Best of SZ: Das Thema und In aller Ruhe

Best of SZ: Das Thema und In aller Ruhe

By Süddeutsche ZeitungSociety & CultureNews
Download on the App Store

Best of SZ: Das Thema und In aller Ruhe episodes

  • Trumps ungenierte Krypto-Geschäfte

    Die Trump-Organisation hat in den vergangenen Monaten und Jahren hunderte Millionen Dollar mit Kryptogeschäften verdient. Dabei war Donald Trump lange Gegner der digitalen Währungen. Lange war seine Position: Das würde den Dollar schwächen und ein schwacher Dollar sei schlecht für die USA. Dann aber fangen seine Söhne an, sich für Kryptowährungen zu begeistern und überzeugen ihren Vater mit ihren Gewinnen.

    Seither lobt Donald Trump die Kryptobranche überschwänglich. Er wurde mit Millionen Dollar an Wahlkampfspenden belohnt und seit er Präsident ist, handelt er in ihrem Sinne. Das kommt auch ihm selbst und seine Familie zugute.

    Zum Weiterhören und -lesen:

    Unseren neuen Podcast “Der Papageienkönig” können Sie mit einem SZ-Plus-Abo unter anderem auf Spotify hören.

    Den Text von Max Muth zu Trumps Kryptogeschäften lesen Sie hier.

    Klicken Sie hier, wenn Sie sich für ein Digitalabo der SZ interessieren, um unsere exklusiven Podcast-Serien zu hören: www.sz.de/mehr-podcasts

    Mehr über die Angebote unserer Werbepartnerinnen und -partner finden Sie HIER

    29 min
  • Trumps Krieg gegen die Wissenschaft

    Der 47. US-Präsident Donald Trump macht auf allen Ebenen die Politik seines Vorgängers Joe Biden rückgängig. Insbesondere in Bereichen wie Klimawandel, Impfungen und Gesundheitsforschung. Einen Feldzug führt er gegen die Wissenschaft. Immer gezielter geht seine Regierung gegen viele Wissenschaftsbereiche und Gesundheitsbehörden vor: Mitarbeiter werden entlassen, Gelder eingefroren, Forschungsergebnisse beeinflusst und zensiert, Datenbanken gelöscht.

    Seither hat sich das Klima an den Universitäten und in den Regierungsbehörden radikal verändert. Denn wenn sich die Institutionen nicht beugen, werden Gelder eingefroren und der Druck auf Professoren erhöht. Ausländische Studenten, die gegen den Krieg in Gaza protestiert haben, werden die Visa entzogen, sie werden festgenommen und sollen ausgewiesen werden. Die Furcht, seine Meinung frei zu äußern oder gar zu publizieren, die wächst - und führt zu vorauseilendem Gehorsam, zu Selbstzensur.

    Aber warum? Dahinter steckt ein systematischer Angriff: Denn wenn die Universitäten schwach sind, bekommen die rechtsextremen Ideologen die Deutungshoheit über die Wahrheit, sagt Christina Berndt aus dem SZ-Wissenschaftsressort. All das schade nicht nur der Attraktivität des US-Wissenschaftsstandorts, sondern habe auch international gravierende Auswirkungen.

    Zum Weiterhören und -lesen:

    Die Reportage über die Demontage der Wissenschaften und Gesundheitsbehörden von Christina Berndt und Boris Herrmann lesen Sie hier.

    Unseren Podcast "Deutsch-amerikanische Freundschaft" von Boris Herrmann mit Christian Zaschke hören Sie hier.

    Den Artikel über Fische auf dem Mond lesen Sie hier.

    Das Interview mit dem Historiker Timothy Snyder können Sie hier lesen.

    Moderation, Redaktion: Lars Langenau

    Redaktion: Timo Nicolas, Clara Dzemla

    Produktion: Imanuel Pedersen

    Klicken Sie hier, wenn Sie sich für ein Digitalabo der SZ interessieren, um unsere exklusiven Podcast-Serien zu hören: www.sz.de/mehr-podcasts

    Mehr über die Angebote unserer Werbepartnerinnen und -partner finden Sie HIER

    38 min
  • Der Mann hinter der Tür (1/6)

    Der Mord an der chinesischen Austauschstudentin Yangjie Li in Dessau ist ein verstörender Fall – nicht zuletzt wegen der Uneinsichtigkeit des Täters und der Arroganz seiner Eltern.

