Geschichte 10 Minuten

Geschichte 10 Minuten

By Alexander und DavidHistory
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Geschichte 10 Minuten episodes

  • Kalorien: Wie eine Zahl auf der Speisekarte unser Essverhalten ändert (#38)

    Seit Dezember 2016 muss in der EU jedes verpackte Lebensmittel seinen Energiegehalt ausweisen, doch die Geschichte des Kalorienzählens reicht viel weiter zurück. Verlässliche Daten zum täglichen Kalorienangebot gibt es für Großbritannien bereits seit dem Jahr 1274, mit durchschnittlich rund 2.200 Kilokalorien pro Person, deutlich mehr als im Frankreich des frühen 18. Jahrhunderts. Die Kalorienversorgung stieg über Jahrhunderte langsam an, parallel dazu wuchsen auch die Menschen selbst: Noch Mitte des 18. Jahrhunderts waren Menschen im Schnitt rund 10 bis 12 Zentimeter kleiner als heute, wobei bessere Ernährung schon damals ein sichtbares Statussymbol war. Erst mit der industriellen Revolution und vollends nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Kalorienmangel in weiten Teilen Europas zur Ausnahme, heute kämpfen viele westliche Länder stattdessen mit Übergewicht. Großbritannien reagiert mit einer verpflichtenden Kalorienkennzeichnung auf Speisekarten, ein Instrument, das die Portionsgrößen messbar zu verändern beginnt.

    11 min
  • Pervitin: Als Crystal Meth die Wehrmacht auf Trab hielt (#37)

    In den 1930er Jahren kam in Deutschland ein Medikament auf den Markt, das müde machte, Selbstvertrauen gab und den Appetit dämpfte: Pervitin. Der Wirkstoff war Methamphetamin, also das, was heute als Crystal Meth bekannt ist. Anfangs war es frei in der Apotheke erhältlich, es gab sogar mit Pervitin versetzte Pralinen. Im Zweiten Weltkrieg verteilte die Wehrmacht Millionen Tabletten an Soldaten, damit sie tage- und nächtelang ohne Schlaf funktionierten. Diese Folge erzählt, wie eine gefährliche Droge zum Alltagsmittel und zur Kriegsdroge wurde, und welche verheerenden Folgen der massenhafte Konsum hatte.

    6 min
  • Grand Tour: Der Gap Year des 18. Jahrhunderts (#36)

    Lange bevor es Gap Years und TripAdvisor gab, unternahmen junge Adelige eine mehrjährige Bildungsreise durch Europa, die Grand Tour. Ziel waren vor allem Frankreich und Italien, mit Rom, Florenz und Venedig als Highlights, während man auf der Durchreise gern auch Innsbruck und das dortige Kuriositätenkabinett von Schloss Ambras besuchte, englische Reiseberichte schwärmten damals bereits von gebildeten, freundlichen Österreichern. Begleitet von eigenen Tutoren, oft mit halbem Hausrat im Gepäck und manchmal sogar mit eigenem kleinen Zoo unterwegs, kämpften die Reisenden mit Zollgebühren, verlausten Betten und unzuverlässigen Landkarten. Kriege wie die napoleonischen zwangen viele zu Ausweichrouten nach Schottland oder Griechenland, wo auch Lord Byron seine Liebe zum Land entdeckte. Bis heute ist Europa, allen voran Frankreich mit rund 100 Millionen Besuchern jährlich, das meistbereiste Ziel der Welt, ein direktes Erbe dieser jahrhundertealten Reisetradition.

    19 min
  • Warum Tiffany ein mittelalterlicher Name ist: Das Tiffany-Problem (#35)

    Der Name Tiffany klingt nach 1980er Jahren, ist aber tatsächlich schon im Mittelalter belegt, als Form von Theophania. Würde ein Autor ihn in einem Roman über das 15. Jahrhundert verwenden, wäre das historisch korrekt, die meisten Leser hielten es aber für einen Fehler. Genau dieses Paradox nennt die Fantasy-Autorin Jo Walton das "Tiffany-Problem": wenn die Wahrheit unglaubwürdiger wirkt als die Erfindung. Diese Folge zeigt, wo das überall auftaucht, warum etwa in "Gladiator" eine historisch korrekte Werbeszene gestrichen wurde, und wie Filme die Realität ständig zurechtbiegen, von Telefonaten ohne Verabschiedung bis zu übertrieben dargestellten Krankheitsanfällen.


    Blog-Artikel von Jo Walton: "Putting the Historical in Historical Fantasy"


    Cover Foto: Trailer Screenshot / Wikimedia Commons


    5 min
  • Pang Dong Lai: Der Supermarkt, der Chinas Businesswelt fasziniert (#34)

    Ein kleiner Supermarkt aus einer eher unbekannten chinesischen Provinzstadt wird täglich von Kundenmassen gestürmt, gilt inzwischen als beliebtes Date-Ziel und wird von Managern großer Konzerne landesweit studiert: Pang Dong Lai. Gegründet 1995 von Yu Donglai in Xuchang, Provinz Henan, baute die Kette ihr Geschäft auf radikalem Vertrauen auf, mit Transparenz bei Preisen und Margen bis hin zu eigens erfundenen Süße- und Schärfeskalen für Obst und Chili. Noch bemerkenswerter ist der Umgang mit den eigenen Mitarbeitenden: Statt der in China verbreiteten 996-Kultur (9 bis 21 Uhr, sechs Tage die Woche) gibt es einen 7-Stunden-Tag, üppige Urlaubstage und sogar bezahlten "Unglücklich-Urlaub" bei emotionaler Erschöpfung, den Vorgesetzte nicht ablehnen dürfen. Wer von Kunden beleidigt oder angegriffen wird, erhält eine feste finanzielle Entschädigung. Trotz der viralen Bekanntheit expandierte das Unternehmen seit 30 Jahren bewusst nicht über seine Heimatprovinz hinaus, ein Businessmodell, das die chinesische Wirtschaftswelt bis heute intensiv diskutiert.

