Kopje koffie. Der niederländische Bücherpodcast

Kopje koffie. Der niederländische Bücherpodcast

By ARTEFAKT Kulturkonzepte, BerlinArtsBooks
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Kopje koffie. Der niederländische Bücherpodcast episodes

  • Episode #42: Falun Ellie Koos („Zähe Hunde“)

    Für die neuste Folge des niederländischen Bücherpodcasts „Kopje Koffie“ hat unsere Moderatorin Katharina Borchardt Falun Ellie Koos in Amsterdam zum Gespräch getroffen. Im Mittelpunkt stand Faluns Romandebüt Zähe Hunde (Aufbau Verlag). Neben der Arbeit an dem Roman und dem Inhalt des Buches spielte wie immer auch das Kaffeetrinken eine Rolle: Morgens gibt es bei Falun Ellie Koos genau eine Tasse Filterkaffee aus dem Perkolator, mit etwas Milch und einem Löffel Zucker – mehr nicht. Bei Gelegenheit kommt später am Tag noch ein Cappuccino dazu. Ansonsten trinkt Falun viel Tee.

    Falun Ellie Koos ist 1992 geboren und arbeitet als Filmemacher:in und als Autor:in. Das Debüt Zähe Hunde wurde mehrfach ausgezeichnet und von Het Parool zu einem der zehn besten Bücher des Jahres ausgezeichnet. Geschrieben hat Falun den Debütroman fast vollständig in einem Café in der Utrechter Slachtstraat, weil das eigene WG-Zimmer zu klein war. Zähe Hunde erzählt von Ada, die zusammen mit ihrem kleinen Bruder Broos teilweise beim Vater in einem Wohnwagenpark aufwächst. Diesen Wohnwagen beschreibt Falun im Gespräch als eine Art Schuhkarton mit hauchdünnen Wänden – ein Ort, der Falun aus der eigenen Kindheit bekannt ist, während die Romanfiguren selbst frei erfunden sind.

    Falun Ellie Koos erzählt Adas Geschichte über drei Zeitebenen: die Kindheit im Wohnwagen, Adas Zeit als Kunststudentin und ihren Aufenthalt in einer abgelegenen Hütte in Galizien. Diese Kapitel hat Falun linear geschrieben und erst danach aufgebrochen und montiert und immer wieder umsortiert, bis die Reihenfolge Adas sprunghafter, assoziativer Erinnerungslogik entsprach – ähnlich wie Falun es von der Arbeit am Film kennt, wo letztlich die Montage die Geschichte macht.

    Falun Ellie Koos beschreibt Ada als unzuverlässige Erzählerin. Sie blickt mit Tunnelblick auf ihr Leben, rückt sich ihre eigene Geschichte zurecht und richtet große Teile ihrer Erzählung direkt an ihren Bruder Broos – der selbst nie zu Wort kommt und dem Ada dadurch vieles zuschreiben, was er aber nicht richtigstellen kann. Ähnlich verhält es sich mit Molina, dem Hausherrn der Hütte in Galizien, der nur Spanisch spricht. Auch auf ihn projiziert Ada viel. Für Falun ist Zähe Hunde im Kern ein Buch über Projektion und darüber, wie Menschen sich aus ihren Erfahrungen eine Geschichte basteln, um sich selbst zu verstehen.

    Als Zähe Hunde vor zwei Jahren in den Niederlanden erschien, sei es als ein hartes Buch über eine Kindheit in Armut gelesen und besprochen worden. Dagegen wehrt sich Falun im Kopje-koffie-Gespräch. Es gehe stattdessen um das Aufwachsen mit einem totalitären Vater, ein Muster, das unabhängig vom Einkommen auftrete – als Vergleich zieht Falun die US-Serie „Succession" heran, in der die Familie unter dem Patriarchen leidet. Gerade in den Spanien-Kapiteln stecke außerdem viel Stille und Naturbeobachtung, eine Klangfarbe, die in der öffentlichen Wahrnehmung oft untergehe. Man darf gespannt sein, wie das Publikum der deutschen Ausgabe, übersetzt von Andrea Kluitman, begegnet.

    Kopje Koffie. Der niederländische Bücherpodcast

    von der Niederländischen Stiftung für Literatur in Amsterdam und der Niederländischen Botschaft in Berlin.

    Episode #42

    mit Falun Ellie Koos, Katharina Borchardt (Moderation und Übersetzung) und Nora Decker (Textlesung). Die Übersetzungen wurden von Emre Aksızoğlu eingesprochen.

    Produktion

    ARTEFAKT Kulturkonzepte im Auftrag der Niederländischen Stiftung für Literatur, Amsterdam © 2026

    Werk & Autor:in

    Falun Ellie Koos: Zähe Hunde. Aus dem Niederländischen von Andrea Kluitmann. Aufbau Verlag. 303 Seiten. 24 €. ISBN: 978-3-351-04277-6. ET: 15.04.2026.

