Bildungsstätte Anne Frank

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Bildungsstätte Anne Frank episodes

  • Buchvorstellung: "Extrem Unbrauchbar" (Universität Wien) - Januar 2020

    Buchvorstellung "Extrem Unbrauchbar"

    Nach den Protesten gegen den G20- Gipfel in Hamburg gab der damalige  deutsche Außenminister Sigmar Gabriel bekannt: “Alle angeblichen  politischen Motive für diese Orgie an Brutalität sind verlogen und  sollen nur das Deckmäntelchen dafür sein, worum es den Tätern aus allen  Teilen Europas ging: um Gewalt an sich. […] Die Täter unterscheiden sich  überhaupt nicht von Neonazis und deren Brandanschlägen. Mit angeblich  ‘linken Motiven’ hat das alles nichts zu tun.”

    Gabriel verschweigt hier einerseits natürlich die  Eskalationsstrategie der Polizei, die für eben jene Aufnahmen gesorgt  hat, derer man sich im Nachhinein so empört, andererseits ist der  Vergleich auffällig: Unterscheiden sich die ‚Täter‘ durch überhaupt  nichts von Neonazis? Einige angezündete Autos oder Papierkörbe werden  hier mit angezündeten Geflüchtetenunterkünften, der Mordserie des NSU  und der gewaltsamen Verfolgung von allen, die in den Augen der Nazis als  nicht-deutsch gelten, auf eine Stufe gestellt.

    Die Verwirrung Gabriels ist keine zufällige, sondern folgt dem  Paradigma der Extremismustheorie, einem bis zur Unkenntlichkeit  entstellenden Verständnis von Gesellschaft, nach dem die ‚gesunde‘ Mitte  von ihren Rändern – Rechts- und Linksextremismus wie Islamismus –  bedroht wird. Dieses Hufeisenmodell besagt, dass in der (vermeintlichen)  Ablehnung der demokratischen Grundordnung sich die Extreme näher sind  als sie es wahrhaben wollen, und ignoriert darüber den ständigen  Schulterschluss konservativ-bürgerlicher mit völkisch Rechten Kräften.  Die Extremismustheorie ist extrem Unbrauchbar, sie verschleiert mehr als  sie erhält.

    Mit der Buchvorstellung möchten wir einen Einblick in die Kritik der  Extremismustheorie geben und insbesondere auf die Extremisierung von  Geschlechter- und Sexualitätsentwürfen jenseits gesellschaftlicher  Normalitätsvorstellungen eingehen.

    1 hr 7 min
  • Tom Uhlig & Andreas Fischer: Verpönte Erfahrung. Videospiele als Realitätszugang - Juli 2019

    Die Kids vergraben sich zuhause vor Konsolen und Rechnern, zocken Nächte  durch und vermeiden so, sich dem »wahren Leben« da draußen zu stellen,  das sie überfordert und einschüchtert – so oder so ähnlich geht ein  gängiger Alltagsdiskurs über den Konsum von Videospielen. Dabei sind  Videospiele selbstverständlich Bestandteil der Wirklichkeit: Der Drache  in World of Warcraft ist als Niederschlag menschlicher Praxis ebenso  echt wie das nächstgelegene Fußballfeld. Erfahrungen, die mit  Videospielen gemacht bzw. in ihnen gesammelt werden, sind  gesellschaftlich verpönt, außer das Feuilleton bescheinigt ihnen, Kunst  zu sein. Was aber macht trotz ihrer weitverbreiteten sozialen  Geringschätzung Videospiele so attraktiv? Welche Erfahrungen lassen sich  mit ihnen machen? Warum spielen Leute in ihrer Freizeit  Arbeitssimulatoren, warum Spiele, die viel zu schwer sind? Warum sind  die Spiele von früher am besten? Und warum stimmt das überhaupt nicht?

