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Im alten Rom verriet die Kleidung sofort, wer du warst, ohne Ausweis, aber mit klaren Regeln. Die Toga, ein aufwendig gewebtes Wolltuch, durften nur männliche römische Bürger tragen, für alle anderen war sie gesetzlich untersagt. Ganz in Purpur gekleidet sein durfte allein der Kaiser, während sich die Elite mit einem Purpurstreifen begnügte, jener kostbarsten aller Farben. Selbst Kinder trugen eine eigene Toga mit Purpurbesatz, bis sie mit einem Fest zur Erwachsenenkleidung wechselten. Weil Kleidung oft der teuerste Besitz eines Römers war, wurde sie auch gern gestohlen, wie Fluchtafeln aus dem britischen Bad Bath zeigen, auf denen Bestohlene die Götter gegen Diebe anriefen. Bis heute gilt Italien als Herzstück der europäischen Mode, ein Erbe, das bis in die Antike zurückreicht.
Nachdem er sein Vermögen mit einer Reisspekulation verloren hatte, erklärte sich ein bankrotter Geschäftsmann 1859 kurzerhand zum Kaiser der Vereinigten Staaten. Joshua Abraham Norton, in England geboren und über Südafrika nach San Francisco gekommen, regierte fortan als Kaiser Norton I., später auch Schutzherr von Mexiko, per Erlass in den Zeitungen der Stadt. Er befahl die Auflösung des Kongresses, verteilte selbst gedrucktes Geld und trug eine prächtige Fantasieuniform, und San Francisco spielte mit: Restaurants bewirteten ihn gratis, die Stadt schenkte ihm eine neue Uniform, und als ein Polizist ihn in eine Anstalt einweisen wollte, protestierte die Öffentlichkeit so laut, dass sich der Polizeichef entschuldigte. Einer seiner Erlasse forderte eine Brücke über die Bucht, Jahrzehnte vor dem Bau der Bay Bridge. Als Norton 1880 mittellos auf der Straße zusammenbrach, folgten Tausende seinem Sarg.
Schon vor 200.000 Jahren schliefen Menschen in Afrika auf sorgfältig angelegten Grasbetten mit insektenabweisenden Pflanzen, ein Komfortanspruch, der sich bis heute hält. Die Römer polsterten ihre Betten mit Federn und kostbaren Stoffen, im Mittelalter kamen Himmelbetten mit Baldachin auf, doch für die meisten Menschen blieb Stroh über Jahrhunderte die einzige Unterlage. Zum wahren Machtsymbol wurde das Bett am Hof Ludwigs XIV., der sein Aufstehen und Zubettgehen zur öffentlichen Zeremonie machte und dessen Schloss Versailles rund 400 kunstvoll bestickte Betten beherbergte. Erst mit der Massenproduktion wurde das einst so exklusive Möbelstück für fast jeden erschwinglich. Ein Drittel unseres Lebens verbringen wir bis heute darin, Grund genug für einen Blick auf seine lange Geschichte.
Seit 1979 sitzt im Deutschen Bundestag ein Abgeordneter, der nie eine Rede gehalten hat, weil es ihn nicht gibt. Jakob Maria Mierscheid ist eine Kunstfigur, erfunden von zwei SPD-Abgeordneten im Restaurant des Bonner Bundeshauses, offiziell geboren am 1. März 1933 in Morbach im Hunsrück und angeblicher Freund der geringelten Haubentaube. Über die Jahre bekam das Phantom eine vollständige Biografie auf der Bundestagsseite, einen Wanderweg im Hunsrück und sogar eine Brücke im Regierungsviertel, den Jakob-Mierscheid-Steg. 2013 gratulierte ihm Bundestagspräsident Norbert Lammert im Plenum unter Gelächter zum 80. Geburtstag. Nach ihm ist auch das satirische Mierscheid-Gesetz benannt, das den Stimmenanteil der SPD an die westdeutsche Rohstahlproduktion koppelt und jahrzehntelang verblüffend genaue Prognosen lieferte.
Mierscheids Biografie auf der Webseite des Bundestags: https://web.archive.org/web/20210410112005/https://www.bundestag.de/abgeordnete/mierscheid
Mierscheids Biografie auf der Webseite der SPD: https://www.spdfraktion.de/abgeordnete/mierscheid?wp=13
Videomitschnitt der Feier des 90. Geburtstags von Jakob Maria Mierscheid im Rathaus Morbach: https://www.morbach.de/leben-arbeiten/unsere-gemeinde/persoenlichkeiten/jakob-maria-mierscheid/
Mit 16 Jahren Witwe, musste eine junge Wittelsbacherin plötzlich ein reiches Erbe in den Niederlanden verteidigen, in einer Zeit, in der Frauen kaum als Herrscherinnen galten. Jakobäa von Bayern, 1401 geboren, war einst als Kind mit dem französischen Thronfolger verlobt und wurde nach dessen frühem Tod Gräfin von Holland, Seeland und Hennegau. Vier Ehen, darunter eine mit dem Bruder des englischen Königs, sollten ihr helfen, ihre Länder gegen den mächtigen Herzog von Burgund zu behaupten, sie führte sogar selbst Truppen in die Schlacht. Am Ende musste sie ihre Herrschaft im Haager Vertrag von 1433 abtreten und starb nur wenige Jahre später mit 35. In den Niederlanden gilt sie bis heute als eine Art heimische Jeanne d'Arc, eine Frau, die sich gegen alle Widerstände ihren Platz erkämpfte.