    Informationen des Aufbau Verlags zu Falun Ellie Koos

    40 min
  • Episode #41: Christien Brinkgreve („Ein Versuch, meine Liebe zu ordnen“)

    Bettina Baltschev hat die Soziologin und Autorin Christien Brinkgreve anlässlich ihres Buchs Ein Versuch, meine Liebe zu ordnen (Hanser Verlag) in ihrem Amsterdamer Wohnhaus zum Gespräch getroffen. Zum Einstieg einer jeden Folge Kopje koffie wird das Kaffeetrinken thematisiert – und so hat auch Christien Brinkgreve erzählt, dass sie sich jeden Morgen einen Filterkaffee mit der Kaffeemaschine ihres verstorbenen Mannes macht, eine Art tägliches Begrüßungsritual an ihn.

    Ein Versuch, meine Liebe zu ordnen ist kürzlich auf Deutsch erschienen und war in den Niederlanden ein großer Erfolg. Der Ausgangspunkt des Buches: der Tod des Ehemanns von Christien Brinkgreve und die Frage, die danach bleibt – wer war sie eigentlich in dieser Ehe, und wer ist sie ohne sie? Christien Brinkgreve beginnt damit, das gemeinsame Haus aufzuräumen, ein Haus in einem Amsterdamer Wohnviertel aus den 1920er Jahren. Ein Haus voller Dinge und voller Geschichte(n). Nun wirkt es plötzlich vernachlässigt, jeder freie Winkel ist vollgestellt. Aus dem ersten Impuls, einfach wegzugehen, wird doch die Entscheidung, das Haus zurückzuerobern und so auch die eigene Liebe im Rückblick neu zu ordnen.

    Das Schreiben des Buches sei ihr nicht leicht gefallen, erzählt Christien Brinkgreve, auch wenn das Bedürfnis dazu stark war. Die Liebe neu zu ordnen – und mit ihr die eigene Geschichte als Frau, als Partnerin, als erfolgreiche Soziologin, als öffentliche und private Person – sei „eine Heidenarbeit" gewesen. In den Niederlanden erntete das Buch zwar großen Zuspruch, aber die Veröffentlichung war trotzdem nicht ohne Herausforderung. Da ihr Mann eine bekannte Persönlichkeit war, gab es viele Meinungen zu dem Buch. Christien Brinkgreve fiel es schwer, dass ihre intime Geschichte aufgrund der großen Resonanz unerwartet in den Besitz der Öffentlichkeit überging. Die eigentlichen feministischen Fragen des Buches – über Selbstbestimmung, über die stille Veränderung einer Ehe, über das, was Frauen aus Liebe aufgeben – traten so in den Hintergrund. Umso mehr freut sich Christien Brinkgreve, das Buch nun in Deutschland vorzustellen, wo diese Themen stärker in den Fokus rücken können.

    Das Buch ist, wie Christien Brinkgreve im Gespräch betont, keine Biografie ihres Mannes: „In diesem Buch werfe ich den Blick einmal sehr genau auf mich. Ich bin also nicht nur Erzählerin, sondern auch Thema. Es ist tatsächlich eher eine Selbstreflexion, ein Porträt oder eine Erkundung unserer Beziehung geworden als ein Porträt meines Mannes."

    Kopje Koffie. Der niederländische Bücherpodcast

    von der Niederländischen Stiftung für Literatur in Amsterdam und der Niederländischen Botschaft in Berlin.

    Episode #41

    mit Christien Brinkgreve, Bettina Baltschev (Moderation und Übersetzung) und Katharina Ortmayr (Textlesung). Die Übersetzungen wurden von Dela Dabulamanzi eingesprochen.

    Produktion

    ARTEFAKT Kulturkonzepte im Auftrag der Niederländischen Stiftung für Literatur, Amsterdam

    © 2026

    Werk & Autor

    Christien Brinkgreve: Ein Versuch, meine Liebe zu ordnen. Aus dem Niederländischen von Lisa Mensing. Hanser Verlag. 192 Seiten. 23 €. ISBN: 978-3-446-28567-5. ET: 17.02.2026.

    Informationen des Hanser Verlags zu Christien Brinkgreve

    41 min
  • Episode #40: Joost Oomen („Ein volles Leben“)

    Unsere Moderatorin Bettina Baltschev hat den preisgekrönten Autor Joost Oomen zum Gespräch für diese Folge Kopje koffie in Amsterdam getroffen. Kaffee gab es währenddessen nicht, denn Joost Oomen trinkt am Tag nur eine Tasse Kaffee – und das morgens um sechs Uhr, wenn sein kleines Kind wach wird und nach dem Fläschchen verlangt. Auch ohne Kaffee entspann sich eine interessante Unterhaltung über das neueste Buch des niederländischen Autors.

    Ein volles Leben (Arche Literatur Verlag) ist der zweite Roman von Joost Oomen und kürzlich auf Deutsch erschienen. An den deutschen Titel müsse er sich noch gewöhnen, meint er, heißt es im Niederländischen doch Das Schlafparadies. Das Buch handelt von zwei Männern, Theo und Gerrit. Der eine ist Arzt für Sterbehilfe, der andere möchte – obwohl vollkommen gesund – sterben, weil er ein wunderbares und erfülltes Leben hatte. Die Wege der beiden Männer kreuzen sich und beide können einander helfen. Gerrit versucht Theo zu überzeugen, ihm beim Sterben zu helfen, indem er ihm von seinem Leben voll Schönheit erzählt. Theo wiederum, der unter der Schwere seines Jobs leidet, verliert allmählich den Glauben an die Schönheit. Durch Gerrits Erzählungen kann er den Glauben daran aber wieder zurückgewinnen.

