(Bildquelle: Getty Images – skynesher; creisinger / Bearbeitung: GIGA)
Diese DEFA-Filme sollten nie gesehen werden: zu kritisch, zu düster, zu ehrlich.
Von verbotenen Baustellenromanzen bis zu Justizdramen und Wismut-Realismus zeigt unsere Bilderstrecke, wie Zensur in der DDR funktionierte und warum manche Werke erst Jahrzehnte später ans Licht kamen.
Das Beil von Wandsbek (1951)
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Das Beil von Wandsbek entstand 1951 und erzählt von einem Hamburger Fleischer, der aus Geldnot zum Henker der Nazis wird und daran zerbricht. Der Film ist als antifaschistische Warnung angelegt, rückt aber stark die innere Zerrissenheit des Täters in den Mittelpunkt.
Genau das wurde ihm zum Verhängnis: Er galt als politisch falsch akzentuiert, weil er Mitleid mit dem Henker erzeuge und die kommunistische Perspektive zu wenig stärke.
Sonnensucher (1958)(Bildquelle: DEFA Stiftung / Hans Adolf Baltzer)
Konrad Wolfs Sonnensucher wurde 1958 gedreht und spielt im Umfeld des Uranbergbaus der Wismut um 1950. Der Film zeigt harte Arbeitsbedingungen, soziale Konflikte und eine Atmosphäre, die wenig heroisch wirkt.
Genau diese realistische, ungeschönte Darstellung eines hochsensiblen sowjetischen Prestigeprojekts machte ihn politisch heikel. Deshalb blieb er jahrelang gesperrt und wurde erst 1972 öffentlich gezeigt.
Das Kaninchen bin ich (1965)
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Der Film Das Kaninchen bin ich wurde 1965 fertiggestellt und erzählt von einer jungen Frau, die eine Affäre mit dem Richter beginnt, der ihren Bruder verurteilt hat. Die Geschichte verbindet Liebesdrama mit einem klaren Blick auf Machtmissbrauch und Opportunismus.
Verboten wurde der Film im Zuge der kulturpolitischen Repression nach dem 11. Plenum, weil er die DDR-Justiz als willkürlich und moralisch korrumpierbar erscheinen ließ.
Denk bloß nicht, ich heule (1965)(Bildquelle: DEFA-Stiftung / Detlef Helmbold)
Denk bloß nicht, ich heule (1965) begleitet einen Jugendlichen, der mit Schule, Autoritäten und gesellschaftlicher Heuchelei kollidiert. Der Film zeigt Frust, Ausgrenzung und eine Jugend, die sich nicht in die vorgegebenen Muster fügt.
Genau diese kritische, unangepasste Sicht auf Alltag und Erziehung wurde als politisch unerwünscht eingestuft. Er blieb bis zum Ende der DDR verboten.
Der Frühling braucht Zeit (1965)
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Der Frühling braucht Zeit entstand 1965 und handelt von einem jungen Ingenieur, der Missstände und Fehlentscheidungen in einem Betrieb offenlegt.
Statt Aufbruchsstimmung zeigt der Film Blockaden, Karrierismus und Verantwortungslosigkeit im Funktionärsapparat. Das passte nicht zum gewünschten Bild der erfolgreichen Planwirtschaft. Der Film wurde nach kurzer Kinozeit aus dem Verkehr gezogen und verboten.
Karla (1965)(Bildquelle: DEFA-Stiftung / Voigt)
Der DEFA-Film Karla wurde 1965 gedreht und erzählt von einer Lehrerin, die ihre Schüler zu selbstständigem Denken ermutigen will. Damit gerät sie in Konflikt mit einem System, das Anpassung belohnt und Widerspruch sanktioniert.
Die Darstellung von Schule und Pädagogik galt als politisch „falsch“, weil sie die Realität im Sozialismus als erstarrt und autoritär erscheinen ließ. Deshalb wurde der Film nicht freigegeben.
Spur der Steine (1966)(Bildquelle: DEFA-Stiftung / Ehrhard Grüttner)
Spur der Steine kam 1966 heraus und spielt auf einer Großbaustelle, wo Brigadier Hannes Balla mit Partei, Leitung und Moralvorstellungen kollidiert. Der Film zeigt Konflikte im Arbeitsalltag und zeichnet seine Figuren nicht als vorbildhafte Helden, sondern als widersprüchliche Menschen.
