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  • Wie es mit „Black Lives Matter“ in Wien weiter geht
    Der 19-jährige Mugtaba Hamoudah war einer der Organisatoren der Wiener „Black Lives Matter“-Demo, bei der Anfang Juni 50.000 Menschen auf die Straße gingen. Im Interview spricht er in unserem Podcast über junge Leute, die Credits verdienen, den politischen Einfluss von Rap und sein Problem mit dem Klimavolksbegehren.


    Hier findet ihr das Gespräch mit Mugtaba zum Anhören. Geführt hat es Mosaik-Redakteur Mahdi Rahimi. Darunter haben wir es in einer gekürzten Fassung verschriftlicht.


    Mosaik-Blog: Wie habt ihr es geschafft, dass 50.000 Menschen in Wien auf die Straße gegangen sind? Die Demo war ja nicht von langer Hand geplant.
    Mugtaba Hamoudah: Ich habe mir das Video angeschaut, in dem George Floyd ermordet wurde und habe zwei Tage nur geheult. Dann habe ich Mireille Ngosso auf Instagram geschrieben, weil ich sie gekannt habe. Sie ist eine von ganz wenigen Schwarzen PolitikerInnen in Wien und seit Jahren anti-rassistisch und feministisch aktiv. Wir haben gemeinsam die Demo organisiert. Das hat, glaube ich, so gut funktioniert, weil es viele Menschen gab, denen es ein Anliegen war. Es gab innerhalb von wenigen Tagen 100 Leute, die uns geholfen haben. Die 50.000 haben sich fast von alleine gefunden. Es war vielen Menschen wichtig.
    Du hast Mireille Ngosso vorher nicht persönlich gekannt?
    Genau. Man kennt sie halt. Ich habe sie mit 16 einmal auf einer Demo getroffen, sie angesprochen und dann daheim total stolz erzählt, dass ich sie getroffen habe. Aber wirklich kennengelernt haben wir uns erst jetzt.
    Du hast gesagt, dass sie eine der ganz wenigen Schwarzen PolitikerInnen in Österreich ist. Das betrifft auch linke Parteien. Warum ist das so?
    Die Linke ist auf alle Fälle sehr weiß und die Beschäftigung mit gewissen Themen bleibt sehr oberflächlich. Das beste Beispiel sind Männer, die sagen, dass sie Feministen sind. Die tun sehr aufgeklärt, setzen sich mit vielen Fragen aber gar nicht auseinander: Was ist der Gender Pay Gap? Was kann man gegen sexualisierte Gewalt und Übergriffe tun? Das ist bei Anti-Rassismus dasselbe. Viele Leute reflektieren nicht, dass wir alle Rassismen in uns tragen, weil wir in einer rassistischen Gesellschaft sozialisiert worden sind. Das heißt, dass auch in anti-rassistischen, linken Kreisen Rassismus reproduziert wird. Da braucht es mehr Reflexion und mehr Leute, die persönlich davon betroffen sind. Die Linke sollte nicht so tun, als würde sie die Probleme dieser Menschen kennen, sondern sie für sich selbst sprechen lassen.
    Reden wir noch einmal über die Demo: Waren es vielleicht auch deswegen so viele Teilnehmer*innen, weil der Mord an George Floyd in den USA passiert ist? Wären so viele Menschen gekommen, wenn bei der Demo österreichischer oder europäischer Rassismus im Vordergrund gestanden wäre?
    Ich glaube, der Fall von George Floyd hat das Fass zum Überlaufen gebracht. Einen Menschen zu sehen, wie er acht Minuten ums Überleben kämpft, ist sehr hart. Aber ich glaube auch, dass du Recht hast. Im deutschsprachigen Raum sind wir sehr gut darin, uns mit anti-rassistischen Kämpfen auf der ganzen Welt zu solidarisieren, aber mit unserer rassistischen Geschichte setzen wir uns nicht auseinander. Wir vergessen, dass Deutschland Kolonien hatte und wichtige Philosophen der Aufklärung, wie Immanuel Kant, rassistisch waren. Rassismus ist Teil unserer Gesellschaft.
    Aber es gab anti-rassistische Kämpfe in Österreich. Zum Beispiel als Marcus Omofuma 1999 von der Polizei getötet wurde.
    Ja, es waren auch bei den jetzigen Demos viele Leute auf der Bühne, die damals aktiv waren. Ich war da noch nicht auf der Welt, aber sie haben sich dafür eingesetzt, dass es ein Denkmal für Omofuma geben wird und die Polizisten strafrechtlich verfolgt werden. Dass sie jetzt erleben, wie so viele Leute gegen Rassismus protestieren, ist einerseits sicher empowernd. Aber auf der anderen Seite stelle ich mir das auch sehr ermüdend vo...
    26 min
  • Wohnungen statt Lager!
    Ein Mitschnitt des LINKSTalks vom 16. Mai 2020.

