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In dritten Teil dieser Serie möchte ich den Blick nach vorn richten: Hin zur Wissenschaft und einigen Modellen, die zeigen könnten, dass eine Wirtschaft jenseits des Wachstumszwangs nicht das Ende des Wohlstands bedeutet, sondern den Beginn einer neuen Lebensqualität.
Es gibt sehr viele Konzepte, die sich als hilfreiche Alternativen auf diesem Weg anbieten wollen. Einige davon sind mir suspekt, weil sie zu naiv, zu esoterisch oder aus anderen Gründen undiskutabel sind. Ich habe mir stattdessen ein paar Instrumente und Konstrukte ausgesucht, die mir zumindest als schlüssig und auch hilfreich für weiteres Nachdenken erscheinen. Dazu gehören das “Donut-Modell” von Kate Raworth, die Gemeinwohl Ökonomie (GWÖ) und auch noch andere Konzepte.
Degrowth- und Postwachstumsideen greifen ein wichtiges Unbehagen auf, sie suchen nach einem Wirtschaftsmodell des “Genug”, nach einem Modell also, das unser Zusammenleben mit dem Rest des Planeten auch auf Dauer möglich und erträglich macht. Es gibt also gute Gründe, sich diese Ideen und Philosophien genau anzuschauen und diese zu überprüfen.
Wer Kai Schächtele zuhört, merkt schnell: Da spricht kein trockener Theoretiker. Da spricht jemand, der das Radiohandwerk von der Pike auf gelernt hat, der als Schwabe seinen Dialekt abgelegt hat, um gehört zu werden, und der heute seine Stimme nutzt, um Brücken zu bauen, wo andere nur Gräben sehen. Kai ist Journalist, Buchautor und „Cultural Producer“ – ein Mensch, der den Wandel nicht nur beschreibt, sondern ihn auf die Bühne bringt.
Begleitend zum Podcast gibt es auf meiner Klimakolumne noch einen zusammenfassenden und weiterführenden Text, zu dessen Lektüre ich ausdrücklich einlade.
Natürlich gibt es auch für einen engagierten Profi wie Kai viele schwierige Momente, in denen das System hakt. In unserem Gespräch erinnert er sich an seine Zeit beim NDR, eine Produktion zum Pariser Klimagipfel 2015, aber auch an viele ermutigende Ereignisse, Menschen und Initiativen.
Die Nachrichten aus der Welt der Multikrisen treffen uns täglich. Verzweiflung, Depression, Wut, Resignation, das sind alles nachvollziehbare Reaktionen. Es gilt aber trotzdem die Binsenweisheit, dass es nicht hilft, den Kopf in den Sand zu stecken. Die Haltung, mit der Kai Schächtele durchs Leben geht, auch wenn ihm das natürlich auch längst nicht immer gelingt, ist dazu mindestens eine Art Leitplanke. Eine Entscheidung, zuversichtlich zu sein - wer könnte sie uns verbieten? Das Gefühl der Selbstwirksamkeit ist ein altbekanntes Konzept, um die Dinge in die Hand zu nehmen, um auf die aktive Seite zu kommen. Auch wenn es manchmal schwer fällt, sehr schwer sogar.
In diesem Sinne lade ich alle HörerInnen dazu ein, sich auszutauschen, ich freue mich auch über Feedback und andere Beispiele für den „Mut zur Zuversicht“.
Der Aufstieg der Batteriespeicher, der Abstieg der Batteriepreise, die explosionsartige Verbreitung der Erneuerbaren in China und anderswo, der Abschied vom Kohlestrom in Deutschland, der zumindest juristische Schutzstatus der Weltmeere und der Rückgang der Pro-Kopf-Emissionen - all das sind natürlich „nur“ wenige Entwicklungen im Vergleich zu den exorbitanten Maßnahmen der Gegenseite. Der Seite, die gegen das Leben, gegen die Zukunft der nachfolgenden Generationen und gegen viele unserer Mit-Lebewesen kämpft, allein aus Gier, aus Profit- und Wachstumswahn.
Bill McKibben, ein bewundernswerter Aktivist der ersten Stunde, erinnert uns allerdings zu Recht daran, dass wir wählen können und müssen: Wohin richten wir unsere Aufmerksamkeit? Lassen wir uns von der „Nacht“ der Kriege und fossilen Zerstörung lähmen, oder blicken wir auf den „Tag“, der durch Batterien, Windkraft und neues Recht anbricht?