    1 hr
  • „Das pure Grauen“ – Stefanie Schüler-Springorum bei Carolin Emcke über Unterdrückung in der Nachkriegsgesellschaft

    Die Demokratisierung der Bundesrepublik nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wird häufig verklärt. Gerade die Unterdrückungserfahrungen von Minderheiten werden im Rückblick ausgeblendet. Darüber spricht Carolin Emcke im Podcast mit der Historikerin Stefanie Schüler-Springorum. Sie erzählt, wie auch lange nach dem Ende des Krieges Kontinuitäten aus der Zeit des Nationalsozialismus bestanden haben.

    Ein Hinweis: Ab der nächsten Folge hören Sie diesen Podcast nur noch mit einem SZ Plus-Abo. Sollten Sie noch kein SZ Plus-Abo haben, so finden Sie unter sz.de/ruheplus ein exklusives Probeabo zum Testen und Weiterhören. Mit einem Abo unterstützen Sie die Arbeit der SZ-Redaktion und damit den unabhängigen Journalismus.

    Stefanie Schüler-Springorum, geboren 1962 in Hamburg, leitet seit 2011 das Zentrum für Antisemitismusforschung an der Technischen Universität Berlin. Zuvor hat sie das Institut für die Geschichte der deutschen Juden in Hamburg geleitet. In ihrem neuesten Buch „Unerwünscht. Die westdeutsche Demokratie und die Verfolgten des NS-Regimes“ schildert die Historikerin die westdeutsche Nachkriegsgesellschaft aus Sicht der Menschen, die im Nationalsozialismus verfolgt wurden.

    „Man muss demokratisch stabil bleiben.“

    Stefanie Schüler-Springorum beschreibt die Ergebnisse ihrer Recherche zur deutschen Nachkriegszeit als „das pure Grauen“. Wer nicht zur Mehrheitsgesellschaft gehörte, wurde ausgegrenzt und unterdrückt. Juden, Homosexuelle, Zwangsarbeiterinnen, Sinti und Roma – im Podcast beschreibt sie die Lebenswirklichkeiten dieser Bevölkerungsgruppen in den 50er- und 60er-Jahren. Und den langen Weg hin zu mehr Gleichheit in der Gesellschaft.

    Diskussionen über Opfer- und Täterschaft seien zu lange verkürzt geführt worden, betont die Historikerin. Im Gespräch mit Carolin Emcke legt Schüler-Springorum die Gründe dafür dar. Unter anderem nennt sie ein „deutsches Überlegenheitsgefühl“, das die Gesellschaft auch nach dem Ende des Nationalsozialismus und im Übergang zur Demokratie zusammengehalten habe.

    Schließlich geht es im Podcast noch darum, wie die Erinnerung an die vergangene Geschichte auch nach vielen Jahren noch aufrecht gehalten werden kann. Schüler-Springorum beklagt, dass vielen Menschen heute das Interesse an einer Auseinandersetzung mit der Geschichte fehle. Gleichzeitig plädiert sie bei dem Thema für mehr Gelassenheit. Auch ohne intensive Geschichtsstudien sei es möglich, „demokratisch stabil“ zu bleiben. „Man muss einfach hoffen, dass genug Spuren gelegt sind, auf die man sich beziehen kann.“

    Empfehlung von Stefanie Schüler-Springorum

    Als Kulturtipp legt die Historikerin den Hörerinnen und Hörern ans Herz, sich tiefergehend mit der deutschen Geschichte zu beschäftigen. „Lest die Originale. Lest die ganze Lebensgeschichte von Hugo Höllenreiner oder von Hans Frankenthal oder den großartigen Interview-Band aus den 90er-Jahren mit jüdischen Überlebenden in Berlin.“

    Moderation, Redaktion: Carolin Emcke

    Redaktionelle Betreuung: Ann-Marlen Hoolt
    Produktion: Imanuel Pedersen
    Bildrechte Cover: G. Faller-Walzer/Bearbeitung SZ

    1 hr 29 min
  • Verdacht auf sexuellen Missbrauch: Wenn Zweifel bleiben

    Mehr als 18 000 Kinder und Jugendliche sollen laut Bundeskriminalamt 2023 von sexuellem Missbrauch betroffen gewesen sein. Die Dunkelziffer ist vermutlich viel höher. Viele Taten werden verschwiegen, auch weil sie ganz überwiegend in der Familie, im Bekannten- oder Freundeskreis geschehen.

