Eine Änderung im Energiewirtschaftsrecht, die im November letzten Jahres gebilligt wurde, sorgt nun endlich für rechtliche Klarheit beim Einsatz von Elektroautos als mobilen Energiespeicher. Denn erstmals entfällt damit die Doppelbelastung beim Ein- und Ausspeichern von elektrischer Energie. Damit wir das
bidirektionale Laden und ganz speziell das sogenannte „Vehicle-to-Grid“ (V2G) erstmals in Deutschland wirtschaftlich sinnvoll darstellbar.
Wir haben uns angeschaut, welche Angebote zum bidirektionalen Laden die Autohersteller bereits im Programm haben oder in Kürze auf den Markt bringen werden.
V2X – Vehicle-to-Everything- V2L – Vehicle-to-Load
- V2V – Vehicle-to-Vehicle
- V2H – Vehicle-to-Home
- V2B – Vehicle-to-Building
- V2G – Vehicle-to-Grid
VW & Elli: V2G ab Q4/2026
Volkswagen & Elli bieten ein Rundum-Paket für das bidirektionales Laden, bestehend aus E-Fahrzeug, App, dynamischem Stromtarif, Smart Meter sowie einer
bidirektionalen DC-Wallbox inkl. Installation – alles aus einer Hand über Ellis Plattform, die auch Aggregation und Energiehandel übernimmt. Die
Smart-Meter-Installation ist ab sofort möglich, eine Vorregistrierung ab
Juni 2026.
Bereits heute sind laut VW
1 Million MEB-Fahrzeuge in Europa für das Bidi-Laden vorbereitet. Zunächst gibt es eine
Vergütung für die Bereitstellung der Fahrzeugbatterie im Energiehandel – unabhängig vom Handelserfolg, die Höhe richtet sich nach der gewählten Flexibilität.VW stellt
Einnahmen von bis zu 700–900 Euro jährlich in Aussicht und verspricht perspektivisch „nahezu kostenfreies Laden". Mit
ID. Software 6 soll die Funktionalität auf weitere Batteriegrößen und zukünftige Volumenmodelle ausgeweitet werden.
Ford & Octopus Energy: V2G ab SommerFord und Octopus Energy starten ihr Bidi-Angebot
im Sommer 2026, zunächst für die Modelle
Ford Explorer und Capri ab Modelljahr 2026. Voraussetzung ist die
DC-Wallbox von Ambibox (aktueller Online-Preis: 3.564 Euro), die allerdings nur 500-Volt-kompatibel ist. Eine Registrierung für das Angebot ist bereits jetzt möglich.
Das Herzstück ist der Stromtarif von Octopus Energy: Wer sein Fahrzeug
mindestens 300 Stunden pro Monat mit der Wallbox verbunden hält, erhält einen
Bonus von 30 Euro monatlich – das entspricht bis zu
360 Euro im Jahr. Kombiniert mit einem um
18 ct/kWh günstigeren Ladestrom ergibt sich bei einem angenommenen Tarif von 33 ct/kWh ein effektiver Preis von rund
15 ct/kWh. Damit lassen sich rechnerisch bei einem Verbrauch von 15 kWh/100 km bis zu
16.000 Kilometer kostenfrei fahren; bei 20 kWh/100 km sind es entsprechend rund 12.000 km.Die Ladesteuerung übernimmt Octopus vollständig, Nutzer können jedoch
Abfahrtszeiten und Mindestladestände flexibel festlegen. Die Optimierung lässt sich jederzeit deaktivieren; dann steht
Laden mit 11 kW zur Verfügung.
BMW & E.ON: erstes marktreifes V2G-AngebotBMW und E.ON bieten bidirektionales Laden zunächst für den
BMW iX3 an, in Verbindung mit der
BMW Wallbox Professional (2.095 Euro) – die 800-Volt-fähig ist und auch
Vehicle-to-Home (V2H) unterstützt. Für die ersten 100 Kunden gibt es einen
Rabatt von 700 Euro auf die Wallbox.
Für die Nutzung des V2G-Angebots sind zwei Verträge erforderlich: der Haushaltstarif
„E.ON ÖkoStrom Home & Drive V2G“ mit festem Arbeitspreis sowie der separate V2G-Vertrag
„E.ON V2G Plus“. Über letzteren wird ein Bonus von
bis zu 24 ct pro Stunde ausgezahlt, gedeckelt auf
60 Euro pro Monat – das entspricht rund 250 Stunden monatlich bzw. etwa 8,5 Stunden täglich und maximal
720 Euro im Jahr. Hinzu kommt eine
Rückspeisevergütung von 42 ct/kWh.Wie bei den Mitbewerbern hängt die tatsächliche Vergütung von der Ansteckzeit des Fahrzeugs ab. Bei einem angenommenen Strompreis von 33 ct/kWh entspricht der Bonus rechnerisch bis zu
2.180 kWh – bei einem Verbrauch von 20 kWh/100 km rund
11.000 Kilometer kostenfreiem Fahren pro Jahr. BMW und E.ON beziffern dies mit
„bis zu 14.000 Kilometern“. Die zugrundeliegende Software wurde gemeinsam von beiden Unternehmen entwickelt.
Renault, Mobilize & The Mobility HouseDas V2G-Angebot gehört zu den Vorreitern in Europa: Es ist
seit Ende 2024 in Frankreich verfügbar – früher als alle Mitbewerber. Kompatibel sind
Renault R4, R5, Mégane und Scénic sowie die Alpine A290.Ein technischer Unterschied zu den anderen Systemen: Hier kommt ein
bidirektionaler AC-Bordlader zum Einsatz, der Strom wird also nicht über den CCS-Stecker sondern über einen Typ-2-Stecker ins Fahrzeug abgegeben und darüber auch wieder entnommen. Pflicht ist die
Mobilize PowerBox Verso, die mit bis zu 22 kW lädt und in Frankreich
ab 1.399 Euro kostet.
Den passenden Stromtarif stellt
The Mobility House bereit. Laut Renault lassen sich damit in Frankreich
rund 275 Euro jährlich einsparen. Das Angebot soll auch auf
Deutschland und andere Märkte ausgeweitet werden. Ab wann es hierzulande verfügbar sein soll, ist bislang nicht bekannt.
Hörtipps passend zum Thema- EAM-Podcast #107: Chaos beim Smart-Meter-Rollout
- EAM-Podcast #099: Der Strommarkt der Zukunft
- EAM-Podcast #081: Wann kommtdas bidirektionales Laden?
- EAM-Podcast #029: Einmal hin und einmal her
Das Magazin Elektroautomobil im Abo lesenErhalte die
Elektroautomobil pünktlich in deinen Briefkasten – und das ohne Versandkosten: Hole dir jetzt dein
Elektroautomobil-Abo. Und wer lieber digital lesen möchte, findet auch das passende E-Paper-Angebot.Hier geht's zum Abo-Shop ...