Best of SZ: Das Thema und In aller Ruhe

Best of SZ: Das Thema und In aller Ruhe

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Best of SZ: Das Thema und In aller Ruhe episodes

  • „Hass als Motor“ – Olivier Mannoni bei Carolin Emcke über die Sprache des Faschismus

    Was macht es mit einem Menschen, sich jahrelang in die Tiefen von Hitlers Denken und Sprache zu versenken? Davon erzählt Olivier Mannoni im Gespräch mit Carolin Emcke in dieser Podcastfolge. Er blickt auf seine Übersetzung von Hitlers „Mein Kampf“ zurück – und die Lehren, die er daraus gezogen hat. Der französische Übersetzer hat außerdem viele Romane sowie philosophische und soziologische Texte aus dem Deutschen ins Französische übersetzt, etwa von Sigmund Freud, Peter Sloterdijk oder Martin Suter.

    2021 hat er eine Neuübersetzung von Hitlers „Mein Kampf“ in die französische Sprache vorgelegt, deren Ziel es war, der Sprache Hitlers so nah wie möglich zu kommen. Oder wie Mannoni sagt: Die Übersetzung sollte genauso „unlesbar“ sein wie das Original. „Mein Kampf“ sei, „schlecht gedacht, schlecht geschrieben“, voll von „absurden Ideen, scheußlichen Hasstiraden und Gedankenwegen, wo es keine Gedanken gibt“, sagt der Übersetzer. Es sei schlicht „ein Lügenbuch.“

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    Mannoni, geboren 1960, arbeitete zunächst als freier Journalist und Literaturkritiker und ist seit 1987 hauptberuflicher Übersetzer. Von 2007 bis 2012 war er Präsident des französischen Literaturübersetzer-Verbandes. Mannoni ist Autor von mehr als zweihundert herausgegebenen Übersetzungen von Romanen, Kurzgeschichten und Essays. Außerdem hat er mehrere Bücher über die deutsche Geschichte geschrieben. Sein Spezialgebiet ist die NS-Zeit. Über seine Übersetzung von „Mein Kampf“ schreibt er in dem Sachbuch „Hitler übersetzen“, erschienen bei HarperCollins.

    Im Gespräch mit Carolin Emcke erzählt Olivier Mannoni, wie er dabei vorgegangen ist und was er über Hitlers Umgang mit Sprache gelernt hat. Und er berichtet auch, was sich daraus über den Umgang mit Populisten der heutigen Zeit ableiten lässt. Etwa vergleicht er die Argumentationsstruktur Hitlers mit der von Donald Trump. Beide machten in ihrer Beweisführung „riesige Fehler“, die sie aber in einem „Nebel von Sprache“ kaschierten. Mannoni spricht im Podcast auch über die französischen Politiker Marine Le Pen, Jordan Bardella und Éric Zemmour.

    Empfehlung von Olivier Mannoni

    Olivier Mannoni empfiehlt das Buch „Höhenrausch“ von Harald Jähner. Mannoni nennt es ein „sehr großes Buch“. Seine Übersetzung ins Französische wird im September erscheinen. Harald Jähner schreibt in „Höhenrausch“ über die Zeit der Weimarer Republik und das dortige Wiederaufleben von Literatur, Kunst und Musik. Aber es geht auch um die immer weiter wachsende Spaltung der Gesellschaft vor Kriegsbeginn und die Frage, was zum Ende dieser pulsierenden Zeit geführt hat.

    Moderation, Redaktion: Carolin Emcke

    Redaktionelle Betreuung: Ann-Marlen Hoolt
    Produktion: Imanuel Pedersen

    Bildrechte Cover: Philippe Matsas/Leextra/Editions Héloïse d'Ormesson/Bearbeitung SZ

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    1 hr 19 min
  • „Absolutes Trauma“ – Golineh Atai bei Carolin Emcke über den Zwölf-Tage-Krieg

    Zwölf Tage Krieg - und wie geht es jetzt weiter? Auch wenn Iran und Israel den gegenseitigen Beschuss eingestellt haben, sind viele Fragen offen. Carolin Emcke spricht in dieser Folge des Podcasts mit Golineh Atai, der Leiterin des ZDF-Studios in Kairo. Die Journalistin geht auf die Folgen der israelischen und US-amerikanischen Angriffe auf Iran ein, reflektiert die aktuelle Situation in Teheran und wägt die Chancen für einen Regimewechsel ab.