    Wird ein Verdacht tatsächlich angezeigt und Ermittlungen beginnen, dann fehlt es häufig an Beweisen. Und wie kann überhaupt ermittelt werden, wenn die Aussagen von einem Kind stammen? Ein Kind, das Realität und Fantasie vielleicht nicht auseinanderhalten kann und dessen Erinnerungen beeinflussbar sind?

    Über einen Verdacht in einer KiTa, in einer Kleinstadt im Südwesten von Deutschland, haben die SZ-Redakteurinnen Elisa Britzelmeier und Lea Weinmann mit SZ-Redakteur Leonard Scharfenberg aufwändig recherchiert. Dort wurde zwei Erzieherinnen vorgeworfen, schutzbefohlene Kleinkinder sexuell missbraucht zu haben.

    Insgesamt wurden 45 Personen von der Polizei vernommen. Am Ende ist die Ermittlungsakte knapp 1900 Seiten lang, doch aus Sicht der Behörden wurden keine eindeutigen Belege für den Tatvorwurf gefunden. Es bleiben aber Unsicherheit und tiefe Wunden bei allen Beteiligten.

    Den Text zu der komplexen Recherche lesen Sie hier.

    Moderation, Redaktion: Lars Langenau

    Redaktion: Lili Braun, Laura Terberl, Timo Nicolas; Lena Weinmann

    Produktion: Carolin Lenk

    Klicken Sie hier, wenn Sie sich für ein Digitalabo der SZ interessieren, um unsere exklusiven Podcast-Serien zu hören: www.sz.de/mehr-podcasts

    Mehr über die Angebote unserer Werbepartnerinnen und -partner finden Sie HIER

    53 min
  • Putins brandgefährliches Sabotagesystem

    Seit Beginn des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine hat Russland auch Kiews Unterstützern den Krieg erklärt. Auch die Bundesrepublik ist verstärkt im Visier russischer Geheimoperationen. Der hybride Krieg verstärkt sich. Neuerdings verzeichnen deutsche Sicherheitsbehörden vermehrt Anschläge.

    Gesteuert wird das geheime Netzwerk von Agenten über Messengerdienste wie Telegram. Die Leute, die von Moskau angeheuert werden, um das ausführen, sind nicht einmal ausgebildete Geheimdienstler. Sie sind sogenannte "Wegwerf-", "Taschengeld-", "Low-Level-" oder "Billig-Agenten".

    Wer sind diese Leute? Wie arbeiten sie? Wer bezahlt sie, was sind ihre Ziele - und was will Moskau damit bezwecken? Reporter der SZ, von WDR und NDR haben sich auf die Suche nach diesen Agenten, ihren Motiven und Zielen gemacht. Sie konnten nachvollziehen, wie diese Menschen arbeiten, das Vorgehen dieser Netzwerke sehr genau rekonstruieren und zeigen, wie knapp Deutschland einem möglicherweise verheerenden Anschlag auf ein DHL-Frachtflugzeug entgangen ist.

    Darüber sprechen Lina Verschwele und Jörg Schmitt aus dem Investigativ-Team der Süddeutschen Zeitung im SZ-Recherchepodcast "Das Thema". Ihre Recherche zeigt zudem, dass Deutschland auf die neue Bedrohung nicht ausreichend vorbereitet ist – und dass die Gefahr einer weiteren Eskalation besteht.

    Die ausführliche Reportage über die russischen Sabotageakte lesen Sie hier.

    Moderation, Redaktion: Lars Langenau

    Redaktion: Nadja Schlüter

    Produktion: Carlo Sarsky

    Zusätzliches Audiomaterial über ARD.

    Klicken Sie hier, wenn Sie sich für ein Digitalabo der SZ interessieren, um unsere exklusiven Podcast-Serien zu hören: www.sz.de/mehr-podcasts

    Mehr über die Angebote unserer Werbepartnerinnen und -partner finden Sie HIER

    41 min
  • „Autoritäres Moment“ – Martin Saar bei Carolin Emcke über die ausgehöhlte US-Demokratie

    Wochenlang greift die Trump-Regierung nun schon die Universitäten an, streicht ihnen Gelder und zwingt sie dazu, Programme für Vielfalt und Inklusion einzustellen. In dieser Woche hat sie der angesehenen Harvard-Universität Gelder in Höhe von 2,2 Milliarden Dollar entzogen, weil diese sich den Forderungen der Regierung widersetzt hatte.