    Die Situation in Lagern für geflüchtete Menschen in Österreich ist wieder in den Blick der breiten Öffentlichkeit gerückt. Auslöser waren Berichte über skandalöse Zustände in Bergheim, Traiskirchen, Erdberg und kürzlich in den Wiener Messehallen im Zusammenhang mit der Corona-Krise. Bislang trauriger Höhepunkt der Situation ist eine Person, die an Covid-19 im Lager von Traiskirchen verstorben ist. Wochenlang wurden dort zuvor Menschen einem hohen Infektionsrisiko ausgesetzt.
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    42 min
  • Radikale Bildung!
    Der durch Corona bedingte Lockdown wirkt sich massiv auf das Bildungs- und Erziehungssystem aus. Im LINKS-TALK diskutierten Rubia Salgado, Rosa Bergmann, Ingo Bergmann und mosaik-Redakteur Ramin Taghian über die Herausforderungen, Chancen und Tendenzen radikaler Bildungspolitik als Antwort auf die Krise.

    Ein Mitschnitt des LinksTalks vom 09. Mai 2020


    Kinder, Jugendliche aber auch erwachsene Personen sind auf öffentliche Institutionen und soziale Netzwerke außerhalb der Familie angewiesen. Nicht alle Familien können in der gleichen Weise die Verantwortung für Sorge- und Bildungsarbeit übernehmen. Sei es durch beengnte Wohnverhältnisse oder den Mangel an Zeit, der auch in Zeiten von Home-Office bestehen bleibt. Zusätzlich dazu fehlen oftmals die entsprechenden finanziellen Mitteln, um sich die erforderliche technische Infrastruktur anzuschaffen, die aber für Heimunterricht notwendig ist.
    Wie wirken sich also die Maßnahmen, Verbote und Ausgangsbeschränkungen auf Menschen aus, die auf solche Institutionen angewiesen sind? Welche Folgen ergeben sich daraus beispielsweise für Menschen, die in betreuten Wohnverhältnissen leben? Welche Bildungsangebote und Disziplinierungsmaßnahmen werden Arbeitslosen in der bevorstehenden Rezession erwarten? Was kann man diesen strukturellen Modellen entgegensetzen?
    Welche Rolle und welche Funktion übernimmt hierbei einer kritische Bildung in Zeiten einer Krise, in der sich soziale wie politische Ungleichheiten und Ungerechtigkeiten verschärfen und fortschreiben? Welche Antworten liefert eine Pädagogik der Krise, die eben nicht zu alter oder neuen Normalität führen will, sondern die Macht, die Herrschaft und den Zwang von Normalität grundsätzlich in Frage stellt?

    Radikale Antworten
    Der LINKS-TALK „Radikale Bildungspolitik“ will in diesem Kontext über das Potential von „Bildung“ diskutieren und wie diese partizipativer gestaltet werden kann. Welche Möglichkeiten für Selbstorganisation und Demokratie gibt es in der Bildungslandschaft? Wozu soll Bildung überhaupt gut sein? Welche Forderungen kann LINKS in das Wahlprogramm für die anstehenden Wahlen in Wien aufstellen und aufnehmen?
    Diese und weitere Fragen werden im LINKS-Talk von  Rubia Salgado, Rosa Bergmann, Ingo Bergmann und Ramin Taghian diskutiert.
    Rubia Salgado arbeitet bei „Das Kollektiv“, einer Einrichtung für kritische Bildungs-, Beratungs- und Kulturarbeit von und für Migrant*innen.
    Rosa Bergmann studierte Volkswirtschaft sowie Sozialwirtschaft und Soziale Arbeit in Wien. Sie war als Lehrerin in einer NMS in Wien Liesing tätig und hat 2019 mit Kolleg*innen die Vienna Hobby Lobby ins Leben gerufen, ein Projekt, das kostenlose Freizeitkurse für sozial benachteiligte Jugendliche anbietet.
    Ingo Bergmann studierte Wirtschaft in Berlin sowie Kultur- und Politikwissenschaften in Bilbao. Seit 2017 unterrichtet er als Quereinsteiger an einer NMS in Wien Ottakring und ist derzeit Klassenvorstand einer ersten Klasse. Im September 2019 startete er ein Elternprojekt im Grätzl und spricht über den Ansatz zur Elternarbeit.
    Ramin Taghian studierte Geschichte in Wien. Er arbeitet derzeit als Lehrer an einer Mittelschule in Wien Brigittenau. Er ist Teil der Redaktion des Mosaik-Blogs und ist in der LINKS-Bezirksgruppe in Penzing aktiv.