    Für das Buch griff Joost Oomen auf die Hilfe seines Vaters zurück, der seit dem Renteneintritt als Sterbearzt in den Niederlanden arbeitet. Einige Fälle seines Vaters ließ Joost Oomen anonymisiert in den Roman einfließen. Der Rest des Buches ist fiktiv.

    Mit seinem Roman möchte Joost Oomen zum Nachdenken anregen – über Sterbehilfe im Allgemeinen und insbesondere, wie man Sterbehilfe für Menschen möglich machen könnte, die ein glückliches und vollendetes Leben hatten und dieses nun aus freien Stücken beenden wollen.

    Kopje Koffie. Der niederländische Bücherpodcast

    von der Niederländischen Stiftung für Literatur in Amsterdam und der Niederländischen Botschaft in Berlin.

    Episode #40

    mit Joost Oomen, Bettina Baltschev (Moderation und Übersetzung) und Matthias Friedrich (Textlesung). Die Übersetzungen wurden von Jan Jaroszek eingesprochen.

    Produktion

    ARTEFAKT Kulturkonzepte im Auftrag der Niederländischen Stiftung für Literatur, Amsterdam © 2026

    Werk & Autor

    Joost Oomen: Ein volles Leben. Aus dem Niederländischen von Lisa Mensing. Arche Literatur Verlag. 192 Seiten. 23,00 €. ISBN: 978-3-7160-0040-3. ET: 11.02.2026.

    Informationen des Arche Literatur Verlags zu Joost Oomen

    28 min
  • Episode #39: Anjet Daanje („Das Lied von Storch und Dromedar“)

    In den Verlagsräumen von De Passage in Groningen traf sich unsere Moderatorin Katharina Borchardt vor Kurzem mit der preisgekrönten niederländische Autorin Anjet Daanje zum Podcastgespräch. Ein Kopje koffie gab es dabei nicht, denn Anjet Daanje verträgt keinen Kaffee. Sie trinkt allenfalls eine „Baby-Variante“ mit heißer Milch, viel Zucker und einer Prise Instantkaffee und bevorzugt ansonsten Tee. – Viel Tee wird auch in Daanjes Roman Das Lied von Storch und Dromedar (Friedenauer Presse) getrunken, der in den Niederlanden u. a. den renommierten Libris Literaturpreis gewonnen hat und ebenfalls auf Deutsch, Italienisch, Tschechisch, Schwedisch und Norwegisch vorliegt. Zehn weitere Übersetzungen werden 2026 folgen, darunter Japanisch, Mazedonisch, Arabisch, Englisch und Französisch.

    Für ihren knapp 1.000 Seiten umfassende Roman ließ sich Anjet Daanje von dem geheimnisumwitterten Leben der britischen Schriftstellerin Emily Brontë inspirieren. In 11 Kapiteln schildert sie Ereignisse rund um das Schaffen der fiktiven Autorin Eliza May Drayden. Sie werden von 11 Menschen aus dem 18. bis 21. Jahrhundert erzählt, die eine ganz individuelle Sichtweise auf die Persönlichkeit von Eliza May haben und deren Leben auf die eine oder andere Weise von ihrem Werk beeinflusst wurden. Die Pfarrerstochter gelangt durch einen umstrittenen Roman ungewollt zu großer Berühmtheit, und noch viele Jahre nach ihrem Tod pilgern Tausende von Literaturliebhaber in ihr englisches Heimatdorf Rowling.

    Rund 100 Personen treten in Das Lied von Storch und Dromedar auf, ihre Lebenswege und Familienkonstellationen haben oft verblüffende Parallelen und die Elemente „Tod“ und „Zeit“ spielen in jedem Kapitel eine zentrale Rolle. „Die Zeit ist wirklich eine sehr seltsame Angelegenheit! Ich denke sogar, dass es Zeit eigentlich gar nicht gibt“, betont Anjet Daanje in dem Gespräch. „Für mich ist sie eine menschliche Erfindung.“ Damit sie den Überblick über die weitverzweigten Handlungsstränge behält, hat Daanje sich einen Kalender angelegt, in dem sie ihr Personal und die Ereignisse chronologisch sortiert. Gearbeitet wird ausschließlich am Computer und dies mindestens 3 bis 4 Stunden am Tag, nach Erledigung der Hausarbeit und unterbrochen von langen Hundespaziergängen. Nach Fertigstellung des monumentalen Werks legte Anjet Daanje zunächst eine zweijährige Schreibpause ein, doch inzwischen bereitet sie ihr nächstes Buch vor. „Dafür muss man Ruhe im Kopf haben.“, betont sie. „Aber das wird noch ein Weilchen dauern. Das ist ein kompliziertes Projekt, wofür ich auch viel recherchieren muss. Und ich bemühe mich, dass es diesmal ein dünnes Buch wird!“

    Kopje Koffie. Der niederländisch-flämische Bücherpodcast

    von der Niederländischen Stiftung für Literatur in Amsterdam und der Niederländischen Botschaft in Berlin in Kooperation mit Flanders Literature Antwerpen und der Vertretung von Flandern.

