
Sign up to save your podcasts
Or


Massimo Perinelli ist Referent für Migration bei der Rosa-Luxemburg-Stiftung. In seinem Input-Vortrag ging es um die Frage: „Wo hakt es bei der Solidarität? Und warum glaubt niemand mehr ernsthaft etwas verändern zu können?“.
Er kritisiert identitätspolitische Konzepte und gegenwärtige Dynamiken in der politischen Linken, die dazu verleiten, sich immer bloß auf das Gleiche; auf Allianzen und gemeinsame Schnittmengen zurückzuziehen. Denn: „Solidarität kann es nur zwischen Verschiedenen geben“. Deshalb plädiert er für eine „echte Beziehung von Unterschiedlichen“ die vom Affekt des Interesses und der Öffnung des sozialen Raums geleitet wird. Nur so kann ein radikal solidarisches Miteinander entstehen, eine „postmigrantische Gesellschaft der Vielen“ mit Orten der Begegnung, in denen die Teilnehmenden um ihre Position streiten und sich verändern können - ohne sich anzugleichen.
Audiomitschnitt von der Demokratiekonferenz im Amt für multikulturelle Angelegenheiten am 11. November 2019
www.partnerschaft-demokratie-ffm.de
Olivia Sarma leitet die Beratungsstelle response für Betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt. Anhand von drei Beispielen aus der Beratungsarbeit zeigte sie in ihrem Vortrag auf, wie praktische Solidarität und Empowerment von Bündnissen und Allianzen für Betroffene hilfreich sein können. Außerdem plädierte sie für spezifische Brücken und Allianzen in Behörden und Institutionen:
„Wir brauchen Polizist*innen und Staatsanwält*innen, Mitarbeitende in den Ministerien, Ambulanzen und in den Wohnungsämtern, von denen wir wissen, dass sie gute Arbeit machen, dass sie sensibel sind und dass sie die Perspektive von Betroffenen ernst nehmen.“
Audiomitschnitt von der Demokratiekonferenz im Amt für multikulturelle Angelegenheiten am 11. November 2019
www.partnerschaft-demokratie-ffm.de
Der Extremismusbegriff verzerrt Gesellschaft, indem er sie zwischen einem vermeintlichen politischen Spektrum polarisiert, dessen Mitte es gegen die Exzesse der Ränder zu schützen gelte. Diese Logik zeigt sich für die politische Bildung gänzlich unbrauchbar, da Ideologien wie Antisemitismus, Rassismus, Antiromaismus etc. sich keineswegs auf bestimmte „extreme“ Szenen reduzieren lassen, sondern gesamtgesellschaftlich ideologische Deutungsmuster bereitstellen, die Unsicherheiten in der Moderne falsch zu interpretieren. Insbesondere bei politischer Bildungsarbeit, die problematische Ressentiments innerhalb der politischen Linken thematisieren will, verunmöglicht der Extremismusbegriff und seine Wirkung, linke und rechte ‚Extreme‘ zu nivellieren und gleichermaßen zu bekämpfen, die produktive Reflexion.
Beschreibung folgt
Beschreibung folgt
LESUNG MIT ELKE WITTICH UND MIKE WUHLIGER
Antisemitismus ist in Deutschland offenbar weiterhin tief verwurzelt. Laut einer Umfrage der EU-Grundrechteagentur fühlen sich Juden in Deutschland wesentlich häufiger antisemitischen Anfeindungen ausgesetzt als in anderen EU-Staaten. Der Studie zufolge verzichten rund 75 Prozent der Befragten in Deutschland auf das Tragen jüdischer Symbole wie etwa der Kippa in der Öffentlichkeit, teilweise aus Angst angefeindet zu werden. Für Liberale wie Nordrhein-Westfalens erste Antisemitismus-Beauftragte Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, ist dieser Zustand „unerträglich“. Sie setzt sich unter anderem dafür ein, den Besuch eines Konzentrationslagers als verpflichtenden Bestandteil der Schullaufbahn einzuführen.
Wie umgehen mit der Antiisraelischen Boykott-Bewegung?
Mit Volker Beck & Hanno Loewy
Moderatorin: Hadi Ja Haruna-Oelker
Der Bundestag hat kürzlich eine Resolution gegen die antiisraelische Bewegung Boycott, Divestment, Sanctions (BDS) verabschiedet. Projekte, die zum Boykott Israels aufrufen oder BDS aktiv unterstützen, sollen nicht länger finanziell gefördert werden. Daraufhin haben 60 jüdische und israelische Wissenschaftler*innen die Resolution kritisiert, weil sie „der am weitesten rechts stehenden Regierung in der Geschichte Israels“ nützen und im israelischen Alltag einen Großteil des Engagements für die Rechte der Palästinenser*innen als antisemitisch abqualifizieren würde.
„Linker Antisemitismus tritt auf, wo strukturelle Verhältnisse falsch konkretisiert und personalisiert werden.“
Micha Brumlik war Professor für Erziehungswissenschaften an der Goethe-Universität Frankfurt. Von ihm erschienen zahlreiche Sachbücher, Artikel und Essays über erziehungswissenschaftliche und philosophische Fragen sowie die Geschichte und Gegenwart des Judentums.
Das Interview ist Teil unserer Sonderausstellung „Das Gegenteil von Gut – Antisemitismus in der Linken“ von März bis September 2019. Im Fokus der Auseinandersetzung stehen die verkürzte Kapitalismuskritik in Teilen der politischen Linken, der Antiimperialismus der Häuserkampfbewegung und der außerparlamentarischen Opposition sowie Boykottaufrufe kultureller und wirtschaftlicher Waren aus Israel. Was bedeutet die Geschichte des antisemitischen Ressentiments für das Heute? Wie haben sich Argumentationsformen und Gefühle tradiert - und wie ist ihnen bildungspolitisch zu begegnen?
www.gegenteilvongut.de
From the publisher's feed

0 Listeners