    LINKS-Talk
    Das Wahlprojekt LINKS hat sich übrigens Anfang dieses Jahres gegründet, um bei den Wiener Gemeinderatswahlen 2020 anzutreten. Darüber hinaus arbeitet LINKS an dem Aufbau einer neuen linken politischen Organisation in Österreich. Bei den wöchentlichen LINKS-Talks, die jeden Samstag stattfinden, werden Themen diskutiert, die für die Wien Wahl relevant sind um dabei aktuelle Forderungen für die Linke zu erarbeiten. Diese Diskussionen finden online statt und stehen allen interessierten Menschen offen. Links zu den jeweiligen Veranstaltungen finden sich unten.
    1 hr 1 min
  • „Kritik der Polizei“ – Mit Daniel Loick
    Mitschnitt seiner Buchpräsentation und anschließenden Diskussion in Wien, vom 4. Juni 2019.

    Vergangene Woche verstarb in Minneapolis George Floyd durch die Hand, genauer gesagt durch das Knie, des Polizeibeamten Derek Chauvin. In einem viral gewordenen Video ist zu sehen, wie der Polizist sieben Minuten lang auf dem Hals des Mannes kniet. George Floyds letzte Worte, die auch in dem Video immer wieder zu hören sind, waren: „I can’t breathe“. Genau diese waren auch die letzten Worte von Eric Garner, einem weiteren schwarzen Amerikaner. Vor sechs Jahren tötete auch ihn ein Polizist in New York. Und es sind die Worte, die seit einer Woche unablässig bei Protesten in über 350 US-Amerikanischen Städten aufgegriffen werden.

    Polizei überall
    Während in 23 Bundesstaaten bereits Truppen der National Guards eingesetzt werden und die Trump-Regierung mit dem Einsatz des Militärs droht, wird den Protesten vielerorts mit erneuter massiver Polizeigewalt begegnet.
    In dieser Ausgabe des Mosaik-Podcasts senden wir im Kontext der Proteste und zum Thema Polizeigewalt einen Mitschnitt der Buchpräsentation „Kritik der Polizei“ mit Daniel Loick vom 4. Juni 2019.
    Loick ist Philosoph und Sozialwissenschaftler. In seinem Buch beschreibt er die Polizei als Institution, die für einige Menschen „Freund und Helfer“, für Andere aber Quelle von Unterdrückung, Vertreibung oder Schikane ist. Wachsende gesellschaftliche Spannungen lassen diesen Unterschied immer offensichtlicher werden. Insbesondere die US-amerikanische Black-Lives-Matter-Bewegung hat das Thema Polizeigewalt auf die Tagesordnung gehoben. Bei den gegenwärtigen Protesten und im Kontext der Corona-Krise scheint sich die Spannung nur weiter zu zuspitzen. Auch hierzulande.

    Schon vorher allgegenwärtig
    Im Zuge der Corona Maßnahmen hat die Polizei eine massive Ausweitung ihres Aufgabenbereichs und Handlungsspielraums erlebt. Und dabei hat ein großer Teil der weißen Mittelschicht zum ersten Mal Erfahrungen damit gemacht, wie es sich anfühlen kann, gegenüber der Polizei unter Generalverdacht zu stehen.
    Zum Zeitpunkt der Aufnahme vergangenen Jahres lebte George Floyd noch und eine globale Pandemie erahnte niemand. Polizeigewalt war jedoch auch zu diesem Zeitpunkt allgegenwärtig und ließ sich in beeindruckendem Maße beispielsweise in den Einsätzen gegen die Gelbwesten in Frankreich beobachten. Zugleich jährte sich der 20 Todestag von Marcus Omofuma. Und bei einem Klimaprotest in Wien wurde ein Demonstrant mit dem Kopf unter einem Polizeiauto fixiert, welches daraufhin langsam angefahren ist, um die Person in Todesangst zu versetzten (ein Interview mit dem Betroffenen findet sich hier). Einige dieser Themen kommen in der Diskussion vor und Beiträge dazu sind hier verlinkt.
    Die Veranstaltung wurde von Veronika Reidinger und der Mosaik-Redakteurin Angelika Adensamer organisiert. Angelika verdanken wir auch die Moderation. Aufnahme und Schnitt stammen von mir, Paul Herbinger.
    1 hr 49 min
  • Kämpfe um Wohnraum: Wie Mieter*innen-Bewegungen auf die Krise reagieren
    Ein Mittschnitt der digitalen Diskussionsreihe der Assoziation für kritische Gesellschaftsforschung vom 27. Mai 2020.

