Die neue amerikanische National Security Strategy markiert einen historischen Bruch: Erstmals stuft ein offizielles US-Dokument Europa nicht mehr als Partner, sondern als strategisches Problem ein und formuliert die politische Schwächung der EU als Ziel. Das Papier ist kein klassisches Sicherheitsdokument, sondern ein ideologischer Text der MAGA-Bewegung, der Migration als Zivilisationsbedrohung, die EU als Freiheitsverlust und internationale Institutionen als Gegner nationaler Souveränität darstellt. Die Strategie ruht auf vier Säulen: radikalem Souveränismus, ökonomischem Nationalismus, der Wiederbelebung der Monroe-Doktrin mit einem exklusiven amerikanischen Einflussraum in der Hemisphäre und einem globalen Anspruch ideologischer Einflussnahme. Ostasien wird auf ökonomische Rivalität reduziert, Afrika als transaktionaler Raum ohne Demokratieförderung definiert. Die dramatischsten Passagen betreffen Europa: Unter dem Vorwand „europäischer Erneuerung“ kündigt Washington die Unterstützung rechtsnationaler, EU-skeptischer Kräfte an, um Europa politisch auf MAGA-Kurs zu bringen. Besonders im Ukrainekrieg zeigt sich der Anspruch, europäische Sicherheitsentscheidungen zu delegitimieren und Europa in ein US-russisches Arrangement einzubinden. Die geopolitische Logik ähnelt zunehmend einem Einflusszonendenken: Russland beansprucht Osteuropa, die USA nun politisch Westeuropa. Damit wird die transatlantische Partnerschaft selbst infrage gestellt. Europa steht vor einer doppelten Herausforderung: militärisch durch Russland, politisch durch eine US-Regierung, die die europäische Ordnung als Bedrohung definiert.