Wie kann man Überlebenden sexualisierter Gewalt in der Kindheit, am besten dauerhaft zum Schweigen bringen? Wie können sich Täter*innen sicher fühlen? Oder sicher gehen, nicht doch vor Gericht zu landen?
Ganz einfach, man nimmt Betroffenen die Wut. Man deckelt diese, beim kleinsten Versuch die Wut rauszulassen. Und die Gesellschaft ist gut darin, dieses Spiel mitzuspielen. Wut sieht man nicht gerne. Dabei ist Wut der krasseste Motor. Wut schafft es, deinen ganzen Körper mit Energie zu erfüllen, Wut bringt dich dazu über dich hinaus zu wachsen. Wut versetzt den Körper in Alarmbereitschaft, er schüttet die Stresshormone Adrenalin und Noradrenalin aus. Der Blutdruck steigt, und auch der Puls klettert in die Höhe. Wut kann so eine Kraft in dir entfesseln, dass auch in Angriffssituationen du dich gegen eine stärkere Person wehren könntest...
Aber Wut wird den Kindern dieses Landes abtrainiert. Denn so ein starkes Gefühl möchte man hier nicht sehen. Man fürchtet die eigene Wut, weil sie eben so kraftvoll ist. Wenn wir sie lange Zeit nicht rauslassen durften, richtet sie sich meistens gegen uns selbst und ja, irgendwann explodiert man. Da ist dann aber ein großer Schaden bei uns selbst entstanden. Meine Wut verwandelte sich in Selbsthass. Und anstatt meinen Täter zu hassen, hasste ich mich. Während der Retraumatisierungsphase fühlte nichts, bis ich dann wieder Wut fühlte, aber wieder gegen mich selbst. Ich musste Wege finden meine Wut raus zu lassen, dass wovor alle Angst hatten und auch ich. In der nächsten Podcastfolge rede ich genau darüber, wie wichtig Wut für unsere Heilung ist und warum wir wütend sein dürfen. Wut ist wichtig und nichts wofür man sich schämen muss, richtig eingesetzt lässt sie dich endlich für dich selbst kämpfen. Darum geht es in der neuen Folge.