    In der Corona-Krise - wie auch schon nach der Finanzkrise 2008 – ist eine Verschärfung von sozialer Ungleichheit und Unsicherheit von Wohnsituationen zu beobachten.
    Die Pandemie ist für Menschen ohne festen Wohnsitz oder in überfüllten Unterkünften existenzbedrohend. Gleichzeitig haben die Lockdown-Maßnamen zu Einkommensengpässen in vielen Haushalten geführt. Diese stehen nun vor dem Problem ihre Mieten oder Hauskredite nicht bezahlen zu können.
    Schon seit einigen Jahren setzen sich Mieter*innen gegen Mietsteigerung und Verdrängung in vielen Deutschen Städten zur Wehr. Daraus entstand eine Mieter*innenbewegung mit geteilten Aktionsformen, Forderungen und Netzwerken. Für diese Bewegung stellt die Corona-Krise eine große Herausforderung dar. Viele Organisations- und Aktionsformen sind zunächst nicht mehr möglich und Ressourcen für politische Arbeit sind weggebrochen. Gleichzeitig bietet die Krise die Möglichkeit und Notwendigkeit neue Forderungen zu artikulieren.
    Nach den gegenwärtigen Hilfspaketen droht eine vertiefte Austeritäts- und Neoliberalisierungspolitik. Ob es geling wird, dieser eine Alternative entgegen zu stellen, hängt zentral von sozialen Bewegungen wie der Mieter*innenbewegung ab. Auch in einigen anderen europäischen Staaten (allen voran Spanien und Großbritannien) zeichnet sich eine verstärkte Zuspitzung der Kämpfe um Wohnraum ab. Dabei organisieren Aktivist*innen in großem Umfang Mietstreiks und stellen verstärkt Forderungen nach umfassenden politischen und ökonomischen Transformationen.
    In dieser Ausgabe der digitalen Diskussionsreihe der AkG, diskutieren Lisa Vollmer (Bauhaus-Universität Weimar) und Bernd Bonfert (Radboud University) die strukturellen und politischen Dimensionen dieser Kämpfe um Wohnraum. Dabei werden übergreifende Tendenzen und Strategien aufgezeigt.
    Moderieration durch Sascha Radl (Universität Kassel).
    Die Assoziation für kritische Gesellschaftsforschung (AkG) existiert seit 2004 als ein offener Zusammenschluss von Sozialwissenschaftler*innen aus dem deutschsprachigen Raum. Sie hat sich gegründet, um gesellschaftskritische Theorieansätze in einer Zeit weiterzuentwickeln, in der eben solche Ansätze an Hochschulen kaum noch Platz finden. Ihre digitale Diskussionsreihe zum Zustand der Welt in Zeiten von Corona steht allen interessierten Personen offen und findet immer mittwochs von 16 bis 17 Uhr via zoom statt. Links dazu finden sich unten. Außerdem können alle Ausgaben hier im Mosaik-Podcast nachgehört werden.
    https://akg-online.org/aktuelles/digitale-diskussionsreihe-der-akg-gesellschaftsforschung-zeiten-sozialer-distanzierung
    https://www.facebook.com/events/172405694205434/
    49 min
  • Autoritärer Staatsumbau in der Corona-Krise: Zur Situation in Israel und Polen
    Ein Mittschnitt der digitalen Diskussionsreihe der Assoziation für kritische Gesellschaftsforschung vom 20. Mai 2020.

