Geschichte 10 Minuten

Geschichte 10 Minuten

By Alexander und DavidHistory
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Geschichte 10 Minuten episodes

  • Bunte Röcke: Warum britische Soldaten "Redcoats" heißen (#18)

    Bis zum Ersten Weltkrieg zogen Soldaten in auffällig bunten Uniformen in die Schlacht, Rot für England, Blau für Preußen, Grün für Russland, Weiß für Österreich und Frankreich. Der bis heute in Irland gebräuchliche Begriff "Redcoat" für britische Soldaten geht auf die 1645 gegründete New Model Army zurück, die als erste britische Armee einheitlich rote Röcke trug, ursprünglich aus rein ökonomischen Gründen, weil der rote Farbstoff damals besonders günstig war. Während sich die Uniformen im 18. Jahrhundert zunehmend körperbetont und damit unpraktisch entwickelten, brachte erst die Einführung von Mehrladewaffen und rauchlosem Pulver das endgültige Ende der bunten Röcke: Wer auffiel, war ein leichtes Ziel. Ausgerechnet Frankreich hielt am längsten an seinen farbenfrohen Uniformen fest, bis der Erste Weltkrieg und ein unterbrochener Farbstoff-Import aus Deutschland auch dort das letzte Kapitel der bunten Militärmode einläuteten.


    Titelbild: Bild eines britischen Soldaten 1742 (24th Regiment of Foot); Wikimedia Commons / gemeinfrei

    11 min
  • Die ältesten Unternehmen der Welt: Warum die meisten aus Japan kommen (#17)

    Das Unternehmen mit der längsten kontinuierlichen Betriebsgeschichte der Welt wurde im Jahr 578 gegründet: Kongō Gumi aus Japan, spezialisiert auf den Bau buddhistischer Tempel. Über vierzig Generationen blieb es in Familienhand, unter anderem weil Schwiegersöhne den Familiennamen übernahmen. 2006 musste es Insolvenz anmelden und wurde übernommen. Das heute älteste noch eigenständige Unternehmen ist ebenfalls japanisch: ein Hotel von 705. Überhaupt liegt Japan bei alten Firmen weit vorn, von weltweit rund 5.600 Unternehmen mit über 200 Jahren Geschichte sitzen mehr als 3.000 dort. Und auch Österreich ist vertreten, mit einem Gasthaus in Salzburg, das seit 803 nachgewiesen ist.


    Titelbild: Mitarbeiter von Kongō Gumi im Jahr 1930; Wikimedia Commons / gemeinfrei

    8 min
  • Sachertorte: Warum es zwei "echte" Versionen gibt (#16)

    Die Sachertorte ist keine geschützte Bezeichnung und wird von unzähligen Herstellern verwendet, doch nur zwei Wiener Adressen dürfen sich "Original Sacher-Torte" nennen: das Hotel Sacher und, in abgewandelter Form, die Konditorei Demel. Der Legende nach erfand der 16-jährige Küchenlehrling Franz Sacher die Torte 1832 für Fürst Metternich, sein Sohn Eduard vollendete das Rezept später als Lehrling bei Demel und eröffnete 1876 sein eigenes Hotel. Weil beide Häuser fortan dieselbe Torte verkauften, tobte von 1954 bis 1963 ein erbitterter Rechtsstreit, unter anderem um eine zweite Marmeladenschicht in der Mitte und die Frage, ob Margarine erlaubt sei. Am Ende durfte nur das Hotel Sacher den Namen "Original Sacher-Torte" führen, während Demel seine Version als "Eduard-Sacher-Torte" verkauft, bis 2020 sogar mit einer anderen Rezeptur. Heute entstehen im Hotel Sacher jährlich rund 360.000 Torten, größtenteils noch immer von Hand.


    Foto: Sachertorte des Hotel Sacher; Unsplash

    10 min
  • Influencer-Marketing: Wie Bertolt Brecht zu einem Gratis-Auto kam (#15)

    Influencer-Marketing wirkt wie eine Erfindung der sozialen Medien, dabei funktioniert Werbung mit bekannten Gesichtern seit jeher. Ein besonders schönes Beispiel liefert Bertolt Brecht. 1928 veröffentlichte er in der Zeitschrift Uhu ein Gedicht mit dem Titel "Singende Steyrwagen", woraufhin der österreichische Autobauer Steyr ihm prompt einen Wagen schenkte. Als Brecht das Auto wenige Wochen später bei einem Unfall schrottete, schrieb er eine Reportage darüber, in der die Marke ausgesprochen gut wegkam. Diese Folge fragt, was daran wirklich neu ist am heutigen Influencer-Marketing und was nur der Kanal.


    Foto: Aus einer Reportage der Zeitschrift Uhu vom November 1929, welche den Autounfall von Bertolt Brecht behandelte.

    7 min
  • Joachim Neander: Der Kirchenlieddichter, der den Neandertaler benannte (#14)

    Kaum jemand weiß, dass der Neandertaler seinen Namen einem barocken Kirchenlieddichter verdankt: Joachim Neander liebte ein Tal bei Düsseldorf so sehr, dass es nach ihm benannt wurde, genau dort, wo 1856 die ersten Knochen eines frühen Menschen gefunden wurden. Seither hat sich das Bild vom tumben Höhlenmenschen gewandelt: Neandertaler lebten mit dem modernen Menschen wohl mehrere Jausend Jahre gemeinsam in Europa, fertigten vermutlich als erste Kleidung an und hatten ähnliche sprachliche und kulturelle Fähigkeiten wie wir. Warum sie vor rund 30.000 Jahren verschwanden, ist bis heute umstritten, gilt aber zunehmend als Folge kleiner, isolierter Populationen statt reiner Unterlegenheit. Bestätigt ist inzwischen: Bis zu vier Prozent unseres Erbguts stammen bis heute von ihnen.


