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Das älteste bekannte Museum der Welt stand nicht in Europa, sondern im antiken Babylon: Prinzessin Ennigaldi gründete es um 530 vor Christus und beschriftete ihre Exponate bereits in drei Sprachen, entdeckt wurde es erst 1925 bei einer Ausgrabung, an der auch die Autorin Agatha Christie beteiligt war, die dort ihren späteren Ehemann kennenlernte. Aus den privaten Wunder- und Kunstkammern des Adels, wie jener Erzherzog Ferdinands II. auf Schloss Ambras bei Innsbruck oder Kaiser Rudolfs II. in Prag, entwickelten sich erst langsam öffentlich zugängliche Museen, das Ashmolean Museum in Oxford in den 1670ern und das kostenlose British Museum 1753. Heute ist das British Museum mit rund 8 Millionen Objekten die größte permanente Sammlung der Welt, und wer durch den lichtdurchfluteten Innenhof spaziert, steht unter einem Glasdach, das ausgerechnet von einer österreichischen Firma gebaut wurde.
Jahrzehntelang galt Asbest als Wunderfaser: hitzebeständig, unglaublich vielseitig und billig. Man verbaute ihn in Dächern, Rohren, Bremsen, sogar in Kinderpuppen und als künstlicher Schnee in Filmen. Erst spät setzte sich die Erkenntnis durch, dass die feinen Fasern beim Einatmen tödliche Krankheiten wie Lungenkrebs und Asbestose auslösen. Diese Folge erzählt, wie das Material über Jahrhunderte, von der Antike bis in die Moderne, als Segen galt, wie lange Industrie und Behörden die Gefahr ignorierten und warum Asbest bis heute ein Problem ist, obwohl er in vielen Ländern längst verboten ist.
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Feiern gehört zu den ältesten menschlichen Bedürfnissen überhaupt, keine andere Spezies unterteilt ihr Leben so bewusst in Alltag und Fest. Schon vor 3.500 Jahren ließ die ägyptische Pharaonin Hatschepsut das monatelange Opet-Fest in Stein verewigen, mit Musik, Tanz und aufgetürmten Speisen, ganz ähnlich wie Feste bis heute funktionieren. Von den fünftägigen antiken Olympischen Spielen über die legendäre, verheerend endende Hochzeitsfeier Marie-Antoinettes bis zum barocken Wiener Rossballett, aus dem später die Spanische Hofreitschule hervorging, zieht sich das Fest als Konstante durch die Geschichte. Persönliche Geburtstagsfeiern hingegen sind überraschend jung: Lange feierte man stattdessen den Namenstag, während der eigene Geburtstag als sündige Selbstfeier galt. Ein kurzer, kurzweiliger Streifzug durch die Geschichte des Feierns, inspiriert von einem ganz persönlichen Fest.
Freitags kein Fleisch, das schreibt die katholische Tradition zum Gedenken an den Tod Jesu vor. Genau daran wäre 1959 fast eine McDonald's-Filiale in einer katholischen Gegend von Cincinnati gescheitert, weil freitags der Umsatz einbrach. Franchisenehmer Lou Groeb erfand deshalb einen fleischlosen Fisch-Burger. In einem internen Wettbewerb setzte sich sein Filet-o-Fish gegen den "Hula Burger" mit gegrillter Ananas durch und kam 1962 auf die Karte, drei Jahre später US-weit. Bis heute wird ein großer Teil aller Filet-o-Fish in der Fastenzeit verkauft, und wegen seiner Zutaten ist er auch in vielen jüdischen und muslimischen Gegenden beliebt. Die Geschichte eines Burgers, den es ohne Religion nie gegeben hätte.
Am 19. Dezember 1973 scherzte Talkshow-Host Johnny Carson im amerikanischen Fernsehen über eine angebliche Toilettenpapierknappheit, tags darauf leerten Millionen Amerikaner panisch die Supermarktregale, und die selbst erfüllende Prophezeiung hielt monatelang an, länger als die Hamsterkäufe während Corona. Dabei ist die Geschichte des stillen Örtchens viel älter: Bereits in der Bronzezeit nutzten Menschen im Salzbergwerk von Hallstatt Pestwurzblätter zur Reinigung, während chinesische Kaiserhöfe schon im 14. Jahrhundert jährlich Millionen Bögen parfümiertes Toilettenpapier verbrauchten, lange bevor Europa überhaupt daran dachte. Das erste industriell gefertigte Toilettenpapier stammt aus den USA von 1857, perforierte Rollen setzten sich erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts durch. Bis heute unterscheidet sich die Nutzung weltweit stark, ob gefaltet, geknüllt oder gestückelt, ein erstaunlich wenig erforschtes, aber zutiefst menschliches Thema.
