Best of SZ: Das Thema und In aller Ruhe

Best of SZ: Das Thema und In aller Ruhe

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Best of SZ: Das Thema und In aller Ruhe episodes

  • „Trainingslager der mentalen Verwahrlosung“ – Bernhard Pörksen bei Carolin Emcke über digitale Diskurskultur

    In dieser Folge von „In aller Ruhe“ geht es um den besorgniserregenden Abbau der Meinungs- und Pressefreiheit in den USA. Aber auch um Angriffe auf Diskurse hier in Deutschland. Um darüber zu sprechen, hat Moderatorin Carolin Emcke den Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen zum Gespräch eingeladen. Er erzählt im Podcast über seinen jüngsten Besuch in den Vereinigten Staaten und von den Gesprächen, die er dort mit Menschen geführt hat. Pörksen skizziert die Grundpfeiler einer optimistischen Vision für eine bessere Diskurskultur: die redaktionelle Gesellschaft, wo jede und jeder in der Lage ist, Informationen zu hinterfragen und einzuordnen.

    Pörksen, geboren 1969 in Freiburg im Breisgau, ist einer der bekanntesten deutschen Medienwissenschaftler. Während seines Studiums der Germanistik, Journalistik und Biologie arbeitete er freiberuflich als Journalist. Nach der Promotion lehrte er zunächst Kommunikations- und Sprachwissenschaft an der Universität Greifswald. Nach Stationen in Hamburg und Münster übernahm er 2008 als Professor den Lehrstuhl für Medienwissenschaft an der Universität Tübingen, wo er auch heute noch arbeitet. Zu den zentralen Themen seiner Forschung gehört die Dynamik öffentlicher Empörung.

    Unfreiheit im Gewand der Freiheitsrhetorik

    Im Podcast analysiert der Medienwissenschaftler, wie Donald Trump und seine Verbündeten systematisch unabhängige Medien einschüchtern und diskreditieren, etwa durch Klagen, Drohungen und den Versuch, Journalisten zu entlassen. Öffentlich werden diese Angriffe dabei mit der vermeintlichen Verteidigung der Meinungsfreiheit und der freien Presse begründet, sagt Pörksen. Eine paradoxe Strategie: „Dieser neue Autoritarismus, den wir da erleben, spricht die Sprache der Anti-Autoritären. Diese neue Unfreiheit kommt im Gewand der Freiheitsrhetorik daher.“

    Doch nicht nur in den USA sind Medien- und Meinungsfreiheit bedroht. Carolin Emcke und Bernhard Pörksen sprechen im Podcast auch über die verpatze Wahl von Frauke Brosius-Gersdorf und die massiven Anfeindungen, die die Richterin im Zuge der Debatte erleben musste. Für Pörksen ist die Causa Brosius-Gersdorf „ein Symptom einer neuen Wucht der neuen Öffentlichkeiten“. Das Internet und die sozialen Medien seien zu einem „Trainingslager der mentalen Verwahrlosung“ geworden und verursachten gleichzeitig eine generelle „informationelle Verunsicherung“.

    Um dem beizukommen, fordert Bernhard Pörksen im Podcast einen besseren institutionalisierten Schutz für Menschen, die Hasskommentaren im Internet ausgesetzt sind. Und er spricht sich dafür aus, die Medienkompetenz der Menschen allgemein zu stärken. „Ich sehe das als eine Gesamtanstrengung, weil ja tatsächlich jeder zum Sender geworden ist.“ Ziel müsse es sein, zu einer „redaktionellen Gesellschaft“ zu werden.

    Das ganze Gespräch von Bernhard Pörksen und Carolin Emcke hören Sie im Podcast, hier auf Spotify und auf sz.de.

    Empfehlung von Bernhard Pörksen

    Als Lesetipp empfiehlt Bernhard Pörksen die in diesem Jahr erschienene Thomas-Mann-Biografie von Tilmann Lahme. Es sei ein „ungeheuer wuchtiges Buch“, das die Leser Neues entdecken lasse und einen Thomas Mann zeige, der sich seine Homosexualität nicht zugesteht und deshalb „erotische Energie in Kulturenergie“ verwandelt. „Diese innere Biografie, halte ich für eine literarische Sensation“, sagt der Medienwissenschaftler im Podcast.

