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Referent: Sameh Naguib [Ägyptischer revolutionärer Sozialist] (Auf Englisch)
Im Januar 2011 jagte eine Massenbewegung den langjährigen ägyptischen Diktator Husni Mubarak aus dem Amt. Die »Arabellion« wurde weltweit für Unterdrückte zu einem Fanal der Hoffnung. Zweieinhalb Jahre später wurden diese durch einen blutigen Putsch beendet – zumindest fürs erste. Wo sind die Millionen hin, die gegen das Regime auf der Straße waren? Was passierte mit den Aktivistinnen, Revolutionären, Gewerkschaftern und ihren Organisationen? Gibt es noch Widerstand gegen jene Politik, die ursprünglich zur Revolte führte: gegen Sozialabbau, die Unterdrückung der Meinungsfreiheit, das Verbot, sich unabhängig zu organisieren, die Willkür der Sicherheitsdienste? Wie steht die Linke in Ägypten zur Muslimbruderschaft? Der ägyptische Sozialist Sameh Naguib wird diese und andere Fragen beantworten.
Referent: Stefan Bornost [marx21 Koordinierungskreis]
Die revolutionären Hoffnungen des Arabischen Frühlings sind verflogen: Die Eliten in Ägypten und Syrien reagierten mit Konterrevolution und Bürgerkrieg auf den gesellschaftlichen Aufbruch. Im westlichen Mitteleuropa haben wir ohnehin seit 1968 keine revolutionäre Situation mehr erlebt. Auch der Sozialreformismus des 20. Jahrhundert scheint angesichts der anhaltenden Krise gescheitert. Deswegen suchen viele Linke nach Alternativen in Form von »Transformationsstrategien« und »postkapitalistischen techno-utopischen« Gesellschaftsmodellen. Wir wollen diskutieren: Sind Revolutionen überhaupt notwendig für einen Systemwandel? Was können wir aus der Geschichte der bürgerlichen und sozialistischen Revolutionen der Vergangenheit lernen? Wie könnte eine Revolution im Deutschland des 21. Jahrhunderts aussehen?
Referent: Basti Zehtemair [Historische Kommission der RLS]
Dass die Menschheitsgeschichte keine Geschichte der »großen Männer« und ihrer »genialen« oder weniger »genialen« Handlungen ist, gehört zu den Grundprämissen der marxistischen Geschichtsauffassung. Die dreibändige Weltgeschichte des britischen Marxisten Chris Harman folgt dementsprechend dem Anspruch, eine Weltgeschichte »von unten« zu sein, »auf der Grundlage eines methodischen Ansatzes, der danach fragt, wie Gesellschaft durch das Zusammenwirken von technischer Entwicklung, neuen Formen der Arbeitsteilung, Klassenstrukturen und Klassenkämpfen geprägt wird«. Wir stellen das Werk, das gerade auf Deutsch erschienen ist, vor.
Referenten: Zakhar Popovych ['Linke Opposition' Ukraine] und Anton Thun [Die Linke.SDS Berlin]
Laut der westlichen Darstellung stehen sich im Ukrainekonflikt eine europäisch orientierte, demokratisch gewählte Regierung und Separatisten gegenüber, die von Moskau gestützt werden. Unerwähnt bleiben hier jedoch meist die Interessen der Oligarchen, die das Land haben ausbluten lassen. Unerwähnt bleibt auch, dass die EU Kiew mit dem Assoziierungsabkommen (dem Ausgangspunkt für die heutige Krise) vor die Wahl stellte: entweder mit uns oder mit Russland. Das zeigt: Es handelt sich hier um einen Konflikt zwischen imperialistischen Rivalen, die Einfluss in einem zerrissenen Land gewinnen wollen. Doch es gibt auch die andere Seite: Anton Thun und der ukrainische Oppositionelle Zakhar Popovych berichten vom antinationalistischen Widerstand, der gleichzeitig gegen Oligarchen und Krieg kämpft.
Referent: Ilya Budraitskis [Sozialistische Bewegung Russlands] (Auf Englisch)
Putin ist der neue starke Mann auf der internationalen Bühne. Die Annektierung der Krim, die Intervention in der Ostukraine und schließlich die Bombardierung der syrischen Opposition haben Russland wieder zu einem militärischen Akteur werden lassen. Im Land selbst gibt es einen dramatischen Anstieg des Nationalismus. Die Regierung geht immer schärfer gegen Kritiker vor – ganz gleich, ob es sich um Gewerkschaften, Linke oder Journalisten handelt. Trotzdem sehen manche westliche Linke in Putin einen Bündnispartner, ein notwendiges Gegengewicht zur eigenen herrschenden Klasse. Ilya Budraitskis, Mitglied der Sozialistische Bewegung Russland, erklärt, warum diese Orientierung wenig hilfreich ist. Außerdem berichtet er, wie sich die russische Linke unter schwierigen Bedingungen aufzubauen versucht.