Zwölf goldene Sterne auf blauem Grund, kaum ein Symbol steht so sehr für Europa. Doch die Zwölf stand nie für die Zahl der Mitgliedsstaaten, sondern gilt als Symbol für Vollständigkeit. Entworfen wurde die Flagge in den 1950er Jahren nicht für die EU, sondern für den Europarat, und erst Jahrzehnte später von der heutigen EU übernommen. Diese Folge erzählt, welche Entwürfe vorher abgelehnt wurden, welche Rolle religiöse und mythologische Deutungen spielen und wie aus einem von vielen Vorschlägen das bekannteste Symbol Europas wurde.
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Ein Schuh, der angeblich auf einen UNO-Tisch gehämmert wurde, existiert vor allem in der Legende, echte Fußspuren hinterließ die Menschheit dafür schon viel früher: Ein rund 120.000 Jahre alter Knochenpfriem gilt als älteste mögliche Spur eines Schuhmachers der Neandertalerzeit. Besonders eindrücklich sind die Schuhe des Gletschermanns Ötzi aus Südtirol, deren durchdachte Konstruktion aus Rindsleder, Bärenfell und einer isolierenden Grasgeflecht-Innensohle modernen Bergschuhen erstaunlich nahekommt. Während die Römer noch zwischen rechtem und linkem Schuh unterschieden, gingen europäische Schuhmacher später wieder zu symmetrischen Formen über, mit unbequemen Folgen. Auch Mode konnte gefährlich werden: Spitze Schnabelschuhe im Spätmittelalter führten nachweislich zu Fußdeformationen, während das Jahrhunderte währende chinesische Füßebinden erst 1949 endgültig verboten wurde. Ein Blick auf ein Kleidungsstück, das unsere Füße seit Jahrtausenden begleitet.
Fast jeder kennt "Catch Me If You Can", Steven Spielbergs Film mit Leonardo DiCaprio über den jugendlichen Hochstapler Frank Abagnale, der sich als Pilot, Arzt und Anwalt ausgibt und Millionen erbeutet. Die Geschichte beruht auf Abagnales eigener Autobiografie. Nur: Vieles daran ist erfunden. Der Journalist Alan Logan wies 2020 nach, dass Abagnale in den Zeiträumen, in denen er angeblich als Pilot und Arzt unterwegs war, in Wahrheit im Gefängnis saß. Auch die FBI-Taskforce und seine spätere Karriere als FBI-Berater lassen sich nicht belegen. Sein tatsächlich verurteilter Scheckbetrug lag bei unter 1.500 Dollar. Diese Folge erzählt, wie einer zum berühmtesten Betrüger der Welt wurde, indem er seinen größten Betrug einfach erfand.
Die Krawatte verdankt ihren Namen angeblich einem kroatischen Reiterregiment, das Ludwig XIV. 1663 bei einer Parade so beeindruckte, dass der französische Hof das geknotete Halstuch übernahm, daher "à la croate", Krawatte. Tatsächlich ist der Halsschmuck viel älter, schon römische Soldaten trugen ein ähnliches Tuch namens Focale. Zur schmalen Langbinder-Form, wie wir sie heute kennen, wurde die Krawatte erst im späten 19. Jahrhundert, während sie seither auch immer wieder zum politischen Statement wurde, von den Revolutionären 1848 bis zum jungen SPD-Abgeordneten Gerhard Schröder, der Anfang der 1980er als erster ohne Krawatte im Bundestag sprach. Bis heute ist die Krawatte formales Statussymbol und zugleich beliebtes Ziel des Widerstands, sei es durch Tech-Firmen ohne Dresscode oder durch die rheinische Weiberfastnacht, bei der Männern traditionell die Krawatte abgeschnitten wird.
Fünf Milliarden Menschen sollen seine Musik kennen, doch seinen Namen hat kaum jemand gehört: Kevin MacLeod ist vermutlich der meistgehörte Komponist der Welt. Seit 1996 veröffentlicht er über 2.000 Stücke unter freier Lizenz, jeder darf sie kostenlos nutzen, oft reicht eine Quellenangabe. Deshalb steckt seine Musik in Millionen YouTube-Videos, auf TikTok und Instagram, in Videospielen und sogar in Hollywood-Filmen. Sein bekanntestes Stück läuft in über 30 Millionen TikTok-Videos. Und trotzdem ist er nicht reich wie Taylor Swift. Diese Folge erzählt, wie einer die halbe Welt beschallt und dabei fast unsichtbar bleibt.
Weiterführende Links:
Den kompletten Katalog seiner Arbeit kann man unter https://incompetech.com/ herunterladen. Seine Musik findet man auch auf Streaming-Services wie Spotify.
Will Ferrell und Kristen Wiig werden bei der Präsentation eines Golden Globes von Kevin MacLeods Musik unterbrochen: https://www.youtube.com/watch?v=HE6P2HDYlZs
Trailer zur Doku "Royalty Free: The Music of Kevin MacLeod": https://www.youtube.com/watch?v=xPAsEervC9M
Titelbild: Unsplash
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