L.I.S.A. Wissenschaftsportal Gerda Henkel Stiftung

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  • Der Süchtige. Kartografie einer Sozialfigur


    Zu Gast bei L.I.S.A. mit Annelie Ramsbrock

    Mit dem Buch Wir Kinder vom Bahnhof Zoo wurde die drogen­ab­hän­gi­ge Jugend­liche Christiane F. zum Sinnbild einer von Drogen gezeich­ne­ten Jugend der 1970er und 1980er Jahre. Bis heute prägt ihr Bild die gesell­schaft­liche Vorstellung von Sucht in Deutschland. Doch histo­risch hat Sucht viele Gesich­ter: Ob die Opium konsu­mie­ren­de Apotheker-Gattin um 1900, der mit Pervitin versorgte Front­soldat im Zweiten Weltkrieg oder der koksen­de Manager der 1980er Jahre. In einem Werkstatt­ge­spräch mit Prof. Dr. Annelie Ramsbrock (Universität Greifswald) disku­tie­ren wir, wie Sucht in unter­schied­lichen histo­rischen Kontexten definiert, proble­ma­ti­siert und reguliert wurde.
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  • Wissenschaftsgläubigkeit: Politik und Anti-Politik heute


    vhs.wissen live mit Peter Strohschneider

    Ob Klima-, Umwelt- oder Gesundheitskrise: Die Machtworte der Wissenschaft verheißen Abhilfe im Zeichen moderner Sachrationalität. Tatsächlich aber verbündet sich hier naive Wissenschaftsgläubigkeit mit einem tendenziell undemokratischen Machtanspruch. Im Mehrheitsprinzip wird Freiheit gewährleistet. Demokratische Herrschaft verbindet sie mit politischen Rationalitätserwartungen. Aktivistische Wissenschaft oder szientistische Politik setzen hingegen einseitig auf das alternativlose Regime einer unbedingten Wahrheit. Das „Follow the Science!“ hat in modernen Wissensgesellschaften viel für sich. Öfter bedeutet es jedoch bloß ein „Schluss mit der Diskussion! Die Zeiten sind zu ernst.“ Wie dieser Vortrag anhand aktueller Beispiele zeigt, kann der Szientismus schnell autoritär werden – zum Schaden der liberalen Demokratie wie ihrer Fähigkeit, epochale Herausforderungen klug und wirksam zu bearbeiten.
    Peter Strohschneider lehrte Literaturwissenschaft an der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU). Er war unter anderem Vorsitzender des Wissenschaftsrats und der Zukunftskommission Landwirtschaft sowie Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG).
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  • „Denn er ist unser ...“ – Thomas Manns Stuttgarter und Weimarer Schillerreden 1955


    Vortrag von Matthias Steinbach in der Vortragsreihe Klartext?!

    Als man Thomas Mann 1955 anlässlich Schillers 150. Todestages nach Deutschland einlud, geschah dies unter geteilten Himmeln. Um den Literaturnobelpreisträger und seine Schillerreden entspann sich eine kulturpolitische Kontroverse zwischen West und Ost. Als „Dichter der Nation“ ließen sich im geteilten Nachkriegsdeutschland sowohl Friedrich Schiller als auch Thomas Mann für die jeweils eigene und gegen die andere Seite instrumentalisieren. Bei der Entscheidung „Für und Wider“ spielten in Stuttgart wie Weimar sehr persönliche Neigungen und Abneigungen eine Rolle. Im Westen war es Bundespräsident Theodor Heuss, der sich für Thomas Mann gegen mancherlei Widerstände stark machte, im Osten Kulturminister Johannes R. Becher. Während Heuss Thomas Mann im Zusammenhang mit dessen Stuttgarter Rede erstmals traf, gingen Bechers Sympathien für die Familie Mann bis in die Jahre der Weimarer Republik zurück. Im Zusammenhang mit dem Hochverratsprozess gegen Becher und dessen Schrift „Levisite“ hatte sich Thomas Mann öffentlich für den kommunistischen Expressionisten und KPD-Kulturfunktionär eingesetzt. In der Bundesrepublik blieb der Autor der Buddenbrooks und des Zauberbergs vor allem wegen seiner im amerikanischen Exil gegen Nazideutschland geäußerten Positionen auch nach 1945 noch lange verpönt. Im Vortrag werden politische und kulturpolitische Hintergründe der Stuttgarter und Weimarer Auftritte Manns behandelt sowie der Streitfall der Jenaer Ehrenpromotion Thomas Manns thematisiert.
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  • Selbstverortungen liberaler Völkerrechtler im Diskurs über Krieg und Frieden des „langen 19. Jahrhunderts“