    Episode #39

    mit Anjet Daanje, Katharina Borchardt (Moderation und Übersetzung) und Jan Jaroszek (Textlesung). Die Übersetzungen wurden von Dela Dabulamanzi eingesprochen.

    Produktion

    ARTEFAKT Kulturkonzepte im Auftrag der Niederländischen Stiftung für Literatur, Amsterdam © 2025

    Werk & Autorin

    Anjet Daanje: Das Lied von Storch und Dromedar. Aus dem Niederländischen von Ulrich Faure. Friedenauer Presse. 976 Seiten. 38,00 €. ISBN: 978-3-7518-0641-1. ET: 28.08.2025.

    Informationen der Friedenauer Presse zu Anjet Daanje

    39 min
  • Episode #38: Daan Heerma van Voss („Heute kein Abschied“)

    In seiner Amsterdamer Wohnung traf unsere Moderatorin Bettina Baltschev den niederländischen Autor Daan Heerma van Voss zum Kopje koffie-Gespräch. Dieser outed sich gleich zu Beginn als passionierter Kaffeetrinker, der in seiner Küche „als eine Art Kaffee-Kunstwerk“ an die fünfzig Packungen italienischer Espressosorten präsentiert. „Kaffee ist ein wichtiger Teil meines Morgens, ich habe da eine richtige Routine,“ gesteht er. „Und ich muss erst eine Stunde wach sein, bevor ich Kaffee trinken darf.“

    Auch in seinem neuen Roman Heute kein Abschied (Diogenes) wird nicht wenig Kaffee getrunken. Erzählt wird eine Familiengeschichte rund um den plötzlichen Tod des Filmemachers Oskar am Flughafen von Schiphol, ein Ereignis, das das Leben seiner drei erwachsenen Kinder Cat, Moor und Tessel auf den Kopf stellt. Diese gehen inzwischen eigene Wege und hatten nur noch wenig Kontakt zu ihrem Vater. Nun gilt es auf einmal, den Nachlass in ihrem einstigen Zuhause zu ordnen, eine Trauerfeier zu organisieren, Abschied zu nehmen und sich nicht nur mit den eigenen Gefühlen, sondern auch mit dem Leben von Oskar auseinanderzusetzen. Dabei werden die Rollen der Geschwister neu verteilt, so dass die Jüngste, Cat, zur Nachlassverwalterin bestimmt wird, die sonst so verantwortungsbewusste Älteste Tessel an den neuen Aufgaben zu verzweifeln droht und Sohn Moor, der eigentlich eine konfliktreiche Beziehung zu seinem Vater hatte, eine überraschende Trauerrede hält. Gemeinsam mit ihrer Mutter Elise, die schon lange geschieden ist und mit ihrem Jugendfreund Cas zusammenlebt, entdecken sie ihren Vater neu, finden in seinen Aufzeichnungen Geheimnisse und beginnen, seine Person und Vergangenes in einem anderen Licht zu sehen.

    Für den Autor entstand das Buch aus einem Gedankenexperiment heraus: „Wie wäre es, wenn mein Vater sterben würde? Und darüber hinaus auch: Was passiert, wenn ein Vater stirbt?“ Jetzt, wo er tatsächlich tot ist, stellt er fest: „Manchmal sind wir so sehr mit unseren eigenen Wunden und den Fehlern unserer Eltern beschäftigt, dass wir die Wahrheit oder Schönheit in diesen Fehlern und in dieser Wunde nicht erkennen, die uns doch so geformt haben, wie wir sind. Mein Vater war ein schwieriger Mann, ein schwieriger Vater, aber ohne ihn hätte ich die schönsten Dinge in meinem Leben nicht.“

    Daan Heerma van Voss, geboren 1986 in Amsterdam, ist Autor, Journalist und Historiker. Er begann bereits im Alter von 22 Jahren mit dem Schreiben. „Alles kam zusammen, all die Dinge, die mir im täglichen Leben im Weg standen. Dass ich zu viel nachdenke, dass ich versuche, Menschen zu deuten, wodurch ich manchmal für andere nicht immer anwesend bin. Das erwies sich beim Schreiben als Vorteil“, berichtet er in dem Gespräch. Heute schreibt er regelmäßig für De Volkskrant und hat eine wöchentliche Kolumne im NRC Handelsblad. Seine journalistischen Texte wurden mit dem renommierten De-Tegel-Preis ausgezeichnet und seine Romane in zahlreiche Sprachen übersetzt.

    Kopje Koffie. Der niederländisch-flämische Bücherpodcast

    von der Niederländischen Botschaft in Berlin und der Niederländischen Stiftung für Literatur in Amsterdam in Kooperation mit Flanders Literature Antwerpen und der Vertretung von Flandern.

    Episode #38

    mit Daan Heerma van Voss, Bettina Baltschev (Moderation und Übersetzung) und Ole Steffen (Textlesung). Die Übersetzungen wurden von Jan Jaroszek eingesprochen.

