Geschichte 10 Minuten

Geschichte 10 Minuten

By Alexander und DavidHistory
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Geschichte 10 Minuten episodes

  • Bilderberg-Konferenz: Das Geheimtreffen der Mächtigen (#78)

    Seit 1954 treffen sich einmal im Jahr rund 130 Spitzenpolitiker, Wirtschaftsvertreter und Wissenschaftler zu einer Konferenz ohne Presse, ohne Protokoll und ohne veröffentlichte Tagesordnung, benannt nach dem niederländischen Hotel de Bilderberg, in dem alles begann. Ziel war ursprünglich die transatlantische Verständigung im Kalten Krieg, heute reicht die Themenliste von Wirtschaft über Sicherheitspolitik bis zum Klimawandel. Wer teilnimmt, unterliegt der Chatham-House-Regel: Inhalte dürfen weitergegeben werden, Namen nicht. Genau diese Geheimhaltung macht die Konferenz zur Projektionsfläche, für die einen ein notwendiger Rahmen für offenen Austausch, für andere ein Symbol undurchsichtiger Elitenmacht. Ähnliche, ebenfalls einflussreiche Zirkel gibt es mit Chatham House in London und dem Council on Foreign Relations in den USA, deren Mitglieder sich seit Jahrzehnten in denselben Kreisen bewegen.


    Titelbild-Foto: M.M.Minderhoud / CC BY-SA 4.0

    7 min
  • Titanic: Die Geschichte des deutschen Satiremagazins (#77)

    Titanic, das ist nicht nur das Schiff, sondern auch das bekannteste Satiremagazin im deutschsprachigen Raum. 1979 in Frankfurt gegründet, aus dem Umfeld der legendären "Neuen Frankfurter Schule", machte sich das Blatt einen Namen mit bissiger Satire, Verballhornungen von Politik und Prominenz und Aktionen, die immer wieder für Skandale und Gerichtsprozesse sorgten. Berühmt wurde etwa der gefälschte Brief, mit dem die Titanic angeblich die Vergabe der Fußball-WM 2006 an Deutschland beeinflusste. Diese Folge erzählt, wie aus einem Nischenblatt eine Institution der deutschen Satire wurde, die bis heute aneckt.


    Titelbild: Erstes Cover der Titanic 1979

    9 min
  • Risorgimento: Wie aus Kleinstaaten Italien wurde (#76)

    Als Italien 1861 zum Königreich wurde, sprach nur ein winziger Bruchteil der Bevölkerung überhaupt Italienisch, ein Land, das es in dieser Form noch nie gegeben hatte. Das Risorgimento, wörtlich Wiedererstehung, führte kleine Fürstentümer, Habsburger Provinzen und den Kirchenstaat zwischen 1815 und 1870 zu einem Nationalstaat zusammen. Getragen wurde die Bewegung von Denkern wie Giuseppe Mazzini, der später ins Exil nach London floh und dort in scharfen Streit mit Karl Marx geriet, und vollendet vom charismatischen Giuseppe Garibaldi, der Sizilien und Neapel eroberte und die Gebiete dem König von Piemont-Sardinien übergab. Nicht alle vorherigen Herrscher waren Tyrannen: Der Habsburger Großherzog Leopold von Toskana etwa schaffte als erster europäischer Herrscher überhaupt die Todesstrafe ab. Am Ende stand ein geeintes Italien, dessen Regionen bis heute ihre eigene Identität bewahrt haben.

    9 min
  • Die Geschichte des Podcasts: Vom Nischenhobby zum Massenmedium (#75)

    Podcasts sind heute ein Massenmedium, doch das Format ist noch gar nicht so alt. Der Name entstand 2004 als Kofferwort aus "iPod" und "Broadcast", geprägt von einem Journalisten des Guardian. Möglich wurde das Ganze durch eine simple Technik: Audiodateien über RSS-Feeds automatisch abonnieren zu können. Anfangs war Podcasting ein Nischenhobby von Technikbegeisterten, bis große Plattformen wie Apple und später Spotify das Format einem Massenpublikum zugänglich machten. Diese Folge erzählt, wie aus einer Bastelidee eines der einflussreichsten Medien unserer Zeit wurde, und ganz nebenbei, wie auch dieser Podcast dazugehört.

    8 min
  • Deutscher Orden: Vom Feldlazarett zum Staat im Baltikum (#74)

    Direkt neben dem Fußballstadion von Rapid Wien liegt eine Straße, die an eine der einflussreichsten Ordensgemeinschaften des Mittelalters erinnert, den Deutschen Orden. Gegründet 1190 während der Belagerung von Akkon als improvisiertes Feldhospital für kranke Kreuzfahrer, wuchs er rasch zu einem straff geführten Ritterorden mit eigenen Territorien heran. Ab dem 13. Jahrhundert baute er im heutigen Polen und Baltikum einen eigenen Ordensstaat auf, der zu seiner Blütezeit wirtschaftlich und administrativ zu den fortschrittlichsten Gemeinwesen Europas zählte. Die dortige Ausbreitung ging allerdings mit gewaltsamer Missionierung und Unterwerfung der heidnischen Bevölkerung einher, weshalb sie bis heute kontrovers bewertet wird. Nach Napoleons Auflösung des Ordens überdauerte er nur mehr in Österreich, wo er bis heute mit Sitz in Wien vor allem karitativ tätig ist. Sein schwarzes Kreuz auf weißem Grund lebt bis heute weiter, etwa im preußischen Eisernen Kreuz und im Hoheitszeichen der Bundeswehr.