* Bill McKibben
* Erneuerbare und fossile Stromerzeugung in der EU
* Emissionen in China
* Richterspruch des Internationalen Gerichtshofs
Ich kenne die Anziehungskraft von Wachstumscharts. Ein nach rechts oben zeigender Graph war für mich in meiner Marketingwelt oft ein Zeichen für Erfolg, für Vitalität, für eine funktionierende Strategie. Doch wenn ich heute die Kurven der globalen Erwärmung gegen die Kurven des Bruttoinlandsprodukts (BIP) lege, bringt mich diese Einschätzung ganz gewaltig ins Grübeln.
Im ersten Teil dieser kleinen Serie ging es um Ungleichheit. Dabei war zu sehen wie der Luxus-Overshoot einer winzigen Elite den Planeten verheizt und warum Klimagerechtigkeit kein Neid-Projekt, sondern eine Überlebensfrage ist. Doch wer glaubt, wir müssten nur die Superreichen zur Kasse bitten und könnten ansonsten das „Betriebssystem“ unserer Wirtschaft unverändert lassen, der erliegt einer gefährlichen Illusion. Wir müssen über Wachstum reden. Über den sogenannten Wachstumszwang, und auch über grünes Wachstum und die Grenzen des Wachstums oder über Postwachstum.
Links:
#30 Klima, Kapital und Gerechtigkeit - Teil 1
Martin Oetting (YouTube): “Am Ende des Wirdschaftswachstums … wird’s besser”
Adam Tooze: Die “grüne Wende” ist eine Illusion
Matthias Schmelzer: Für Degrowth muss sich die Wirtschaft radikal und sozial transformieren
Wenn man sich mit den Fragen der Klimakrise auseinandersetzt, mit den Ursachen, mit den Auswirkungen, mit den Grundlagen, und auch mit den Beteiligten, dann landet man schließlich bei den Verursachern und den Leidtragenden. Dann landet man bei Fragen der Ungleichheit, der Gerechtigkeit, und auch der Zukunftsperspektive. Ich fürchte nun, dass wir diesen mindestens unbequemen Weg werden gehen müssen und dass wir uns damit beschäftigen müssen, wo eigentlich die tieferen Ursachen liegen, wie die systemischen Zusammenhänge zu verstehen sind, und am Ende natürlich auch, wie wir damit umgehen sollten oder müssen.
Wir müssen vermutlich die Illusion aufgeben, dass wir die Klimakrise lösen können, indem wir ein bisschen effizienter werden, während die systemische Ungleichheit weiter wächst. Echter Klimaschutz verlangt offenbar nach einer neuen ökonomischen Architektur. Und zwar auch wenn wir uns vor diesen Gedanken fürchten, wenn wir uns sie sogar kaum vorstellen und ausmalen können.
Diese Podcast-Episode gibt es auch als geschriebenen Text.
Das Thema Klima ist in den letzten Monaten völlig zu Unrecht in den Hintergrund gerutscht. Während wir uns mit den zweifellos drängenden Sorgen des Alltags beschäftigen, findet im Windschatten dieser Ablenkung ein massiver globaler Backlash statt. Es ist kein Zufall, dass der Widerstand gegen den Klimaschutz oft Hand in Hand mit einem allgemeinen gesellschaftlichen Rechtsruck geht. Überall auf der Welt – von Washington bis in unsere europäischen Parlamente – versuchen Kräfte, die wissenschaftliche Realität zu delegitimieren, um den Status quo der fossilen Ära mit aller Gewalt zu zementieren.
Wissen ist in dieser Situation ein hilfreiches Schutzschild und absolut notwendig, um nicht auf die „Architekten des Zweifels“ hereinzufallen. Aber Wissen allein reicht nicht mehr aus; es kann uns sogar lähmen, wenn es nur konsumiert wird. Die wahre Medizin gegen die grassierende Klimaangst ist das Handeln. Nur durch aktives Tun gewinnen wir das Gefühl der Selbstwirksamkeit zurück. Wenn wir anfangen, die Hebel in unserem eigenen Umfeld umzulegen, verwandelt sich die Ohnmacht in konstruktive Energie. Es geht darum, nicht nur die Fakten zu kennen, sondern selbst zum Fakten-Schaffer zu werden – durch Engagement in Energiegenossenschaften, politische Teilhabe oder die konsequente Neuausrichtung unseres Lebensstils.
