt zu. Es droht eine politische Auseinandersetzung um Ressourcen. Lange waren Vorkommen fossiler Brennstoffe die Treiber von Interessen. Russland fördert landseitig Öl und Gas. Sein Netz aus Pipelines erstreckt sich über vierzigtausend Kilometer. Viele davon haben Lecks. Aktuell sei ein Gebiet der Größe Frankreichs von Öl verseucht. Auf Druck von Greenpeace zog Shell sich vorerst zurück. Moratorien verhindern bisher noch, dass Fischtrawler das Schwinden der Eisflächen ausnutzen. In Erwartung reicher Naturschätze sichern sich die Mächte ihren Einfluss in der Region.

    Kapitel 6
    Global Commons. Die Arktis gehört keinem, den UN nicht und auch nicht dem Arktischen Rat, der aktuell unter Vorsitz Russlands agiert. Thomas Henningsen wünscht der Arktis, dass sie als eines der letzten großen Wildnisgebiete der Erde nicht unter den Nationen aufgeteilt wird, sondern Eigentum aller bleibt. Als positives Beispiel nennt er die Beilegung des kleinen „Whisky-Krieges“ zwischen Kanada und Dänemark um Hans Island.
    Kapitel 7
    Rapid Climate Action. Mit Freunden gründete Thomas Henningsen vor zwei Jahren die ORCA GmbH. Er wolle nicht nur Klimaschutz einfordern, sondern auch zeigen, wie die Dinge anders gehen, sagt er. Große Firmen sollten die Chance nutzen, ihre Produkte durch Halbierung ihres ökologischen Fußabdrucks zu verbessern. Von ihnen fordert einen Mentalitätswechsel.  
    Kapitel 8
    Rolle Deutschlands
    . In der gesamten Diskussion um Umwelt- und Klimaschutz sei Deutschland das wichtigste Land. Als größter Wirtschaftsmacht in der stärksten Wirtschaftszone der Welt komme uns eine Vorbildfunktion zu.
    Kapitel 9
    Wildnis. Es sei nicht die Kälte, beteuert Thomas Henningsen, eine der größten Gefahren auf Spitzbergen stellen Eisbären dar. Daher werde man angehalten, stets etwas zur Abschreckung mitzuführen. Während der Sommermonate kann die Temperatur auf 20 Grad Celsius ansteigen. Es würden sogar Erdbeeren angebaut.
    Episodencover = https://www.arctic-council.org/explore/work/arctic-knowledge/
    1 hr 22 min
  • Jahrestagung
    Es war ein lang gehegter Plan, sich eines Tages tatsächlich persönlich kennenzulernen. Dank einer Anschubförderung durch das Städtepartnerschaftsprogramm der Stadt Kiel wächst unser Netzwerk seit 2021. Dieser Sonderfondes ebnete nun auch den Weg zu unserer allerersten Jahrestagung. Alle fünf Teilnehmerinnen und Teilnehmer erhielten ein Budget für Reisekosten. 
    Ein Treffen in der schwedischen Stadt Kalmar bedeutete, dass jede und jeder von uns sich auf den Weg machen musste. Für alle war damit eine Tagesreise rund um oder über die Ostsee verbunden. Dr. Magdalena Sacha reiste über Nacht von Gdynia mit Stena Line nach Karlskrona. Stefan Suckow nahm die FRS Baltic Schnellfähre von Sassnitz nach Ystad und Martin Schröder aus Tallinn nutzte die DFDS Fährlinie Paldiski-Kapellskär. Für die Anreise aus Schleswig-Holstein bot sich die schnelle IC-Verbindung der Deutschen Bahn zwischen Hamburg und Kopenhagen an mit einzigem Halt in Schleswig. 

