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Mehr als 21.000 Verkehrstote in einem einzigen Jahr – allein in Westdeutschland. So erschreckend sah die Unfallbilanz Anfang der 1970er-Jahre aus. Heute sterben in Deutschland jährlich noch rund 2.800 Menschen im Straßenverkehr. Ein gewaltiger Fortschritt, der vor allem durch die Gurtpflicht, moderne Fahrzeugtechnik und immer bessere Sicherheitssysteme möglich wurde.
Doch seit einigen Jahren stagnieren die Zahlen. Warum gelingt es uns kaum noch, die Zahl der Verkehrstoten weiter zu senken? Weshalb sind gerade Landstraßen besonders gefährlich? Wäre Tempo 80 eine Lösung? Und wie sicher sind eigentlich SUVs, Motorräder oder E-Scooter?
Darüber sprechen wir heute mit Siegfried Brockmann, Geschäftsführer Verkehrssicherheit der Björn Steiger Stiftung. Er erklärt, warum junge und ältere Autofahrer aus ganz unterschiedlichen Gründen besonders gefährdet sind, weshalb verpflichtende Fahrtauglichkeitstests für Senioren aus seiner Sicht wenig bringen und welche Herausforderungen die Mobilitätswende für unsere Städte mit sich bringt.
Eine Folge über vermeidbare Risiken, überraschende Erkenntnisse aus der Unfallforschung und die entscheidende Frage: Wie können wir in Zukunft noch mehr Menschenleben im Straßenverkehr retten?
In dieser Folge:
Warum die Gurtpflicht und moderne Fahrzeugtechnik die Verkehrssicherheit revolutioniert haben.
Weshalb Landstraßen besonders gefährlich sind und Tempo 80 Leben retten könnte.
Welche Unterschiede zwischen Kleinwagen, SUVs und Motorrädern bei der Unfallsicherheit bestehen.
Warum junge und ältere Autofahrer unterschiedliche Unfallrisiken haben.
Weshalb medizinische Untersuchungen für ältere Autofahrer nach Brockmanns Einschätzung keine überzeugende Lösung sind.
Welche Gefahren von Leih-E-Scootern ausgehen und wie sie sicherer werden könnten.
Warum Radfahrer und Fußgänger bei der Verkehrsplanung stärker berücksichtigt werden müssen.
Was haben Rockmusik, Notfallmedizin und Dankbarkeit gemeinsam? Für Dr. Heinz-Wilhelm Esser eine ganze Menge. Der bekannte Mediziner, Bestsellerautor und TV-Doc wollte ursprünglich Rockstar werden, tourte mit seiner Band Substyle durch die Musikszene und fand erst über Umwege zurück in den Arztberuf.
Heute ist Doc Esser Internist, Kardiologe, Pneumologe und Notfallmediziner – und vor allem jemand, der medizinisches Wissen verständlich und unterhaltsam vermittelt.
In dieser Folge von „Lebensretter“ erzählt er von seinen ersten Erfahrungen als Notarzt, räumt mit verbreiteten Irrtümern über Erste Hilfe auf und erklärt, warum niemand aus Angst vor Fehlern wegschauen sollte. Denn schon ein Notruf, das Ansprechen eines Betroffenen oder einfach menschlicher Beistand können entscheidend sein.
Außerdem spricht er mit Ina Tenz über überfüllte Notaufnahmen, fehlende Gesundheitskompetenz und die Gefahren vermeintlicher Wundermittel, die insbesondere in sozialen Medien mit großen Gesundheitsversprechen beworben werden.
Ein weiterer Schwerpunkt ist die Prävention. Doc Esser ist überzeugt: Wir investieren zu viel in die Behandlung von Krankheiten und zu wenig in ihre Vermeidung. Dabei können Bewegung, gesunde Ernährung und emotionale Stabilität entscheidend dazu beitragen, möglichst lange gesund zu bleiben.
Besonders überraschend: Warum wir häufiger lachen, bewusster dankbar sein und gelegentlich sogar unsere alltäglichen Routinen durchbrechen sollten.
In dieser Folge::
Warum Doc Esser zunächst Musiker wurde und erst später seine Leidenschaft für die Medizin entdeckte.