    Produktion

    ARTEFAKT Kulturkonzepte im Auftrag der Niederländischen Stiftung für Literatur, Amsterdam © 2025

    Werk & Autor

    Daan Heerma van Voss: Heute kein Abschied. Aus dem Niederländischen von Gregor Seferens. Diogenes. 496 Seiten. 26,00 €. ISBN: 978-3-257-07325-6. ET: 21.05.2025.

    Informationen des Diogenes Verlags zu Daan Heerma van Voss

    36 min
  • Episode #37: Sacha Bronwasser („Was du nie sehen wirst“)

    Mit ihrem neuen Roman Was du nie sehen wirst (Arche) tourt Sacha Bronwasser derzeit durch Deutschland und war auch auf der Leipziger Buchmesse zu Gast. Dort traf sie unsere Moderatorin Bettina Baltschev bei einer Tasse „Kaffee schwarz“ zum Gespräch. Sie liebe zwar guten Kaffee, dennoch spiele das Getränk in ihrem Leben keine große Rolle, gesteht die niederländische Autorin zu Beginn. In ihrem Roman, der zu großen Teilen in Paris angesiedelt ist, ist hingegen von beeindruckenden „Suppenschüsseln voller Milchkaffee“ die Rede, die in den stilvollen Cafés getrunken werden. Sacha Bronwasser studierte dort 1989/90 Kunstgeschichte und verschrieb sich auch nach ihrer Rückkehr nach Amsterdam ganz der Kunst als Kritikerin und Kuratorin. Und so nimmt die Kunst, genauer die Fotografie, in ihrem Roman ebenfalls eine zentrale Rolle ein.

    Erzählt wird die Geschichte der Fotografiestudentin Marie, die nach einem großen Verrat, den ihre Dozentin Flo an ihr beging, den Niederlanden den Rücken kehrt und in Paris eine Au-Pair-Stelle in einer angesehenen Familie annimmt. Doch irgendetwas stimmt nicht: Die Beziehung des Ehepaars Lambert steckt in einer Krise, sie leben in ärmlichen Verhältnissen und der Familienvater Phillipe wird von Ängsten und Panikattacken getrieben. Gleichzeitig wird Frankreich von einer Serie von Attentaten heimgesucht, die die Nation in einen Schockzustand versetzt. Verschiedene Rückblenden liefern Erklärungen für Philippes Verhalten und beleuchten gleichzeitig die tragischen Ereignisse um Maries Flucht nach Paris. Jahrzehnte später, 2015, schließt sich der Kreis, als Marie Fotos und Videos von den schrecklichen Anschlägen auf ein Café betrachtet, in dem sich scheinbar ihre frühere Dozentin Flo aufgehalten hat…

    Schon der Titel Was du nie sehen wirst verrät, dass es Sacha Bronwasser in ihrem bildstarken Roman um Wahrnehmung und die Interpretation des Gesehenen geht. In ihrem Beruf als „Kunstübersetzerin“ sei sie es gewohnt, Bilder in Sprache zu übersetzen, betont die Autorin. Dafür sei ein geschulter Blick ebenso wichtig wie Zeit und Geduld. „Wer sieht, kann erzählen. Und wer erzählt, hält fest.“ Doch es ist auch ein Buch über den Zufall, über die Vorstellung, am falschen Ort zur falschen Zeit zu sein. „Zufall hat keine Logik“, resümiert Sacha Bronwasser am Ende des Gesprächs. „Wenn man den Zufall umarmt, wird das Leben leichter.“

    Kopje Koffie. Der niederländisch-flämische Bücherpodcast

    von der Niederländischen Botschaft in Berlin und der Niederländischen Stiftung für Literatur in Amsterdam in Kooperation mit Flanders Literature Antwerpen und der Vertretung von Flandern.

    Episode #37

    mit Sacha Bronwasser, Bettina Baltschev (Moderation) und Nele Solf (Textlesung).

    Produktion

    ARTEFAKT Kulturkonzepte im Auftrag der Niederländischen Stiftung für Literatur, Amsterdam © 2025

    Werk & Autorin

    Sacha Bronwasser: Was du nie sehen wirst. Aus dem Niederländischen von Lisa Mensing. Arche. 320 Seiten. 24,00 €. ISBN: 978-3-716000182. ET: 12.03.2025.

    Informationen des Arche Verlags zu Sacha Bronwasser

    35 min
  • Episode #36: Pieter Waterdrinker („Monsieur Poubelle“)

    Im Rahmen der Leipziger Buchmesse stellte Pieter Waterdrinker seinen inzwischen dritten Roman auf Deutsch, Monsieur Poubelle oder: Der Mülleimer der Geschichte (März), vor und traf aus diesem Anlass unsere Moderatorin Bettina Baltschev zum Gespräch. Kaffee spielt in seinem Buch keine geringe Rolle: Er wird rund fünfundsechzigmal erwähnt und in Paris, Amsterdam oder Moskau getrunken. Als langjähriger Russland-Korrespondent begegnete der niederländische Autor und Journalist dort fast 25 Jahre lang keiner nennenswerten Kaffeekultur. Heute lebt er in Frankreich und startet seinen Arbeitstag mit 3-4 Tassen am Morgen. „Ohne Kaffee keine Gedanken – und ohne Wein am Abend auch keine Gedanken!“, stellt er treffend fest.