    Unsere erste Zusammenkunft fand am frühen Freitagabend, den 21. Oktober 2022, in der Hotel-Lobby statt. Sie dauerte bis Mitternacht. Für den Samstag hatten wir uns einen Konferenzraum reserviert. Unterbrochen von zwei kurzen gemeinsamen Spaziergängen tagten wir durchgängig bis zum Abendessen. Themen und alle Ergebnisse hielten wir am späten Nachmittag beim gemeinsamen Recording fest. Für die Aufnahme schaltete sich Svetlana Kolbanjowa aus der russischen Stadt Kaliningrad hinzu. Der derzeit in der Ukraine geführte Krieg belastet unser Verhältnis. Er war den Samstag über Thema in der Runde und führte zu Kontroversen über den Abbruch städtepartnerschaftlicher Beziehungen zu Russland. Nach dem Frühstück am Sonntag traten alle die Heimreise an.

    Inhaltlich vorbereitet und moderiert wird dieser Podcast vom Medienproduzenten Dieter Bethke und der Journalistin Daniela Mett. Die Idee dazu keimte vor Jahren beim Kieler Podcasttag während der Digitalen Woche. Entstanden ist ein ausführliches Magazin zum Hören mit Themen aus Kiel, über die Förde, die Ostsee und gelegentlich weit darüber hinaus.
    Kapitel 1 Einführung. Dieter berichtet kurz, wie es zu der Jahrestagung kam und begrüßt die Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Es folgt ein Gruß mit Dankeschön nach Kiel an das Team im Büro des Stadtpräsidenten, dem wir Projektförderung und damit die Möglichkeit zur Jahrestagung verdanken. Danach schildern alle reihum die Anreise. 
    Kapitel 2
    Städtepartnerschaft. Unser geschätzter Kollege Jens Renner zog jüngst von Kiels Partnerstadt Aarhus nach Kopenhagen. Fällt er damit als Partner aus dem Netzwerk? Oder weiten wir den Austausch auf alle Anrainer der Ostsee aus? Stefan sieht das Partnerschaftsprogramm als Kitt für Informationsaustausch auf persönlicher wie institutioneller Ebene. Magda erinnert daran, dass Gdynia neben Kiel auch Bremen als Partnerstadt hat. Sie verweist auf verschiedene Ansätze, die zur Partnerschaft führen wie aktuell mit Mariupol in der Ukraine – die Historie der Abkommen war bereits Thema in unserer Episode 008 aus dem Büro des Kieler Stadtpräsidenten.

    Kapitel 3
    Migrationsgeschichte. Polens Städte wurden von Kaufleuten gegründet, die aus deutschen Gebieten stammten, darunter viele Menschen jüdischen Glaubens. Polens Adelige und Bauern lebten traditionell auf dem Land. Gdynia entstand 1926 neu aus einem kaschubischen Dorf. Sie legt Wert darauf, den ländlichen Raum als kulturellen Ursprung ihrer Nation nicht zu übersehen. Martin bestätigt dies für Estland. Erst im 19. Jahrhundert setzte dort die Landflucht ein. Unter dem Namen Reval bauten zur Hansezeit deutschstämmige Kaufleute Tallinn auf. Im Oblast Kaliningrad lebt aktuell rund die Hälfte der Einwohner in der Hauptstadt.

    Kapitel 4
    Ostsee. Trennt oder verbindet sie uns? Svetlana erinnert daran, dass ob Krieg herrscht oder Frieden, das Binnenmeer als gemeinsamer Nenner bleibt. Ihr gäbe diese Verbindung Kraft, über die Zukunft nachzudenken. Stefan stellt fest, dass wir unabhängig von der Nationalität vor vergleichbaren Zukunftsaufgaben in Bezug auf Klimaschutz stehen. Dieter regt daher die Gründung eines Baltic Sea Media Networks an.

    Kapitel 5
    Themenwünsche. Es folgt eine längere Runde mit Vorschlägen: Partnerschaften anderer schleswig-holsteinische Städte (z.B. Laboe oder Rendsburg mit Esten). Geschichte der Hanse. Infrastrukturprojekte Baltic Sea Region. Entwicklung der Städte. Ostsee in Not - Klimawandel, Überfischung, Munitionsaltlasten. Flora und Fauna der Küsten. Wissenschaftliche Zusammenarbeit im Ostseeraum. 

