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Welche war zu ihrer Zeit die größte Stadt Europas? Diese Folge macht eine Zeitreise von den ersten Städten der Menschheit wie Jericho über das antike Rom mit fast einer Million Einwohnern bis zum heutigen Istanbul. Dabei zeigt sich ein Muster: Städte wachsen dort, wo ein Reich für Stabilität, Handel und Verwaltung sorgt, und schrumpfen, wenn diese Ordnung zerbricht. So wandert die Spitze von Rom über Konstantinopel und das maurische Córdoba nach Paris und schließlich ins London des Industriezeitalters, das um 1900 zeitweise die größte Stadt der Welt ist. Eine Geschichte darüber, wie eng die Größe einer Stadt mit Macht, Handel und Wissen zusammenhängt.
Über hundert Jahre lang stand Sandy Island auf Seekarten, in Atlanten und bis 2012 sogar bei Google Maps, eine Insel im Korallenmeer zwischen Australien und Neukaledonien. Das Problem: Es gab sie nie. Diese Folge erzählt, wie aus einer wohl falsch eingetragenen Sichtung eines Walfangschiffs im 19. Jahrhundert eine Phantominsel wurde, die sich von Karte zu Karte weitervererbte, weil im Zweifel lieber vor einer Gefahr gewarnt wird, als sie wegzulassen. Erst 2012 fährt ein australisches Forschungsschiff die Stelle an und findet dort nur 1400 Meter tiefes Wasser. Eine Geschichte darüber, wie ein einziger Fehler über ein Jahrhundert überleben kann.
Rund 190 Staaten zeigt eine heutige Weltkarte, doch dieses Bild ist erst wenige Jahrhunderte alt. Diese Folge erzählt, wie aus feudalen Flickenteppichen Nationalstaaten wurden und wie oft ihre Grenzen reine Willkür sind. Warum verläuft eine afrikanische Grenze schnurgerade, weil ein britischer Offizier 1913 einfach zu erschöpft war weiterzumessen? Warum teilt in der Stadt Baarle eine Grenze sogar Wohnzimmer und Esstische? Es geht um Kolonialismus und das Lineal auf der Karte, um die willkürliche Trennung von Europa und Asien und um Grenzziehungen mit dramatischen Folgen wie die Teilung Indiens 1947. Eine Geschichte darüber, wie viel Macht in einer gezeichneten Linie steckt.
2005 laden drei ehemalige PayPal-Mitarbeiter eine Website hoch, eigentlich als Dating-Seite mit Videos. Das floppt, aber die Technik dahinter, Videos einfach hochladen und im Browser abspielen, wird zur Revolution. Das erste Video: 19 wackelige Sekunden vor dem Elefantengehege im Zoo. Diese Folge erzählt, wie aus diesem Clip die zweitmeistbesuchte Website der Welt mit über 2,5 Milliarden Nutzern wurde, wie Google sie kaufte, wie der Algorithmus zur Watchtime umschwenkte und warum YouTube heute quer durch alle Altersgruppen beliebter ist als fast jede andere Plattform.
Das erste YouTube-Video "Me at the zoo": https://www.youtube.com/watch?v=jNQXAC9IVRw
Buchtipp: "YouTube. Die globale Supermacht: Wie Googles Videoplattform unsere Weltsicht dominiert" von Mark Bergen
Er galt als einer der begabtesten Politiker seiner Generation, gehandelt als künftiger Premierminister, und wurde zu Großbritanniens bekanntestem Faschisten. Oswald Mosley, 1896 in eine aristokratische Familie geboren, saß erst für die Konservativen und dann für Labour im Parlament, wo er mit einem für seine Zeit fortschrittlichen Programm gegen die Arbeitslosigkeit auffiel. Als seine Ideen abgelehnt wurden, wandte er sich von den Parteien ab, ließ sich 1932 von Mussolini begeistern und gründete die British Union of Fascists mit ihren uniformierten Schwarzhemden. Eine Massenkundgebung in der Londoner Olympiahalle 1934 kippte die Stimmung, als seine Schlägertrupps Zwischenrufer brutal zusammenschlugen und selbst frühere Unterstützer wie die Presse des Lord Rothermere abrückten. Danach radikalisierte sich Mosley weiter ins Antisemitische, heiratete Diana Mitford heimlich im Haus von Joseph Goebbels und wurde 1940 als Faschist interniert. Politisch blieb er bis zu seinem Tod 1980 bedeutungslos.