    Langsam regt sich Widerstand gegen Donald Trump. Dabei sah es lange so aus, als könne der US-Präsident ungestört gegen alles, was links, kritisch oder vielfältig ist, kämpfen. Was sagt das über die Demokratie der USA aus? Darüber spricht Carolin Emcke in dieser Folge des Podcasts mit dem Sozialphilosophen Martin Saar.

    Saar, geboren 1970 in Tübingen, ist Professor für Sozialphilosophie an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main. Er forscht zur politischen Theorie der Gegenwart und zur politischen Ideengeschichte, zu Macht, Ideologie und Demokratie. Saar ist gut in den USA vernetzt, unter anderem forschte und lehrte er an der New School of Social Research in New York. Kürzlich erschien sein Buch „Was ist Sozialphilosophie?“.

    **
    Egal, ob Krebs- oder Genderforschung. Die ganze Wissenschaft ist betroffen**
    Während der Aufnahme des Podcasts befindet sich Martin Saar im amerikanischen St. Louis. Im Podcast berichtet er von Gesprächen mit Trump-Wählerinnen und Wählern, die ein generelles Gefühl der Entfremdung von politischen und wissenschaftlichen Eliten eint. „Das, was ich heraushöre, ist: Hier räumt jemand auf mit einem Laden, der als elitär abgehoben, nicht den Interessenbedürfnissen des Volkes entsprechend angesehen wird.“ Der Sozialphilosoph vermutet, dass Donald Trumps Versuche, die liberale Demokratie zu untergraben und autoritäre Strukturen in den Vereinigten Staaten zu etablieren, seinen Unterstützern ein Gefühl der Selbstermächtigung vermittle.

    In diesem Sinne analysiert Martin Saar auch die Budgetkürzungen bei Hochschulen und Universitäten: als generellen Angriff auf die Wissenschaft, die gemeinhin für Pluralismus und liberale Werte stehe. Dabei sei es egal, ob Krebs- oder Genderforschung betroffen sind. Das gesamte universitäre System werde „als Teil einer nicht volksmäßigen, abgehobenen, isolierten Schicht“ angesehen.

    Keine Disruption, sondern ein Ausnutzen der Schwächen des Systems

    Als Faschismus möchte Martin Saar das, was in den USA passiert, jedoch nicht bezeichnen. Stattdessen sieht er einen Autoritarismus am Werk, der die formalen Strukturen der Demokratie gleichzeitig ausnutze und aushöhle. Das demokratische System bleibe formell intakt, während Bürgerfreiheiten und Minderheitenrechte systematisch untergraben werden.

    Der Sozialphilosoph plädiert dafür, in der Analyse die bereits in westlichen Demokratien angelegten Ambivalenzen kritisch zu reflektieren, statt eine idealisierte Vorstellung von Demokratie zu verteidigen. „Die demokratischen Verfahren und Legitimierungsformen, hatten immer auch eine Gewaltseite.“ In diesem Kontext müsse auch die Politik der Trump-Regierung betrachtet werden. Nicht als groß angelegte Disruption des Systems, sondern als autokratisch-demokratische Mischstruktur.

    Empfehlung von Martin Saar

    Martin Saars Kulturtipp ist das kürzlich erschienene Album „Lonely People with Power“ der Band Deafheaven. „Immer wenn es mir ganz schlecht geht, höre ich das, dann geht es mir noch etwas schlechter, und die Musik führt mich aber auch genau da heraus.“ Gerade die Mischung aus Traurigkeit und Aggression des Albums spreche ihn an, erzählt Saar. Deafheaven ist eine Band, die am ehesten dem Post-Metal zugeordnet werden kann. Die Musik betont Düsternis, Atmosphäre und Emotionen. „Das ist Heavy Metal, der aus sich heraustritt und zu etwas ganz anderem wird.“

