Jürgen Wiebicke und Christoph Horn
Unter dem Bösen versteht man ein gravierendes moralisches Übel (d.h. eine Schädigung grundlegender fremder Interessen durch das Handeln anderer), und zwar ein Übel, das von Menschen aus niedrigen Motiven verursacht wird: besonders aus Hass, Neid, Besitzgier, Machtstreben, Genusssucht oder übersteigertem Geltungsbedürfnis. Damit wir etwas als böse bezeichnen können, muss es eine tiefgehende Missachtung oder Geringschätzung anderer aufweisen. Aber die Definition des Bösen als eines absichtlichen Gesetzesverstoßes wäre für Kant zu oberflächlich. Vielmehr thematisiert er das Problem auf der Basis seines Maximenbegriffs und erklärt es als radikale Verkehrtheit der prinzipiellen Maximenordnung.