
Sign up to save your podcasts
Or


Wie kommt es eigentlich, dass Sprache einen so großen Einfluss auf unsere Wahrnehmung hat? Schreib mir gern, wenn du Fragen dazu hast:
Connecte dich mit mir:
https://www.instagram.com/sina.dreier/
Dieses weit verbreitete und häufig verwendete Sprichwort kommt meist dann, wenn jemand anderes beschwichtigt werden soll, der möglicherweise gerade nicht in einer festen Beziehung ist. In den meisten Fällen wird wie selbstverständlich davon ausgegangen, dass sich einfach kein passender Gegenpart "findet". So, als ob es vorherbestimmt wäre, dass es für jeden Menschen den zu ihm/ihr passenden Partner:in gibt.
Was wäre, wenn manche Menschen auch allein glücklich (und funktionstüchtig) sind oder ggf. andere Beziehungsformen bevorzugen (in der es mehrere "Töpfe" gibt)?
Ein Topf ist ja ein Gebrauchsgegenstand, welcher uns den Alltag erleichtern soll. Der Deckel zu diesem Gebrauchsgegenstand deckt den Topf zu, damit dieser nicht überkocht, er reguliert ihn, hält ihn warm oder verhindert, dass zu viel Wasser verdunstet. Wenn wir einen Topf kaufen, gibt es dazu immer den passenden Deckel. Kein Topf existiert ohne Deckel. Geht ein Deckel verloren, so ist der Topf unvollständig. Aber irgend ein Deckel wird sich für diesen Topf schon finden - das muss so sein, das gehört sich so.
Für jeden Single findet sich schon irgend ein Mensch, der diesen Single komplett und funktionstüchtig macht, damit dieser Single dann wieder in die Gesellschaft passt. Diese Formulierung "...findet sich ein Deckel" spricht der Single-Person außerdem die Selbstbestimmtheit ab, den es heißt ja nicht "Jeder Topf sucht sich seinen passenden Deckel". Als ob es besser ist, dass da irgendjemand ist, als niemand. Egal, ob der Deckel passt oder nicht - es muss ja nur "ein Deckel" sein.
Wenn wir uns jetzt davon ausgehen, dass es für jeden "funktionstüchtigen" Menschen nur den passenden Deckel geben muss, entsteht ein gesellschaftlicher Druck, in welchem das Bedürfnis entsteht, in einer Beziehung sein zu müssen, um zu funktionieren - um nämlich in der Gesellschaft als "funktionstüchtig" zu gelten, quasi als nicht "unvollständig".
Vielleicht sollten wir anfangen, diesen Glaubenssatz, dass wir ohne Partner unvollständig sind, zu hinterfragen.
From the publisher's feed