    Atai, geboren 1974 in Teheran, ist in Hoffenheim aufgewachsen und hat nach ihrem Studium ein journalistischen Volontariat beim Südwestrundfunk absolviert. Danach war sie unter anderem Redakteurin bei verschiedenen Fernseh-Magazinen und ARD-Korrespondentin in Ägypten und Moskau. Seit dem 1. Januar 2022 leitet Golineh Atai das ZDF-Studio in Kairo. Von dort berichtet sie für über die arabische Welt.

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    Hoffnung auf einen Regimewechsel? „Eigentlich kaum vorhanden“

    Im Gespräch mit Carolin Emcke spricht Atai über die Rolle Irans in der Region und den Einfluss des Regimes auf Syrien und Libanon. Außerdem geht es um die völkerrechtliche Legitimität des israelischen Angriffs und die widersprüchlichen Angaben zum Ausmaß der Schäden am iranischen Atomprogramm. „Wir sind sehr schnell dabei zu sagen, dieses Regime ist geschwächt“, konstatiert Atai. „Im Inneren ist es das keinesfalls.“
    Anschließend spricht die Journalistin über die Folgen für die Zivilbevölkerung und die Demokratiebewegung in Iran. Sie erläutert die gespaltene iranische Diaspora und warum ihre Hoffnung auf einen Regimewechsel „eigentlich kaum vorhanden“ ist.
    Auch mangele es Deutschland und der Europäischen Union an Entschlossenheit im Umgang mit dem iranischen Regime, kritisiert Golineh Atai. Sie fordert, dass die EU ihre Sanktionen gegen Iran verschärft und die finanzielle Unterstützung von Menschenrechtsorganisationen ausgebaut werden sollte. Ebenso müsse die deutsche Bundesregierung Fehler im Umgang mit dem iranischen Regime aufarbeiten.
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    Empfehlung von Golineh Atai**
    Als Kulturtipp empfiehlt die Journalistin zwei Filme, die dieses Jahr beim iranischen Filmfestival in Köln vorgestellt wurden. Zum einen den in Iran produzierten Spielfilm „The Old Bachelor“, der für Atai „eine Parabel auf Iran“ ist und die Situation im Land verständlich erklärt. Das sei „sehr bitter, sehr tragisch, sehr gewaltvoll anzuschauen“. Als Zweites empfiehlt Golineh Atai den Dokumentarfilm „Impasse“, Streitgespräche innerhalb einer strenggläubigen Familie während der landesweiten Proteste für Frauenrechte.

    Moderation, Redaktion: Carolin Emcke

    Redaktionelle Betreuung: Ann-Marlen Hoolt, David Kulessa
    Produktion: Imanuel Pedersen

    Bildrechte Cover: ZDF/ Bearbeitung SZ

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    1 hr 12 min
  • Wo bitte steht der nächste Bunker?

    In Deutschland gibt es noch rund 580 sogenannte Schutzräume - von einst etwa 2000 Bunkern, die während des Kalten Krieges der Bevölkerung zur Verfügung standen. Doch selbst diese Bunker existieren nur auf Papier. Die meisten von ihnen sind anders genutzt oder in einem so schlechten Zustand, dass sie grundlegend saniert werden müssten: zu feucht, zu alt, zu schlecht in Schuss. Seit 2007 hat sich niemand mehr so richtig um die deutschen Bunkeranlagen gekümmert. Mit Absicht, denn damals schien jegliche Kriegsgefahr gebannt und der Erhalt teurer Schutzbunker sowohl unnötig – als auch unnötig teuer.

    Deutschland ist also schlecht ausgestattet in die Zeitenwende geschlittert. Im Kriegsfall wäre die Bevölkerung zwar nicht völlig schutzlos - es gibt Keller, U-Bahnhöfe, Parkhäuser unter der Stadt. Aber so richtige Bunker, im Sinne des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe, sind das nicht.

