
Sign up to save your podcasts
Or


Europa sieht in der Amerikanischen und der Französischen Revolution oft denselben Aufbruch der Moderne – doch sie könnten gegensätzlicher kaum sein. In Frankreich wurde der Staat zum Werkzeug gesellschaftlicher Erneuerung, in Amerika zum Gegner jeder zentralen Macht. Donald Trump knüpft an diese ursprüngliche Idee an: Freiheit als Schutz des Individuums vor dem Staat. Was in Europa als Rückschritt erscheint, ist in den USA eine Rückkehr zur eigenen Identität. Seit Roosevelt, später unter Obama und Biden, hatten sich die USA dem europäischen Denken angenähert. Trump bricht damit. Seine Politik versteht sich als Wiederentdeckung der Gründungsmythologie – als Versuch, das 20. Jahrhundert rückgängig zu machen und zur Revolution von 1776 zurückzukehren. Wer ihn verstehen will, muss erkennen: Diese Bewegung ist mehr als Populismus. Sie ist Amerikas Ringen um sich selbst – zwischen libertärer Freiheit und sozialer Verantwortung.
Unter der Führung des amerikanischen Heimatschutzministeriums vollzieht sich in den USA ein tiefgreifender Wandel der inneren Sicherheitsordnung. Kristi Noem, Ministerin für Homeland Security, treibt eine Politik voran, in der staatliche Sicherheit zunehmend über rechtsstaatliche Prinzipien gestellt wird. Im Zentrum steht die Bundesbehörde ICE, deren Einsätze immer häufiger mit pauschalen Verdächtigungen, intransparenten Zahlen und einer aggressiven Bedrohungsrhetorik legitimiert werden. Die Ereignisse in Minneapolis zeigen exemplarisch, wie aus Migrationspolitik ein politischer Ausnahmezustand wird – mit beunruhigenden Parallelen zu autoritären Entwicklungen des 20. Jahrhunderts. Der Beitrag fragt, wie weit eine Demokratie gehen kann, wenn Sicherheit zur Ideologie erhoben wird.
In der 10. Episode der Serie Kosmopolitismus im 21. Jahrhundert wenden wir uns dem Mittelmeerraum zu und fragen, wie Islam, Judentum und Christentum je eigene, aber miteinander verwobene kosmopolitische Horizonte eröffnen. Ausgehend von der islamischen Idee der Umma und der Einheit Gottes, über das jüdische Denken von B’tzelem Elohim und Tikkun Olam bis hin zur christlichen Universalität von Nächsten- und Feindesliebe zeigt die Episode, wie diese Traditionen zwischen partikularer Identität und universeller Verantwortung vermitteln. An historischen Beispielen wie Al-Andalus, dem osmanischen Millet-System und der prophetischen und paulinischen Universalität wird sichtbar, wie stark der Mittelmeerraum ein Labor gelebter, aber auch gescheiterter kosmopolitischer Experimente war – und welche Ressourcen diese drei Religionen heute für einen postsäkularen, dialogorientierten Kosmopolitismus im 21. Jahrhundert bereithalten.
Chinesische Universitäten rücken in internationalen Forschungsrankings zunehmend an die Spitze. Während die USA weiterhin stark bleiben, verändert sich das globale Wissenschaftssystem leise, aber grundlegend. Der Beitrag analysiert, warum Forschungsleistung heute neu verteilt wird – und was dieser Wandel über Macht, Wissen und Zukunftsfähigkeit im 21. Jahrhundert aussagt.
Trumps Auftritt in Davos war mehr als eine provokante Rede – er war ein offenes Bekenntnis zu einer neuen Logik internationaler Politik. Statt Kooperation, Regeln und Bündnistreue dominieren in seinem Narrativ Macht, Gegenleistung und territoriale Kontrolle. Die Analyse zeigt, warum dieser Auftritt weniger ein politisches Einzelereignis ist als ein Wendepunkt im Verständnis globaler Ordnung.
Der amerikanische Handelsminister Howard Lutnick steht selten im Rampenlicht – und prägt doch entscheidend die politische Vision der zweiten Präsidentschaft Donald Trumps. In Davos formulierte er offen, wofür die neue amerikanische Linie steht: nationale Souveränität, industrielle Unabhängigkeit und eine Abkehr vom globalistischen Ordnungsdenken. America First erscheint dabei nicht als Isolation, sondern als machtpolitisches Staatsprinzip – mit weitreichenden Folgen für das Verständnis von Weltordnung, Handel und geopolitischer Verantwortung.
Zwei Reden, ein historischer Moment – und doch zwei grundlegend unterschiedliche politische Denkweisen. In Davos beschreiben Marc Carney und Emmanuel Macron gleichermaßen den Zerfall der internationalen Ordnung. Doch während Kanada seine Außenpolitik pragmatisch und schnell an die neue Realität anpasst, ringt Europa weiterhin mit struktureller Schwerfälligkeit und strategischer Unentschlossenheit. Der Kommentar zeigt, warum Klarheit und Anpassungsfähigkeit in einer Welt wachsender Machtkonkurrenz wichtiger werden als Größe und Tradition.
Während Washington auf Zölle, Druck und nationale Abschottung setzt, reagiert der Rest der Welt mit stiller Neuorientierung. In seiner aktuellen Analyse zeigt Fareed Zakaria, wie Europa, Kanada und viele andere Staaten beginnen, wirtschaftliche Abhängigkeiten zu reduzieren und ihre globalen Beziehungen neu auszubalancieren. Nicht laut, nicht konfrontativ – sondern strategisch. Ein Beitrag über eine Weltordnung, die sich nicht gegen die USA formiert, sondern zunehmend um sie herum.
Das am 10. Januar 2026 geschlossene Abkommen zwischen Kanada und China markiert mehr als eine handelspolitische Annäherung. Es steht für einen strategischen Kurswechsel in einer Welt wachsender Unsicherheit. Angesichts der unberechenbaren US-Politik unter Donald Trump setzt Premierminister Mark Carney auf Pragmatismus, Diversifizierung und politische Eigenständigkeit. Der Beitrag analysiert, warum Kanada seine Außenpolitik neu ausrichtet, welche Risiken und Konflikte damit verbunden sind – und welche Lehren Europa aus dieser neuen Realitätspolitik ziehen sollte.
Donald Trumps Zolldrohungen im Streit um Grönland machen deutlich, wie brüchig die transatlantischen Gewissheiten geworden sind. Während Europa weiterhin in vertrauten Kategorien von Bündnistreue und Wertegemeinschaft denkt, agiert Washington zunehmend machtpolitisch und transaktional. Der Kommentar analysiert, warum Europas Außenpolitik im alten Weltbild verharrt – und weshalb der Konflikt um Grönland zu einem Warnsignal für die strategische Handlungsfähigkeit Europas wird.
From the publisher's feed