1959 präsentiert die DDR stolz ihren eigenen Modetanz: den Lipsi, benannt nach Leipzig. Er soll das ersetzen, was die Staatsführung für kapitalistisch und zersetzend hält, den Rock 'n' Roll. Der Tanz ist im 6/4-Takt, streng paarorientiert und vor allem eines: brav. Die DDR meldet ihn sogar weltweit zum Patent an, doch die Jugend macht nicht mit. In Leipzig ziehen Jugendliche mit dem Ruf "Wir tanzen keinen Lipsi" durch die Stadt, mehrere werden zu Haftstrafen verurteilt. Die Geschichte eines Tanzes, der zeigt, was passiert, wenn Kulturpolitik echte Jugendkultur durch ein Kunstprodukt ersetzen will.
Der Tanz: https://www.youtube.com/watch?v=0Qbc9VUBy_8
Die Flamingos - Alle Tanzen Lipsi: https://www.youtube.com/watch?v=PW6JrGRi7i4
Helga Brauer - Heute tanzen alle jungen Leute: https://www.youtube.com/watch?v=sC1y7BIGYmA
Der Begriff Yellow Press geht auf einen Comic zurück, dessen Hauptfigur ein Kind im gelben Hemd war und um den sich die New Yorker Verleger Joseph Pulitzer und William Randolph Hearst erbittert stritten. Das Wort Tabloid wiederum war ursprünglich ein Markenname für gepresste Pillen, bevor es die verdichtete, schnell konsumierbare Zeitung bezeichnete. Vom frühneuzeitlichen Sensationszettel über die erste britische Massenzeitung Daily Mail bis zu Rupert Murdochs Sun zieht sich die Geschichte des modernen Boulevards. Dazu gehören auch dunkle Kapitel, etwa als der Daily-Mail-Eigentümer Lord Rothermere in den 1930ern offen mit Faschismus und Hitler sympathisierte. Im deutschsprachigen Raum begann alles 1900 in Wien, mit der bis heute erscheinenden Kronenzeitung, benannt nach ihrem Abopreis von einer Krone.
1695 verlässt die Handelsgalere Ouzel Galley den Hafen von Dublin und verschwindet spurlos. Nach drei Jahren gilt sie als verloren, die Versicherung zahlt, die Besatzung wird für tot erklärt, Witwen heiraten neu. Doch 1700 läuft das Schiff plötzlich wieder in Dublin ein, mit vollständiger Mannschaft und einem Laderaum voller Gewürze, Stoffe und Edelmetalle. Der Kapitän erzählt von algerischen Korsaren, die ihn fünf Jahre lang gefangen hielten, doch viele halten die Geschichte für eine Ausrede. Aus dem Streit um die Beute entsteht ein Schiedsgericht, aus dem später die Dubliner Handelskammer hervorgeht. Eine Geschichte, bei der bis heute niemand weiß, was wirklich passiert ist.
Foto: Architecture of Dublin / CC BY-SA 2.0
Hinter der glanzvollen Welt von Downton Abbey stand eine harte Realität: Um 1900 war der Hausdienst der größte Arbeitgeber für Frauen in Großbritannien, rund eineinhalb von vier Millionen berufstätigen Frauen schufteten als Dienstboten. Viele begannen mit vierzehn, standen vor allen anderen auf und hatten keine festen Arbeitszeiten, in manchen Häusern durften sie der Herrschaft nicht einmal in die Augen sehen. Die grüne Filztür trennte die vornehme Vorderseite streng von den Küchen und Korridoren dahinter. Der Erste Weltkrieg und die Fabriken lockerten dieses System, und nach 1945 verschwand die alte Hausordnung fast völlig. Was blieb, ist die Unsichtbarkeit der Hausarbeit, bis heute überwiegend von Frauen erledigt. Grundlage ist Lucy Lethbridges Buch Servants.
2001 startet ein Experiment, von dem viele glauben, es müsse im Chaos enden: eine Enzyklopädie, in die jeder sofort hineinschreiben darf, ohne Redaktion und ohne Prüfung. Heute hat Wikipedia über 60 Millionen Artikel in mehr als 330 Sprachen, geschrieben von Hunderttausenden Freiwilligen und finanziert durch Spenden. Diese Folge erzählt, wie Wikipedia Brockhaus, Encarta und alle anderen Konkurrenten verdrängte, warum sie zum Fundament des modernen Internets wurde, von der Google-Suche bis zu ChatGPT, und warum genau das jetzt zum Problem wird: Wer seine Antworten von der KI bekommt, geht seltener zu Wikipedia, und ohne Leser gibt es auch weniger Menschen, die mitschreiben. Eine Geschichte über das größte kollektive Wissensprojekt der Menschheit und darüber, wie fragil es ist.
Titelbild: Nohat (concept by Paullusmagnus); Wikimedia. CC BY-SA 3.0
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