
Sign up to save your podcasts
Or


1985 ist für Berlin ein Jahr voller Abschiede und Neubeginne: Die Versöhnungskirche im Mauerstreifen zwischen Mitte und Wedding wird gesprengt; SPD-Chef Willy Brand kommt auf Einladung Erich Honeckers nach Ost-Berlin. Sängerin Angelika Mann verlässt die DDR. Und in West-Berlin findet erstmals das DFB-Pokalfinale statt – daraus soll eine Institution werden, die bis heute anhält.
Kriegsgefahr hin, Umweltkatastrophen her – in Berlin weiß man um die wirklich wichtigen Themen. 1984 bewegt vor allem der Mordprozess gegen den Boxer "Bubi" Scholz die Gemüter. Der soll seine Ehefrau erschossen haben und die Boulevardpresse stürzt sich mit Vehemenz auf den Fall.
Die Angst vor einem Atomkrieg wird 1983 immer größer – die Stationierung von Mittelstreckenraketen beiderseits des Eisernen Vorhangs tut ihr Übriges. Im Westen wie im Osten ist die Friedensbewegung auf dem Vormarsch. Und dreht sogar Erich Honecker ein "Schwerter zu Pflugscharen"-Transparent an.
In Berlin driften die Milieus 1982 immer weiter auseinander, sei es im Streit um die Hausbesetzungen, die Friedensbewegung oder den Besuch von US-Präsident Ronald Reagan. Da kann er noch so oft "Berlin bleibt doch Berlin" sagen.
Richard von Weizsäcker schafft es, die jahrzehntelange Dominanz der SPD in West-Berlin zu brechen. Auch dank diverser Bauskandale, die den Regierenden Bürgermeister Dietrich Stobbe zum Rücktritt zwingen.
Die Zeiten ändern sich. Ja, wirklich! 1980 wird zum ersten Mal von Winter- auf Sommerzeit umgestellt. Das hilft den Passagieren der Berliner S-Bahn wenig. Die wird von Ost-Berlin aus betrieben und schreibt rote Zahlen. Die Folge: erst massive Einschränkungen im Angebot, dann Streiks.
Temperaturen bis minus 20 Grad, ungeheure Schneemassen: Es ist einer der schwersten Winter seit dem Zweiten Weltkrieg. Beiderseits der Mauer kämpfen Verantwortliche darum, die Stadt am Laufen zu halten.
Berlin sonnt sich im Glanz internationaler Aufmerksamkeit. Queen Elizabeth II. und US-Präsident Jimmy Carter besuchen West-Berlin, der Osten versucht, mit Yassir Arafat und General Ghaddafi dagegen zu halten. Aber die vielen Prominenten sind auch Labsal für alle, die sich mit den Widrigkeiten des Alltags arrangieren müssen.
In Ostberlin herrscht Kaffeenotstand. Der gestiegene Weltmarktpreis zwingt die devisenklamme DDR zum Strecken des Bohnenkaffees mit einheimischen Getreide. Beide Teile der Stadt sind außerdem im Drogenrausch und im Westen eskaliert die Konfrontation zwischen Staat und Terroristen.
Es ist ein Paukenschlag, wie für Wolf Biermann gemacht. Nach einem Konzert in Köln, wo er den Sozialismus verteidigt und die Bürokratie angreift, wird er ausgebürgert. Die Welle der Solidarität überrascht die SED-Führung. Die hat sich gerade in der Zustimmung zu ihrem neuen Prestigebau, dem Palast der Republik, gesonnt.
From the publisher's feed

0 Listeners

21 Listeners

3 Listeners

24 Listeners

183 Listeners

13 Listeners

2 Listeners

87 Listeners

6 Listeners

0 Listeners

37 Listeners

7 Listeners

0 Listeners

40 Listeners