    12 min
  • Die Bildersuche: Wie ein Kleid von Jennifer Lopez Google veränderte (#33)

    Bei den Grammy Awards 2000 trug Jennifer Lopez ein tief ausgeschnittenes grünes Versace-Kleid, das sofort zur Sensation wurde. So viele Menschen suchten danach im Internet, dass Google an seine Grenzen stieß, denn eine reine Textsuche konnte mit der Flut an Anfragen nach diesem einen Bild nicht umgehen. Genau das brachte Google auf die Idee, eine eigene Bildersuche zu entwickeln. Der damalige Google-Chef Eric Schmidt hat später selbst bestätigt, dass dieses Kleid der Auslöser war. Diese Folge erzählt, wie ein einzelnes Kleid zu einer der meistgenutzten Funktionen des Internets führte.


    Foto Cover: Unsplash und Wikimedia Commons / Firdaus Latif (CC BY-SA 2.0)

    7 min
  • So ein Havas: Wie drei Firmen einst die Weltnachrichten aufteilten (#32)

    Die Schweizer Redewendung "so ein Havas" für Unsinn oder Lüge geht auf eine der einflussreichsten, aber unbekanntesten Institutionen der Mediengeschichte zurück, die Nachrichtenagentur. Charles-Louis Havas gründete 1835 in Paris die erste moderne Nachrichtenagentur, aus der später die AFP hervorging, während sein ehemaliger Mitarbeiter Paul Julius Reuter mit Brieftauben und Unterseekabeln sein eigenes, bis heute bekanntes Imperium aufbaute. Ab 1870 teilten Reuters, Havas und das Berliner Wolffsche Telegraphenbüro die Welt in einem Nachrichtenkartell buchstäblich unter sich auf, wer wo Nachrichten sammeln und verbreiten durfte, war exakt geregelt, bis die Nationalsozialisten das System 1934 zerschlugen. Bis heute prägen wenige globale Agenturen wie AP, Reuters und AFP den internationalen Nachrichtenfluss, während Länder wie Russland und China mit TASS, Sputnik und Xinhua eigene staatliche Gegenmodelle betreiben. Ein Blick auf das unsichtbare Nervensystem, durch das Nachrichten überhaupt erst zu uns gelangen.

    11 min
  • Die Shaker: Eine aussterbende Glaubensgemeinschaft, die das moderne Design prägte (#31)

    Die Shaker waren eine christliche Glaubensgemeinschaft, die im 18. Jahrhundert von England in die USA auswanderte. Ihren Namen bekamen sie wegen ihrer ekstatischen, zitternden Tänze. Sie lebten in Gütergemeinschaft, streng gleichberechtigt zwischen Mann und Frau, und im Zölibat, weshalb sie sich nur durch neue Mitglieder erhalten konnten. Genau das wurde ihr Verhängnis: Heute gibt es nur noch eine Handvoll Shaker. Ihr Erbe aber lebt weiter, denn ihre klaren, funktionalen Möbel und ihre Erfindungen, von der Wäscheklammer bis zur Kreissäge, gelten als Vorläufer des modernen Designs. Die Geschichte einer Gemeinschaft, die fast verschwunden ist und trotzdem bis heute nachwirkt.Bilder der Shaker-Möbel: https://www.gq.com/story/shaker-furnitures-lasting-influence-on-design


    7 min
  • Japanische Weihnachten: Warum an Heiligabend alle KFC essen (#30)

    In Japan, wo weniger als ein Prozent der Bevölkerung christlich ist, gehört Weihnachten fest zu einer Fast-Food-Kette: Kentucky Fried Chicken. Familien bestellen ihre Weihnachtsmenüs oft schon sechs Wochen im Voraus, ein Erfolg, der 1970 mit einem Testladen bei der Weltausstellung in Osaka begann und zunächst grandios scheiterte. Der junge Filialleiter Takeshi Okawara schlief in der glücklosen Anfangszeit auf Mehlsäcken im Lager, bis er als Weihnachtsmann verkleidet frittiertes Hähnchen an Kinder verteilte und dabei einen selbst erfundenen Jingle sang. Bald wurde die Statue des Firmengründers Colonel Sanders vor jedem Laden für den Weihnachtsmann gehalten, und Okawara soll später sogar einem Fernsehsender erzählt haben, Hühnchen zu Weihnachten sei eine amerikanische Tradition, was KFC selbst bis heute bestreitet. Heute ist Japan nach den USA und China der drittgrößte KFC-Markt der Welt, mit über 1.000 Filialen und Umsätzen am 24. Dezember, die zehnmal höher liegen als an einem gewöhnlichen Tag.

    9 min
  • Monopoly: Erfunden als Warnung vor dem Kapitalismus (#29)

    Monopoly ist eines der meistverkauften Brettspiele der Welt, doch seine Entstehung ist voller Ironie. Erfunden wurde das Grundprinzip Anfang des 20. Jahrhunderts von Elizabeth Magie, und zwar als Lehrspiel, das die Ungerechtigkeit von Bodenspekulation und Monopolen zeigen sollte, also als Kritik am Kapitalismus. Jahrzehnte später verkaufte Charles Darrow eine ganz ähnliche Version als seine eigene Erfindung an den Spielehersteller Parker Brothers und wurde damit reich, während Magie fast vergessen wurde. Diese Folge erzählt, wie aus einer antikapitalistischen Lehridee das kapitalistischste Spiel überhaupt wurde und wer die wahre Erfinderin dahinter ist.

    9 min

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