    Moderation, Redaktion: Carolin Emcke

    Redaktionelle Betreuung: Ann-Marlen Hoolt
    Produktion: Imanuel Pedersen
    Bildrechte Cover: Jürgen Lercher, Goethe-Universität/Bearbeitung SZ

    1 hr 38 min
  • Cannabis: Was die Legalisierung verändert hat

    Seit dem 1. April 2024 ist der Konsum, Besitz und Anbau von Cannabis in Deutschland mit Einschränkungen erlaubt. Nur in Bayern gelten viel strengere Regeln. Während der geschäftsführende Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) die Legalisierung grundsätzlich “für richtig” hält, wollen Union und Ärzteverbände sie wieder verbieten. Auch BKA-Chef Holger Münch sieht bislang weder eine positive Wirkung auf den Schwarzmarkt, noch eine Entlastung von Justiz und Polizei.

    Christina Berndt aus dem SZ-Wissenschaftsressort und Thomas Kirchner aus der SZ-Politikredaktionschland sprechen in dieser Folge des Recherchepodcast "Das Thema" über die Herausforderungen und Risiken, insbesondere für Jugendliche. Aber auch um mögliche Vorteile einer kontrollierten Legalisierung. Denn laut Experten würden bereits etwa 17 Prozent der Deutschen zwischen 15 und 34 Jahren Cannabis konsumieren.

    Berndt formuliert ihre Bedenken hinsichtlich der Auswirkungen vor allem auf Jugendliche und mahnt eine intensive Aufklärung über die Risiken an. Insgesamt aber sehen sie und Kirchner die Teillegalisierung aber als ein Schritt in die richtige Richtung, das aber durchaus noch Verbesserungspotenzial hat.

    Zum Weiterlesen:

    Zwischen Rausch und Ernüchterung - die Reportage über die Legalisierung von Cannabis lesen Sie hier.

    Wenn Ihnen "Das Thema" gefällt, wenn Sie Anregungen, Ideen oder Kritik für uns haben, dann schreiben Sie uns: [email protected]

    Moderation, Redaktion: Lars Langenau

    Redaktion: Laura Terberl

    Produktion: Aylin Sancak

    Zusätzliches Audiomaterial über Deutschlandfunk und ntv.

    Klicken Sie hier, wenn Sie sich für ein Digitalabo der SZ interessieren, um unsere exklusiven Podcast-Serien zu hören: www.sz.de/mehr-podcasts

    Mehr über die Angebote unserer Werbepartnerinnen und -partner finden Sie HIER

    38 min
  • "Unbequeme Meinungen hören" – Miriam Rürup bei Carolin Emcke über Deutschlands Umgang mit Antisemitismus

    Es ist der 29. Januar. Am Vormittag findet im Bundestag eine Gedenkstunde für die Opfer des Nationalsozialismus statt. Am selben Tag bringt die CDU einen Entschließungsantrag zur Verschärfung der Migrationspolitik in den Bundestag ein, der mithilfe von Stimmen der AfD beschlossen wird. Die Aufregung über diesen Tabubruch ist groß. So groß, dass fast untergeht, dass in derselben Bundestagssitzung später auch noch eine Resolution gegen Antisemitismus beschlossen wird.

    Über die Symbolik dieser Bundestagssitzung und über Deutschlands Umgang mit Antisemitismus spricht Carolin Emcke in dieser Folge des Podcasts mit der Leiterin des Moses Mendelssohn Zentrums in Potsdam, Miriam Rürup.

    Transparenzhinweis: Carolin Emcke ist Mitglied im Verein des Moses Mendelsohn Zentrums.

    Miriam Rürup, geboren 1973 in Karlsruhe, ist Professorin für Geschichte. Sie wuchs in einer jüdischen, säkular lebenden Familie auf und forscht als Historikerin unter anderem zur deutsch-jüdischen Geschichte sowie zur Geschichte und Nachgeschichte des Nationalsozialismus. Seit 2020 leitet Rürup das Moses Mendelssohn Zentrum für europäisch-jüdische Studien.

