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Es ist vielleicht eine der letzten wirklichen Intimitäten, jemandem sein Portemonnaie zu zeigen. Das Gesicht zeigen wir ja andauernd. Unsere Stimmen sind durchs ganze Internet zu hören. Und auch unsere Wohnungen tauchen ständig irgendwo auf, im Hintergrund von Videocalls, auf Fotos, in kleinen Ausschnitten unseres Alltags. Aber das Portemonnaie ist etwas anderes.
Es ist kein Tagebuch, aber vielleicht oft ehrlicher als eines. Es enthält nicht das Leben selbst, sondern seine Ränder: Quittungen, Karten, alte Zettel, Fotos, Bons. Kleine Nachweise einer Existenz, die man offenbar geführt und dann vergessen hat aufzuräumen.
Man zeigt es einem anderen Menschen und glaubt vielleicht, es sei ein Spiel.
So wie damals, 2013, als wir schon einmal unsere Portemonnaies geleert und die Inhalte gegeneinander antreten lassen haben. „Wallet War“ hieß das, sehr modern damals, klingt sehr nach Zukunft, nach Banken, Smartphones und Mobile Payment. Und natürlich ging es am Ende um etwas ganz anderes. Um das, was man bei sich trägt, ohne immer zu wissen, warum eigentlich.
Wir hatten sogar vergessen, dass wir diese Folge schon einmal aufgenommen haben. Erinnerungen sind halt manchmal auch nur ein Bon, der in irgendeinem Nebenfach steckt und nach Jahren so blass geworden ist, dass man ihn kaum noch lesen kann.
Was möchte ich über mich zeigen? Was möchte ich über den anderen festhalten? Und was ist das überhaupt für ein Spiel? Fair ist es jedenfalls nicht. Denn ein Portemonnaie erzählt nie die ganze Wahrheit. Es zeigt nur Reste, Zufälle, Spuren.
Vielleicht ist das traurig. Vielleicht ist es aber auch tröstlich. Freundschaft besteht womöglich nicht darin, einander wirklich vollständig zu kennen. Vielleicht besteht sie eher darin, immer wieder überrascht zu sein von dem, was beim anderen übrig geblieben ist.
Ein Mensch ist nicht nur das, was er über sich zeigt. Er ist vielleicht eher das, was er vergessen hat auszusortieren.
Und so sitzen zwei Menschen da, betrachten Papier, Plastik, Leder, kleine Beweise vergangener Tage, und lachen. Natürlich lachen sie. Man muss ja lachen, wenn das Leben plötzlich in ein Portemonnaie passt.
By Esel Müller und Teddy Krzysteczko5
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Es ist vielleicht eine der letzten wirklichen Intimitäten, jemandem sein Portemonnaie zu zeigen. Das Gesicht zeigen wir ja andauernd. Unsere Stimmen sind durchs ganze Internet zu hören. Und auch unsere Wohnungen tauchen ständig irgendwo auf, im Hintergrund von Videocalls, auf Fotos, in kleinen Ausschnitten unseres Alltags. Aber das Portemonnaie ist etwas anderes.
Es ist kein Tagebuch, aber vielleicht oft ehrlicher als eines. Es enthält nicht das Leben selbst, sondern seine Ränder: Quittungen, Karten, alte Zettel, Fotos, Bons. Kleine Nachweise einer Existenz, die man offenbar geführt und dann vergessen hat aufzuräumen.
Man zeigt es einem anderen Menschen und glaubt vielleicht, es sei ein Spiel.
So wie damals, 2013, als wir schon einmal unsere Portemonnaies geleert und die Inhalte gegeneinander antreten lassen haben. „Wallet War“ hieß das, sehr modern damals, klingt sehr nach Zukunft, nach Banken, Smartphones und Mobile Payment. Und natürlich ging es am Ende um etwas ganz anderes. Um das, was man bei sich trägt, ohne immer zu wissen, warum eigentlich.
Wir hatten sogar vergessen, dass wir diese Folge schon einmal aufgenommen haben. Erinnerungen sind halt manchmal auch nur ein Bon, der in irgendeinem Nebenfach steckt und nach Jahren so blass geworden ist, dass man ihn kaum noch lesen kann.
Was möchte ich über mich zeigen? Was möchte ich über den anderen festhalten? Und was ist das überhaupt für ein Spiel? Fair ist es jedenfalls nicht. Denn ein Portemonnaie erzählt nie die ganze Wahrheit. Es zeigt nur Reste, Zufälle, Spuren.
Vielleicht ist das traurig. Vielleicht ist es aber auch tröstlich. Freundschaft besteht womöglich nicht darin, einander wirklich vollständig zu kennen. Vielleicht besteht sie eher darin, immer wieder überrascht zu sein von dem, was beim anderen übrig geblieben ist.
Ein Mensch ist nicht nur das, was er über sich zeigt. Er ist vielleicht eher das, was er vergessen hat auszusortieren.
Und so sitzen zwei Menschen da, betrachten Papier, Plastik, Leder, kleine Beweise vergangener Tage, und lachen. Natürlich lachen sie. Man muss ja lachen, wenn das Leben plötzlich in ein Portemonnaie passt.

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