Weshalb Nichtstun bei einem medizinischen Notfall der größte Fehler sein kann.
Welche drei Erste-Hilfe-Fähigkeiten jeder Mensch beherrschen sollte.
Warum Wiederbelebung bereits in der Schule unterrichtet werden sollte.
Wie sich Notaufnahmen und Rettungsdienste besser entlasten lassen.
Welche Gefahren von medizinischem Halbwissen und fragwürdigen Gesundheitsversprechen ausgehen.
Warum Bewegung, Ernährung und emotionale Stabilität für Doc Esser die drei Säulen der Gesundheit bilden.
Wie Dankbarkeit, Lachen und kleine Veränderungen im Alltag unser Wohlbefinden stärken können.
Seine wichtigste Botschaft: Gesundheit beginnt nicht erst im Krankenhaus. Wir können selbst viel dafür tun – jeden Tag.
Eine ebenso unterhaltsame wie nachdenkliche Folge über das Helfen, das Gesundbleiben und die Kunst, das Leben mit einer positiven Haltung zu gestalten.
Muskeltraining ist wie Zähneputzen – Prof. Dr. Ingo Froböse über die Kraft der Bewegung
Wie bleiben wir möglichst lange gesund? Und warum fällt es uns so schwer, etwas für unsere Gesundheit zu tun, obwohl wir längst wissen, wie wichtig Bewegung und eine ausgewogene Ernährung sind?
In dieser Folge von „LEBENSRETTER“ spricht Béla Anda mit dem renommierten Sportwissenschaftler und Gesundheitsexperten Prof. Dr. Ingo Froböse über die unterschätzte Macht unserer Muskeln, die gesundheitlichen Folgen von Bewegungsmangel und die Bedeutung von Prävention.
Froböse erklärt, warum selbst regelmäßiger Sport stundenlanges Sitzen nicht vollständig ausgleichen kann, weshalb Muskeltraining gerade im Alter unverzichtbar ist und wie sich gesunde Gewohnheiten dauerhaft in den Alltag integrieren lassen.
Dabei geht es nicht um sportliche Höchstleistungen oder strenge Selbstdisziplin. Im Gegenteil: Kleine, erreichbare Ziele, positive Erlebnisse und Freude an der Bewegung sind nach seiner Überzeugung der Schlüssel zu einem gesünderen Leben.
Doch Froböse nimmt auch Politik und Gesellschaft in die Pflicht. Er fordert mehr Gesundheitsbildung, bessere Präventionsangebote und ein Gesundheitssystem, das nicht erst eingreift, wenn Menschen bereits krank geworden sind.
Eine Folge über Eigenverantwortung, Lebensqualität und die Erkenntnis, dass es nie zu spät ist, etwas für die eigene Gesundheit zu tun.
Wer einen Facharzttermin sucht, braucht mitunter Geduld. Gleichzeitig klagen Arztpraxen über Bürokratie, Budgetierung und zunehmenden wirtschaftlichen Druck. Und in den Notaufnahmen landen noch immer viele Patientinnen und Patienten, die eigentlich ambulant versorgt werden könnten. Wo liegen die Ursachen – und wie lässt sich das ändern?
Zu Gast bei Béla Anda ist Dr. Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV). Als niedergelassener Orthopäde, Unfallchirurg und Rheumatologe kennt er den Praxisalltag ebenso wie die gesundheitspolitischen Auseinandersetzungen in Berlin.
Gassen kritisiert seit Jahren, dass die Politik versucht, ein von selbstständigen Ärztinnen und Ärzten getragenes System mit immer mehr Vorgaben und aus seiner Sicht planwirtschaftlichen Instrumenten zu steuern. Viele Probleme, die unmittelbar den Praxen zugeschrieben werden, seien tatsächlich strukturell bedingt.
Ein Beispiel sind die viel diskutierten Wartezeiten auf Facharzttermine. Muss jeder Patient möglichst schnell einen Termin bekommen – unabhängig von der medizinischen Dringlichkeit? Oder müssen wir akzeptieren, dass begrenzte Ressourcen auch bedeuten, stärker zu priorisieren? Gassen plädiert dafür, vor allem dort schnelle Versorgung sicherzustellen, wo sie medizinisch notwendig ist.