    Pieter Waterdrinker wurde in Haarlem geboren und wuchs im touristischen Zandvoort auf, wo er schon als Kind Deutsch lernte, aber mit Büchern wenig am Hut hatte. Erst mit 14 Jahren begann er die Literatur für sich zu entdecken. Zu seinen ersten Begegnungen zählten die Werke von Iwan Turgenjew. Später studierte er Russisch, Französisch und Jura in Amsterdam und arbeitete ab 1996 als Korrespondent in der ehemaligen Sowjetunion. Die Anfänge des Ukrainekrieges hat er seit 2013 miterlebt. Und so schickt er seinen Protagonisten Wessel Stols gegen Ende seines 560 Seiten umfassenden Abenteuers auch nach Kiew, wo er in einen Strudel „brennend aktueller“ Ereignisse gerät. Zuvor verkauft Wessel Stols seine Anteile an einer erfolgreichen Werbeagentur in Amsterdam und versucht sich vergeblich als Schriftsteller in Frankreich, wo er sich u. a. mit Eugène Poubelle, dem Erfinder der Mülltonne, beschäftigt. Er beginnt einen zwielichtigen Handel mit russischer Kunst, verliert nebenbei viel Geld bei Börsengeschäften und seine Frau Friedl und ergattert nach einigen Skandalen einen Sitz im Europaparlament in Brüssel. Pieter Waterdrinker schildert gekonnt eine Welt aus Reichtum, Politik und Intrigen und beleuchtet die Hintergründe des Ukrainekrieges aus russischer und ukrainischer Sicht. „Auch das, was wir jetzt erleben, ist ein Mülleimer, der die Dämonen der Geschichte heraufbeschwört“, stellt der Autor fest. „Das Buch handelt von den grundlegenden Missverständnissen zwischen Ost- und Westeuropa.“

    Kopje Koffie. Der niederländisch-flämische Bücherpodcast

    von der Niederländischen Botschaft in Berlin und der Niederländischen Stiftung für Literatur in Amsterdam in Kooperation mit Flanders Literature Antwerpen und der Vertretung von Flandern.

    Episode #36

    mit Pieter Waterdrinker, Bettina Baltschev (Moderation) und Jan Jaroszek (Textlesung).

    Produktion

    ARTEFAKT Kulturkonzepte im Auftrag der Niederländischen Stiftung für Literatur, Amsterdam © 2025

    Werk & Autor

    Pieter Waterdrinker: Monsieur Poubelle oder: Der Mülleimer der Geschichte. Übersetzung von Ulrich Faure. März. 560 Seiten. 28,00 €. ISBN: 978-3-755000419. Erscheinungstermin: 23.10.2024.

    Informationen des März Verlags zu Pieter Waterdrinker

    39 min
  • Episode #35: Leon de Winter („Stadt der Hunde“)

    In Bloemendaal, unweit von Amsterdam, traf unsere Moderatorin Bettina Baltschev den niederländischen Schriftsteller Leon de Winter, von dem bei Diogenes vor Kurzem sein neuester Roman Stadt der Hunde erschienen ist – die mittlerweile 13. Veröffentlichung in diesem Verlag! Der ebenso produktive wie preisgekrönte Autor wurde 1954 in ‘s-Hertogenbosch als Sohn orthodoxer Juden geboren, die den Holocaust in einem Versteck überlebten, und verlor bereits als Elfjähriger seinen Vater. Er erzählt, dass ihn dieses Erlebnis zum Geschichtenerfinden und zum Schreiben brachte und seine Literatur bis heute beeinflusse. „Das Verschwinden von Leuten, die man liebt, ist schon sehr früh Teil meines Lebens geworden“, berichtet er zu Beginn des Gesprächs. Und so handelt auch sein neuer Roman von dem Verlust eines geliebten Menschen in einem jüdisch geprägten Umfeld.

    Der renommierte Gehirnchirurg Jaap Hollander ist im Ruhestand, aber Ruhe findet er nicht. Seit seine Tochter Lea vor zehn Jahren in Israel verschwunden ist, kehrt er jedes Jahr nach Tel Aviv und in die Wüste Negev zurück, wo Lea sich auf der Suche nach den Wurzeln ihres jüdischen Glaubens zuletzt aufhielt. Jaap, der sich als „schlechten Vater“ bezeichnet und mit seiner Religion wenig anfangen kann, scheint durch eine ungewöhnliche Anfrage des israelischen Ministerpräsidenten auf einmal die Chance zu bekommen, dies wieder gut zu machen und die aufwändige Suche nach neuen Spuren zu seiner Tochter zu finanzieren. Durch eine riskante Gehirnoperation soll er die Tochter des saudischen Königs – und damit sogar den Weltfrieden – retten, ein nahezu filmreifer Stoff. „Die Prinzessin musste am Leben bleiben, schwor er sich. Seine Prinzessin war in einer Unterwelt aus Stein verloren gegangen, aber diese Prinzessin musste eine Zukunft haben.“