    Die Universitäten sollen sich zu einer umstrittenen Definition bekennen

    Im Gespräch mit Carolin Emcke erzählt Rürup, wie sehr die Bundestagssitzung des 29. Januar 2025 ihr Vertrauen in die Demokratie erschüttert hat. Die Historikerin kritisiert dabei nicht nur den Antragsbeschluss mit Stimmen der AfD. Sondern auch, dass die Resolution gegen Antisemitismus ausgerechnet am Gedenktag für die Opfer der Nationalsozialismus beschlossen wurde. Sie sieht darin „eine Instrumentalisierung jener vermeintlich historischen Verantwortung, aus der heraus man zu handeln vorgibt.“
    Doch nicht nur deshalb kritisiert die Leiterin des Moses Mendelssohn Zentrums die Resolution. Sie baue auf der Grundannahme auf, dass Universitäten nicht in der Lage seien, eigenständig gegen Antisemitismus vorzugehen. Gleichzeitig zwinge sie die Bildungseinrichtungen dazu, sich zu einer sehr spezifischen Definition von Antisemitismus zu bekennen. „Es ist eine politische Definition, die wissenschaftlich umstritten ist, die dennoch ihre Berechtigung haben kann, aber die man nicht in Form eines Bekenntnisses von einer Institution verlangen kann.“

    Es braucht breite gesellschaftliche Bündnisse gegen Antisemitismus, keine eng gefassten Resolutionen

    Rürup befürchtet, dass die eng gefasste Resolution den freien wissenschaftlichen Diskurs gefährden könnte. Bei der Organisation von Tagungen oder Vorträgen könnten wissenschaftliche Einrichtungen davor zurückschrecken, bestimmte Rednerinnen und Redner sprechen zu lassen. Das passiere schon jetzt und betreffe „überproportional Jüdinnen und Juden“, etwa Politikerinnen und Autoren, die für eine harsche Kritik an der israelischen Politik bekannt sind.
    Diese „Selbstzensur“ werde im gesellschaftlichen Diskurs zurzeit auch durch rechte Akteure vorangetrieben, die den Kampf gegen Antisemitismus für ihre Zwecke instrumentalisieren. Deshalb macht sich Miriam Rürup im Podcast für breite Bündnisse gegen Antisemitismus stark sowie für einen Diskurs, in dem unterschiedlichste Stimmen zu Wort kommen dürfen. „Wir müssen frei sprechen können, und wir müssen Meinungen zulassen, auch wenn wir mit ihnen nicht übereinstimmen.“

    Empfehlung von Miriam Rürup

    Als Kulturtipp empfiehlt Miriam Rürup das Buch „Im Namen der Würde“ von dem kürzlich verstorbenen Historiker Habbo Knoch. Dieser untersucht darin die Genese des berühmten ersten Satzes des Grundgesetzes „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ Rürup koppelt ihre Empfehlung mit einem Zitat, dass Knoch seinem Buch vorangestellt hat, „Weil es eigentlich alles aussagt, was wir in den letzten anderthalb Stunden besprochen haben: Man lässt keine Menschen ertrinken. Punkt.“ Knoch hat diesen Satz von dem Verein „United for Rescue“ übernommen, der sich für Seenotrettung einsetzt.

    Moderation, Redaktion: Carolin Emcke

    Redaktionelle Betreuung: Ann-Marlen Hoolt
    Produktion: Imanuel Pedersen
    Bildrechte Cover: Thomas Roese/Bearbeitung SZ

    1 hr 26 min
  • "Surreal geprägt" - Volker Perthes bei Carolin Emcke über globale Perspektiven unter Trump

    Schon bevor Donald Trump am Montag offiziell zum Präsident der Vereinigten Staaten ernannt wurde, war klar, dass er das Land erheblich verändern werden wird. Schon wieder, muss man sagen. Und kaum ist die offizielle Amtseinführung vorbei, beginnt der neue alte Präsident damit, seine Pläne umzusetzen. Was bedeutet das für die USA? Und welche Folgen hat die zweite Trump-Amtszeit für die internationale Staatengemeinschaft? Dazu und über die jüngsten Machtverschiebungen im Nahen Osten spricht Carolin Emcke in dieser Folge des Podcasts mit dem Politikwissenschaftler Volker Perthes.

    Hinweis: Dieses Gespräch wurde am 15. Januar 2025 vorab aufgezeichnet.

    Perthes (geb. 1958 in Duisburg) war Direktor des Deutschen Instituts für Internationale Politik und Sicherheit und geschäftsführender Vorsitzender der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP). Immer wieder war er auch in verschiedenen Positionen für die Vereinten Nationen (UN) im Einsatz.