Er hat bei über 150 Filmen Regie geführt und existiert trotzdem nicht. Alan Smithee ist ein Pseudonym, das die Directors Guild of America ab 1969 einsetzte, wenn ein Regisseur seinen Namen von einem Film zurückziehen wollte. Entstanden ist der Tarnname beim Western Death of a Gunfighter, als sich Regisseur Robert Totten und Hauptdarsteller Richard Widmark zerstritten und Don Siegel übernahm, aber keiner der beiden allein genannt werden wollte. Wer das Pseudonym nutzte, musste strenge Regeln einhalten und durfte den Film weder öffentlich kritisieren noch die Beantragung publik machen. Auch bekannte Namen wie David Lynch und Dennis Hopper griffen darauf zurück, bevor die Komödie An Alan Smithee Film: Burn Hollywood Burn den Trick 1998 endgültig enttarnte. Seit dem Jahr 2000 empfiehlt die Directors Guild das Pseudonym nicht mehr.
Viele Gerichte, die als uralte Nationalküche gelten, sind überraschend jung: Wiener Schnitzel und Kaiserschmarrn lassen sich erst ab dem späten 19. Jahrhundert belegen, und die erste Pizzeria Wiens eröffnete sogar erst 1975. Auch die berühmte italienische Küche steht dabei im Zentrum, der Wirtschaftshistoriker Alberto Grandi zeigt in seinem vielbeachteten Buch, dass Klassiker wie moderner Parmesan, Panettone als Weihnachtsgebäck oder bestimmte Herkunftstomaten erst im 20. Jahrhundert entstanden. Selbst die Pizza wurde erst durch italienische Auswanderer in den USA zum Massenphänomen, lange bevor sie in Italien selbst als Nationalgericht galt. Dahinter steht ein größeres Muster, das auch der schottische Kilt zeigt, der erst seit dem 17. statt seit der Antike existiert: viele Traditionen sind erfunden, oft aus Marketing, Nostalgie oder nationaler Selbstvergewisserung.
Ein Agronom versprach Stalin, die Ernten der Sowjetunion mit einfachen Mitteln zu retten, und stürzte stattdessen eine ganze Wissenschaft ins Chaos. Trofim Lyssenko lehnte die Vererbungslehre und die Existenz von Genen ab und behauptete, Pflanzen ließen sich allein durch Umwelteinflüsse umformen. Mit Stalins Rückendeckung setzte er ab 1948 die klassische Genetik in der UdSSR faktisch außer Kraft und ließ Kritiker verfolgen, unter ihnen den Genetiker Nikolai Wawilow, der 1943 in Haft an Unterernährung starb. Seine Anbaumethoden hielten nicht, was er versprach, und verschärften die angespannte Ernährungslage. Als Mao dieselben Ideen während des Großen Sprungs nach vorn übernahm, trugen sie zur verheerenden Hungersnot in China bei. In der DDR verhinderten Genetiker um Hans Stubbe am Institut in Gatersleben, dass sich der Lyssenkoismus vollständig durchsetzte, bis prominente Wissenschaftler Lyssenko 1965 entmachteten.
Schon die Römer bauten ein rund 80.000 Kilometer langes Straßennetz, fast genauso lang wie das heutige europäische Autobahnnetz. Begonnen 312 vor Christus mit der berühmten Via Appia, verband es das gesamte Reich mit schnurgeraden, kunstvoll geschichteten Straßen samt Brücken, Stützmauern und sogar Tunneln. Entlang der Strecke sorgten Raststationen, Pferdewechselplätze und Meilensteine für Orientierung und Versorgung, ein System, das dem heutigen Autobahnnetz mit seinen Raststätten und Streckenmeistereien erstaunlich ähnelt. Viele moderne Straßen, von einer Autobahn nördlich von Lincoln bis zu deutschen Fernstraßen entlang der alten Bernsteinstraße, folgen bis heute genau diesen antiken Trassen. Fast 2.000 Jahre später eröffnete Konrad Adenauer 1932 als Kölner Oberbürgermeister die erste kreuzungsfreie Autostraße Deutschlands zwischen Köln und Bonn, wenige Jahre nach der noch älteren Rennstrecke AVUS in Berlin.
Vor dem Aufzug war die beste Wohnung im Haus die untere: Wer es sich leisten konnte, wohnte in der Belle Étage im ersten Stock, während unter dem Dach die Dienstboten hausten. Der Fahrstuhl drehte diese Ordnung um und machte aus dem Dachgeschoss das Penthouse mit der besten Aussicht. Möglich wurde das durch die Sicherheitsbremse, die Elisha Otis 1853 entwickelte und kurz darauf auf der Weltausstellung in New York vorführte, indem er das Tragseil einer Kabine kappen ließ. Die Idee, dass diese Vorführung im Alleingang die Angst vor Aufzügen beseitigte, gilt unter Historikern allerdings als Legende. Sicher ist, dass sichere Aufzüge zusammen mit der Stahlbauweise den Bau von Hochhäusern erst praktikabel machten, vom Empire State Building von 1931 bis zur modernen Skyline. Das Prinzip kannten schon die Römer: Im Kolosseum hoben bis zu 60 Aufzüge Tiere in die Arena.
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