    Rechtspopulistische Politiker machen gerne mit Angst Politik. Im Zeichen der Coronakrise findet diese Politik mit der Angst eine neue Anwendung und Gestalt. In dieser Ausgabe der digitalen Diskussionsreihe der AkG wird am Bispiel von Polen und Israel diskutiert, wie die Pandemie von rechten Kräften genutzt wird, um einen autoritären Staatsumbau voranzutreiben und mit rechtsstaatlichen Prinzipien zu brechen.
    In Israel ist es dem unter Anklage stehenden Premierminister Benjamin Netanjahu gelungen, die Coronakrise zur Bildung einer Einheitsregierung mit dem Oppositionsführer Benny Gantz zu nutzen. Damit konnte ein vierter Wahlgang innerhalb nur eines Jahres abgewendet werden. Allerdings nur um den Preis erheblicher Legitimationsgewinne des rechten Lagers. Wie die Angriffe gegen den Obersten Gerichtshof im Vorfeld der Regierungsbildung zeigen, ist die israelische Rechte bereit, mit rechtsstaatlichen Prinzipien zu brechen, wenn sie ihre Vormachtstellung bedroht sieht. Diese Praktiken werden zu einem gewissen grad durch die Bildung der Einheitsregierung sanktioniert. Genauso wird sanktioniert, dass ein unter Anklage stehender Premierminister die Regierungsgeschäfte führen kann. Der Beitrag von Michael Elm (FU Berlin, Minerva Institute for German History (Tel Aviv University)) stellt einige Hintergründe zur Bildung der Einheitsregierung im Kontext der Coronakrise vor. Außerdem geht er auf tieferliegende Probleme der israelischen Demokratie ein.
    In Polen nutzt die rechte Regierung die Pandemie, um ihre Macht weiter zu festigen und jegliche politische Opposition zu marginalisieren. Dies macht sie über eine autoritäre Transformation des Staates und einen Abbau von Demokratie.
    Der Beitrag von Jennifer Ramme (Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder)) stellt die wichtigsten Gesetzesinitiativen und Veränderungen seit Ausbruch der Krise vor. Sie untersucht, wie sich die politischen Machtverhältnisse seither verändert haben und zeigt, welche neuen Protestformen sowie Formen der Repression gegenüber Protestierenden entstanden sind.
    Moderation: Norma Tiedemann (Universität Kassel).
    Die Assoziation für kritische Gesellschaftsforschung (AkG) existiert seit 2004 als ein offener Zusammenschluss von Sozialwissenschaftler*innen aus dem deutschsprachigen Raum. Sie hat sich gegründet, um gesellschaftskritische Theorieansätze in einer Zeit weiterzuentwickeln, in der eben solche Ansätze an Hochschulen kaum noch Platz finden. Ihre digitale Diskussionsreihe zum Zustand der Welt in Zeiten von Corona steht allen interessierten Personen offen und findet immer mittwochs von 16 bis 17 Uhr via zoom statt. Links dazu finden sich unten. Außerdem können alle Ausgaben hier im Mosaik-Podcast nachgehört werden.
    https://akg-online.org/aktuelles/digitale-diskussionsreihe-der-akg-gesellschaftsforschung-zeiten-sozialer-distanzierung
    https://www.facebook.com/events/2740035702792470/
    55 min
  • SOS Balkanroute erhält Ute-Bock-Preis: „Wir sind nur Feuerlöscher“
    Die Initiative SOS Balkanroute ist die diesjährige Ute-Bock-Preisträgerin. Ein ausgezeichneter Anlass, drei der vielen Beteiligten zum Gespräch zu bitten: mosaik-Redakteurin Franziska Wallner unterhielt sich mit Petar „Pero“ Rosandić, auch bekannt als Rapper Kid Pex, Jasmin Dopfer, schon lange in der Geflüchtetenarbeit aktiv, und Kathi Simunic, die schon öfter bei den Spendenfahrten nach Bosnien dabei war und gerade einen Film über die EU-Grenzpolitik dreht.


    mosaik: Könnt ihr kurz erklären, was SOS Balkanroute ist und wie sich die Initiative entwickelt hat?
    Pero: Angefangen hat es im Sommer 2019, als Brigitte Holzinger aus Oberösterreich angerufen hat, um mehr über die Situation in Bosnien zu erfahren. Sie hatte auch Kontakt zu Dirk Planert, einem Flüchtlingshelfer aus Deutschland, der im Horror-Camp Vučjak die ehrenamtliche Ambulanz geleitet hat. Und dann haben wir einfach angefangen zu sammeln und sind die ersten Male ein bisschen naiv und dilettantisch nach Bosnien gefahren. Wir waren sehr eingenommen von den Eindrücken und schockiert, dass so nahe von Österreich so etwas passiert. Auf der Rückfahrt nach Österreich haben wir beschlossen, dass wir weiter machen. Mittlerweile waren wir acht Mal unten, das Ganze ist ziemlich gewachsen und es sind etliche Leute involviert. Wir sind also schon länger am Start, waren den ganzen Winter immer wieder dort und jetzt bekommen wir sogar den Ute-Bock-Preis. Alles ging sehr schnell.