    Hendrik Simon | Wer hat Angst vor Normativität? 40 Jahre Historische Friedens- und Konfliktforschung

    Das 19. Jahrhundert war kein Jahrhundert internationaler Anarchie. Im Gegenteil: In dieser Zeit entstand die moderne Ordnung, die den Einsatz von Gewalt zwischen Staaten rechtlich begrenzen sollte. Das zeigt sich in der politischen Praxis, aber auch in theoretischen Debatten liberaler Völkerrechtler: Letztere argumentierten gegen die in Deutschland dominanten „Clausewitzianischen“, realistischen Juristen, dass der Krieg nicht die Norm internationaler Beziehungen sei. In seinem Vortrag rekonstruiert Dr. Hendrik Simon (Leibniz-Institut für Friedens- und Konfliktforschung, Frankfurt am Main) diese Debatten, die zwischen Militarismus, Pragmatismus und Normativität changierten.
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  • The Discovery of Migrants' Human Rights in the Long 1990s: A Legal History


    Jürgen Bast | Europe's History of the Present: Universalism and Particularism

    The lecture traces the emergence of human rights limits to migration control in the case law of the European Court of Human Rights (ECtHR). In the wake of foundational judgements in the late 1980s, established instruments of migration control, such as expulsion or refusal of entry at the border, are no longer at the sole discretion of states. Bast argues that this amounts to a legal-cultural revolution and has fostered a widespread practice called ‘humanrightization’, that is, frequent references to human rights in migration-related conflicts in law, politics and everyday life. Despite the restrictive tendencies in recent case law, the Court has not endorsed a return to the ancien régime: Human rights law remains an essential ‘condition of possibility’ for humanrightization in European migration societies.
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  • Strafen und Töten – Exzessive Gewalt im Bauernkrieg


    Horst Carl | Freiburg und der Breisgau im Bauernkrieg

    Im elsässichen Zabern (franz. Saverne) kam es im Mai 1525 zum brutalsten Gewaltausbruch des Bauernkriegs: Nachdem die dort lagernden aufständischen Bauern ihre Waffen gestreckt und Herzog Anton von Lothringen ihnen freies Geleit zugesichert hatte, metztelten Landsknechte etwa 16.000 Bauern nieder. Das Massaker verdeutlicht das Ausmaß exzessiver Gewalt, das den Bauernkrieg 1524/25 deutlich von anderen kriegerischen Konflikten der Frühen Neuzeit abhebt. Die Forschung geht heute von bis zu 80.000 getöteten Bauern aus. Im Unterschied etwa zum Dreißigährigen Krieg resultierte diese hohe Opferzahl nicht aus kriegsbedingten Begleiterscheinungen wie Hunger oder Seuchen, sondern aus der Gewalt selbst. In seinem Vortrag beleuchtet Prof. Dr. Horst Carl (Gießen) wie es zu dieser „apokalyptischen Dimension“ kommen konnte und welche Rolle das „Göttliche Recht“ dabei spielte.
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  • Café Marx


