Jens Kaldewey führt in dieser Episode einen theologisch und kulturell hoch umstrittenen Abschnitt aus 1. Korinther 11 ein, der Aussagen zu Kopfbedeckung, Hauptsein und dem Verhältnis von Mann und Frau enthält, und betont die Notwendigkeit, den damaligen kulturellen Kontext ernst zu nehmen. Er macht deutlich, dass dieser Text eine innere Mitte hat: die gegenseitige Bezogenheit von Mann und Frau „im Herrn“, denn weder ist die Frau ohne den Mann noch der Mann ohne die Frau, und letztlich kommt alles von Gott. Diese Mitte verankert Paulus in der Schöpfungsordnung der Genesis, die für ihn – wie auch für Jesus – Offenbarung und maßgebliche Unterweisung Gottes (Torah) ist. Jens arbeitet heraus, dass Paulus hier primär über Ehe spricht und nicht über ein allgemeines Verhältnis aller Männer zu allen Frauen. Während einzelne konkrete Regelungen kulturell bedingt und zeitgebunden sind, versteht er die grundlegenden Aussagen über die gegenseitige Ordnung von Mann und Frau als überzeitlich gültig, deren konkrete Ausgestaltung jedoch immer neu verantwortungsvoll bedacht werden muss.
2 Im Übrigen kann ich euch nur loben, weil ihr in allem an das denkt, was ich euch gesagt habe, und treu an dem festhaltet, was der Herr gelehrt hat und was ich an euch weitergegeben habe. 3 Eine Sache allerdings möchte ich zur Sprache bringen, weil ihr darüber offensichtlich noch nicht Bescheid wisst: Der Mann hat Christus als Haupt über sich, die Frau hat den Mann als Haupt über sich, und Christus hat Gott als Haupt über sich. 4 Wenn ein Mann seinen Kopf bedeckt, während er betet oder prophetisch redet, entehrt er den, der sein Haupt ist. 5 Eine Frau hingegen entehrt ihr Haupt, wenn sie ohne Kopfbedeckung betet oder prophetisch redet. Es ist dann nicht anders, als wenn sie kahlgeschoren wäre. 6 Denn eine Frau, die ihren Kopf nicht bedeckt, sollte ´so konsequent sein und` sich auch die Haare abschneiden lassen. Nun ist es aber doch entehrend für eine Frau, kurzgeschnittenes Haar zu haben oder völlig kahlgeschoren zu sein. Folglich soll sie auch eine Kopfbedeckung tragen. 7 Der Mann soll keine Kopfbedeckung tragen, denn er ist das Abbild Gottes und spiegelt Gottes Herrlichkeit wider. In der Frau hingegen spiegelt sich die Herrlichkeit des Mannes. 8 Denn bei der Schöpfung wurde nicht der Mann aus der Frau gemacht, sondern die Frau aus dem Mann. 9 Und der Mann wurde nicht wegen der Frau erschaffen, sondern die Frau wegen des Mannes. 10 Deshalb also und wegen der Engel soll die Frau eine Kopfbedeckung tragen – ein Zeichen dafür, dass sie der Autorität des Mannes untersteht. 11 Es muss allerdings klar gesagt werden, dass nach der Ordnung, die der Herr geschaffen hat, nicht nur die Frau auf den Mann angewiesen ist, sondern ebenso der Mann auf die Frau. 12 Denn auch wenn die ´erste` Frau aus dem Mann geschaffen wurde, ist doch seither jeder Mann durch eine Frau auf die Welt gekommen. Und letztlich kommen beide, Mann und Frau, von Gott, der alles geschaffen hat. 13 Urteilt selbst: Gehört es sich für eine Frau, ohne Kopfbedeckung zu Gott zu beten? 14 Lehrt euch nicht schon euer natürliches Empfinden, dass es für den Mann eine Schande, 15 für die Frau dagegen eine Ehre ist, das Haar lang zu tragen? Das lange Haar ist der Frau nämlich als ´eine Art` Umhüllung gegeben. 16 Wenn aber jemand das alles bestreitet und rechthaberisch auf seiner Meinung beharrt, ´soll er wissen, dass` wir keine andere gottesdienstliche Praxis kennen – weder wir ´hier in Ephesus` noch irgendeine andere von den Gemeinden Gottes.