    Leon de Winter, der nach der Schule zunächst an der Filmakademie studierte, erzählt, dass er vor dem Schreiben als erstes in Bildern denke, „erst dann kommen die Worte“. Im Laufe der Handlung spielt auch ein Hund eine zentrale Rolle, und der Autor offenbart, dass diese Tiere für ihn „etwas Magisches“ haben, und dass er „vollkommen besessen von der Liebe für Hunde“ sei. Über 18 Jahre war die Hündin Senta Teil seiner Familie und er vermisse sie jeden Tag. Und wie sieht es mit den Kaffeegewohnheiten aus? Auf der Frage, ob er Kaffee liebe und zum Schreiben benötige, antwortet er: „Ja absolut! Es ist natürlich das Erste, was ich tue, wenn ich aufwache – und dann mache ich zwei Kaffees für meine Frau und mich!“

    Kopje Koffie. Der niederländisch-flämische Bücherpodcast

    von der Niederländischen Botschaft in Berlin und der Niederländischen Stiftung für Literatur in Amsterdam in Kooperation mit Flanders Literature Antwerpen und der Vertretung von Flandern.

    Episode #35

    mit Leon de Winter, Bettina Baltschev (Moderation) und Matthias Friedrich (Textlesung).

    Produktion

    ARTEFAKT Kulturkonzepte im Auftrag der Niederländischen Botschaft, Berlin © 2025

    Werk & Autor

    Leon de Winter: Stadt der Hunde. Übersetzung von Stefanie Schäfer. Diogenes. 272 Seiten. 26,00 €. ISBN 978-3-257-07281-5. Erscheinungstermin: 22.01.2025.

    Informationen des Diogenes Verlags zu Leon de Winter.

    35 min
  • Episode #34: Bart Moeyaert („Morris“)

    Zu einem Werkgespräch traf sich Katharina Borchardt im Dezember in Lüneburg mit Bart Moeyaert, der auf einer Lesereise durch Deutschland sein neuestes Kinderbuch Morris. Der Junge der den Hund sucht (Hanser) vorstellte. Passend zur Jahreszeit, erzählt die Wintergeschichte von Morris, der aufgrund trauriger Ereignisse bei seiner Oma lebt, die wiederum eine lebhafte Hündin namens Houdini besitzt. Ähnlich wie der gleichnamige Entfesselungskünstler können sie keine Ketten halten, wenn es um ihre Freiheit geht. Regelmäßig büxt sie aus, was dazu führt, dass Morris sich auf die Suche in die gefahrenvolle Bergwelt begeben muss. Dabei gerät er in einen Schneesturm und hat denkwürdige Begegnungen mit Natur und Mensch, bevor am Ende doch alles gut wird.

    Obwohl sich Bart Moeyaert mit seinen Kinder- und Jugendbüchern einen Namen gemacht hat und für seine Werke zahlreiche renommierte Preise erhielt, darunter den mit 500.000 € dotierten Astrid Lindgren Memorial Award, sieht er sich in erster Linie als Autor für alle Generationen und vielfältige Genres. Zu seinem umfangreichen Schaffen zählen ebenso Romane, Gedichte und Theaterstücke, zuletzt die autobiografische Erzählung Een ander leven (Privé-domein), die seiner Mutter gewidmet ist. Als jüngster von sieben Brüdern begann er schon früh mit dem Schreiben und gab sein Debüt bereits vor vierzig Jahren mit Leander, Liselot und die Liebe (Gecko), das auf seinen Tagebuchaufzeichnungen als Jugendlicher beruht. Auch von seinem Roman Graz (Luftschacht), der Geschichte des Apothekers Eichler, ist in dem Podcast die Rede, bevor Bart Moeyaert Ausschnitte aus dem autobiografisch inspirierten Kinderbuch Brüder (Hanser) vorträgt. Seine Themen hätten immer etwas mit dem zu tun, was er selbst erlebt habe, berichtet der Autor. Häufig handeln sie von Verlusten und Außenseitern, wobei er stets Lösungen aufzeige, besser mit den Herausforderungen dieser Welt umzugehen, wie die Jury des Astrid Lindgren Memorial Awards anerkennend feststellte. Die Ruhe zum Schreiben findet Bart Moayaert, der in Brügge geboren wurde und lange in Antwerpen lebte, mittlerweile im ländlichen Kalmthout. Als notorischer Frühaufsteher mache er nach einer Tasse Kaffee („nicht mehr!“) gerne einen Spaziergang durch seinen Garten, um sich dann in seinem Arbeitszimmer ans Werk zu machen, „während der Rest der Welt noch wach wird“.

    Kopje Koffie. Der niederländisch-flämische Bücherpodcast

    von der Niederländischen Botschaft in Berlin und der Niederländischen Stiftung für Literatur in Amsterdam in Kooperation mit Flanders Literature Antwerpen und der Vertretung von Flandern.

    Episode #34

    mit Bart Moeyaert und Katharina Borchardt (Moderation).

    Produktion

    ARTEFAKT Kulturkonzepte im Auftrag von Flanders Literature Antwerpen und der Vertretung von Flandern, Berlin © 2025.

    Autor & Werke

    Bart Moeyaert: Morris. Der Junge, der den Hund sucht. Mit Illustrationen von Sebastiaan Van Doninck. Übersetzung von Bettina Bach. Hanser. 64 Seiten. 15,00 €. ISBN 978-3-446-28117-2. Erscheinungstermin: 1.10.2024.