Diese guten Nachrichten zum Klimawandel vom Februar 2026 sind keine Einladung zum Wegsehen oder zum ruhigen Weiterdösen. Die Klimakrise bleibt die größte Herausforderung unserer Spezies. Sich einlullen mit dem Kopf im Sand - wäre falsch, genauso wie Resignation. Resignation ist eine Form der Arroganz – sie behauptet zu wissen, dass alles verloren ist, während Millionen von Menschen weltweit gerade das Gegenteil beweisen.
Wenn die Sonne die billigste Energiequelle ist, wenn Europa die Kohle hinter sich lässt und wenn die Weltmeere endlich eine Stimme bekommen, dann sind das keine Zufälle. Es sind die Früchte von Jahrzehnten harter Arbeit.
Parallel zum Podcast gibt es den entsprechenden Text in meiner Klimakolumne, dort auch noch mit erläuternden Grafiken.
Die wichtigsten links aus dieser Episode:
* Erneuerbare
* Nordsee Windkraft
* Kohle und Erneuerbare
* Hochseeabkommen
Vom Musiker zum Vollzeit-Aktivisten
Roland Vossebrecker hat sein Leben als Klavierlehrer gegen das Engagement für Demokratie und Klima eingetauscht, als Komponist und Pianist ist er nach wie vor immer wieder auf Konzertreisen. Seinen Weg hin zum Aktivismus beschreibt er als eine Art Flucht aus der eigenen Bequemlichkeit, hin zu einer INITIATIVE KLIMAGERECHT LEBEN
Wir haben über Verantwortung gesprochen, über Klimagerechtigkeit und über Suffizienzwirtschaft. Das ist ein Lebensstil des “Genug”, der aus verschiedensten Gründen mindestens diskussionswürdig ist.
„Die Auseinandersetzung mit den Tätern des Holocaust hat mir drastisch vor Augen geführt, wie virtuos wir unsere eigene Schuld und Verantwortung reflexhaft verdrängen und rechtfertigen können. Wir wollen vielfach einfach nicht anerkennen, was unser Lebensstil in dieser Welt anrichtet – die Ausbeutung, die Kinderarbeit und die Klimazerstörung. Mein ganz persönliches ‚Nie wieder‘ lautet deshalb: Nie wieder nicht richtig hinsehen.“
Begleitend zu diesem Interview habe ich einen Artikel geschrieben, der unsere Diskussion zusammenfasst, aber auch durch wichtige Perspektiven noch erweitert und ergänzt.
Kein Mensch will bei jedem Bissen des Mittagessens ans Klima denken, an die Auswirkungen, die unsere Ernährung und die Art, wie sie produziert wird, auf die weltweite Erwärmung der Atmosphäre haben. So mancher Bissen würde uns womöglich in der Kehle stecken bleiben. Wie weit unsere Lebensmittel und die Landwirtschaft an den Treibhausgasemissionen beteiligt sind, welche Rolle sie im Konzert der ökologischen Veränderungen spielen, wie sehr die anderen Glieder in der Wertschöpfungskette beteiligt sind (Verarbeitung, Handel, KonsumentInnen), darüber habe ich mit Jürg Vollmer gesprochen.
Er ist ein Schweizer Landwirtschaftsjournalist und betreibt mit „Food Revolution“ einen Newsletter zur Ernährungswende.
Ergänzend zu diesem Interview gibt es im dazugehörenden Artikel noch weiterführende Infos, Quellen und Positionen, die ich gerne empfehlen möchte.
Literatur wirkt selten direkt. Sie verändert keine Emissionen. Aber sie kann Wahrnehmungen verschieben, Gespräche ermöglichen, innere Prozesse anstoßen. Vielleicht ist das nicht wenig – in einer Zeit, in der viele sich innerlich bereits zurückgezogen haben.
Kathrin Lange hat gemeinsam mit der Mikrobiologin Susanne Thiele den Wissenschaftsthriller „Toxin“ geschrieben – einen Roman über tauenden Permafrost, freigesetztes CO₂ und Kipppunkte, die lange abstrakt wirkten und inzwischen erschreckend konkret geworden sind. Ich habe dieses Buch bereits in einem früheren Text zum Thema Climate Fiction zitiert.
Wir haben im Podcast unter anderem über folgende Fragen diskutiert:
* Wie erzählt man von der Klimakrise, ohne belehrend zu werden?
* Wie viel Wissen verträgt eine Geschichte?
* Kann Literatur überhaupt etwas „bewirken“ – oder überfordern wir sie mit dieser Erwartung?
Ergänzende und erweiternde Perspektiven zum Thema gibt es im Begleit-Artikel.
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