    Die EU muss sich auf ihre Machtpotenziale besinnen

    Der Politikwissenschaftler erläutert im Podcast, warum er sich um die Rechtsstaatlichkeit in den USA sorgt, etwa falls Donald Trump, der schon jetzt eine Mehrheit im Supreme Court, dem obersten Gericht der USA hat, dort in den kommenden Jahren weitere frei werdende Positionen mit seinen Anhängern besetzt. Das sei eine mögliche innenpolitische Auswirkung der Trump-Präsidentschaft. Außenpolitisch, glaubt Volker Perthes, werde der neue alte Präsident das, was wir bisher als „legitime Ordnung“ kennen, erheblich verändern. "In den nächsten Jahren wird internationale Politik noch transaktionaler werden", glaubt der Politikwissenschaftler. Wenn Staaten interagieren, werde es weniger um Prinzipien gehen und mehr um die Frage des eigenen Vorteils.
    Auf die Frage, ob die EU dieses Mal besser auf eine Trump-Präsidentschaft vorbereitet ist als vor acht Jahren, sagt Perthes: "Nie genug, aber besser als das letzte Mal". Es gebe inzwischen ein klareres Bewusstsein dafür, was auf die Europäische Union zukommt, wie auch eine klare Führung. Nun komme es darauf an, dass Europa seine Machtpotenziale, die es durchaus besitze, auch richtig einsetzt.

    Stabilität braucht gegenseitige Anerkennung

    Dann geht es im Podcast auch um die Situation im Nahen Osten, in Libanon, in Syrien, Israel und Gaza. 2015 veröffentlichte Volker Perthes einen Essay mit dem Titel: "Das Ende des Nahen Ostens, wie wir ihn kennen". Er spricht darin von Syrien als einem fragmentierten Staat und hinterfragt, welche Bindungskraft Assads Regime noch hat. Weil ihn Carolin Emcke um eine Aktualisierung seiner damaligen Analyse bittet, erläutert Perthes, inwiefern sich seitdem die Machtverhältnisse in der Region verschoben haben – und was passieren muss, damit sie sich stabilisieren.
    Mit Blick auf den Waffenstillstand zwischen Israel und der Hamas erklärt der Politikwissenschaftler, welche Voraussetzungen gelten, um diese Waffenruhe dauerhaft aufrecht zu halten und welche Schritte ihr nachfolgen sollten. "Sowohl Palästinenser als auch Israelis fühlen sich in unterschiedlicher Form immer wieder alleingelassen von der Welt. Und da muss man ganz pragmatisch anfangen zu sagen – was braucht es jetzt?" Hoffnung gibt Perthes dabei etwas, dass sich "eigentlich banal" anhört, nämlich, dass in all diesen Ländern, wie auch in der Ukraine, Menschen für Veränderungen in ihren eigenen Ländern eintreten.

    Empfehlung von Volker Perthes

    Als Kulturtipp hat Volker Perthes eine Leseempfehlung: "On Wars" von dem US-amerikanischen Soziologen Michael Mann – ein Buch, das Perthes als sehr hoffnungsvoll empfunden hat. Der Titel der deuten Übersetzung, erschienen im Verlag Hamburger Edition, lautet "Über Kriege". Michael Mann untersucht darin die Geschichte des Krieges durch die Jahrhunderte, vom alten Rom bis hin zur Ukraine. "Was Hoffnung macht", sagt Perthes, sei, dass Mann stichhaltig nachweise, dass – zumindest in den vergangenen hundert Jahren – "die politischen Führer, die Aggressionskriege begonnen haben, am Ende ihre Kriege verloren haben. Und das ist doch was."

    Moderation, Redaktion: Carolin Emcke

    Redaktionelle Betreuung: Ann-Marlen Hoolt
    Produktion: Imanuel Pedersen
    Bildrechte Cover: SWP/Bearbeitung SZ

    1 hr 39 min

About Best of SZ: Das Thema und In aller Ruhe

From the publisher's feed

Ausgewählte Episoden des Recherche-Podcasts „Das Thema“ und des Debatten-Podcasts „In aller Ruhe“ für Bahnreisende. Welches Thema bewegt diese Woche besonders? Was steckt hinter aktuellen, exklusiven…