    Moderation, Redaktion: Carolin Emcke

    Redaktionelle Betreuung: Ann-Marlen Hoolt
    Produktion: Imanuel Pedersen

    Bildrechte Cover: Peter-Andreas Hassiepen/Bearbeitung SZ

    Sie erreichen die Redaktion dieses Podcasts unter [email protected] – wir freuen uns über Anregungen, Lob oder Kritik.

    1 hr 35 min
  • „Socialised to desire“ – Manon Garcia bei Carolin Emcke über Sexualität und Unterwerfung

    Der Missbrauchsfall Gisèle Pelicot hat die Öffentlichkeit erschüttert. Nachdem sie jahrelangen Vergewaltigungen durch ihren Ehemann und viele weitere Männer öffentlich gemacht hatte, wurde sie zu einer Symbolfigur für den Kampf gegen sexualisierte Gewalt. In einem viel beachteten Prozess sprach ein französisches Gericht im vergangenen Jahr 51 Männer wegen Vergewaltigung schuldig. Darunter auch Pelicots Ex-Mann Dominique. Er bekam die Höchststrafe von 20 Jahren, weil er seine damalige Frau jahrelang mit Medikamenten betäubt, missbraucht und anderen Männern zur Vergewaltigung angeboten hatte.

    Die französische Philosophin Manon Garcia hat ihre unmittelbare Erschütterung über den Pelicot-Prozess in einem Buch verarbeitet: „Mit Männern leben“. In dieser Folge von „In aller Ruhe“ spricht sie mit der Publizistin Carolin Emcke darüber, wie sie den Prozess im Gerichtssaal erlebt hat. Und sie erklärt, wie sie zu der Kernfragestellung ihres Buches kam: Liegt es in der Natur des Mannes zu vergewaltigen?

    Garcia, geboren 1985 in Frankreich, lehrt praktische Philosophie an der Freien Universität in Berlin. Nach dem Erwerb ihres Doktortitels an der Sorbonne-Universität in Paris arbeitete sie zunächst an Universitäten in den USA: in Chicago, Harvard und Yale. In ihrer Forschung beschäftigt sie sich mit dem Verhältnis von Männern und Frauen, insbesondere in Fragen der Sexualität.

    Generelle gesellschaftliche Verwirrung über den Zusammenhang von Gewalt und Sexualität

    Im Gespräch mit Carolin Emcke erzählt Manon Garcia, dass sie sich bei ihren Besuchen im Gerichtssaal immer wieder dieselbe Frage gestellt hat: Warum fanden es diese Männer erregend, eine bewusstlose Frau zu vergewaltigen? „Ein Effekt, den dieser Prozess auf mich hatte, war die Erkenntnis, dass es da etwas im männlichen Begehren gibt, das ich und viele andere Frauen tief verstörend finden.“ Auffällig findet die Philosophin dabei, wie viele Frauen das Gefühl hatten, dass der Pelicot-Prozess etwas darüber aussagt, was es gesellschaftlich bedeutet, eine Frau zu sein. Während nur wenige Männer sagten, dass der Prozess etwas über Männerbilder aussagt. „Das kann nicht sein.“

    Garcia reflektiert im Podcast über die komplexen Dynamiken von Unterwerfung und Zustimmung, die das gesellschaftliche Bild von Sexualität prägen, und wie sie zustande kommen. „Kann es sein, dass sich Frauen unterwerfen, weil sie wissen, dass sie ansonsten gezwungen werden?“ Die Philosophin spricht darüber, wie zurückhaltend die Psychologie die Befürwortung von sexueller Gewalt als Perversion einstuft: „Sie sehen es als normalen Teil männlicher Sexualität.“ Warum das für Manon Garcia für eine generelle gesellschaftliche Verwirrung hinsichtlich sexueller Rollenbilder spricht, erläutert sie im Gespräch mit Carolin Emcke.