    Wie praktisch, wenn man also Besitzer eines Eigenheimes ist und die Finanzen dafür hat, sich so einen Schutzraum einfach selbst bauen zu lassen. In den eigenen Keller oder - noch besser - in eine tiefe, geräumige Grube, die man extra im Garten hat ausheben lassen. Das Geschäft mit privaten Bunkern läuft in Deutschland gerade ziemlich gut. Aber wer baut sich so private Bunker? Und wovor sollen die alles schützen im Katastrophenfall: nur vor Bomben oder auch vor den eigenen Nachbarn?

    Darüber spricht Timo Nicolas im Podcast mit Constanze von Bullion aus dem Berliner Parlamentsbüro der SZ. Sie hat in der Szene recherchiert und sich auch in so einen Privatbunker einschließen lassen. Nur für eine Minute, wie sie sagt, aber: Es habe sich angefühlt wie eine stille und stockdunkle Ewigkeit.

    **Zum Weiterhören und -lesen: **

    Den Text zu ihrer Recherche lesen Sie hier.

    Die erste Folge des Podcasts “German Angst” können Sie hier kostenlos hören.

    Moderation: Timo Nicolas

    Redaktion: Lars Langenau
    Produktion: Imanuel Pedersen

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    39 min
  • Haben wirklich so viele ADHS?

    ADHS, die Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung hat gerade Hochkonjunktur. Doch ist das eine Modediagnose für die Krankheit unserer unruhigen Zeit? Oder gibt es wirklich bis zu vier Millionen Menschen in Deutschland, die darunter leiden?

    Die Störung wurde erst 1987 in den ärztlichen Diagnosekatalog aufgenommen. Zunächst ging man davon aus, dass es nur Kinder betreffen kann, vor allem Jungen. Doch bei Mädchen ist ADHS oft einfach viel weniger auffällig. Sie haben öfter den verträumten ADHS Typ, sind leicht abgelenkt, passen nicht auf, nerven aber auch kaum. Erst spät kam die Idee auf, dass es auch Erwachsene haben können.

    Bei ADHS geht es zum einen um eine echte, psychiatrische Diagnose – und zum anderen als gesellschaftliches Debattenphänomen, sagt Barbara Vorsamer aus dem Gesellschaftsressort der Süddeutschen Zeitung. ADHS sei eine ernsthafte psychiatrische Erkrankung, die viele Menschen stark beeinträchtigt und professionelle Hilfe erfordert. Gleichzeitig sei ADHS jüngst zu einem sehr präsenten Thema geworden, bei dem sich viele, auch ohne Diagnose, wiederfinden.

    Zudem würden sich viele in bestimmten Berufsfeldern sammeln. „Eines davon sind die Medien. Und das kann natürlich dazu führen, dass wir dann in einer öffentlichen Debatte ein bestimmtes Übergewicht haben.“ In Medienberufen aber gelten sie als kreativ, abenteuerlustig, eigensinnig, zupackend und originell.

    Zwar lasse sich ADHS mit Medikamenten wie Ritalin leicht behandeln. Und manche würden gern auf die Störung verzichten, andere aber können damit produktiv umgehen. Grundsätzlich sei die Bandbreite des Normalen „viel größer, als wir gemeinhin denken“. Die SZ-Redakteurin plädiert dafür, dies anzuerkennen und mit Verständnis und Wohlwollen der Störung heranzugehen, anstatt nur Defizite in den Vordergrund zu stellen.

    Zum Weiterlesen:

    Barbara Vorsamers Porträt der ADHS-Spezialistin Astrid Neuy-Lobkowicz lesen Sie hier.

    Ihr Interview mit einer Identitätsforscherin hier.

    ADHS und Hochbegabung, Dyskalkulie und Depression: Welche Diagnosen sind seriös? Darüber lesen Sie hier einen Beitrag.

    Protokolle von Eltern mit betroffenen Kinder finden Sie Sie hier.