Damit geht es auch um einen zentralen Punkt der geplanten Notfallreform: die verbindliche Patientensteuerung. Wer benötigt tatsächlich die Notaufnahme? Wer kann ambulant behandelt werden? Welche Rolle spielen dabei die 112 und die 116117 – und wie kann verhindert werden, dass Patienten selbst entscheiden müssen, welche Anlaufstelle für ihre Beschwerden die richtige ist?
Eine Folge über die Grenzen unseres Gesundheitssystems, politische Fehlanreize und die Frage, ob eine bessere Versorgung nicht zwangsläufig mehr Angebote braucht – sondern vor allem eine bessere Steuerung.
Zwischen Festzelt und Schockraum: Notfallmedizin auf dem Oktoberfest
Das Oktoberfest ist das größte Volksfest der Welt – und für den Rettungsdienst eine medizinische Ausnahmesituation. Hunderttausende Menschen feiern gleichzeitig auf der Theresienwiese. Wo so viele Menschen zusammenkommen, passieren nicht nur typische Wiesn-Unfälle: Auch Herzinfarkte, Schlaganfälle und andere lebensbedrohliche Notfälle gehören zum Einsatzalltag.
In dieser Folge von „Lebensretter“ spricht Dr. Philipp Kampmann, Chefarzt der Aicher Ambulanz auf dem Oktoberfest, über die medizinische Seite der Wiesn.
Gleich die ersten Tage des Oktoberfests 2026 zeigen, wie nah Tragödie und erfolgreiche Rettung beieinanderliegen können: Bei einem schweren Unfall an einem Fahrgeschäft wird ein Mitarbeiter so schwer verletzt, dass er trotz sofortiger Reanimation und schnellstmöglichem Transport in einen Schockraum stirbt. Einen Tag später bricht ein 78-jähriger Besucher zusammen – zwei Bedienungen beginnen sofort mit der Wiederbelebung und halten seinen Kreislauf aufrecht, bis die professionellen Retter übernehmen können.
Kampmann erklärt, wie die medizinische Versorgung auf der Theresienwiese organisiert ist und warum die Einsatzkräfte trotz Hunderttausender Besucher innerhalb weniger Minuten beim Patienten sein können. Mehr als 430 Menschen arbeiten während der Wiesn für die Aicher Ambulanz, darunter 36 Ärztinnen und Ärzte. Mobile Teams und spezielle Tragenteams bahnen sich ihren Weg durch die Menschenmassen.
Auch die Sanitätsstation selbst hat mit einer klassischen Erste-Hilfe-Station nur noch wenig gemeinsam: Ein eigenes CT ermöglicht es beispielsweise, Kopfverletzungen direkt auf dem Festgelände abzuklären. Viele Patienten können dadurch vor Ort abschließend versorgt werden, statt die ohnehin stark belasteten Münchner Kliniken zusätzlich zu beanspruchen.
Ein großes Thema bleibt der Alkohol: Rund ein Drittel der Patienten wird wegen einer Alkoholintoxikation behandelt, ein weiteres Drittel wegen chirurgischer Verletzungen – von Stürzen und Schnittwunden bis zu Knochenbrüchen. Kampmann erklärt, wann aus einem Rausch ein lebensbedrohlicher medizinischer Notfall wird und warum gerade Bewusstseinsstörungen gefährlich sind.
Außerdem geht es um K.-o.-Tropfen, deren tatsächliche Häufigkeit, die Schwierigkeiten beim Nachweis und darum, warum die Wirkung des stärkeren Wiesnbiers immer wieder unterschätzt wird.
Und am Ende steht eine Botschaft, die weit über das Oktoberfest hinausgeht: Keine Angst vor Erster Hilfe. Helfen ist fast immer besser als nichts zu tun.
In dieser Folge:
Notfallmedizin mitten auf dem größten Volksfest der Welt
der tödliche Unfall an einem Fahrgeschäft und die Versorgung vor Ort
erfolgreiche Reanimation auf der Wiesn
mehr als 430 Einsatzkräfte und Eintreffzeiten von unter vier Minuten
das „kleine Krankenhaus“ auf der Theresienwiese
warum ein eigenes CT die Münchner Kliniken entlastet
Alkoholintoxikation: Wann wird der Rausch zum Notfall?