    Thomasius Club mit Philipp Lenhard am 26. März 2025

    Die Kritische Theorie und die Frankfurter Schule sind weit über die deutsche Universitätslandschaft hinaus bekannt. Weniger bekannt sind allerdings die Wurzeln. Philipp Lenhard ist der Geschichte des Frankfurter Instituts für Sozialforschung, das für Freunde und Feinde auch das 'Café Marx' war, bis zum Ersten Weltkrieg und den linken Revolutionen in Russland und Deutschland nachgegangen. Lenhard verspricht so die Netzwerke, Ideen und Orte, die die Frankfurter Schule zu dem gemacht haben, was sie heute ist, in neuem Licht zu zeigen. Annika Schadewaldt und Christian Lamp fragen beim Autor nach, wie man so eine Entstehungsgeschichte schreibt, was sie für die Frankfurter Schule heute bedeutet und welche Rolle Marx immer noch spielt.
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  • Herzog Ulrich von Württemberg und die Bauern im Krieg von 1525


    Vortrag von Peter Rückert | 500 Jahre Bauernkrieg

    Für die Ereignisse um den Bauernkrieg in Württemberg war das gespannte Verhältnis von Herzog Ulrich und den Bauern prägnant. Der streitbare Herzog, der kurz zuvor aus Land und Herrschaft vertrieben worden war, versuchte mit Hilfe der Bauern wieder zurückzukommen. Er nutzte deren Aufstand und verbündete sich mit ihnen auch im gemeinsamen Kampf für die Reformation – eine besondere Koalition und einzigartige historische Konstellation, die im Bauernkrieg scheitern musste. Erst mit der gewaltsamen Rückkehr Herzog Ulrichs 1534 und der anschließenden Einführung der Reformation in Württemberg sollte sich dieser gemeinsame Kreis noch schließen. Prof. Dr. Peter Rückert ist Leiter des Hauptstaatsarchivs Stuttgart im Landesarchiv Baden-Württemberg.
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  • Xiphilinos’ Heilige: Episode 2 - Die „Sommerheiligen“


    Symeon Metaphrastes gilt als der bekannteste Hagiograph von Byzanz. Vermutlich im 11. Jahrhundert stellte er für den byzantinischen Kaiser ein hagiographisches „Menologion“ zusammen – eine Art Heiligenkalender mit 148 Lebensbeschreibungen orthodoxer Heiliger, geordnet nach dem Ablauf der Monate. Da das orthodoxe Kirchenjahr im September beginnt, setzt auch Symeons Werk mit diesem Monat ein. Aus unbekannten Gründen führte er den Kalender jedoch nicht über die Wintermonate hinaus. Sein Nachfolger Johannes Xiphilinos stellte sich bewusst in die Tradition Symeons und wollte das unvollendete Werk mit seinen „Sommerheiligen“ komplettieren. In der einstigen georgischen Königsstadt Kutaissi sichten die Historiker Dr. Marijana Vukovic und Dr. Sandro Nikolaishvili die nur auf Georgisch überlieferten Manuskripte von Xiphilinos.
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  • Gewalt, Moral, Erinnerung. Zum Gedenken an Habbo Knoch


    Kölner Vorträge zur Neueren und Neuesten Geschichte im Sommersemester 2025

    Die Kölner Vorträge zur Neueren und Neusten Geschichte widmen sich im Sommersemester 2025 neuen Forschungen zu den Themen Gewalt, Moral und Erinnerung. Die vom Historischen Institut der Universität zu Köln veranstaltete Vortragsreihe wird in diesem Semester von Prof. Dr. Fabian Klose, J.-Prof. Dr. Nicole Kramer und Prof. Dr. Ute Planert  organisiert. Die drei Vorträge sind dem Gedenken an den verstorbenen Historiker Prof. Dr. Habbo Knoch gewidmet. 
    L.I.S.A.Wissenschaftsportal Gerda Henkel Stiftung ist erneut Medienpartnerin der Vortragsreihe. Die Aufzeichnungen der Vorträge werden im Nachgang auf L.I.S.A. zum Abruf bereitgestellt.
    Dienstags, 17:45 – 19:15 Uhr, Seminargebäude 106 Raum 004Interessierte sind herzlich willkommen! Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.
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