    1 hr 43 min
  • Podium zum Release: "Extrem Unbrauchbar - über Gleichsetzungen von links und rechts" - Oktober 2019

    Podium: Leo Fischer, Katha Rhein, Deborah Krieg, Tom Uhlig

    Rechtspopulistische  Strömungen finden auf ihrem Feldzug gegen die Demokratie ein mächtiges  begriffliches Mittel vor, welches ihnen die bürgerliche Mitte  vorbereitet hat: die Extremismustheorie. Gewonnen aus einer spezifischen  Lesart totalitarismuskritischer Arbeiten, etwa von Hannah Arendt, hat  sich im Sprechen über die Gesellschaft ein Hufeisenmodell durchgesetzt:  Eine Mitte der Gesellschaft werde von ihren Rändern bedroht. Islamismus,  Rechtsextremismus und Linksextremismus arbeiten daran, die Demokratie  zu zerstören. Doch besonders die Gleichsetzung von Rechtsextremismus und  Linksextremismus führt oft dazu, ersteres auf Kosten von letzterem zu  verharmlosen.

    Eine Veranstaltung von Milchsackfabrik in Kooperation mit Bildungsstätte Anne Frank und Verbrecher Verlag.

    1 hr 10 min
  • Buchvorstellung: "Extrem Unbrauchbar" (Frankfurter Buchmesse) - Oktober 2019

    Rechtspopulistische Strömungen  finden auf ihrem Feldzug gegen die Demokratie ein mächtiges  begriffliches Mittel vor: die Extremismustheorie. Gewonnen aus einer  spezifischen Lesart totalitarismuskritischer Arbeiten, etwa von Hannah  Arendt, hat sich im Sprechen über die Gesellschaft ein Hufeisenmodell  durchgesetzt: Eine Mitte der Gesellschaft werde von ihren Rändern  bedroht. Besonders die Gleichsetzung von Rechtsextremismus und  Linksextremismus führt oft dazu, ersteres auf Kosten von letzterem zu  verharmlosen. Zudem ist die Konstruktion einer gesellschaftlichen Mitte  selbst problematisch. Was gehört zu dieser Mitte, was nicht? Gerade die  aktuellen Erscheinungsformen rechter Ideologien zielen darauf ab, gerade  noch anschlussfähig zum gesellschaftlichen Diskurs zu bleiben und ihn  durch kalkulierte Grenzverletzungen nach rechts zu verschieben – mit  einigem Erfolg.

    Im Rahmen der Buchmesse sind Tom Uhlig und Katharina Rhein (Herausgeber*innen) auf die markantesten Thesen eingegangen

    22 min
  • Streitbar #8: Extremismus - Das Hufeisenmodell: Linksextrem = Rechtsextrem? - Dezember 2019

    Rechtsextremismus, Linksextremismus und Islamismus - aus der Perspektive der Extremismustheorie eint diese Ideologien mehr, als sie trennt. Ihre Vertreter*innen, so die Theorie, befänden sich am den Rändern der Gesellschaft, arbeiteten daran, die Demokratie zu zerstören, und seien nur in ihrer Weltanschauung, nicht aber in ihren Methoden voneinander zu trennen. Dieses Hufeisenmodell geht von einer gesunden, vernünftigen Mitte der Gesellschaft aus, die von allen Seiten von Extremen bedroht wird.


    Nicht erst seit der jüngsten Landtagswahl in Thüringen haben die Extremismustheorie und das Hufeisenmodell wieder Konjunktur. Politiker*innen von AfD und Linkspartei werden als gleichermaßen "extrem" und "verfassungsfeindlich" bezeichnet, zur Bedrohung für die "politische Mitte" stilisiert. Doch wer gehört zu dieser konstruierten gesellschaftlichen Mitte - und wer nicht?