    Bart Moeyaert: Brüder. Der Älteste, der Stillste, der Echteste, der Fernste, der Liebste, der Schnellste und ich. Übersetzung von Mirjam Pressler. 168 Seiten. 16,00 €. ISBN 978-3-446-20790-5. Erscheinungstermin: 05.08.2006.

    Informationen des Hanser Verlags zu Bart Moeyaert und weiteren Werken.

    46 min
  • Episode #33: Otto de Kat („Die Stunde des Elefanten“)

    In der ländlichen Idylle der Dörfchens Gorssel bei Deventer empfing Otto de Kat unsere Moderatorin Katharina Borchardt in seinem Reetdachhaus, um bei einer Tasse Kaffee über seinen Roman Die Stunde des Elefanten (Schöffling) zu sprechen. Der niederländische Autor, Kritiker und Verleger zieht sich regelmäßig für 7 bis 10 Tage hierher zurück, um an seinen Büchern zu arbeiten. Dabei legt er eine bewundernswerte Routine an den Tag. Er schreibe täglich von 9 bis 13 Uhr zwischen 10 und 20 Seiten, berichtet Otto de Kat und betont dabei: „ohne zwei Tassen Kaffee kein Schreiben!“. Hilfreich war lange Jahre auch die räumliche Nähe zu dem befreundeten Autor Adriaan van Dis, mit dem er sich am Nachmittag traf, um die neu entstandenen Texte zu diskutieren.

    In seinen Büchern widmet sich Otto de Kat vor allem der Aufarbeitung historischer Themen. Eine sehr persönliche Inspiration für seinen aktuellen Roman, der sich mit der niederländischen Kolonialgeschichte Indonesiens und dem Aceh-Krieg beschäftigt, waren die Tagebücher seines Großvaters. Dieser nahm Ende des 19. Jahrhunderts als Berufsoffizier an dem Krieg der Niederlande gegen das muslimische Sultanat von Aceh im Norden Sumatras teil und berichtete hautnah von den dramatischen Erlebnissen in dieser Zeit. „Alles, was ich beschreibe, habe ich in seinen Tagebüchern gelesen“, erzählt Otto de Kat, „und manche Lücken durch Fantasie gefüllt“. Ebenso wie sein Großvater, der nach dem Krieg Bürgermeister in Holland wurde, bekleidet auch seine Romanfigur Maxim inzwischen dieses Amt – auf der Insel Texel. Dort besucht ihn sein Freund W. A., den er nach einer Kriegsverletzung in einem Krankenhaus auf Sumatra kennenlernte. Dieser hat inzwischen in der niederländischen Avondpost unter dem Pseudonym „Wekker“ eine Reihe von Artikeln veröffentlicht, die das dunkle und blutige Kapitel niederländischer Kolonialgeschichte aufs Schärfste verurteilen und für große Aufruhr in der Heimat sorgen. Maxim, der schon geahnt hat, dass sein Freund der Urheber dieser Texte ist, taucht während seines Besuchs erneut in verdrängte Traumata ein.

    Auch die Romanfigur W. A. und die Freundschaft, die Otto de Kat beschreibt, basieren auf wahren Gegebenheiten, wobei bis heute nicht eindeutig bewiesen ist, dass Wilhelmus Arnoldus (W. A.) Van Oorschot wirklich der geheime Autor der Artikel war. Er kenne bislang keinen Roman, der die Gräuel des Aceh-Krieges überhaupt thematisiere, stellt Otto de Kat abschließend fest. Das Kapitel sei in den Niederlanden noch längst nicht abgeschlossen und Folgen wie das posttraumatische Belastungssyndrom angesichts der heutigen Kriege auf der Welt ein zeitloses Thema. Kann man dem Gewicht der Vergangenheit jemals entkommen?

    Kopje Koffie. Der niederländisch-flämische Bücherpodcast

    von der Niederländischen Botschaft in Berlin und der Niederländischen Stiftung für Literatur in Amsterdam in Kooperation mit Flanders Literature Antwerpen und der Vertretung von Flandern.

    Episode #33

    mit Otto de Kat, Katharina Borchardt (Moderation) und Matthias Friedrich (Textlesung).

    Produktion

    ARTEFAKT Kulturkonzepte im Auftrag der Niederländischen Botschaft, Berlin © 2024

    Werk & Autor

    Otto de Kat: Die Stunde des Elefanten. Übersetzung von Christiane Burkhardt. Schöffling. 224 Seiten. 25,00 €. ISBN 978 3 89561 534 4. Erscheinungstermin: 22.02.2024.

    Informationen des Schöffling Verlags zu Otto de Kat.

    39 min

About Kopje koffie. Der niederländische Bücherpodcast

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Kopje koffie – bei einer Tasse Kaffee kommen die Journalistinnen Katharina Borchardt und Bettina Baltschev mit Autor:innen aus den Niederlanden ins Gespräch und stellen frische Neuerscheinungen aus unserem Nachbarland vor. Dabei sind auch Auszüge in Originalsprache und viel Persönliches von ihren Gästen zu hören. Der deutschsprachige Bücherpodcast macht Lust und Laune auf eine Entdeckungsreise durch die aktuelle Literaturszene der Niederlande.

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