    Jasmin: Wir können leider keine Lösung anbieten, wir sind nur Feuerlöscher. Aber es ist trotzdem gut, dass wir so viel bewegen konnten, gerade in der Corona-Krise. Seit Anfang der Krise konnten wir 13.000 Euro hinschicken. Das ist für uns eine beträchtliche Summe. Wir versuchen wirklich so breit wie möglich zu unterstützen, auch wenn es ein bisschen wie David gegen Goliath ist. Wichtig ist uns, dass wir die Helfer*innen vor Ort mit Hilfsgütern und auch mit Geldspenden unterstützen, sodass sie besser arbeiten können.
    Gab es in Bosnien schon Netzwerke, an die ihr andocken konntet?
    Kathi: Naja, in Bosnien gibt es ganz viele Einzelpersonen, die einen Job haben und nach ihrem Job nach Hause gehen und tausend Nachrichten von Leuten haben, die hungrig sind, die Schuhe brauchen, die keine Decke haben. Und diese Menschen fahren dann die ganze Nacht durch die Gegend und schauen, dass sie so gut es geht verteilen. Das machen sie seit Jahren. Weil die Organisationen, die vor Ort sind, wie IOM (International Organisation for Migration, Anm.) in den Camps zum Beispiel nur 60 Prozent der Menschen mit Essen versorgen. Es gibt keine Kleidung, die ausgeteilt wird, es gibt teilweise keine Duschen in den Camps. Die ganzen Organisationen kommen nur an, machen Fotos von den Menschen in der schrecklichen Situation und kassieren die Gelder dafür. Die Bosnier selber sind unglaublich herzliche Menschen, die wissen wie es ist in so einer Situation zu sein, weil der Krieg noch nicht so lange her ist. Das sind Leute, die anpacken und selber helfen. Aber über Jahre kann man das nicht stemmen.
    Was hat sich mit der Corona-Krise für die Geflüchteten in Bosnien und auch für eure Arbeit geändert?
    Jasmin: Es ist jetzt nochmals verschärft, weil die Leute in den Lagern eingesperrt sind, teilweise in Hallen ohne Tageslicht, und nicht genügend Essen bekommen. Viele hungern mittlerweile. Wir haben gerade Helfer*innen vor Ort, die versuchen, in diese Camps Essen reinbringen. Die müssen ganz lang mit den Instanzen reden, dass sie das überhaupt dürfen. Und wenn die Flüchtlinge rausgehen, dürfen sie nicht mehr zurück ins Camp und sind dann obdachlos auf der Straße. Es gibt ganz viele, die schon lange in leerstehenden Gebäuden leben. Unsere Helfer*innen vor Ort fahren dann hin und versorgen sie mit den notwendigsten Lebensmitteln. Sie graben sich ein Loch im Boden, machen eine Feuerstelle mit Gitterrost drüber und in einem Topf wird gekocht. Die ernähren sich von den Spenden,
    1 hr 2 min
  • Die Corona-Krise als Stunde der Autokraten: Brasilien, Thailand und die Philippinen
    Ein Mittschnitt der digitalen Diskussionsreihe der Assoziation für kritische Gesellschaftsforschung vom 13. Mai 2020.