    Und hier lesen Sie Vorsamers Interview mit Gemma Styles, der Schwester von Popstar Harry.

    Moderation, Redaktion: Lars Langenau

    Redaktion: Timo Nicolas, Clara Dzemla

    Sprecher: Patrick Bauer, Clara Dzemla, Antonia Franz, Johannes Korsche, Timo Nicolas, Leopold Zaak

    Produktion: Aylin Sancak

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    43 min
  • Showdown vor Gericht: Diddys tiefer Fall

    Das Urteil steht kurz bevor, die Geschworenen haben sich zu Beratungen zurückgezogen – für Sean “Diddy” Combs geht es jetzt um alles: Der Rapper und Musikmogul ist angeklagt, mehrere Frauen sexuell ausgebeutet und missbraucht zu haben, darunter seine langjährige Lebensgefährtin Cassie Ventura.

    Sollte er schuldig gesprochen werden, könnte er für Jahrzehnte ins Gefängnis kommen. Der Fall ist der prominenteste und größte #MeToo-Prozess der US-amerikanischen Musikbranche. Aber es könnte auch der letzte große Prozess dieser Art sein, denn der Wind in den USA hat sich gedreht. Das Klima für Frauen, die öffentlich über Gewalt und Machtmissbrauch sprechen, ist rauer geworden, die amerikanische Politik hat Diversität und Feminismus den Kampf angesagt. Mit Donald Trump ist ein verurteilter Missbrauchstäter selbst im höchsten Staatsamt.

    Trotzdem ist der Prozess eines der größten Medienereignisse der USA. Nicht nur Zeitungen und TV-Sender berichten über den Fall, sondern auch zahlreiche Influencer und Content-Creator nutzen den Strafprozess als Bühne und berichten minutiös und teils pietätlos über das Geschehen im Gerichtssaal. Unparteiisch sind dabei die wenigsten.

    Zum Weiterhören und -lesen:

    Unseren neuen Podcast “Der Papageienkönig” können Sie mit einem SZ-Plus-Abo unter anderem auf Spotify hören.

    Den Film “12 Angry Men” können Sie unter anderem bei Amazon Prime hier schauen.

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    Moderation, Redaktion: Timo Nicolas

    Redaktion: Johannes Korsche, Laura Terberl

    Produktion: Imanuel Pedersen

    45 min
  • „Welt abgeschafft“ – Maja Göpel bei Carolin Emcke über die radikale Kehrtwende in der Klimapolitik

    Donald Trump hat in seinen ersten sechs Amtsmonaten einiges zerstört. Dazu gehört auch eine radikal-aggressive Umkehrung der Klimapolitik seines Vorgängers Joe Biden. Der US-Präsident und seine Maga-Bewegung bekämpfen dabei nicht nur den Umwelt- und Klimaschutz an sich, sondern stellen auch die Existenz des menschenverursachten Klimawandels infrage.

    Über diesen radikalen Bruch mit international anerkannten Prinzipien spricht Carolin Emcke in dieser Folge des Podcasts mit der Ökonomin und Nachhaltigkeitswissenschaftlerin Maja Göpel. Dabei geht es auch um die Ermüdung der Klimabewegung in Deutschland.

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    Göpel, geboren 1976 in Bielefeld, hat in Kassel in politischer Ökonomie promoviert. Sie war Generalsekretärin des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung Globale Umweltveränderung und ist Autorin mehrere Bestseller über globale Transformation. Außerdem ist sie Professorin für Nachhaltigkeitstransformation an der Leuphana Universität Lüneburg und Gründerin des Netzwerks „Mission wertvoll“.

