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Manche Wörter, die wir täglich benutzen, waren ursprünglich echte Namen: Ein Deonym ist ein aus einem Eigennamen entstandenes Wort. Die Würze von Julius Maggi rettete tausenden Kindern das Leben, weil sie pasteurisierte Milch verbreitete, brachte ihm aber trotzdem Anfeindungen ein. Der irische Gutsverwalter Charles Boycott wurde 1880 so konsequent gemieden, dass sein Name bis heute für "boykottieren" steht. Ein Lübecker Buchdrucker namens Johann Ballhorn verewigte sich unfreiwillig im Wort "verballhornen", weil eine von ihm gedruckte Gesetzesüberarbeitung missglückte. Und selbst Mercedes und Audi tragen Namensgeschichten in sich, benannt nach der Tochter eines Kunden beziehungsweise dem lateinischen Imperativ von "horchen". Eine kleine Reise durch Wörter, die eigentlich Menschen waren.
Titelbild: Unsplash
Über kaum jemanden gibt es ein vernichtenderes Urteil: Der Umwelthistoriker John Robert McNeill schrieb, Thomas Midgley habe die Atmosphäre stärker verändert als jeder andere Organismus der Erdgeschichte. Midgley war Chemiker bei General Motors und machte zwei folgenschwere Entdeckungen. 1921 löste er das Klopfen von Verbrennungsmotoren, indem er Benzin mit Blei versetzte, was über Jahrzehnte Millionen Tonnen Blei in die Umwelt brachte. 1929 entwickelte er FCKW für Kühlschränke, ein Gas, das für Menschen ungiftig ist, aber die Ozonschicht zerstört. Beides galt lange als sicher, Midgley demonstrierte es sogar öffentlich an sich selbst. Und auch sein Tod hat eine bittere Pointe.
Titelbild: Unsplash
Dass wir in Österreich und Deutschland rechts fahren, verdanken wir letztlich Napoleon, der den in revolutionären Frankreich eingeführten Rechtsverkehr über seine Eroberungen in weiten Teilen Europas verbreitete. Vorher war jahrhundertelang mehrheitlich Linksverkehr üblich, aus Gründen, die mit Rechtshändigkeit, Schwerttragen und dem Lenken von Pferdegespannen zu tun hatten. Besonders kompliziert verlief die Umstellung in Österreich: Ab 1930 fuhr der Westen des Landes bereits rechts, während der Osten samt Wien bis zum Anschluss 1938 beim Linksverkehr blieb, zwei Jahrzehnte lang war Österreich verkehrstechnisch buchstäblich geteilt. Selbst die Eisenbahn brauchte noch viel länger: Auf der Westbahn wurde erst 1991 der letzte Abschnitt umgestellt, auf der Franz-Josefs-Bahn fährt man bis heute links. Bis heute fahren rund 58 von 221 Ländern auf der linken Seite, darunter mit Indien und Indonesien fast ein Drittel der Weltbevölkerung.
Titelbild: Linksverkehr in Wien, Ecke Kärntnerstraße Annagasse, circa 1930; Wikimedia Commons, gemeinfrei
In den Anfangsjahren des Telefons ging jedes Gespräch über eine Vermittlungsstelle, besetzt vom sogenannten Fräulein vom Amt. Der Bestatter Almon Strowger aus Topeka, Kansas, war überzeugt, dass die Vermittlung ihn benachteiligte und Anrufer stattdessen zur Konkurrenz durchstellte. Aus diesem Verdacht heraus entwickelte er ab 1888 ein System, das die Vermittlung überflüssig machte, und legte damit den Grundstein für die automatische Telefonvermittlung und die spätere Wählscheibe. Am Ende geht es außerdem darum, warum wir uns bis heute mit "Hallo" begrüßen, was Thomas Edison damit zu tun hat und warum Alexander Graham Bell lieber "Ahoy" gesagt hätte.