Referent: Dirk Spöri [Landessprecher DIE LINKE Baden-Württemberg]
Die Snowden und WikileaksAufdeckung oder der Widerstand gegen ACTA und Vorratsdatenspeicherung machen klar, daß das Internet ein umkämpfter Ort ist und es Massenmobilisierung gegen staatliche und wirtschaftliche Kontrolle des Internets gibt. Doch ist das Internet ein neutraler Ort? Wem gehört das Internet? Kann es im Kapitalismus ein freies Internet geben? Und wenn nicht, wie gehen wir damit um?
Referent: Neil Davidson [Soziologe an der University of Glasgow, Buchautor und Mitglied der schottischen Radical Independence Campaign] (Auf Englisch)
Einst war das Konzept der ›bürgerlichen Revolution‹ zentral für linke Historikerinnen und Aktivisten. Doch heute wird es vermehrt kritisiert, sowohl von Konservativen als auch von Marxistinnen. In seinem Vortrag wird der Soziologe und marxistische Autor Neil Davidson der Frage nachgehen, wie »revolutionär« die bürgerlichen Revolutionen eigentlich waren. Dabei wird er verschiedene Ansätze vorstellen und die französische, englische, niederländische und andere Revolutionen analysieren. Dies ist aber keine reine Geschichtsveranstaltung: Davidson wird uns die Relevanz dieser Kämpfe aufzeigen und der Frage nachgehen, was linke Aktivistinnen und Aktivisten daraus lernen können.
Referent: Alex Callinicos [Professor am King`s College London, Autor von »Die revolutionären Ideen von Karl Marx«] (Auf Englisch)
Erst Afghanistan, dann Irak, Libyen, dann wieder Irak, schließlich Syrien und Jemen: Der ganze Nahe und Mittlere Osten scheint in einem Dauerkrieg zu versinken. Immer mehr Mächte mischen sich an immer mehr Fronten ein. Nato und USA befinden sich mit Russland im Konflikt um die Ukraine, in Ostasien liefern sich China und die USA ein bedrohliches Wettrüsten. Viele Menschen suchen nach einer Erklärung für diese barbarische Entwicklung. Angesichts dessen geht Alex Callinicos der Frage nach, inwieweit die marxistische Imperialismustheorie, wie sie von Lenin, Bucharin und anderen vor über hundert Jahren entwickelt wurde, noch aktuell ist. Was ist »Imperialismus« eigentlich genau? Und wie kann er besiegt werden?
Referentinnen: Rhonda Koch [Die Linke.SDS Berlin] und Laurie Penny [Britischen Feministin]
Das Wiederaufleben der Frauenbewegung in den vergangenen Jahren ist eine der vielen politischen Reaktionen auf die Krise und deren Folgen. Sie baut wiederum auf dem viel längeren Kampf gegen Frauenunterdrückung in der Gesellschaft auf. Slutwalks, Proteste gegen Abtreibungsgegner und der Frauenkampftag sind Teile einer neuen Frauenbewegung, die im Kontext einer allgemeinen kapitalistischen Krise vor großen Herausforderungen steht. Wie sind Feminismus und Frauenbefreiung mit dem Kampf für eine befreite Gesellschaft zu verbinden? Und wie kommen wir dahin? Kann man heute von einem »sozialistischen Feminismus« sprechen?
Referenten: Florian Wilde [Historiker und Gewerkschaftsforscher] und Leandros Fischer [Politologe; hat zum Thema: Der Israel-Palästina-Konflikt und die deutsche Linke promoviert]
Vor einem Jahr hat der erbitterte Kampf um die kurdisch-syrische Stadt Kobane zwischen dem „Islamischen Staat“ und den mit der PKK verbündeten kurdischen Miliz der YPG die Welt in Atem gehalten. Die Schlacht endete mit einem Sieg der YPG, die seitdem in Nordsyrien die kurdische Selbstverwaltung über Rojava, so die Eigenbezeichnung des von ihnen kontrollierten Territoriums ausgerufen haben. Viele Linke sehen darin eine „Revolution“, ein „einmaliges basisdemokratisches, geschlechterbefreites und ökologisches Projekt“. Doch gleichzeitig arbeiten die YPG eng mit der amerikanischen Luftwaffe zusammen, und haben zuletzt mit Hilfe russischer Bomber arabisch kontrollierte Ortschaften eingenommen. Wie passt das zusammen? Florian Wilde und Leo Fischer diskutieren kontrovers, was dran ist am „Projekt Rojava“.
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