    Empfehlung von Manon Garcia

    Die Philosophin empfiehlt die Apple-Serie „Krank Berlin“, die hyperrealistisch davon erzähle, wie der Mensch am Gesundheitssystem leidet. „Eine der besten Serien, die ich in diesem Jahr gesehen habe“, sagt Manon Garcia. Außerdem empfiehlt sie ein Buch der Autorin Neige Sinno, die darin ihre eigenen Erfahrungen mit sexualisierter Gewalt aufarbeitet: „Trauriger Tiger“.

    Moderation, Redaktion: Carolin Emcke

    Redaktionelle Betreuung: Ann-Marlen Hoolt, Johannes Korsche
    Produktion: Imanuel Pedersen
    Bildrechte Cover: Heike Steinweg/Bearbeitung SZ

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    1 hr 24 min
  • „Kultivierung der Ohnmacht“ – Joseph Vogl bei Carolin Emcke über Ressentiment als politische Währung

    Mehr als noch vor einigen Jahren scheinen gegenwärtige Diskurse von Ressentiments geprägt zu sein, diesen gefühlsmäßigen, häufig unbewussten Abneigungen gegen bestimmte Personen oder Gruppen. Über die Rolle von Ressentiments in der Politik geht es in dieser neuen Folge des Podcasts „In aller Ruhe“. Carolin Emcke spricht dazu mit dem Politikwissenschaftler Joseph Vogl über den in der Trump-Regierung verankerten Schädigungswillen, über große Social-Media-Konzerne und die Ausbeutung kleiner Unterschiede.

    Vogl, geboren 1957 in Niederbayern, habilitierte sich 2001 im Fach „Neuere deutsche Literaturwissenschaft“ an der Ludwig-Maximilians-Universität in München. Von 2006 bis 2023 hatte er die Professur für „Neuere deutsche Literatur“ an der Humboldt-Universität zu Berlin inne. Vor gut zwei Jahren hielt er seine Abschiedsvorlesung. Weiterhin hat Vogl eine permanente Gastprofessur an der Princeton University in den USA. Ein Fokus seiner Forschung liegt auf der Verschränkung von Wissen und Literatur.

    Abstrakte Vergeltungssucht als Träger des Ressentiments

    Der Literaturwissenschaftler erklärt im Podcast, wie Ressentiments von rechten Bewegungen und Parteien instrumentalisiert werden, um Spaltung und Feindbilder zu erzeugen. Eine Gruppe wird abgewertet, um das Selbstbild einer anderen zu stärken und eine gefühlte Handlungsunfähigkeit zu überwinden. Vogl spricht in diesem Zusammenhang von einer Kultivierung von Ohnmacht: „Subjekt des Ressentiments ist eines, das eine Ohnmacht in einer gewissen Weise kultiviert.“

    Im Gespräch mit Carolin Emcke analysiert Vogl, wie sich das Ressentiment in der Rhetorik der Trump-Regierung ausdrückt. Er beschreibt einen Typus von Politiker mit außerordentlicher „Ressentiment-Begabung“, zu dem er auch den US-Präsidenten zählt. Die demonstrative Erniedrigung und Verfolgung einzelner Personen und Gruppen seien ein manifester Bestandteil seiner Politik.

    Joseph Vogl spricht im Podcast außerdem über eine Dynamik zwischen Kapitalismus und der Bereitschaft zum Ressentiment. Ein „konkurrierender Individualismus“, führe dazu, dass sich die Menschen ständig mit anderen vergleichen. Und damit zu einer „abstrakten Vergeltungssucht“, also dem Wunsch, dem anderen eins auszuwischen, weil er etwas besitzt, was man selbst nicht hat.

    Empfehlung von Joseph Vogl

    Der Literaturwissenschaftler empfiehlt das im Frühjahr erschienene Buch „Verzauberte Vorbestimmung“ von Jonas Lüscher. Es sei ein „ausgezeichneter Roman, weil er Möglichkeiten des Romanesken in vielfältiger Hinsicht ausschöpft“. Lüscher beschreibt in seinem Buch verschiedenste Schauplätze, die von einer Frage zusammengehalten werden: Welche Rolle spielen technokratische Prozesse für das soziale Gefüge? Das Ergebnis sei eine „konzertierte Vielstimmigkeit“, die für Vogl „das Beste eines Romans“ darstellt.

