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Was, wenn die Krise liberaler Demokratien nicht nur eine Krise der Fakten ist – sondern eine Krise unseres Politikverständnisses? In dieser Folge fragen wir, warum rationale Argumente und wissenschaftliche Belege immer weniger ausreichen, um politische Debatten zu stabilisieren. Anhand von Donald Trump, dem Aufstieg populistischer Bewegungen und der Theorie des französischen Denkers Georges Sorel analysieren wir, warum politische Mythen stärker wirken als Fakten – und weshalb Vernunft heute in der Defensive steht.
Russifizierung ist kein neues Kapitel europäischer Geschichte – sie ist Teil einer langen imperialen Strategie, die immer wieder auf denselben Widerstand trifft. Von den nationalen Bewegungen des 19. Jahrhunderts über Finnlands Weg aus dem Zarenreich bis zur ukrainischen Unabhängigkeit 1991 zeigt sich ein wiederkehrendes Muster: Autonomie, kulturelle Selbstbehauptung, imperiale Zentralisierung – und schließlich der politische Wille zur Eigenstaatlichkeit. Der Blick auf Finnland macht deutlich, warum der Versuch, nationale Identität durch Druck und Integration zu brechen, historisch selten dauerhaft erfolgreich war. Und genau darin liegt eine zentrale Lehre für den gegenwärtigen Krieg Russlands gegen die Ukraine.
Was verbindet Epsteins Männerzirkel mit dem Frauenbild der Trump-Administration? Der Hintergrund zeigt, dass es weniger um Personen als um ein Strukturprinzip geht: Frauen sind sichtbar, einflussreich, unverzichtbar – und zugleich eingebunden in ein hierarchisches Ordnungsmodell, das strategische Macht weiterhin männlich codiert. Von den informellen Netzwerken Epsteins bis zur politischen Bühne in Washington zeichnet sich eine „neue alte Ordnung“ ab, die Integration verspricht, Differenz normalisiert und Hierarchie als Stabilität verkauft.
In diesem Beitrag wird die Analyse der internationale Politik aus der Perspektive des chinesischen Politikwissenschaftlers Jiang Xuejin vorgestellt. Ausgehend von der These eines imperialen Niedergangs der USA beschreibt Jiang eine Welt im Übergang: von einer regelbasierten Ordnung hin zu offener Machtpolitik. Er deutet die innenpolitischen Verwerfungen in Amerika als strukturelle Krise, erklärt Chinas Verständnis von Multilateralismus und Handel als alternative Ordnungsvorstellung und fragt nach der Rolle Europas in einer Welt, in der alte Gewissheiten zerfallen.
Auf der Münchner Sicherheitskonferenz zeichnet Marco Rubio das Bild einer selbstbewussten westlichen Zivilisation – stolz auf ihre Geschichte, entschlossen zur Reindustrialisierung, bereit zur machtpolitischen Selbstbehauptung. Hinter der kulturellen Würdigung Europas steht jedoch eine klare strategische Botschaft: Der Nationalstaat soll wieder zum unangefochtenen Zentrum der Politik werden, supranationale Strukturen und kosmopolitische Rechtsordnungen verlieren an Bedeutung. Europa steht damit vor einer Richtungsentscheidung – zwischen kooperativer Souveränität und einer Rückkehr zur klassischen Machtpolitik.
Souveränität, Grenzen und Freiheit sind in den vergangenen Jahren mit überraschender Wucht in die internationale Politik zurückgekehrt. Was lange als überholt galt, prägt heute erneut Debatten in liberalen Demokratien – von der Migrationspolitik bis zur Frage nationaler Selbstbestimmung. Der Beitrag zeigt, warum diese Begriffe historisch sehr unterschiedlich erfahren wurden: in Europa als Lehre aus zerstörerischer Überdehnung nationaler Macht, in Asien und Afrika als hart erkämpfte Erfahrung von Freiheit und Unabhängigkeit. Wer die aktuellen Konflikte um Grenzen, Migration und Freiheit verstehen will, muss diese unterschiedlichen historischen Erfahrungsräume ernst nehmen – und sich fragen, welche Form von Souveränität in einer global verflochtenen Welt zukunftsfähig ist.
Auf der Münchner Sicherheitskonferenz wird auch über eine Intervention im Iran diskutiert – doch im Hintergrund zeigt sich eine größere politische Verschiebung. Liberale und linke Parteien, die nach dem Ende des Kalten Krieges humanitäre Interventionen und sogar Regimewechsel als moralische Pflicht verteidigten, treten heute angesichts der US-Politik gegenüber Venezuela als kompromisslose Anwälte staatlicher Souveränität auf. Der Kommentar beleuchtet diese historische Ironie und wirft einen kurzen Blick auf die Entwicklung westlicher Interventionsdoktrin seit 1990 .
Die Ankündigung eines neuen Grundsatzprogramms zeigt: Die Sozialdemokratische Partei Deutschlands hat erkannt, dass ihre Antworten aus einer anderen Zeit stammen. Doch Erneuerung beginnt nicht mit wohlklingenden Leitbegriffen oder Reformvorschlägen. Der Kommentar macht deutlich, dass der Partei vor allem eine ehrliche Selbstklärung fehlt: über den Verlust ihrer Wählerbasis, über veränderte gesellschaftliche Realitäten und über den Aufstieg populistischer Politik. Erst eine offene Gesellschaftsdiagnose – jenseits von Appellen und Routinen – kann den Boden für ein Grundsatzprogramm bereiten, das mehr ist als ein Papier: eine politische Vision für eine tiefgreifend veränderte Welt.
Zwei der erfahrensten außenpolitischen Denker ihrer Länder schlagen Alarm: David M. Lampton und Wang Jisi warnen in „Foreign Affairs“ vor einer strukturell verfestigten Feindschaft zwischen Washington und Peking. Was als strategische Absicherung begann, ist zu einer systemischen Rivalität geworden, die Militärplanung, Technologiepolitik, Wirtschaft und öffentliche Narrative prägt. Abschreckung und Gegenabschreckung verstärken sich, wirtschaftliche Verflechtung wird als Verwundbarkeit interpretiert, gesellschaftliche Kontakte erodieren. Das größte Risiko liegt weniger im gewollten Krieg als in einer ungewollten Eskalation. Zugleich sehen die Autoren ein mögliches Zeitfenster: Durch politische Signale, institutionelle Leitplanken und erneuerte Dialogformate könnte eine neue Normalisierung gelingen. Die Alternative wäre eine Welt, in der Großmachtkonkurrenz zur Dauerlogik wird – mit globalen Folgen.
In Phasen tiefgreifender Verunsicherung verändern sich politische Maßstäbe. Verfahren erscheinen zu langsam, Kompromisse als Schwäche, Handlungsfähigkeit wird zur zentralen Erwartung an Politik. Bereits in der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen führte dieser Druck zu grundlegenden Verschiebungen im politischen Denken – weg von Aushandlung und Recht, hin zu Entscheidung, Ordnung und Ausnahme.Der Beitrag zeichnet diese Denkbewegungen nach und zeigt, warum sie bis heute wirksam sind. Nicht als historische Parallele, sondern als strukturelle Herausforderung moderner Demokratien, die auch in der Gegenwart erneut an Bedeutung gewinnt.
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