Nach heftigen politischen Angriffen wurde er trotz Kinoeinsatz schnell wieder abgesetzt. Als Hauptproblem galt, dass der Film Autoritäten beschädige und die Partei zu schwach wirken lasse.
Fräulein Schmetterling (1965)(Bildquelle: DEFA-Stiftung / Rolf-Eckhardt Rambow, Eckhardt Hartkopf)
Die Dreharbeiten von Fräulein Schmetterling wurden 1965 beendet, der Rohschnitt stand 1966. Doch bevor das Projekt abgeschlossen werden konnte, wurde er verboten. Im Zentrum des Films stehen zwei junge Mädchen, die sich in Berlin allein durchschlagen müssen. Die Geschichte arbeitet stark mit Stimmungen, Tagträumen und einer eher melancholischen Weltsicht.
Genau diese als „pessimistisch“ und zu wenig sozialistisch deutbare Perspektive führte zum Abbruch. Das Material verschwand lange im Archiv.
Wenn du groß bist, lieber Adam (1965)(Bildquelle: DEFA-Stiftung)
Der Film Wenn du groß bist, lieber Adam entstand 1965 und erzählt von einem Jungen, dessen Wunder-Taschenlampe Lügner wortwörtlich auffliegen lässt. Die absurde Idee entlarvt Heuchelei und Selbstbetrug in der Erwachsenenwelt.
Gerade diese satirische, spielerische Form wurde als politisch riskant wahrgenommen, weil sie Autoritäten lächerlich machen konnte. Der Film wurde gestoppt und nicht regulär veröffentlicht.
Jahrgang 45 (1966)(Bildquelle: DEFA-Stiftung)
Jahrgang 45 wurde 1966 gedreht und begleitet einen jungen Mann in Ost-Berlin, der in einer Lebenskrise ziellos durch die Stadt treibt.
Der Film wirkt bewusst beiläufig, fast dokumentarisch, und interessiert sich mehr für Stimmungen als für sozialistischen Aufbruch. Genau diese unheroische Alltagsmelancholie war kulturpolitisch unerwünscht. Deshalb wurde der Film nicht für die reguläre Auswertung freigegeben.
Hände hoch oder ich schieße (1966)(Bildquelle: DEFA-Stiftung / David Knight)
Die Krimikomödie Hände hoch oder ich schieße wurde 1966 produziert und erzählt von einem Volkspolizisten, der aus Langeweile selbst „Fälle“ konstruiert.
Der Film macht sich über Routine, Erfolgsdruck und Selbstinszenierung lustig und trifft damit den Staat an einer empfindlichen Stelle. Denn die DDR wollte sich als nahezu kriminalitätsfreie Ordnung präsentieren. Die satirische Darstellung der Polizei galt als inakzeptabel, weshalb der Film verboten blieb.
Die Russen kommen (1968)(Bildquelle: DEFA-Stiftung / Otto Kummert)
Die Russen kommen entstand 1968 und schildert die letzten Kriegstage aus der Perspektive eines 16-jährigen Hitlerjungen. Der Film setzt auf psychologische Ambivalenz und zeigt Verführbarkeit, Angst und Orientierungslosigkeit statt klarer Schwarz-Weiß-Bilder.
Gerade diese differenzierte Perspektive war politisch heikel, weil sie nicht sauber in das offizielle antifaschistische Erzählmuster passte. Deshalb wurde der Film nicht freigegeben.
Die Taube auf dem Dach (1973)
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Die Taube auf dem Dach wurde 1973 gedreht und erzählt vor dem Hintergrund einer Großbaustelle eine Dreiecksgeschichte voller Sehnsucht und Ernüchterung. Statt sozialistischer Erfolgserzählung dominiert ein leiser, melancholischer Ton.
Die Figuren wirken suchend und unzufrieden, der Alltag erscheint grau und unerquicklich. Genau diese pessimistische Grundhaltung war der Hauptgrund, warum der Film nicht zugelassen wurde.