    Moderation, Redaktion: Carolin Emcke

    Redaktionelle Betreuung: Ann-Marlen Hoolt
    Produktion: Imanuel Pedersen
    Bildrechte Cover: Philipp Plum/Bearbeitung SZ

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    1 hr 30 min
  • Was drei Grad Erderwärmung ausmachen

    Überschwemmungen, Erdrutsche, Starkregen, Korallensterben, Gletscherschmelze, Anstieg des Meeresspiegels und so weiter und so fort. Das Klima der Erde heizt sich weiter auf. Und die Auswirkungen sind längst zu spüren.

    Die Emissionen seien in den vergangenen 25 Jahren noch einmal deutlich gestiegen, vor allem durch den Aufholprozess von Schwellenländern wie China und Indien, sagt Michael Bauchmüller aus dem Berliner SZ-Büro. Deshalb sei das 1,5-Grad-Ziel des Pariser Klimaabkommens auch nur noch sehr schwer zu erreichen.

    Der Redakteur berichtet für die SZ seit mehr als zwei Jahrzehnten über Energie-, Umwelt- und Landwirtschaftspolitik. Neben vielen negativen Entwicklungen beobachtet Bauchmüller aber auch Fortschritte, etwa beim Ausbau erneuerbarer Energien. Es gebe noch Grund zur Hoffnung, wenn auf die Analyse des Problems endlich entschlossenes Handeln folge.

    Zum Weiterhören und -lesen:

    Das Gespräch mit Friederike Otto, Londoner Professorin für Klimawissenschaft, und dem Physiker und Ozeanographen Stefan Rahmstorf vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung finden Sie hier.

    Die neue SZ-Podcast -Serie “Greta – Die Geschichte einer Eskalation” finden Sie hier.

    Unseren Podcast “Auf den Punkt” über die Kipppunkte mit dem Klimaforscher Jonathan Donges hören Sie hier.

    Zitiertes und zusätzliches Audiomaterial über Tagesschau und electron media group.

    Redaktion, Moderation: Lars Langenau

    Redaktion: Justin Patchett

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    43 min
  • Wie man eine Drohne abfängt (oder viele)

    Deutschland hatte früher mal einen Flakpanzer namens Gepard. Damit hätte man gut auf kleine, unbemannte Flugobjekte schießen können. Nur gab es die früher noch nicht. Der Gepard wurde ausgemustert. Blöd, denn jetzt wäre er wohl wertvoll: Deutschland, eigentlich ganz Europa, ist nahezu blank, was die Abwehr des eigenen Luftraums gegen Drohnen betrifft. Das haben die jüngsten Wochen gezeigt. Entweder man lässt die Drohnen gewähren - oder man schießt auf sie mit sehr teuren Raketen, die mehr als das Zehnfache kosten können.

    Dabei gibt es effiziente Drohnenabwehrsysteme, Made in Europe. Nur hatte die Bundeswehr bisher kaum Interesse an ihnen. Das sollte sich schnell ändern, sagt Verteidigungsexperte Georg Ismar aus dem Parlamentsbüro der Süddeutschen Zeitung in Berlin. Er erklärt in dieser Folge, wie eine effiziente Drohnenabwehr aussehen könnte und müsste, was vom angekündigten Drohnenwall zu halten ist und warum das ferne China bei all dem ein Wort mitzureden hat.

    Zum Weiterhören und -lesen:

    Hier und hier finden Sie Kommentare von Georg Ismar zur Situation der Drohnenabwehr in Deutschland.

    Und hier unsere Recherche zur Macht Chinas über Seltene Erden.

    Moderation, Redaktion: Timo Nicolas

    Redaktion: Lars Langenau

    Produktion: Imanuel Pedersen

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    Zitiertes und zusätzliches Audiomaterial via ARD/Das Erste.