Titelbild: Unsplash
In Großbritannien und Irland grüßt man einzelne Elstern höflich, "Good morning, Mr Magpie, how is your lady wife today", um Unglück abzuwenden, ein Aberglaube, der auf einem alten Abzählreim beruht: eine Elster bedeutet Kummer, zwei Freude. Dahinter steckt echte Biologie, Elstern leben monogam und sind fast immer zu zweit unterwegs. Wissenschaftlich sind sie zudem echte Ausnahmetiere: Elstern gehören zu den wenigen Lebewesen und dem einzigen Vogel überhaupt, der sich selbst im Spiegel erkennt, mit einem Gehirnbereich, der relativ zur Körpergröße mit dem präfrontalen Kortex von Menschen und Menschenaffen vergleichbar ist. Der Mythos, sie würden gezielt Glitzerndes stehlen, gilt inzwischen als wissenschaftlich widerlegt, Elstern stehlen einfach alles. Und wer in Deutschland seine Steuererklärung online macht, begegnet der Elster sogar ganz offiziell: Das Programm ELSTER trägt intern den Namen "Pica", den lateinischen Gattungsnamen des Vogels.
Titelbild: Unsplash
In Großbritannien und weiten Teilen des Commonwealth trägt man am 11. November eine kleine rote Stoffblume am Revers, den Poppy, ein Symbol, das hierzulande kaum bekannt ist. Der Brauch geht auf das Gedicht "In Flanders Fields" des kanadischen Armeearztes John McCrae zurück, inspiriert vom Klatschmohn, der auf den frisch aufgeworfenen Soldatengräbern Flanderns blühte. Der Erlös der Blüten, hergestellt in eigenen Poppy-Fabriken in Richmond und Edinburgh, unterstützt bis heute Kriegsveteranen. Neben dem klassischen roten Poppy gibt es weiße für zivile Kriegsopfer, seit den 1930er-Jahren durchaus umstritten, und lilafarbene für im Krieg getötete Tiere. Ein Blick auf ein Symbol, das in Deutschland und Österreich kaum jemand kennt, aber Millionen Britinnen und Briten jeden November tragen.
Titelbild: Unsplash
Hasen fressen Karotten, das weiß doch jeder. Nur stimmt es nicht: In freier Wildbahn stehen Gräser, Kräuter und Zweige auf dem Speiseplan, zu viele Karotten sind sogar ungesund. Die Spur führt nach Hollywood, zu Clark Gable, der 1934 in "Es geschah in einer Nacht" lässig an einer rohen Möhre kaute. Die Looney Tunes parodierten die Szene, und aus ihr wurde Bugs Bunny. Die Vorlage geriet in Vergessenheit, die Parodie blieb. Dazu kommt ein zweiter Mythos: dass Karotten die Sehkraft verbessern. Auch der hat einen Ursprung, nämlich britische Kriegspropaganda, die vom eigenen Radarsystem ablenken sollte.
Titelbild: Unsplash
Ampeln, Küchentimer, Raketenstarts: Der Countdown ist so selbstverständlich, dass kaum jemand fragt, woher er kommt. Erfunden hat ihn der in Wien geborene Regisseur Fritz Lang, und zwar 1929 für seinen Stummfilm "Frau im Mond". Er brauchte eine Möglichkeit, die Spannung vor dem Raketenstart ohne Ton zu zeigen, und ließ deshalb rückwärts zählen, damit das Publikum genau weiß, wann es losgeht. Aus diesem Filmtrick wurde ein weltweiter Standard, und die NASA lud Lang später sogar nach Huntsville ein, wo man ihn halb im Scherz den Vater der Raketenwissenschaft nannte. Die Geschichte einer Idee aus dem Kino, die bis heute jeden echten Raketenstart begleitet.
Titelbild: Fritz Lang mit Kameramann Curt Courant (Mitte) bei den Dreharbeiten zum Film Frau im Mond (1929); Bundesarchiv, Bild 102-08538 / CC-BY-SA 3.0
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