    Bei unserer Streitbar wollen wir diskutieren, ob oder inwiefern die politischen Ziele und Aktionsformen von Linken und Rechten überhaupt vergleichbar sind. Ist die Extremismustheorie ein geeignetes Modell, um gesellschaftliche Wirklichkeit zu beschreiben? Oder birgt sie die Gefahr, Rechtsextremismus auf Kosten von Linksextremismus zu verharmlosen.
    Diese Fragen wollen wir gemeinsam mit Uwe Backes (Professor für Politikwissenschaft und Vize Direktor des Hannah Arendts Institut für Totalitarismusforschung, TU Dresden) und Julika Bürgin (Professorin am Institut für Sozialpolitik und Soziale Arbeit an der Hochschule Darmstadt) diskutieren. Die Moderation übernimmt diesmal Hanning Voigts (Frankfurter Rundschau)

    2 hr 10 min
  • Lesung: Wladimir Kaminer - Der Rebbe fiel in Ohnmacht (Jüdische Kulturwochen) - November 2019

    Über den Neuanfang und das deutsch-deutsche Hurra: Auch für Jüdinnen und Juden in Ost und West war der Mauerfall ein Wendepunkt. Mit der Migration von rund einer Viertelmillion jüdischen EinwanderInnen aus den ehemaligen GUS-Staaten erlebten die jüdischen Gemeinden in Deutschland einen tiefen Einschnitt und einen neuen Aufschwung. Gleichzeitig warf der lautstarke Einheitspatriotismus die Frage auf, ob auch Jüdinnen und Juden zum neuen Volks-Wir gezählt würden – oder nicht. Wuchs zusammen, was zusammengehört? Und was kam dabei heraus? Ein Abend, der die deutsche Einheit gegen den Strich bürstet: humoristisch, leicht nachdenklich – Frankfurt/Main meets Russendisko/Berlin.


    Ein Wende-Abend mit Autor Wladimir Kaminer und Dr. Rachel Heuberger

    Moderation: Dr. Ruth Fühner

    1 hr 22 min
  • Vortrag: Rechte Strukturen & Netzwerke in Deutschland – Andreas Speit – November 2019

    Andreas Speit hat bei unserem Fachtag „Ganz extrem oder mittendrin?“ über rechte Strukturen und Netzwerke gesprochen. Anhand von vielen Beispielen hat er aufgezeigt, dass 'Identitäre Bewegung', Burschenschaften, Ein Prozent und viele weitere (extrem) rechte Gruppen und Netzwerke sind fester Bestandteil des Umfelds der AfD sind:

    „Die AfD ist das parteipolitische Gravitationsfeld vieler (extrem) rechter Sozialbewegung, die ineinander greifen & sich miteinander absprechen. Es unglaublich viele heterogene Angebote für Jugendliche & Erwachsene - von 'poppig-modern' bis zur klassischen Nazi-Gruppe.“

    Vortrag von Andreas Speit (Journalist): „Rechte Strukturen und Netzwerke in Deutschland und ihre Anziehungskraft auf Jugendliche und junge Erwachsene“

    Beim Fachtag: „Ganz extrem oder mittendrin? – Zum Umgang mit (extrem) rechten Ideologien in Deutschland“ der Bildungsstätte Anne Frank

    Mitschnitt vom 21.11.2019

    1 hr 35 min
  • Streitbar #7: Sind Ostdeutsche die neuen Migrant*innen? - November 2019

    Mit Anetta Kahane & Naika Foroutan

    Moderation: Esther Schapira

    Knapp 30 Jahre nach der Widervereinigung gibt es noch immer strukturelle Unterschiede zwischen alten und neuen Bundesländern. Zwar nimmt das Einkommensgefälle langsam ab - doch das Lohnniveau im Osten ist weiterhin niedriger und das Armutsrisiko höher. 

    Das wirkt sich auf das Selbstwertgefühl der Ostdeutschen aus. Laut einer Studie der Soziologin Naika Foroutan fühlt sich ein Drittel von ihnen als Bürger*innen zweiter Klasse und damit ähnlich benachteiligt wie (speziell muslimische) Migrant*innen. Zugleich richtet sich der Zorn vieler Ostdeutscher nicht nur gegen die die Politik, sondern entlädt sich in Rassismus, Antisemitismus und geschichtsreversionistischen Nationalismus. Aus westdeutscher Sicht blicken viele entsetzt auf "die Nazis im Osten" - und ignorieren die hohen Zustimmungswerte für rassistische Positionen in der eigenen Mitte. Kritik an sozialer Ungleichheit wird als Gemaule ewiger "Jammer-Ossis" abgetan.