    Titelbild: Joachim Neander (1650–1680); Lithographie des 19. Jahrhunderts, nach einem verschollenen Gemälde; Wikimedia Commons / gemeinfrei

    11 min
  • Thailändische Küche: Gastrodiplomatie und der Siegeszug von Pad Thai (#13)

    Fast jeder kennt Pad Thai, aber kaum jemand kann ein indonesisches oder philippinisches Gericht nennen. Das ist kein Zufall, sondern Ergebnis staatlicher Planung. 2002 startete die thailändische Regierung das Programm "Global Thai", mit Krediten und Schulungen für Gastronomen, die im Ausland eröffnen wollten, und einem Jahresbudget in Millionenhöhe. Damals gab es weltweit rund 5.500 thailändische Restaurants, 2018 waren es 15.000. Auch Pad Thai selbst ist politisch: Es wurde im Zweiten Weltkrieg zum Nationalgericht erklärt, um Reis zu sparen und dem jungen Thailand eine Identität zu geben. Eine Geschichte über Gastrodiplomatie, also darüber, wie Länder mit Essen Politik machen.


    Titelbild: Unsplash

    8 min
  • Verkehrszeichen: Warum das Stoppschild fast überall gleich aussieht (#12)

    Seit dem Wiener Übereinkommen von 1968 sind Verkehrszeichen in fast ganz Europa und vielen Ländern weltweit vereinheitlicht, mit Ausnahmen wie den USA, China, Australien und selbst der Republik Irland. Das älteste bis heute erhaltene Verkehrsschild Europas steht seit 1686 in Lissabon, eine steinerne Vorrangtafel für die engsten Gassen der Stadt. Trotz Harmonisierung gibt es bis heute nationale Eigenheiten, etwa bei den oft jahrzehntealten Piktogrammen in Österreich und der Schweiz. Die wahre Königin der Verkehrsschilder aber ist das Stoppschild: fast überall achteckig und rot, ursprünglich aber gelb, weil rote Farbe früher zu schnell verblasste. Nur vier Länder weichen von der Achteckform ab, darunter Japan mit seinem umgekehrten Dreieck.


    Titelbild: Unsplash

    13 min
  • Bezahlklos: Warum US-Toiletten kostenlos sind (#11)

    Wer aus Europa in die USA reist, merkt es irgendwann: Öffentliche Toiletten sind dort fast immer kostenlos. Das ist kein Zufall, sondern das Ergebnis einer Kampagne. 1970 gründete der Student Ira Gessel in Ohio das Committee to End Pay Toilets in America, mit dem erklärten Ziel, Bezahlklos abzuschaffen. Was wie ein Studentenulk klingt, war ernst gemeint: Bis zu 1500 Mitglieder, ein eigener Rundbrief namens "Free Toilet Paper", und 1973 verbot Chicago als erste Stadt kostenpflichtige Toiletten. Bis 1976 folgten zwölf Bundesstaaten, danach löste sich die Organisation auf. Erfunden hat das Bezahlklo übrigens ein britischer Zauberer, weshalb man in England bis heute "spend a penny" sagt.


    Titelbild: Toilette und das Logo des "Committee to End Pay Toilets in America"; Unsplash & Wikimedia Commons

    7 min
  • Die Ampel: Warum eine US-Stadt Grün nach oben stellte (#10)

    Rot und Grün wurden für Ampeln gewählt, weil das menschliche Auge beide Farben nachweislich gleich intensiv wahrnimmt, ein Prinzip, das schon bei den ersten Eisenbahnsignalen galt. Die erste elektrische Ampel ging 1914 in Cleveland in Betrieb, die erste dreifarbige folgte 1920 in Detroit. Doch nicht überall ist die Reihenfolge gleich: In Syracuse, New York, protestierten irischstämmige Bewohner gegen eine Ampel, bei der das "britische" Rot über dem "irischen" Grün hing, bis heute leuchtet dort als einzige Ampel der USA Grün oben. Auch kulturell gibt es Unterschiede: In Japan heißt Grün an der Ampel traditionell "Blau", während Österreich mit einem grünen Vorwarnblinken besonders sanft auf die Rotphase vorbereitet. Eine kleine Geschichte über eine Erfindung, die wir täglich sehen und kaum hinterfragen.


    Titelbild: Unsplash

    12 min
  • Warum Frauenstimmen immer tiefer werden (#09)

    Frauen sprechen heute deutlich tiefer als noch vor wenigen Jahrzehnten. Eine Leipziger Studie mit Tausenden Teilnehmenden zeigt: Lag die durchschnittliche Sprechhöhe früher bei rund 220 Hertz, sind es heute etwa 168. Männerstimmen blieben unverändert. Biologische Erklärungen wie Körpergröße oder Hormone scheiden aus, die Forschenden vermuten deshalb gesellschaftliche Gründe. Denn tiefe Stimmen wirken glaubwürdiger, höhere signalisieren eher Unsicherheit. Diese Folge fragt, was das über den Wandel des Frauenbilds verrät, welche Rolle Film und Fernsehen spielen und warum Elizabeth Holmes sich für Theranos eine tiefere Stimme antrainierte.


    Titelbild: Unsplash

    6 min

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