Stürze, Schnittverletzungen, Unterkühlung und andere typische Wiesn-Notfälle
K.-o.-Tropfen: tatsächliche Fälle, Verdachtsfälle und schwieriger Nachweis
Krisenintervention für Betroffene und Rettungskräfte
drei einfache Regeln für einen möglichst sicheren Wiesn-Besuch
und warum man bei Erster Hilfe keine Angst haben sollte, etwas falsch zu machen
Ein Mensch bricht plötzlich zusammen, reagiert nicht mehr und atmet nicht normal. Was jetzt zählt, sind keine komplizierten medizinischen Kenntnisse – sondern schnelles Handeln: Prüfen, Rufen, Drücken.
Bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand können schon wenige Minuten über Leben und Tod entscheiden. Doch noch immer beginnen in Deutschland längst nicht alle Menschen im Ernstfall mit einer Wiederbelebung.
Wie können wir die Angst davor nehmen, etwas falsch zu machen? Warum sollte Wiederbelebung schon in der Schule selbstverständlich werden? Welche Rolle spielen Defibrillatoren, Ersthelfer-Apps und die Leitstellen? Und was muss sich verändern, damit Deutschland „herzsicherer“ wird?
Darüber spricht Béla Anda in dieser Folge mit Dr. Sinann Al-Najem von der Deutschen Herzstiftung. Er verantwortet dort unter anderem die Bereiche Prävention und Wiederbelebung und beschäftigt sich mit der entscheidenden Frage: Wie wird aus medizinischem Wissen konkretes Handeln?
Eine Folge über lebensrettende Minuten, die Verantwortung von uns allen – und eine Botschaft, die im Ernstfall jeder im Kopf haben sollte: Nicht nichts tun!
Themen dieser Folge:
Was bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand sofort zu tun ist
Prüfen, Rufen, Drücken: die entscheidenden ersten Schritte
Warum Herzdruckmassage wichtiger ist als die Angst, etwas falsch zu machen
Wie ein AED funktioniert und warum ihn auch Laien einsetzen können
Wiederbelebung als verpflichtender Bestandteil des Schulunterrichts
Warum regelmäßiges Üben Sicherheit schafft
Telefonreanimation und die wichtige Rolle der Leitstellen
Ersthelfer-Apps und schnelle Hilfe noch vor dem Rettungsdienst
Das geplante AED-Register und die bessere Auffindbarkeit von Defibrillatoren
Prävention: Wie medizinisches Wissen tatsächlich im Alltag ankommt
Die gemeinsame Arbeit von Deutscher Herzstiftung und Björn Steiger Stiftung
Bevor Florian Künstler mit seinen Songs auf den großen Bühnen stand, war er dort unterwegs, wo es manchmal tatsächlich um Leben und Tod geht: im Rettungsdienst.
Eine Erfahrung, die ihn bis heute prägt. Er hat Menschen in ihren verletzlichsten Momenten erlebt, Angst, Hilflosigkeit und Tod gesehen – aber auch erfahren, wie viel es bewirken kann, einfach da zu sein, Ruhe zu vermitteln und einem Menschen das Gefühl zu geben: Du bist jetzt nicht allein.
Heute erreicht Florian Künstler die Menschen mit seiner Musik. In seinen Songs geht es um Nähe und Verlust, um Ängste, Hoffnung und darum, das Leben intensiv zu spüren. Und in dieser Folge spricht er ungewöhnlich offen darüber, dass er selbst irgendwann Hilfe brauchte: über Panikattacken, schwere Gedanken und einen einzigen Satz seines Arztes, der für ihn zu einem Rettungsanker wurde: „Das ist temporär.“
Was hat der Rettungsdienst mit dem Musiker Florian Künstler gemacht? Welche Einsätze wird er nie vergessen? Warum ist für ihn der größte Fehler bei einem Notfall, nichts zu tun? Und kann man vielleicht auch mit einem Song zum Lebensretter werden?
