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By Hans-Christian Spengler und Thorsten A. SiefertNewsNews Commentary
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netkiosk.digital episodes

  • Unsere Wirtschaft

    Autor und Sprecher

    Elisabeth Siefert
    Thorsten A. Siefert

    Technik und Gestaltung

    Thorsten A. Siefert

    Foto von Burak The Weekender

    Schauen wir zunächst einmal auf die Konjunkturdaten. Sie zeigen uns, wie es um die wirtschaftliche Entwicklung steht. Einen guten Eindruck davon erhält man, wenn man das Bruttoinlandsprodukt mehrerer Jahre miteinander vergleicht. Es zeigt für jedes Jahr den Wert aller in einem Land erbrachten Dienstleistungen und produzierten Güter. Nach Corona hat sich die Wirtschaft nicht so erholt, wie erhofft. Im letzten Jahr betrug das Wachstum 1,8 %. Nach zwei Minusquartalen im Winterhalbjahr stagnierte es im letzten Quartal. Für das Gesamtjahr kann wohl – orientiert man sich an den Wirtschaftswaisen – ein Wachstum von 0,2 % angenommen werden.

    In unserem Radioprogramm MAG berichteten wir in den letzten beiden Wochen über weitere Indizes, die helfen die wirtschaftliche Entwicklung einzuschätzen. Der ifo-Geschäftsklimaindex bildet die Erwartungen der Unternehmen ab. Ein drittes Mal in Folge war er im Juni gefallen. Dann ist da die Inflation, gemessen wird sie mit dem Verbraucherpreisindex. Im Juni war dieser im Vergleich zum Vormonat noch leicht auf 6,4 % angestiegen, die Prognose für den Juli zeigt nun einen Wert von 6,2 %. Und auch die Zahl der Arbeitslosen ist in unserem Zusammenhang von Relevanz. Im Juli stieg sie leicht auf 5,7 % an.

    Die Gründe für diese insgesamt trostlose Entwicklung: Experten verweisen darauf, dass wir es nicht mit einem konjunkturellen Knick zu tun haben, dem man mit einem entsprechenden die Nachfrage ankurbelnden Programm entgegenwirken könnte. Sie machen die folgenden Faktoren für die derzeitige Situation verantwortlich: ein Übermaß an Bürokratie, einen Mangel an Fachkräften, zu hohe Energiepreise, Abgaben und Steuern.

    Im Detail: Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, rät dringend – während er das von der CDU geforderte Konjunkturprogramm als nicht problemlösend identifiziert – die folgenden Maßnahmen umzusetzen: Die Reduzierung der Bürokratie, eine Investitionsoffensive und eine Stärkung der Sozialsysteme, scheinen ihm geeignet, die strukturellen Probleme der Wirtschaft zu lösen. Langfristig wirkende Maßnahmen.

    Sebastian Dullien, er ist Chef des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung sieht zwei Problemfelder, bei denen dringender Handlungsbedarf besteht: Zum einen die Unsicherheit der Unternehmen bezogen auf die Entwicklung der Preise für Energie, zum anderen die Kaufzurückhaltung der Konsumenten. Dullien empfiehlt der Regierung, Klarheit bezüglich der Energiepreisentwicklung bis 2030 herzustellen und Superabschreibungen einzuführen. Mit diesen könnten Firmen ihre Investitionen schnell steuermindernd geltend machen. Das Problem der mangelnden Nachfrage, so meint der Experte, würde sich durch eine nachlassende Inflation und höhere Löhne gleichsam von selbst lösen.

    Viele weitere Fachleute unterbreiten zurzeit die unterschiedlichsten, zum Teil gleichen, zum Teil voneinander abweichenden Vorschläge zur Verbesserung der ökonomischen Lage. Wichtig für die Politik ist zweierlei: Sich nicht treiben zu lassen, sondern mit Besonnenheit Vorschläge zu prüfen und solche auswählen, die ein Maßnahmenpaket ergeben, das vor allem langfristig wirkt. Und was sie tunlichst unterlassen sollte, ist, hektisch irgendwelche Konjunkturprogramme zusammenzuzimmern, die eventuell kurzfristig wirken, aber die wirtschaftliche Lage des Landes über einen längeren Zeitraum nicht verbessern werden.

    4 min
  • Herr Haldenwang hat Recht!

    Autor und Sprecher

    Elisabeth Siefert
    Thorsten A. Siefert

    Technik und Gestaltung

    Thorsten A. Siefert

    Foto von Ingo Joseph

    Begonnen hatte alles vorletztes Wochenende. Nach dem Abschluss des ersten Teils des Parteitages der AfD teilte der Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz Thomas Haldenwang seinen Eindruck von der Veranstaltung mit der Öffentlichkeit. Er hielt fest, dass das bei der Auswahl von Kandidaten für die Europawahl Personen aus dem gemäßigten Lager der Partei kaum mehr berücksichtigt wurden. Unterschiedliche Bewerber für eine mögliche Kandidatur hätten rechtsextreme Verschwörungstheorien geäußert.

