Marcus, Andi & Lucas von Olympya waren da. Eigentlich kommen die Jungs aus’m Hip-Hop (Funkverteidiger), haben sich jetzt aber zur Band Olympya entwickelt und machen eine Mischung aus NDW, Post-Punk, Elektro, Schweinerock, Hip-Hop und Pop. Auf dem Weg zu ihrem Album Auto haben sie schon ein komplettes Album aufgenommen und dann weggeworfen. Darüber haben wir gesprochen, aber auch über Rap Battles in den 90ern im Osten, das Wegrennen vor Nazis in der Schulzeit und Zukunftspläne.
Mit seiner neuen Band Olympya unternimmt der Rapper Marcus Borchert aka Pierre Sonality den radikalsten Schritt seiner Karriere. Zielsicher überführt die Hamburger Band auf ihrem ersten Album „Auto“ NDW, Post-Punk, Dark Wave, Hip-Hop und Pop zu hochinfektiösem, modernem Pop.
Wir leben in postdistinktiven Zeiten und das ist auch gut so. Warum? Weil das Kenntlichmachen der Zugehörigkeit zu einer bestimmten Peer Group zwar einerseits die Herausbildung einer scheinbar individuellen Identität erleichtern kann – im hormonellen Dauerfeuer der Teenagerzeit unbedingt von wohltuender Wirkung –, aber ästhetisch ist mit Abgrenzung natürlich nichts gewonnen. Insofern gilt: Freiheit für die Musik, umarmen wir die Disparität!
Nehmen wir die Gruppe Olympya, die die neue Grenzenlosigkeit perfekt verinnerlicht hat. Auf ihrem ersten Album „Auto“ übertragen die Hamburger die schnodderige Euphorie und den punkgeschulten Breitwand-Rock von Neue-Deutsche-Welle-Vertretern wie Extrabreit oder Nichts mit der unterkühlten, elektronisch grundierten Ästhetik jener Tage sowie einem direkten Zug zum Refrain.
Der besondere Verdienst der Gruppe Olympya liegt in der Weise begründet, wie sie das Beste an der Neuen Deutschen Welle dem Schreckens-Ghetto jener entsetzlichen NDW-Ü-50-Partys entzerren und unter Hinzunahme einer gewissen Düsternis und einer klaren Hip-Hop-Perspektive zurück ins Licht führen. Man denkt hier immer wieder an Songs wie „Radio“ von Nichts, „Eisbär“ von Grauzone und natürlich an Extrabreit. Aber das sind Stücke, an die sich heute kaum noch jemand erinnern kann.
Darin liegt ja der Clou begründet: Auch Olympya können diese Musik naturgemäß nicht aus erster Hand kennen, weshalb ihre Perspektive darauf eine andere, zeitgemäße ist. NDW, Post-Punk, Elektro, Schweinerock, Hip-Hop und Pop verdichten Olympya mühelos zu einer hochinfektiösen, enorm mitreißenden, modernen Popmusik, die bei allem Geschichtsbewusstsein ganz und gar im Hier und Jetzt zu verorten ist.
All diese Welten und noch viel mehr führen Olympya zusammen und belegen damit nicht zuletzt: Kein musikalisches Genre ist jemals dated, es geht immer nur darum, wie die Musik mit Leben und Bedeutung gefüllt wird. Insofern ist Olympya exakt die Band, auf die wir gewartet haben. Sie kommen genau zur richtigen Zeit.