
Sign up to save your podcasts
Or


Anna, die Protagonistin in A. L. Kennedys neuestem, zunächst nur auf deutsch erschienenen Roman, begibt sich schreibend auf eine Selbstsuche. Sie versucht dabei, die Rumpelstilzchen in ihrem Leben loszuwerden, die grossen und die kleinen, die darauf aus sind, die Lage der Menschen auszunützen. In England, aber auch sonstwo auf der Welt. Ein Buch mit ausschweifenden, beeindruckenden Bildern, findet Lucien Haug, Marion Regenscheit begeistert sich für die Dramaturgie in diesem Buch, und Christoph Keller hat viel gelernt über den Verlust von Barmherzigkeit in unserer Zeit.
Sie nennt ihn Derden, der, den ich liebe. Sie pflegt ihn, jeden Tag, ihren Mann, der weit über neunzig ist, und sie ist auch schon achtzig und mehr. Legt eine Geduld und eine Zuneigung an den Tag, die fast schon unzeitgemäss ist, und findet für all das eine konkrete, unverstellte Sprache. Ein Buch, das mit jedem Wort berührt, sagt Marion Regenscheit, Chrsitoph Keller lobt die sozialkritischen Aspekte in dieser langen Erzählung, und Lucien Haug hebt die Qualitäten des Alters in der Literatur hervor.
Es ist eine existenzielle literarische Reise, die der Schrifsteller Diégane Latyr Farr unternimmt, als er das mysteriöse, aber fesselnde, bezaubernde Buch von T.C. Elimane entdeckt. Er begibt sich auf eine Reise, die ihn in die Vergangenheit führt, in die Abgründe von europäischer Arroganz und Rassismus und zurück in seine Heimat, nach Senegal. Ein Buch über Lieblingsbücher, betont Lucien Haug, ein gelungenes Versteckspiel mit Fakten, meint Christoph Keller, während Marion Regenscheit dem Protagonisten das Recht auf ein Geheimnis zubilligt.
Lesung aus dem Literatischen Colloquium Berlin, mit einer Lesung von Mohamed Mbougar Sarr und der Lesung der Übersetzung von Abak Safei-Rad, Berlin, 2022
Ist es ein Langgedicht, eine Ode an die Kindheit und Jugend, oder doch ein Coming of Age Roman? Ralph Tharayil gelingt in «Nimm die Alpen weg», erschieben bei AZUR im Verlag Voland & Quist, eine schwebende, aber unglaublich präzise Beschreibung einer Familie, die zwischen zwei Welten zurechtzukommen versucht. Ein Text wie ein Diaabend, findet Marion Regenscheit, Christoph Keller hat das Buch beinahe in Trance gelesen, und Lucien Haug weist darauf hin, dass im Text die Entscheidung für eine der beiden Welten steckt.
Sebastian Fitzek legt mit «Mimik» wie jeden Herbst einen Thriller vor, der, ob jetzt gut oder schlecht, von Tausenden gekauft werden wird. Wir fragen, warum das so ist, und was das Genre der Unterhaltungsliteratur denn ausmacht. Dass sie spannend, ja fesselnd sein kann, wie in diesem Fall, findet Marion Regenscheit, und Lucien Haug sagt, genau darin liege der Wert dieser Art von Literatur: dass sie uns den Alltag vergessen lässt, während Christoph Keller dezidiert der Meinung ist, dass schlecht und durchsichtig geschrieben eben schlechte Literatur bleibt.
Mit «Wunder» legt Enis Maci ein Theaterstück vor, das genauso als lyrischer Text oder als Essay gelesen werden kann. Es geht um versehrte, verwundete Körper, um Frauen, die mit ihrem Körper für Wunder herhalten müssen, und um Männer, die sie dann heiligsprechen. Ein Text über, aber auch für den verletzlichen Körper, findet Christoph Keller, Marion Regenscheit sieht in diesem Stück viel Selbstermächtigung und Potenzial zur Selbstbestimmung, während Lucien Haug das Grauen in den Texten unter die Haut geht.
Alex Capus unternimmt in «Susanna» eine historische Reise mit seiner Protagonistin Susanna Faesch, von Basel aus ins New York des 19. Jahrhunderts und bis zu einer Begegnung mit dem Häuptling der Lakota, Sitting Bull. Doch da passiert Unerwartetes. Ein kluger Erzählmove, sagt Lucien Haug, eine Geschichtsdeformation, moniert Christoph Keller, während Marion Regenscheit für die Freiheit des Erzählens plädiert. Ein Gespräch über Fakten und Fiktion im Roman, mit einem Seitenblick auf Thomas Brunnschweilers Buch «Die Zwischengängerin», das ebenfalls das Leben der Susanna Faesch erzählt.
Die Lesung von Alex Capus aus der Hörprobe zum Roman, Hörverlag, https://www.penguinrandomhouse.de/Hoerbuch-MP3/Susanna/Alex-Capus/der-Hoerverlag/e608373.rhd
Es ist die Geschichte einer zweifachen Beziehung, zur Grossmutter, der Grossmeer, und zur Mutter, der Meer. Eine Auseinandersetzung mit den Verstrickungen einer Familie, mit dem Ungesagten, mit dem, was verwurzelt ist, wie die Wurzeln der Blutbuche. Eine stete Befragung auch der eigenen Identität entlang der Frage, warum es Mann und Frau eigentlich geben muss, wenn das Dazwischen so viel mehr Möglichkeiten eröffnet. Ein sprachgewaltiges Buch, sagt Lucien Haug, Christoph Keller ist buchstäblich darin versunken, und Marion Regenscheit gefällt es so gut, dass sie fast gar nicht mehr darüber reden wollte.
Kyleigh sitzt den ganzen Tag vor dem Computer und löscht im Takt unzulässige Inhalte von einer Plattform. Gewalt, Pornografie, Rassismus, Suizid - alles muss sie sich anschauen. Und spürt kaum, dass die Inhalte, die sie täglich zu sehen bekommt, sie langsam zerfressen. Eine Reportage und eine tragische Liebesgeschichte, findet Christoph Keller, ein Buch über die Vermischung von Realitäten, sagt Marion Regenscheit, und Lucien Haug hat eine Frage zur Haltung der Erzählerin.
Mit «Mädchen» legt Teresa Präauer einen ganz besonderen Text vor. Eine Erzählung über sich selbst, und doch eine Distanznahme von der eigenen Biografie, eine literarische Wanderung durch Bücher über Mädchen, eine Reflexion darüber, warum Rosa auch ein Zeichen von Power sein kann, und ein listiger Junge, der immer wieder auftaucht. Ein schöner, reichhaltiger Verweistext, findet Lucien Haug, ein Text, der das Mädchen gegen den Strich bürstet, sagt Marion Regenscheit, und Christoph Keller fühlt sich manchmal beim Lesen auf sich selbst zurückgeworfen.
From the publisher's feed

24 Listeners

56 Listeners