Darüber sprechen wir in dieser Folge von „Lebensretter“.
Mehr als eine Million Menschen engagieren sich in Deutschland in der Freiwilligen Feuerwehr. Einer von ihnen ist Marius Zimmer. Er ist Notfallsanitäter, Feuerwehrmann, Katastrophenschützer und Mitbegründer des Blaulichtkanals. Und er weiß, was dieses Ehrenamt bedeutet: Kameradschaft und Gemeinschaft, aber auch permanente Einsatzbereitschaft, große Verantwortung und manchmal Erlebnisse, die einen nicht mehr loslassen.
In dieser Folge spricht Marius Zimmer mit Béla Anda ungewöhnlich offen über einen Einsatz, nach dem er selbst professionelle Hilfe gebraucht hat. Wir sprechen darüber, warum es keine Schwäche ist, nach belastenden Erlebnissen Hilfe anzunehmen, wie der Alltag einer Freiwilligen Feuerwehr tatsächlich funktioniert und warum Deutschlands Gefahrenabwehr ohne Ehrenamtliche kaum denkbar wäre.
Aber wir schauen auch auf eine entscheidende Frage für die Zukunft: Wie gewinnt man neue Mitglieder – und vielleicht noch wichtiger: Wie schafft man es, die Menschen zu halten, die bereits bereit sind, einen erheblichen Teil ihrer Freizeit für andere zu opfern?
Deutschland leistet sich eines der teuersten Gesundheitssysteme der Welt – mehr als eine halbe Billion Euro fließen jedes Jahr in unsere Gesundheit. Und trotzdem steigen die Beiträge, Patienten warten auf Termine, Notaufnahmen sind überlastet und bei Lebenserwartung und Versorgungsqualität gehört Deutschland längst nicht überall zur Spitze.
Warum bekommen wir für so viel Geld nicht auch eines der besten Gesundheitssysteme der Welt?
Darüber spricht Béla Anda heute mit einem Mann, der an einer der zentralen Schaltstellen dieses Systems sitzt: Oliver Blatt, Vorstandsvorsitzender des GKV-Spitzenverbandes. Er vertritt die Interessen der gesetzlichen Kranken- und Pflegekassen – und damit mittelbar rund 75 Millionen Versicherte.
Oliver Blatt sagt deutlich: Deutschland hat Reformen zu lange aufgeschoben. Wir haben zu viele Krankenhausbetten, steuern Patienten nicht ausreichend durch das System und investieren noch immer zu wenig in Prävention. Gleichzeitig steigen die Ausgaben deutlich schneller als die Einnahmen.
Besonders dringend ist für ihn auch die Reform der Notfallversorgung. Überfüllte Notaufnahmen, unterschiedliche Anlaufstellen und mangelnde digitale Vernetzung zeigen, wie groß der Handlungsbedarf ist. Länder wie Österreich machen vor, wie eine intelligente Patientensteuerung funktionieren kann.
Aber Oliver Blatt redet unser Gesundheitssystem nicht schlecht. Er erklärt auch, was Deutschland nach wie vor hervorragend macht – und warum eine verlässliche medizinische Versorgung weit mehr ist als eine Frage von Kosten und Effizienz: Sie ist ein wichtiger Bestandteil unseres sozialen Zusammenhalts.
Was muss sich also ändern? Wo können Milliarden effizienter eingesetzt werden? Wie bekommen wir Krankenhäuser, ambulante Versorgung und Rettungsdienst besser organisiert? Und warum braucht es am Ende vor allem eines: Politiker, die den Mut haben, Entscheidungen zu treffen?
Aus Sicht der Björn Steiger Stiftung besonders relevant ist die Reform der Notfallversorgung. Rettungsleitstellen, die 116117 und Notaufnahmen müssen besser miteinander verzahnt und digital vernetzt werden. Österreich zeigt nach Ansicht Blatts, wie eine standardisierte Ersteinschätzung verhindern kann, dass automatisch ein Rettungswagen geschickt oder eine Notaufnahme angesteuert wird, obwohl dem Patienten auf anderem Wege geholfen werden könnte.