    Die zentrale Macht kehrt globalen Strukturen den Rücken

    Im Podcast bei Carolin Emcke spricht Maja Göpel über die Versuche der Trump-Regierung, bisherige Fortschritte im Klimaschutz rückgängig zu machen. Für die Ökonomin steckt dahinter die grundsätzliche Absicht, eine regelbasierte internationale Ordnung zu untergraben. „Das war ein Riesendurchbruch nach zwei Weltkriegen zu sagen, wir fangen an, global zu denken“, sagt Göpel im Podcast. „Und jetzt ist eine ganz zentrale – oder vielleicht die zentral gestaltende – Macht dabei zu sagen: Hören wir auf damit.“

    Die Ökonomin befürchtet, dass diese Angriffe auf die Klimabewegung auch in Deutschland erreichte Fortschritte untergraben, oder zumindest den Diskurs darüber zurücksetzen. Dazu kommt, dass eine generelle „Verdichtung von Krisenhaftigkeit“ das gesamtgesellschaftliche Vertrauen in Institutionen und Kooperation schwäche. Schon jetzt beobachtet Maja Göpel, dass es schwerer geworden ist, Menschen für eine gute Sache zu mobilisieren.

    Welche Herausforderungen sich daraus für die Klimabewegung ergeben und inwiefern sich die neue Bundesregierung in dieser Frage positionieren sollte – darüber diskutiert Maja Göpel im Podcast.

    Empfehlung von Maja Göpel

    Als Kulturtipp empfiehlt Maja Göpel zwei Bücher der buddhistischen Nonne Pema Chödrön, „Geh an die Orte, die du fürchtest“ und „Wenn alles zusammenbricht“. Die kanadische Schriftstellerin führe „leichtfüßig“ und „alltagssprachlich“ durch die „Herausforderungen des Menschseins“, sagt Göpel. Sie ist überzeugt, dass es vielen Menschen guttun würde, „zu verstehen, wie wir uns selbst so weit kennenlernen, dass wir in dieser irren Zeit eigene Kraftressource finden.“

    Moderation, Redaktion: Carolin Emcke

    Redaktionelle Betreuung: Ann-Marlen Hoolt, Clara Dzemla, Johannes Korsche
    Produktion: Imanuel Pedersen
    Bildrechte Cover: Christian Charisius/picture alliance/dpa/Bearbeitung SZ

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    1 hr 26 min
  • Berliner Grundschule: Schüler mobben homosexuellen Lehrer

    Oziel Inácio-Stech ist Lehrer an der Carl-Bolle-Grundschule in Berlin-Moabit. 95 Prozent der Kinder hier haben einen Migrationshintergrund. Viele stammen aus muslimischen Familien. Und einige von ihnen aus streng religiösen Kreisen. Als er sich vor seinen Schülern als schwul outet, stößt er bei vielen nicht auf Akzeptanz, im Gegenteil: Oziel Inácio-Stech sei „eine Familienschande“, er werde „in der Hölle landen“, er sei „eine Schande für den Islam“. Das sind nur einige Äußerungen, die er seitdem fast täglich ertragen muss. Manche Kinder weigern sich sogar, an seinem Unterricht teilzunehmen, verweisen ebenfalls auf den Islam.

    Als er nicht mehr weiter weiß, wendet sich der Lehrer mit einem Hilferuf an SZ-Reporter Thorsten Schmitz. Schmitz fängt an zu recherchieren, liest hunderte Seiten Schulakten, Klassenbucheinträge, persönliche Notizen und Anwaltsschreiben und kommt zu dem Schluss: Das ist nicht nur ein tragischer Fall, dahinter steckt ein System, das versagt hat. Er schreibt eine Reportage über Inácio-Stech - und bekommt danach noch mehr Post von Lehrern, die ihm vergleichbares schildern.

    Zum Weiterhören und -lesen:

    Den Text von Thorsten Schmitz zum Fall Inácio-Stech lesen Sie hier.

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    31 min
  • „Vernichtungsabsicht“ – Wolfgang Kaleck bei Carolin Emcke über den Begriff des Völkermords

    Wann immer Menschen Aufmerksamkeit für das Leid in Gaza fordern, steht er im Raum: der Vorwurf des Genozids. Oftmals begleitet von Unverständnis über die vermeintliche Untätigkeit von Justiz, Politik und Behörden. Über die juristischen Hürden des Völkermordbegriffes und die Situation in Gaza spricht Carolin Emcke im Podcast dieses Mal mit dem Menschenrechtsanwalt Wolfgang Kaleck. Er erklärt, wann Kriegsverbrechen tatsächlich als Völkermord bezeichnet werden können und warum er international eine Erosion des Völkerrechts befürchtet.