    37 min
  • „Alle roten Linien überschritten“ – Riad Othman bei Carolin Emcke über die humanitäre Lage in Gaza

    Weiterhin ist die Verteilung humanitärer Hilfe im Gazstreifen stark eingeschränkt. Fast alle Gebäude sind zerstört oder stark beschädigt. Krankenhäuser sind gar nicht oder nur noch eingeschränkt funktionsfähig. Die Menschen drängen in überfüllten Zeltstädten. Der Hunger ist groß.

    Über die katastrophale Lage im Gazastreifen spricht die Publizistin Carolin Emcke in dieser Folge von „In aller Ruhe“ mit Riad Othman, dem Nahostreferenten von Medico International. Die Hilfs- und Menschenrechtsorganisation mit Sitz in Frankfurt setzt sich weltweit für ein Recht auf Gesundheit ein.

    Othman, geboren 1976 im Südschwarzwald, ist Sohn eines palästinensischen Vaters und einer deutschen Mutter. In den Niederlanden absolvierte er einen Master in humanitärer Hilfe. Seit 2016 ist er Nahostreferent für Medico International. Zuvor leitete er das Medico-Büro für Israel und Palästina.

    Menschen in Gaza leisten „absolut Übermenschliches“

    Im Gespräch mit Carolin Emcke erzählt Riad Othman, wie schwer es für ihn sei, gesicherte Informationen über die Lage im Gazastreifen zu erhalten. Die Partnerinnen und Partner von Medico in Gaza können nur sporadischen Kontakt halten. Auch sie kämpfen um ihr Überleben. Angesichts von Vertreibung und Zerstörung zeigt sich Othman beeindruckt von davon, wie die Partnerorganisationen weiterhin versuchen, die Zivilgesellschaft in Gaza aufrecht zu halten: mit Suppenküchen, mobilen Kliniken oder psychologischer Betreuung. „Die leisten absolut Übermenschliches jeden Tag.“

    In seiner Beschreibung versucht der Nahostreferent die analytischen Begriffe, mit denen die Lage in Gaza häufig beschrieben wird – Ernährungsunsicherheit, zerstörte Infrastruktur, humanitäre Krise – konkret erlebbar zu machen. Bildlich erklärt er, welche Folgen die katastrophale humanitäre Lage für die Menschen hat. Dabei kritisiert er deutlich die Kriegsführung der israelischen Regierung und fordert darüber hinaus ein entschiedeneres Eingreifen der internationalen Staatengemeinschaft: „Alle roten Linien sind in Gaza überschritten worden, ohne jede Konsequenz.“ Den deutschen Abwurf von Hilfsgütern über den dem Gazastreifen nennt er „absolut beschämend“ und „nicht mehr als eine Image-Kampagne.“

    Was es aus seiner Sicht tatsächlich braucht, um den Menschen in Gaza zu helfen und was auch politisch getan werden müsste, hören Sie im Podcast.

    Empfehlung von Riad Othman

    Zum Ende der Folge empfiehlt Riad Othman das Buch „Eines Tages werden alle immer schon dagegen gewesen sein“. Der Journalist Omar El Akkad beschreibt darin eine schmerzhafte Erkenntnis: Dass die Versprechen des Westens eine Lüge sind. Es sei ein „kluges Buch aber auch ein berührendes Buch“, sagt Riad Othman. Es handele von Gaza aber eben auch von den persönlichen Erfahrungen des Autors und seiner Enttäuschung über den westlichen Liberalismus.

    Moderation, Redaktion: Carolin Emcke

    Redaktionelle Betreuung: Ann-Marlen Hoolt

    Produktion: Imanuel Pedersen

    Bildrechte Cover: Jana Flörchinger/Bearbeitung SZ

    1 hr 24 min
  • Generation Klarna: Jung und verschuldet

    Fast ein Fünftel der Menschen zwischen 14 und 29 Jahren sind in Deutschland verschuldet. Das ist ein Rekordhoch. Viele von ihnen haben Konsumschulden: Sie haben sich Geld geliehen für Make-Up, Schuhe oder Jacken.