    Kapitel 6
    Kalmar. Warum eine Jahrestagung in Schweden? Weil IKEA uns alle eint, witzelt Magda. Wir listen weitere Gründe. Die Stena Line verbindet Kiel mit Göteborg. Aber eine offizielle Partnerschaft unterhält die Landeshauptstadt mit keiner schwedischen Kommune. Anders mit Finnland: Zu Vasaa besteht seit 1966 eine vertragliche Verbindung. Wir suchen dort für unser Netzwerk noch nach einer deutschsprachigen Kollegin, einem Kollegen.




    53 min
  • Wandel (Talkrunde)
    Es ist ein Sonntag Mitte August 2022. Die Holtenauer Straße wurde für den Verkehr gesperrt. Mit einem Straßenfest feiert die Interessengemeinschaft „Die Holtenauer“ e.V. ihr 50. Bestehen. Im Auftrag des Vereinsvorstandes führen wir an dem Tag zwei Talkrunden und zeichnen diese auf. Dies ist die zweite Episode. 

    Die Holtenauer ist eine der attraktivsten Straßen Kiels. Auf etlichen Kilometern Länge verbindet sie Quartiere, in denen Wohnen und Arbeiten, Einkauf, Kultur und Gastronomie eng miteinander verknüpft sind. Rund 150 Geschäftsleute umfasst die Interessengemeinschaft aktuell. Sie säumen beide Seiten vom Dreiecksplatz bis hoch zur Esmarchstraße und verbinden die Shoppingmeile mit Seitenstraßen des Quartiers.

    Abgesehen von Nicoline Henkel, die beim Umweltschutzamt der Landeshauptstadt Kiel arbeitet, führen alle anderen Gäste dieser Talkrunde ein eigenes Geschäft. Simone Delz ist Inhaberin eines Geschäftes für Damenmode. Bernd Klose führt mehrere Reisebüros, eines davon auf der Holtenauer Straße. Den ersten „Unverpackt“-Laden Deutschlands öffnete Marie Delaperrière 2014 ebenfalls dort, an der Ecke zur Waitzstraße. Mit ihrem Verein Zero Waste Kiel engagiert sie sich zudem für die Zertifizierung Kiels als Zero Waste City. Ausgehend von dem Umweltschutzgedanken 1972 in der ersten Vereinssatzung entspinnt sich ein Gespräch über Verkaufspraktiken.

    Inhaltlich vorbereitet und moderiert wird dieser Podcast vom Medienproduzenten Dieter Bethke und der Journalistin Daniela Mett. Die Idee dazu keimte vor Jahren beim Kieler Podcasttag während der Digitalen Woche. Entstanden ist ein ausführliches Magazin zum Hören mit Themen aus Kiel, über die Förde, die Ostsee und gelegentlich weit darüber hinaus. 

    Im Auftrag
    [LOGO: die Holtenauer  - immer für dich nah]


    Inhalt

    Kapitel 1
    Einleitung. Begrüßung und Kurzvorstellung der vier Gäste in der Runde. Simone Delz und Bernd Klose sind Mitglied im Verein „Die Holtenauer“. Sie führt ein Modegeschäft samt Second Life Angebot, er mehrere Reisebüros. Marie Delaperrière lebt das Zero Waste Konzept, privat wie auch mit ihrem Unverpackt-Laden. Sie berät u.a. die Stadt Kiel. Als Leiterin der Steuerungsgruppe Fair Trade bei der Stadt Kiel und Initiatorin des Umweltfestes auf der Holtenauer ist Nicoline Henkel dabei.

    Kapitel 2
    Umweltfest. Zwischen 1994 und 2007 eroberten sich Bürgerinnen und Bürger die Holtenauer Straße ein Mal jährlich für einen Tag zur Feier eines Umweltfestes zurück. An der Durchführung beteiligten sich Stadt und Kaufleute gemeinsam. Nicoline Henkel berichtet von einer langen Tafel, die es als weltweit längster abfallarmer Picknicktisch ins Guinessbuch der Rekorde schaffte. 2008 fand die Veranstaltung erstmals ohne Straßensperrung statt. Das war ihr Ende. Die einst dafür eingestellten städtischen Mittel gingen auf im Kieler Mobilitätsfest. 