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    Wolfgang Kaleck, geboren 1960 in Mittelfranken, ist Fachanwalt für Strafrecht, unter anderem mit einem Schwerpunkt auf Menschenrechte. Er ist Generalsekretär und einer der Mitgründer des „European Center for Constitutional and Human Rights“ (ECCHR), einer gemeinnützigen Menschenrechtsorganisation mit Sitz in Berlin. Kaleck stieß zahlreiche Ermittlungen gegen Verantwortliche von Unrechtsregimen an, etwa in Argentinien, Syrien oder Iran. Auch vertritt er den Whistleblower Edward Snowden anwaltlich. Zudem veröffentlichte Kaleck mehrere Bücher.

    Ein schwer zu beweisender Tatbestand – aber es gibt Indizien

    Im Podcast erläutert der Anwalt, warum es schwer ist, die für den Tatbestand des Völkermords notwendige Vernichtungsabsicht eindeutig nachzuweisen. Deshalb dauere es oft lange, bis Gerichte zu einem eindeutigen Urteil kommen könnten. Für Menschen, die Opfer von Kriegsverbrechen geworden sind, sei das oft ernüchternd. Und trotzdem sei die gesellschaftliche Bedeutung dieser Prozesse enorm.

    Im Falle von Gaza, sagt Kaleck, sehe er starke Indizien dafür, dass es aufseiten Israels tatsächlich eine Vernichtungsabsicht geben könnte. Ein wesentliches Kriterium für einen Völkermord im juristischen Sinne. Dafür sprächen diverse Aussagen hochrangiger Regierungsmitglieder, sowie die massive Zerstörung der zivilen Infrastruktur in Gaza und das Aushungern der Bevölkerung. Letztlich aber, sagt der Menschenrechtsanwalt, sei die Frage nach einem Völkermord zweitrangig. Denn für Kaleck steht es außer Frage, dass in Gaza mindestens Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen werden. Und allein das müsse ausreichen, um die internationale Staatengemeinschaft zu alarmieren. „Es gibt keine Hierarchien bei den Völkerstraftaten“, sagt der Anwalt.

    Mehr dazu, wie Wolfgang Kaleck die Situation in Gaza bewertet und warum er in Deutschland eine „Verwahrlosung des Diskurses“ kritisiert, hören Sie im Podcast.

    Empfehlung von Wolfgang Kaleck

    Als Kulturempfehlung hat Wolfgang Kaleck gleich einen ganzen Strauß an Tipps dabei. Generell sagt er, spreche es zu ihm, wenn sich Menschen künstlerisch mit Vergangenheit und Gegenwart beschäftigen, „um vergangenes und aktuelles Unrecht zu bekämpfen.“ Der Menschenrechtsanwalt empfiehlt unter anderem den oscarnominierten Essayfilm „Soundtrack to a Coup d’Etat“ und den Roman „Ein von Schatten begrenzter Raum“ von Emine Sevgi Özdamar. Und: Wolfgang Kaleck spricht eine Empfehlung für das Buch „Menschenwerk“ der südkoreanischen Literaturnobelpreisträgerin Han Kang aus. Das sei ein „ein unglaubliches Werk“, das „dramatische, schwere Ereignisse auf eine poetische Art“ nahebringe.

    Moderation, Redaktion: Carolin Emcke

    Redaktionelle Betreuung: Ann-Marlen Hoolt, Clara Dzemla, Johannes Korsche
    Produktion: Imanuel Pedersen
    Bildrechte Cover: Nihad Nino Pušija/Bearbeitung SZ

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    1 hr 34 min
  • „Moderne Sklaverei“ – Sven Hilbig bei Carolin Emcke über digitalen Kolonialismus

    Smarte Geräte, Künstliche Intelligenz, Online-Kommunikation – unsere Gesellschaft wird immer digitaler. Doch kaum jemand weiß, dass dieser technische Fortschritt auch zu fortschreitender Ausbeutung führt. Und zwar im globalen Süden. Hier bereichern sich Tech-Konzerne, indem sie seltene Erden und Bodenschätze beanspruchen, und Menschen für einen mickrigen Lohn Datensets verarbeiten lassen. Über diese Art des digitalen Kolonialismus spricht Carolin Emcke im Podcasts mit Sven Hilbig, Digitalexperte und Mit-Autor eines Buches zu genau diesem Thema.