    10 min
  • Die Straßburger Tanzwut: Als sich Menschen zu Tode tanzten (#73)

    Im Sommer 1518 begann eine Frau in Straßburg auf offener Straße zu tanzen, ohne erkennbaren Grund, tagelang, ohne aufzuhören. Bald schlossen sich Dutzende, dann Hunderte Menschen an. Sie tanzten bis zur Erschöpfung, manche angeblich bis zum Tod durch Herzinfarkt oder Schlaganfall. Die Obrigkeit war ratlos und ließ die Tanzenden zunächst sogar gewähren, in der Hoffnung, sie würden sich "austanzen". Bis heute ist nicht restlos geklärt, was die Tanzwut auslöste, diskutiert werden Massenhysterie, Vergiftungen durch Mutterkorn und religiöse Panik. Diese Folge erzählt eines der rätselhaftesten Ereignisse der Geschichte, das tatsächlich so passiert ist.

    8 min
  • US-Zölle: Wie ein Zoll die erste US-Regierung finanzierte (#72)

    Zölle gehören zu den ältesten Werkzeugen amerikanischer Politik: Schon das zweite Gesetz, das George Washington 1789 unterzeichnete, führte einen Importzoll von 5 Prozent ein, damals fast die einzige Einnahmequelle einer jungen Regierung ohne direkte Steuerhoheit. Der erste Finanzminister Alexander Hamilton machte daraus mehr als eine Geldquelle: In seinem Report on Manufactures forderte er, die aufstrebende US-Industrie gezielt durch Zölle vor billigeren Importen zu schützen. Über das 19. Jahrhundert stiegen die Sätze deutlich, befeuert auch durch den Krieg von 1812, ehe erst die Einführung einer Bundeseinkommensteuer die USA von den Zolleinnahmen unabhängiger machte. Nach 1945 wurde das Land zum Motor des weltweiten Freihandels und der Zollsenkungen über GATT und die Welthandelsorganisation. Damit spannt sich ein jahrhundertelanger Bogen zwischen Protektionismus und Freihandel, der die USA von Beginn an begleitet.

    8 min
  • Die Schlacht von Karánsebes: Als eine Armee sich selbst besiegte (#71)

    In der Nacht des 17. September 1788 erlitt die österreichische Armee eine schwere Niederlage, und das ganz ohne Feind. Im Russisch-Österreichischen Türkenkrieg lagerten rund 100.000 erschöpfte Soldaten bei Karánsebes im heutigen Rumänien. Alles begann mit einem Streit um Schnaps zwischen Husaren und Infanteristen. Dann fiel der Ruf "Die Türken!", in der Dunkelheit brach Panik aus, und weil die Armee ein Sprachengewirr aus Deutschen, Ungarn, Italienern und Kroaten war, verstand niemand mehr die Befehle. Am Ende schossen die eigenen Einheiten aufeinander, während kein einziger Osmane in Sicht war. Diese Folge erzählt eines der bekanntesten und kuriosesten Beispiele für Friendly Fire, und warum die Geschichte trotzdem mit Vorsicht zu genießen ist.

    5 min
  • The Great Stink: Wie Gestank London zur Kanalisation zwang (#70)

    Im Hitzesommer 1858 wurde die Themse so übel riechend, dass die Arbeit im britischen Parlament direkt am Fluss fast unmöglich wurde, Abgeordnete tränkten die Vorhänge in Chlorkalk und erwogen einen Umzug aus London. Der Great Stink war die Folge einer sanitären Revolution: Immer mehr Wasserklosetts spülten die Abwässer einer auf 2,5 Millionen Menschen wachsenden Stadt direkt in einen Fluss, der wegen der Gezeiten kaum Fließgeschwindigkeit besaß. Cholera-Epidemien mit zehntausenden Toten hatte der Arzt John Snow schon Jahre zuvor auf verseuchtes Wasser statt auf schlechte Luft zurückgeführt, doch erst der unerträgliche Gestank brachte die Politik zum Handeln. Der Ingenieur Joseph Bazalgette baute daraufhin ein gewaltiges Kanalsystem, das London bis heute als Rückgrat seiner Abwasserentsorgung dient und der Stadt gleichzeitig ihre bis heute beliebten Themse-Uferpromenaden schenkte.

    11 min
  • Timothy Dexter: Der Mann, der alles falsch machte und trotzdem reich wurde (#69)

    Timothy Dexter hatte kaum Schulbildung, keinen Geschäftssinn und traf eine absurde Entscheidung nach der anderen. Trotzdem wurde er einer der reichsten Männer im Neuengland des 18. Jahrhunderts. Als man ihm spöttisch riet, Bettwärmer in die tropische Karibik oder Kohle ins Kohlerevier Newcastle zu verschiffen, machte er ausgerechnet damit Gewinn. Später schrieb er eine Autobiografie ganz ohne Satzzeichen und lieferte die Kommas auf einer Extraseite zum "nach Belieben einstreuen" nach. Und einmal täuschte er sogar seinen eigenen Tod vor, nur um zu sehen, wer zu seiner Beerdigung käme. Diese Folge erzählt die Geschichte eines Mannes, bei dem bis heute niemand weiß, ob er ein Idiot mit unfassbarem Glück oder ein verkanntes Genie war.


    Artikel über Timothy Dexter: Lord Timothy Dexter of Newburyport, Massachusetts: Wealthy by Mistake?


    Dexters Autobiografie: "A Pickle for the Knowing Ones"

    5 min

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