Neigst du auch manchmal dazu, dich in deinem eigenen Unglück förmlich zu suhlen? Findest du es vielleicht sogar schön, wenn du mal richtig in dieses Gefühl gehen kannst und du sogar noch Zuspruch von Außen bekommst?
Wenn wir jammern und uns über unser Leben beklagen, wollen wir nämlich eigentlich Zuspruch von unserem Umfeld bekommen. In unserem tiefen Inneren schlummert da das Bedürfnis, gesehen und gehört zu werden. Wir wollen nicht hören, dass Lieschen Müller gerade auch Rückenbeschwerden hat oder einen noch viel schlimmeren Chef, hat als wir selbst.
„Geteiltes Leid ist halbes Leid“ – das ist ein Glaubenssatz unserer Gesellschaft, der dazu führt, dass wir gern in Gruppen jammern, vor unseren Kindern jammern und vielleicht sogar im Internet jammern. Dieser Glaubenssatz bestärkt uns sogar noch darin, das zu tun, was für unser Glück eigentliceigentlilh total kontraproduktiv ist. Aber wieso ist das so?
Wenn wir jammern erzeugen wir in uns Gefühle, weil wir das Gefühl oder die Situation, die wir bejammern erneut durchleben. Das führt dazu, dass wir in unserem Inneren immer wieder Gefühle erschaffen, die wir eigentlich nicht haben wollen (vielleicht bemitleiden wir uns selbst, weil wir krank sind und erzeugen somit Selbstmitleid oder oder beklagen uns über unseren Job und erzeugen somit Wut). Was wir in dem Moment nicht wissen: wir erzeugen nicht die Gefühle, die eigentlich heilsam für uns wären, sondern reiten förmlich auf dem Problem rum, weil das Bedürfnis nach Beachtung so groß ist.
In Gruppen erzeugt Jammern ein Zusammengehörigkeitsgefühl – wenn man z.B. gemeinsam über den Chef und die ungerechte Situation jammert. Auch wenn es grundsätzlich das soziale Miteinander fördern kann, ist es für den persönlichen Seelenfrieden eher schlecht, sich seine Anerkennung über Gejammer holen zu wollen.
Das, was Jammern eigentlich bewirken soll ist, dass wir uns gesehen und verstanden fühlen. Indem andere auf den Zug aufspringen und ebenfalls jammern, fühlen wir uns zwar nicht mehr so allein, das Bedürfnis, was wir uns aber eigentlich in dem Moment wünschen, bleibt unerfüllt. Meistens erhoffen wir uns dann Sätze wie „Och du Arme*r“ oder „Ach, du hast es schon nicht leicht“ – also eine Bestätigung dessen, was wir da gerade bejammern und nicht den so genannten Jammer-Contest, der dann darin mündet, dass eine*r den/die andere*n zu übertrumpfen versucht.
Was wir uns dann also fragen sollten, wenn wir das Gefühl haben, jammern zu müssen, ist: Wie kann ich für mich dafür sorgen, dass ich mich gesehen fühle? – Und zwar ohne, dass ich unnötigerweise im Problem bade und andere auch noch damit behellige oder ansporne, ihre eigenen Probleme ebenfalls zu bejammern? Stell dir die Frage: „Was genau in mir wünscht sich gerade Beachtung? Und wie kann ich mir selbst diese Beachtung schenken?“