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    Hilbig, geboren 1966 in Bremerhaven, hat Rechtswissenschaft in Freiburg und Berlin studiert. In Rio de Janeiro war er Rechtsberater für die brasilianische Menschenrechtsorganisation „Global Justice“. Außerdem arbeitete bei der Heinrich-Böll-Stiftung zu verschiedenen Themen an der Schnittstelle von Ökonomie und Ökologie. Inzwischen arbeitet er bei Brot für die Welt. Hier ist er verantwortlich für die Themen Handelspolitik und Digitalisierung. Sein Buch „Digitaler Kolonialismus“, das er zusammen mit Ingo Dachwitz geschrieben hat, ist für den deutschen Sachbuchpreis nominiert.

    Technischer Fortschritt verstärkt Ausbeutung - aber es könnte auch anders gehen.

    Im Podcast spricht Hilbig darüber, wie sich die jahrhundertealten Strukturen des Kolonialismus in der digitalen Welt fortsetzen. Große Tech-Konzerne, insbesondere aus den USA, treiben diese Entwicklung voran. Um ihre Marktmacht auszubauen, beuten sie Ressourcen und Arbeitskraft im globalen Süden aus. „Das ist das Grundmodell, auf dem unsere globale kapitalistische Weltordnung seit 500 Jahren beruht.“

    Hilbig kritisiert das „Heilsversprechen“ der Digitalisierung als Motor für die Emanzipation. Hinter diesem Mythos stünden die Interessen der Technologiekonzerne, die Regulierung verhindern und ihre Monopolstellung stärken wollen. Letztlich fußten die gefeierte technische Errungenschaften fast immer auf einer Ausbeutung des globalen Südens. Warum, erklärt der Digitalisierungsexperte im Podcast.

    Und Sven Hilbig spricht auch darüber, was getan werden könnte, um den ständigen Kreislauf der Ausbeutung zu durchbrechen. Es gebe ihm besondere Hoffnung, dass sich immer mehr Menschen und Staaten gegen die kolonialen Strukturen wehren, die sie benachteiligen. „Es gibt sehr, sehr viele aktive Akteure im globalen Süden. Und wahrscheinlich wird auch die Befreiung aus dem globalen Süden kommen.“

    Empfehlung von Sven Hilbig

    Sven Hilbig empfiehlt den oscarnominierten Essayfilm „Soundtrack to a Coup d'Etat“, der mehrere Entwicklungen nachzeichnet, die bis heute prägend für die Welt sind: Postkolonialismus, Bürgerrechtsbewegungen und Jazz. Der Film bespricht die Ermordung von Patrice Lumumba, dem ersten Premierminister des unabhängigen Kongos. Hilbig sagt, ihn habe die Musik und der Informationsgehalt beeindruckt. Und: „Der Film dauert zweieinhalb Stunden. Und trotzdem ist er kurzweilig.“

    Moderation, Redaktion: Carolin Emcke

    Redaktionelle Betreuung: Ann-Marlen Hoolt
    Produktion: Imanuel Pedersen
    Bildrechte Cover: Olga-Lin Bülau/Bearbeitung SZ

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    1 hr 16 min
  • „Mit tödlichen Folgen“ – Tobias Singelnstein bei Carolin Emcke über Polizeigewalt

    Fast ein Monat ist seit dem Tod von Lorenz A. vergangen. Bei einem Polizeieinsatz in Oldenburg wurde der 21-Jährige erschossen. Warum? Dazu laufen Ermittlungen. Der Fall hat eine emotionale Diskussion um Waffeneinsatz und strukturellen Rassismus bei der Polizei ausgelöst. Denn Lorenz A. war schwarz.