    Eine gewichtige Rolle dabei spielen Zahlungsanbieter wie Paypal oder Klarna. Sie machen es jungen Menschen einfach, Geld zu borgen, und sei es nur für ein paar Tage: Das “Buy Now, Pay Later”-Modell ist beliebt und sorgt dafür, dass man heute schon etwas haben kann, ohne direkt dafür bezahlen zu müssen. Die Rechnung kommt später.. Und wenn dann noch immer nicht genügend Geld zur Deckung da ist, kann der Betrag oft auch in Raten abbezahlt werden.

    Spätestens dann aber wird es teuer mit den Zinsen. Und die Gefahr besteht, dass man schnell den Überblick verliert: Viele Käufe, viele Raten, und seien sie noch so klein, können sich zu großen monatlichen Summen addieren. In dieser Podcast-Folge reden wir mit SZ-Volontär Sebastian Strauß darüber, hören eine Betroffene und ihren Weg in die Schulden - und wieder raus.

    Den Text zur Recherche von Sebastian Strauß lesen Sie hier.

    Seinen Text zum Revival des Teleshoppings auf TikTok hier.

    Betroffene von Kaufsucht können in München hier Hilfe finden und in Berlin hier.

    In zahlreichen Städten gibt es Schuldner-Beratungen, zum Beispiel in München bei der AWO.

    Moderation, Redaktion: Timo Nicolas

    Redaktion: Lars Lagenau

    Produktion: Imanuel Pedersen

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    27 min
  • Labubu-Hype: Made in China ist jetzt cool

    Gar nicht so teuer, aber schwer zu bekommen: Labubus sind aktuell der wohl größte Spielzeugtrend der Welt. Die kleinen Plüschmonster sind als Accessoire hoch im Kurs - vor allem bei Erwachsenen - und ein Phänomen auch in den USA und Europa. Die Figuren aus China zeigen der Welt das erste Mal: Hey, auch die Volksrepublik kann cool sein.

    Und das ist genau, wonach die Kommunistische Partei Chinas wohl gesucht hat. Denn im Streben nach Macht und Größe fehlte ihr bisher ein Produkt, dass es mit Coca-Cola und dem iPhone aufnehmen kann: ein Sehnsuchtsobjekt, das die Menschen unbedingt wollen und das eben nicht aus den USA stammt.

    Im Podcast erzählen wir die Geschichte der Labubus und wie mit einem kleinen Plüschmonster große Politik gemacht wird.

    Zum Weiterhören und -lesen:

    Die Texte zu den Labubu-Recherchen von Gregor Scheu lesen Sie hier und hier.

    Unsere Podcastserie zur “Great Firewall” können sie hier hören.

    Moderation, Redaktion: Timo Nicolas

    Redaktion: Lars Langenau

    Produktion: Aylin Sancak

    41 min
  • „Die Nichtschließung der Grenze war richtig“ – Thomas de Maizière bei Carolin Emcke über Regieren und Selbstkritik

    Kaum jemand kennt den Maschinenraum der Politik so gut wie Thomas de Maizière. Unter Angela Merkel war der CDU-Politiker Kanzleramtschef sowie Innen- und Verteidigungsminister. Zuvor hatte er diverse Ministerämter in der sächsischen Landesregierung inne. Er weiß, unter welchen Bedingungen Politik entsteht und wie sich diese verändert haben. Carolin Emcke spricht mit ihm für diese Folge von „In aller Ruhe“ über strukturelle Faktoren, die politische Arbeit erschweren.

    Hinweis: Dieses Gespräch ist am 30. Juli geführt worden.

    De Maizière, geboren 1954 in Bonn, trat bereits als Schüler in die CDU ein. Er studierte Rechtswissenschaft, Geschichte und Politikwissenschaft an den Universitäten Münster und Freiburg. Nach der Promotion begann er seinen politischen Weg als Redenschreiber für Richard von Weizsäcker, den damaligen Regierenden Bürgermeister von Berlin und späteren Bundespräsidenten. Nach Stationen in Mecklenburg-Vorpommern wechselte er in die sächsische Landespolitik und schließlich in die Bundespolitik. Neben seiner Ministertätigkeit vertrat er von 2009 bis 2021 als Bundestagsabgeordneter den Wahlkreis Meißen. Dann schied er freiwillig aus der aktiven Politik aus.