    Ist die Kritik der Ostdeutschen berechtigt? Sind die Erfahrung, die Ostdeutsche und Migrant*innen bzw. Muslime machen vergleichbar - oder wird damit Rassismus banalisiert? Befördert ein ostdeutsches Opfernarrativ  vielleicht sogar antidemokratisches Handeln?

    Unsere siebte Streitbar, will sich genau diesen Fragen widmen. Dafür haben wir Anetta Kahane (Vorsitzende der Amadeu Antonio Stiftung) und Naika Foroutan (Professorin für Integrationsforschung und Gesellschaftspolitik HU Berlin) zu einem Streitgespräch eingeladen. 

    2 hr 1 min
  • Demokratiekonferenz - Podiumsgespräch: Differenzen & Schnittmengen - November 2019

    Beim Abschluss-Podium der Demokratiekonferenz haben vier Vertreter*innen von Frankfurter Initiativen ihre Bündnis-Erfahrungen geteilt und sich darüber ausgetauscht wo gemeinsame Schnittmengen und wo Differenzen liegen.

    ➮ Leonie Wicke von Fridays For Future erzählte von Erfahrungen mit Menschen innerhalb der Klima-Bewegung, die noch nicht für Rassismus oder andere Formen von Diskriminierung sensibilisiert sind. Sie betonte, dass gerade deshalb der Austausch zwischen unterschiedlichen politischen Bewegungen notwendig ist: „Es ist wichtig, dass Leute zu uns kommen und ihre Perspektiven hereintragen und wir müssen auch nach außen gehen und nachfragen, wo wir noch etwas dazuzulernen haben“.

    Im Streitgespräch zwischen ➮ Imke Meyer von Aufstehen gegen Rassismus und ➮ Daniel Röder von Pulse of Europe stellten sich spannende Schnittmengen und Differenzen heraus in der Frage zum Umgang mit antidemokratischen und rassistischen Organisationen heraus: „Ihr seid euch einig darüber dass ihr dem entgegentreten möchtet, aber nicht darüber wie“ stellte die Moderatorin Prasanna Oommen-Hirschberg fest. Allianzen sind absolut notwendig!

    Auf welche besondere Weise Kunst- und Kulturinitiativen von antidemokratischen Diskursen und betroffen sind, erzählte ➮ Sophie Osburg von der Frankfurter Erklärung der Vielen. Sie machte deutlich, wo für sie die Grenzen demokratischer Auseinandersetzung verlaufen und wie sich Kulturinitiativen gegen Angriffe wehren.

    Moderation: ➮ Prasanna Oommen-Hirschberg

    Mitschnitt vom 11. November 2019

    1 hr 3 min
  • Demokratiekonferenz - Podiumsgespräch: Zwischen Allianzen und Abschottung - November 2019

    Im Podiumsgespräch haben ➮ Sylvia Weber (Dezernentin für Integration und Bildung der Stadt Frankfurt am Main), ➮ Olivia Sarma (response.) und ➮ Massimo Perinelli (Rosa-Luxemburg-Stiftung) die Impulse der beiden Vorträge aufgenommen und darüber diskutiert, wie antidemokratischen Bewegungen begegnet werden sollte. ➮ Meron Mendel, der das Gespräch moderierte, spitzte die Impulsvorträge zu: Interkulturelle Sensibilisierung und interkulturelle Öffnung sind wichtig – aber müsste es nicht vor allem darum gehen, Rassismus zu bekämpfen?

    Sylvia Weber betonte, dass beides wichtig ist: „Wir sind eine Stadt der Vielen. Verwaltung und Politik müssen empathisch und professionell mit dieser Vielfalt umgehen und für Rassismus sensibilisiert werden. Dass wir für gleiche Teilhabe und Bildungschancen eintreten schließt sich mit Antisemitismus- und Rassismus-Bekämpfung überhaupt nicht aus - im Gegenteil!“

    Mitschnitt vom 11. November 2019

    39 min

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Politische Bildung zu Antisemitismus, Rassismus & Menschenfeindlichkeit.

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