    Ob rassistische Einstellungen innerhalb der Polizei verbreitet sind und ob die Beamten zu oft zur Waffe greifen, darüber spricht Carolin Emcke in dieser Folge mit dem Kriminologen Tobias Singelnstein, der zu Polizeigewalt forscht. Er erklärt, was die Aufklärung von Gewalttaten durch Polizistinnen und Polizisten erschwert, wie aussagekräftig Polizeistatistiken sind und inwiefern der Fall Lorenz symptomatisch für Probleme innerhalb der Polizei steht.

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    Tobias Singelnstein, geboren 1977 in Berlin, ist Professor für Strafrecht, Strafprozessrecht und Kriminologie an der Juristischen Fakultät der Goethe-Universität in Frankfurt. Zuvor war er Professor an der Ruhr-Universität Bochum. Singelnstein ist Mitherausgeber der Fachzeitschrift Neue Kriminalpolitik sowie der Schriftenreihe „Studien zur Kriminalität – Recht – Psyche“. Er ist außerdem Autor mehrerer Bücher.

    Die Schusswaffe soll das letzte Mittel sein

    Im Gespräch mit Carolin Emcke gibt Singelnstein Einblicke, wie Polizisten und Polizistinnen auf Gefahrensituationen trainiert werden und warum dieses Training zu übermäßiger Gewalt führen kann. Insbesondere wenn potenzielle Täter ein Messer bei sich tragen, komme es schnell zu einer Eskalation der Situation, ähnlich wie bei den tödlichen Schüssen auf Lorenz A. Für den Kriminologen besteht in diesem Fall das Problem daran, dass zunehmend „schon das Beisichführen des Messers an sich problematisiert wird“.
    Mit Hinblick auf den Einsatz von Schusswaffen erläutert Singelnstein, dass die Polizei in Deutschland eigentlich selten darauf zurückgreife. Doch wenn sie es tue, endeten diese Einsätze häufig tödlich. Der Einsatz von Waffen sei „das allerletzte Mittel“, das die Polizei in einer Einsatzsituation habe und nutzen dürfe. Deshalb gebe es hier auch rechtliche Hürden.

    Systemische Fragen wurden bislang nicht bearbeitet

    Obwohl es in der Polizei inzwischen eine Sensibilität für Probleme gebe, löse öffentliche, zivilgesellschaftliche Kritik häufig eine Abwehrhaltung aus, erklärt Singelnstein. Mitunter führe das dazu, dass innerhalb der Polizei oft „nur auf einer formalen Einzelfallebene diskutiert und abgehandelt wird und dass die strukturellen Probleme, die dahinter liegen, nicht richtig angegangen werden“. Dazu gehören für den Kriminologen auch die Fragen nach Gewaltanwendung und Rassismus.
    Tobias Singelnstein schlägt im Podcast mehrere Reformen vor, um die Polizei zu entlasten und die Aufarbeitung jeglicher Vorfälle zu verbessern. Etwa eine unabhängige Kontrollbehörde und eine Entlastung der Beamten, die für immer mehr Bereiche zuständig sind. „Aber ich glaube, es bleibt dabei, dass es für die Polizei wirklich schwierig ist, Probleme in ihrer Praxis öffentlich zu thematisieren.“

    Empfehlung von Tobias Singelnstein

    Im April ist der jamaikanische Musiker Max Romeo verstorben, den Tobias Singelnstein in seiner Jugend viel gehört hat. Er schätzt die Nachdenklichkeit und Ernsthaftigkeit der Musik, die aber gleichzeitig immer auch etwas Fröhliches und Ausgelassenes habe. „Diese Mischung ist das, was mich daran anzieht“, sagt er und empfiehlt allen Hörerinnen und Hörern von „In aller Ruhe“, selbst hineinzuhören.

    Moderation, Redaktion: Carolin Emcke

    Redaktionelle Betreuung: Ann-Marlen Hoolt
    Produktion: Imanuel Pedersen
    Bildrechte Cover: Uwe Dettmar, Goethe-Universität Frankfurt/Bearbeitung SZ

    1 hr 18 min

About Best of SZ: Das Thema und In aller Ruhe

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