    „Öffentlichkeit ist ein zentraler Mangel der Qualität von Politik.“

    Im Gespräch mit Carolin Emcke erzählt Thomas de Maizière von den Belastungen und Herausforderungen der Regierungsverantwortung. Dabei geht es auch um die veränderte Rolle von Öffentlichkeit, in der Politiker heute viel mehr unter Beobachtung stehen. Gleichzeitig sei der Informationsanspruch von Medien und Bevölkerung schnelllebiger geworden. Das erhöhe den Druck. „Öffentlichkeit ist ein zentraler Mangel der Qualität von Politik“, sagt der ehemalige Minister. Ein erfolgreicher politischer Prozess brauche Vertraulichkeit.

    Zudem reflektiert de Maizière über schwierige Entscheidungen in seiner politischen Laufbahn: „Es wäre leichter, mit Politikern über Fehler zu reden, wenn ihnen die Umstände und der Erkenntnisstand der damaligen Zeit auch angerechnet würde.“ Zur Migrationspolitik der Bundesregierung konstatiert der ehemalige Innenminister: „Die Nichtschließung der Grenze war richtig, auch wenn das jetzt viele anders sehen.“

    Daneben geht es in dieser Folge von „In aller Ruhe“ auch über das, was ihm als Minister half, in Drucksituationen einen kühlen Kopf zu bewahren. Und Thomas de Maizière analysiert gemeinsam mit Carolin Emcke den Aufstieg rechtspopulistischer Bewegungen in Deutschland und Europa, inklusive Vorschlägen, wie dem entgegengewirkt werden kann.

    Empfehlung von Thomas de Maizière

    Thomas de Maizière empfiehlt „Der Morgenstern“ von dem norwegischen Autor Karl Ove Knausgård. Das Buch ist der Auftakt zu einer gleichnamigen Buchserie und erzählt davon, wie das Auftauchen eines neuen Sterns am Himmel den Alltag von neun Menschen und die Natur in Unordnung stürzt. „Das Buch ist so beiläufig dramatisch geschrieben, wie es ich selten erlebt habe“, sagt de Maizière. Für ihn sei Karl Ove Knausgård einer der besten Autoren dieser Zeit.

    Moderation, Redaktion: Carolin Emcke

    Redaktionelle Betreuung: Ann-Marlen Hoolt
    Produktion: Imanuel Pedersen

    Bildrechte Cover: thomasdemaiziere.de/Bearbeitung SZ

    Sie erreichen die Redaktion dieses Podcasts unter [email protected] – wir freuen uns über Anregungen, Lob oder Kritik.

    1 hr 40 min
  • Wenn Schüler Lehrer mobben

    Oziel Inácio-Stech ist Lehrer an der Carl-Bolle-Grundschule in Berlin-Moabit. 95 Prozent der Kinder hier haben einen Migrationshintergrund. Viele stammen aus muslimischen Familien. Und einige von ihnen aus streng religiösen Kreisen. Als er sich vor seinen Schülern als schwul outet, stößt er bei vielen nicht auf Akzeptanz, im Gegenteil: Oziel Inácio-Stech sei „eine Familienschande“, er werde „in der Hölle landen“, er sei „eine Schande für den Islam“. Das sind nur einige Äußerungen, die er seitdem fast täglich ertragen muss. Manche Kinder weigern sich sogar, an seinem Unterricht teilzunehmen, verweisen ebenfalls auf den Islam.

    Als er nicht mehr weiter weiß, wendet sich der Lehrer mit einem Hilferuf an SZ-Reporter Thorsten Schmitz. Schmitz fängt an zu recherchieren, liest hunderte Seiten Schulakten, Klassenbucheinträge, persönliche Notizen und Anwaltsschreiben und kommt zu dem Schluss: Das ist nicht nur ein tragischer Fall, dahinter steckt ein System, das versagt hat. Er schreibt eine Reportage über Inácio-Stech - und bekommt danach noch mehr Post von Lehrern, die ihm vergleichbares schildern.

    Zum Weiterhören und -lesen:

    Den Text von Thorsten Schmitz zum Fall Inácio-Stech lesen Sie hier.

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    31 min

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