    Kapitel 3
    Zero Waste. „Living with less can be a life with more“ erklärt Marie Delaperriére - nachzuhören in einem Vortag bei TEDx: 2014 eröffnete sie ihr Geschäft. In dem werden Waren lose angeboten. 2016 gründete sie mit ihrem Mann den Verein Zero Waste Kiel. Beide machten sich stark für die Idee, Kiel nach Vorbild der Partnerstadt San Francisco als Zero Waste City zertifizieren zu lassen. 2020 stand das Konzept. Mittlerweile ist Kiel „Candidate City“.

    Kapitel 4
    Mode. Ganz ohne Verpackungsmüll geht es selbst bei der umweltbewussten Ladeninhaberin Simone Delz nicht. Immerhin verzichten ihre Hersteller auf Plastik. Statt dessen kommt die Ware in Seidenpapier. Wichtig ist ihr aber auch zu wissen, woher die Ware kommt, und wer die Bekleidungsstücke zu welchen Bedingungen produziert. Dazu müsse man sehr genau hinschauen, mahnt Simone Delz.

    Kapitel 5
    Reisen. Mit Sportreisen stieg Bernd Klose in das Geschäft ein. Über die Jahre hat sich sein Unternehmen spezialisiert auf Individualreisen ins südliche Afrika sowie Nordamerika. Der Sinn des Reisens bestünde doch darin, erinnert Bernd Klose, das Zielland kennenzulernen und mit Menschen in Kontakt zu kommen. Beratung über geeignete Verkehrsmittel, Länge der Tagestouren etc. ist für ihn daher essentiell. 

    Kapitel 6
    Logistik. Aus Süddeutschland bezieht Marie Delaperrière Reinigungsmittel zum Verkauf in ihrem Laden. Doch die kommen nicht in 1-Liter-Plastikflaschen auf einer mit Folie umwickelten Palette an, sondern in 25-Liter-Mehrweg-Kanistern. Das spart Platz im Lkw und viel Verpackungsmüll. Simone Delz berichtet von Erfahrungen mit ihrem Angebot, bei JoJo gekaufte Bekleidung als Second Hand Ware erneut in den Kreislauf zu bringen. Es bindet Kundinnen, ist aber durch unterschiedliche Besteuerung logistisch ein Riesenaufwand. Laufkundschaft war zu Beginn für sein Reisebüro wichtig. Heute schätzt Bernd Klose sie auf 10 bis 15 % Anteil. 

    Kapitel 7
    Zeitkapsel. Mitbringen sollten alle Gäste ein „Ding“. Dieses Etwas sollte für das Jubiläumsjahr stehen und das Potential enthalten, den Verein und seine Mitglieder auch künftig noch zu beschäftigen. 90% aller Reisen hätten während der Pandemie nicht stattgefunden, erklärt Bernd Klose. Er hat passenderweise nichts dabei. Den Verbrauch von CO2 durch Wiederaufforstung zu kompensieren, hält er für wenig aussichtsreich. Effektiver sei, die Abholzung zu stoppen. Marie Delaperrière setzt ganz auf schlichtes Glas als Objekt für unendliche viele Verwendungsmöglichkeiten. Auch ein Produkt mit Verwandlungspotential hat Simone Delz dabei. Es ist ein regional hergestellter Gürtel mit einer Schnalle, die sich variabel auf unterschiedliche Riemen setzen lässt. Damit leitet sie über zum Stand der Debatte über globalen Handel und Siegel für fair und nachhaltig produzierte Waren. Nicoline Henkel wünscht sich mehr Fair Trade auf der Holtenauer. In ihrer Vision für die Einkaufmeile gibt es ab Juni 2023 parallel zur Zertifizierung Kiels als Zero Waste City erneut ein Umweltfest samt Straßensperrung für den längsten Zero Waste Picknicktisch der Welt.

    57 min

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