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Liberale Demokratien leben davon, dass Regierungskommunikation informiert, erklärt und widerspruchsfähig bleibt. Doch in den USA ist erneut sichtbar geworden, wie leicht dieser Anspruch unterlaufen wird. Der Kommentar zeigt, wo Information in Propaganda umschlägt – historisch im Kontrast zur totalitären Propaganda des 20. Jahrhunderts und in ihrer heutigen Form, die ohne totale Kontrolle auskommt, aber auf moralische Polarisierung und Delegitimierung setzt. An drei Akteuren der Trump-Administration wird diese Verschiebung konkret: Karoline Claire Leavitt, die Kritik entwertet statt beantwortet, Kristi Noem, die Sicherheitspolitik in Bedrohungsbilder übersetzt, und Scott Bessent, der ökonomische Entscheidungen als Frage nationaler Loyalität rahmt. Im Zentrum steht eine Frage: Wird die Öffentlichkeit als urteilsfähig behandelt – oder lediglich gebunden?
Der politische Streit hat seinen Ton verloren. In den USA wie in Deutschland weichen Argumente zunehmend persönlichen Angriffen, moralischer Abwertung und sprachlicher Enthemmung. Der Beitrag zeigt, wie diese Verrohung der politischen Sprache den öffentlichen Diskurs verändert – und warum sie das Vertrauen, die Streitkultur und letztlich die Grundlagen liberaler Demokratien untergräbt.
Warum fühlt sich Chinas junge Generation kaum noch von Nation, Geschichte und politischer Mission angesprochen? Der chinesische Historiker Xu Jilin beschreibt die nach 1990 Geborenen als eine Generation ohne große Erzählung: politisch distanziert, auf das Private konzentriert und geprägt von strukturellen Blockaden statt Aufstiegshoffnungen. Sein Blick ist dabei weder anklagend noch nostalgisch, sondern selbstkritisch – und wirft die grundsätzliche Frage auf, was aus Gesellschaften wird, wenn kollektiver Sinn schwindet und Zukunft nicht mehr als gemeinsames Projekt erscheint.
In seiner Rede auf der Oslo Security Conference 2026 beschreibt Norwegens Ministerpräsident Jonas Gahr Støre die internationale Ordnung nicht als Phase des Übergangs, sondern als historischen Bruch. Der Krieg in der Ukraine, die Rückkehr von Macht- und Zwangspolitik in der Weltwirtschaft und die Erosion multilateraler Institutionen markieren für ihn eine neue Realität, in der alte Gewissheiten nicht mehr tragen. Støre verbindet diese Diagnose mit einer klaren sicherheitspolitischen Standortbestimmung: Europa muss strategisch handlungsfähiger werden, Allianzen neu justieren und demokratische Werte unter veränderten Machtbedingungen verteidigen.
In seinem jüngsten Kommentar in GPS Global Public Square richtet Fareed Zakaria den Blick auf eine Bedrohung, die tiefer reicht als alle aktuellen Kultur- und Migrationsdebatten. Während Donald Trump, JD Vance und andere Vertreter des MAGA-Lagers von einer angeblichen „zivilisatorischen Auslöschung“ des Westens sprechen, diagnostiziert Zakaria einen schleichenden inneren Verfall: den Abbau jener institutionellen Begrenzungen von Macht, die den Westen historisch geprägt haben. Nicht Vielfalt oder Offenheit seien die eigentliche Gefahr, sondern ein Staat, der sich zunehmend von Recht, Gerichten und unabhängigen Institutionen löst – und eine Gesellschaft, die beginnt, diese Entgrenzung als Normalität hinzunehmen.
Seit Beginn der zweiten Präsidentschaft von Donald Trump hat sich die amerikanische Außenpolitik grundlegend verschoben. An die Stelle von Ordnung, Berechenbarkeit und strategischer Zurückhaltung tritt eine Politik der unmittelbaren Dominanz. Macht wird nicht mehr moderiert, sondern maximal ausgereizt – gegenüber Gegnern ebenso wie gegenüber Verbündeten. Der Kommentar analysiert diese Entwicklung als Form einer räuberischen Hegemonie und zeigt, warum eine auf Erpressung, Unterwerfung und kurzfristige Gewinne ausgerichtete Außenpolitik langfristig genau jene Grundlagen zerstört, auf denen Amerikas globale Macht jahrzehntelang beruhte.
Der Beitrag analysiert Jimmy Carrs Diagnose einer tiefgreifenden politischen Verschiebung: Die Arbeiterklasse hat sich von der Linken abgewandt, weil diese ihre soziale Sprache, ihre institutionelle Rolle und ihr Verständnis von Verantwortung verloren hat. Carr deutet die Gegenwart als Krisen- und Übergangsphase, in der alte Eliten, Parteien und Medien an Bindungskraft verlieren, während neue Konfliktlinien entlang von Klasse, Status und kultureller Zugehörigkeit entstehen. Im Zentrum steht seine provokante These, dass moralische Überhöhung, Identitätspolitik und eine entmündigende Empathie mehr zur politischen Entfremdung beigetragen haben als ökonomische Faktoren allein – und dass der Ruf nach Selbstverantwortung und Handlungsmacht für viele Menschen überzeugender geworden ist als die Versprechen der progressiven Linken.
In der 12. Episode der Serie Kosmopolitismus im 21. Jahrhundert führen wir alle Fäden unserer bisherigen Reise zusammen und zeichnen eine chronologische Entwicklung kosmopolitischer Ideen – von der Achsenzeit über die großen Wissenszentren des Mittelalters bis zur Aufklärung, der postkolonialen Moderne und dem digitalen Zeitalter. Die Episode zeigt, wie vielfältig, widersprüchlich und global verwoben die Geschichte des Weltbürgertums ist – und was wir daraus heute praktisch lernen können: für globale Gerechtigkeit, internationale Politik, digitale Teilhabe und den Umgang mit Künstlicher Intelligenz.
Der Angriffskrieg gegen die Ukraine hat Russland nicht nur außenpolitisch verändert, sondern die Gesellschaft im Inneren tiefgreifend umgeformt. Der Beitrag zeichnet nach, wie sich in den vergangenen vier Jahren ein System aus Repression, Angst und sozialer Selbstkontrolle herausgebildet hat, in dem Normalität und Unterdrückung nebeneinander existieren. Anhand der Analyse von Nina Khrushcheva wird deutlich, warum Russlands Weg in Richtung Tyrannei kein plötzlicher Bruch, sondern ein schleichender Prozess ist – mit weitreichenden Folgen für die Zukunft des Landes und seine Rolle in der internationalen Politik.
Demokratie scheitert heute nicht zuerst an Institutionen, sondern an einer schwindenden Fähigkeit, miteinander über das Gerechte und das Gemeinsame zu sprechen. Michael Sandel versteht Demokratie deshalb nicht als Verfahren, sondern als Übung: als eingeübte Praxis des Streitens, Zuhörens und Begründens. Der Beitrag zeigt, warum Schulen und Hochschulen zu zentralen Orten demokratischer Erneuerung werden müssen – und weshalb Bildung ohne Urteilskraft ihre politische Substanz verliert.
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