Ein weiteres großes Thema ist die Prävention. Denn langfristig, so Blatt, kann ein Gesundheitssystem nur finanzierbar bleiben, wenn Krankheiten möglichst verhindert werden, bevor sie überhaupt behandelt werden müssen. Dafür brauche es allerdings mehr als Appelle an den Einzelnen: Prävention müsse bereits in Kitas und Schulen beginnen und auch Ernährung, Alkohol, Tabak sowie gesellschaftliche Rahmenbedingungen einbeziehen.
Im Gespräch geht es außerdem um:
den wachsenden finanziellen Druck auf die gesetzlichen Krankenkassen
Oliver Blatts Botschaft ist dabei klar: Deutschland verfügt weiterhin über ein leistungsfähiges Gesundheitssystem – aber es reicht nicht mehr, immer zusätzliches Geld in bestehende Strukturen zu geben. Es braucht strukturelle Reformen, klare Prioritäten und politische Entscheidungen.
Denn eine funktionierende Gesundheitsversorgung ist nicht nur für Patienten entscheidend. Sie ist, so Blatt, auch ein wichtiger Stabilitätsanker für Demokratie und sozialen Frieden.
Wenn der Rettungswagen nicht reicht – Spezialfahrzeuge für besondere Notfälle
Früh- und Neugeborene, komplexe Reanimationen, schwere Traumata oder Kindernotfälle: Es gibt Situationen, in denen der klassische Rettungsdienst an die Grenzen seiner Möglichkeiten kommt. Genau für solche Versorgungslücken entwickelt und unterstützt die Björn Steiger Stiftung hochspezialisierte Einsatz- und Transportkonzepte.
In dieser Folge von „Lebensretter“ spricht Béla Anda mit Joachim von Beesten, verantwortlich für Forschung, Entwicklung und Sonderfahrzeuge bei der Björn Steiger Stiftung.
Ein Schwerpunkt ist der Baby-Notarztwagen. Früh- und Neugeborene reagieren besonders empfindlich auf Temperaturverlust, Geräusche und Erschütterungen. Deshalb setzt das Fahrzeug unter anderem auf eine spezielle Lagerung, Federung und Schallisolierung sowie einen hochmodernen Transportinkubator. Um das System weiter zu optimieren, wurde ein vollständig ausgestatteter Baby-Notarztwagen umfangreich vermessen – bis hin zu Testfahrten auf dem Nürburgring.
Doch die Entwicklung geht weiter. Mit dem Medical Intervention Car (MIC) wird das Prinzip gewissermaßen umgedreht: Nicht der Patient wird möglichst schnell zur hochspezialisierten Medizin gebracht, sondern klinische Expertise kommt direkt zum Patienten. Bei komplexen Reanimationen oder schwersten Verletzungen können spezialisierte Mediziner zusätzlich zum bestehenden Rettungsdienst alarmiert werden. An Bord befinden sich unter anderem besondere medizinische Möglichkeiten wie ECMO-Systeme und Blutprodukte.
Joachim von Beesten erklärt, warum solche Fahrzeuge den regulären Rettungsdienst nicht ersetzen, sondern gezielt ergänzen sollen. Er spricht über Standardisierung im deutschen Rettungswesen, die Ausbildung und Erfahrung der eingesetzten Spezialisten und die Frage, welche Konzepte sich langfristig in den Regelbetrieb überführen lassen.
Dabei geht es auch ums Geld: Wie teuer darf Hochleistungsmedizin im Rettungsdienst sein? Die Stiftung untersucht nicht nur Anschaffungs-, Personal- und Einsatzkosten, sondern will diese mit dem langfristigen Outcome der Patienten verbinden. Denn wenn schwere Folgeschäden verhindert werden können, muss der Nutzen eines solchen Systems auch volkswirtschaftlich betrachtet werden.
In dieser Folge geht es unter anderem um:
warum Sonderfahrzeuge konkrete Versorgungslücken schließen sollen
Eine Folge über Fahrzeuge, die weit mehr sind als vier Räder und medizinische Technik – und über die Idee, besondere medizinische Expertise genau dorthin zu bringen, wo sie im entscheidenden Moment gebraucht wird.
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