    In der globalen Berichterstattung wurde zu Beginn von Corona angenommen, dass autoritäre Regierungen im Zuge der Pandemie in die Krise geraten würden. Die Annahme war: Populisten würden ‚demaskiert‘ und autoritäre Regierungen delegitimiert werden.
    Diese These diskutierten Caronlina Vestena (Universität Duisburg-Essen/Universität Kassel) und Wolfram Schaffar (Universität Tübingen) in der digitalen Diskussionsreihe der AkG vom 13. Mai. Dabei besprachen sie die Fälle Thailand, die Philippinen und Brasilien.
    Thailand und die Philippinen waren einst die Vorzeige-Demokratien in Südostasien. Heute sind sie Beispiele dafür, wie sich weltweit nach und nach autoritäre Regime ausbreiten. Thailand wird seit 2014 von einem Militärregime regiert; mit Duterte ist seit 2016 auf den Philippinen ein autoritärer Populist an der Macht. In Brasilien wiederum wird die Pandemie dadurch verschärft, dass das Land von einem rechtsextremistischen Präsidenten (nicht-)regiert wird. Neben einem Blick auf das aktuell katastrophale Krisenmanagement in Brasilien, wird besprochen warum Bolsonaro weiterhin auf eine loyale Anhängerschaft bauen kann.
    Die Assoziation für kritische Gesellschaftsforschung (AkG) existiert seit 2004 als ein offener Zusammenschluss von Sozialwissenschaftler*innen aus dem deutschsprachigen Raum. Sie hat sich gegründet, um gesellschaftskritische Theorieansätze in einer Zeit weiterzuentwickeln, in der eben solche Ansätze an Hochschulen kaum noch Platz finden. Ihre digitale Diskussionsreihe zum Zustand der Welt in Zeiten von Corona steht allen interessierten Personen offen und findet immer mittwochs von 16 bis 17 Uhr via zoom statt. Links dazu finden sich unten. Außerdem können alle Ausgaben hier im Mosaik-Podcast nachgehört werden.
    Moderation: Daniela Caterina (Huazhong University of Science and Technology Wuhan)
    https://akg-online.org/aktuelles/digitale-diskussionsreihe-der-akg-gesellschaftsforschung-zeiten-sozialer-distanzierung
    https://www.facebook.com/events/2676313935958970/
    50 min
  • Tag nach der Arbeit!
    Ein Mittschnitt des LinksTalks vom 25. April 2020.

    Schon zu Beginn der Corona-Maßnahmen wurden viele Menschen gekündigt. Manchmal mit dem vagen Versprechen sie wieder einzustellen. Die Kurzarbeit verlockt Unternehmen dazu, das AMS zahlen und die Menschen trotzdem weiterarbeiten zu lassen. Unterbezahlte, aber speziell qualifizierte Arbeitskräfte, z.B. für die Ernte und 24-Stunden-Pflege, werden eingeflogen oder mit Sonderzügen nach Österreich gebracht.
    Die Gehälter nach der Krise zu erhöhen steht nicht zur Diskussion. Arbeitszeit auf 30 Stunden zu reduzieren, wird auch nicht überlegt. Auch wenn so eine Maßnahme gegen die erwartete Massenarbeitslosigkeit wirken könnte. Auch demokratisch darüber zu entscheiden, was produziert wird und zu welchem Zweck, steht aktuell außer Frage. 160.000 Menschen sind momentan in Wien arbeitslos, 900.000 sind in Kurzarbeit. Dazu kommen noch tausende geringfügig Beschäftigte und unzählige undokumentiert-Arbeitende, die von den Härtefonds völlig ignoriert werden. Es wird im Herbst harte Arbeitskämpfe geben. Wird es gelingen, Vermögens- und Erbschaftssteuer zur Krisenbewältigung hegemonial durchzusetzen? Oder drohen stattdessen Nulllohnrunden und Mehrwertsteuererhöhung?

    Durch den Shutdown ist aber auch wieder ein Raum für größere Fragen entstanden:

    Ist ein Bedingungsloses Grundeinkommen denk- und wünschenswert? Und wenn ja, für alle gleichermaßen oder nur für bestimmte Gruppen? Wie könnte eine Care-Revolution aussehen? Und wie könnte sie die Gesellschaft nachhaltig und solidarisch verändern?
    Ist es ein Luxusthema, Lohnarbeit infrage zu stellen? Oder ist dies eine Voraussetzung dafür, Ausbeutung zu verstehen?
    Im LINKS-TALK „Tag nach der Arbeit“ vom 25. April, drehte sich die Diskussion um die Frage, wie „Arbeit“ besser verteilt, entlohnt und partizipativer gestaltet werden kann. In der heutigen Ausgabe des Mosaik-Podcasts freuen wir uns, die Inputs der vier Diskutant*innen zu senden.
    Die Wirtschafts- und Sozialhistorikerin Andrea Komlosy spricht über den gesellschaftlichen Hintergrund von Arbeit und wie sich dieser Hintergrund durch Corona und den Lockdown auf neue Weise zeigt.
    Der Sozialkybernetiker Peter Fleissner bietet danach eine Einschätzung zu möglichen Verläufen der Pandemie sowie Wege, diese zu überwinden. Die errechneten Dynamiken und Auswirkungen des Virus stellen dabei grundlegende Bedingungen für die Arbeit in Zeiten von Corona und danach dar.
    Der Kommunikationswissenschaftler Christian Fuchs war einer der Mitbegründer der Grundeinkommensgruppe bei Attac. In seinem Beitrag erzählt er von unterschiedlichen Modellen des Grundeinkommens und spricht sich für eine sozialistische Variante des Grundeinkommensaus.
    Zuletzt spricht die feministische Ökonomin Käthe Knittler in ihrem Beitrag über die Begriffe: Geld, Reproduktionsarbeit und Produktivität. Sie argumentiert, dass die Maßnahmen zur Bewältigung von Corona zu einer Art unfreiwilligen Reproduktionsstreik geführt hat. Dabei konnte zwar keine Arbeit niedergelegt werden, dafür wurde aber die Relevanz von Haus- und Sorgearbeit für alle sichtbar.
    Moderiert hat die Diskussion Kurto Wendt von Links.
    Das Wahlprojekt Links hat sich übrigens Anfang dieses Jahres gegründet, um bei den Wiener Gemeinderatswahlen 2020 anzutreten. Darüber hinaus arbeitet Links an dem Aufbau einer neuen linken politischen Organisation in Österreich. Bei den Wöchentlichen LinksTalks, die jeden Samstag stattfinden, werden Themen diskutiert die für die Wien Wahl relevant sind um dabei Aktuelle Forderungen für die Linke zu erarbeiten. Diese Diskussionen finden online statt und stehen allen interessierten Menschen offen. Links dazu finden sich unten. Außerdem können in Zukunft alle Ausgaben hier im Mosaik-Podcast nachgehört werden.
    https://www.facebook.com/events/921721595022030/
    45 min
  • Zur Kritik der politischen Ökonomie der EU in der Corona-Krise
    Ein Mittschnitt der digitalen Diskussionsreihe der Assoziation für kritische Gesellschaftsforschung vom 06. Mai 2020.

    Die Corona-Pandemie entwickelt sich zu einer weltweiten Wirtschaftskrise. In der EU droht eine Wiederholung der Eurokrise, denn die Eurozone ist heute noch fragiler als sie dies im Zuge der Krise von 2008 war. In Südeuropa wurde die Krise bis heute nicht überwunden, die institutionelle Reform der Architektur der Währungsunion war in den vergangenen Jahren blockiert. Mit Italien steht nun jenes Land im Fokus, in dem sich bereits vor der Corona-Pandemie die Widersprüche der ungleichen Entwicklung in Europa kumuliert und verdichtet haben.
    Felix Syrovatka diskutiert vor diesem Hintergrund Gefahren und Chancen, die auf progressive Akteure angesichts einer neuen Eurokrise zukommen könnten. Angela Wigger untersucht in ihrem Vortrag die Umverteilung von Steuergeldern im Zuge der Corona-Krise und deren gesellschaftliche Folgen. Die Not-Staatsbeihilfen umfassen schon jetzt gute zehn Prozent des Bruttosozialprodukts in der EU. Der Vortrag vergleicht die gegenwärtigen Maßnahmen mit dem austeritätspolitischen Krisenmanagement der EU in den Folgejahren nach 2008 und erörtert Handlungsspielräume für Protest und Alternativen.
    Die Moderation verdanken wir Tobias Boos.
    Die Assoziation für kritische Gesellschaftsforschung (AkG) existiert seit 2004 als ein offener Zusammenschluss von Sozialwissenschaftler*innen aus dem deutschsprachigen Raum. Sie hat sich gegründet, um gesellschaftskritische Theorieansätze in einer Zeit weiterzuentwickeln, in der eben solche Ansätze an Hochschulen kaum noch Platz finden. Ihre digitale Diskussionsreihe zum Zustand der Welt in Zeiten von Corona steht allen interessierten Personen offen und findet immer mittwochs von 16 bis 17 Uhr via zoom statt. Links dazu finden sich unten. Außerdem können alle Ausgaben hier im Mosaik-Podcast nachgehört werden.
    https://akg-online.org/aktuelles/digitale-diskussionsreihe-der-akg-gesellschaftsforschung-zeiten-sozialer-distanzierung
    https://www.facebook.com/events/2677128309184906/
    51 min

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