    Als Beispiel nannte Haldenwang die Idee des sog. „Großen Austausches“. Dabei handelt es sich um ein Narrativ der Neuen Rechten. Es geht auf den französischen Autoren Ranaud Camus zurück und besagt, dass die Einwanderung von Menschen aus Afrika sowie wie dem Nahen und Mittleren Osten geplant sei. Die sich dadurch verändernde Bevölkerungsstruktur in Europa würde schließlich zu einer entwurzelten Masse führen. Eine solche Situation wäre für nicht genauer benannte Eliten, die weltweit agierend vor allem auf Profit aus seien, von großem Vorteil. 

    Die Äußerung Haldenwangs, sie führte dazu, dass die AfD beim Verwaltungsgericht Köln vorstellig wurde und in einem Eilantrag verlangte, dass der Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz solche Stellungnahmen an diesem, also dem letzten Wochenende und auch darüber hinaus unterlassen möge. Das Bundesamt gab der Kammer daraufhin freiwillig eine bis zum Ende des AfD-Parteitages begrenzte Stilhaltezusage, wie man betonte aus „Respekt vor dem Gericht“. 

    Am Montagmorgen war diese Frist dann abgelaufen. Haldenwang wiederholte in einem Gespräch mit dem ARD-Hauptstadtstudio seine Kritik an der AfD und verwies auf ein klar erkennbares ethnisches Volksverständnis. Er bezog sich dabei erneut auf die von Parteimit-gliedern in der Öffentlichkeit vertretene Idee des „Großen Austausches“. Haldenwang betonte, dass damit die im Grundgesetz verankerte Garantie auf Menschenwürde für bestimmte Bevölkerungsgruppen in Frage gestellt werden würde. Der Präsident des Verfassungsschutzes stellte klar, dass die Information der Öffentlichkeit über mögliche Gefährdungen für die freiheitliche demokratische Grundordnung eine wichtige Aufgabe zur Verteidigung derselben sei und zu seinem gesetzlichen Auftrag gehöre.

    Herr Haldenwang hat Recht. Wenn unsere Demokratie gefährdet, ihr Fortbestehen gar bedroht ist, muss das thematisiert werden. Dies scheint mir eine wichtige Obliegenheit für alle am meinungsbildenden Prozess beteiligten Gruppen zu sein. Im Falle der AfD heißt das, sie und ihre Vorhaben genauer anzuschauen, diese sachrichtig mit ihren Konsequenzen in einer breiten Öffentlichkeit zu erklären und objektiv aufzuzeigen, warum die Partei ins rechte Spektrum einzuordnen ist und was das konkret bedeutet. Dabei sollten sich alle Beteiligten, dies erscheint mir wichtig, um die Verwendung einer barrierefreien Sprache bemühen.

    4 min
  • Gedenken

    Autor und Sprecher

    Elisabeth Siefert
    Thorsten A. Siefert

    Technik und Gestaltung

    Thorsten A. Siefert

    Foto von Rap Dela Rea auf Unsplash

    Es gibt Ereignisse, die man nicht vergisst. Ereignisse, die in unserem kollektiven Gedächtnis haften geblieben sind, an die wir uns immer wieder erinnern. Gestern war der 6. August 2023. Der Abwurf einer Atombombe auf die japanische Stadt Hiroshima jährte sich damit zum achtundsiebzigsten Mal. Überall auf der Welt gedachten Menschen dieser schrecklichen Katastrophe. Binnen Sekunden waren 80% der Stadt zerstört, die Zahl der Getöteten wird heute auf ca. 140.000 Menschen geschätzt. Furchtbares Leid unmittelbar nach der Katastrophe, aber auch Jahre und Jahrzehnte später.

    In Hiroshima selbst wurde an das Ereignis um 8.15 Uhr am Sonntagmorgen erinnert. Das war der Zeitpunkt des Abwurfs der Bombe über der Stadt. Mit dem Schlagen gegen die Friedensglocke, umgeben von einem Wasserbecken mit Lotusblumen, gedachte man der Opfer zunächst mit einer Schweigeminute. In seiner Rede bei der anschließenden Gedenkfeier sagte der japanische Ministerpräsident Kishida, dass Japan sich weiter für eine Welt ohne Atomwaffen einsetzen werde. Der Weg zu diesem Ziel sei allerdings aufgrund internationaler Spannungen und der nuklearen russischen Bedrohung noch gefährlicher geworden.

    Auch in Deutschland gedachte man gestern der Katastrophe von 1945. In Hannover wurden die Veranstaltungen zu diesem Ereignis zentral mit dem Läuten der Friedensglocke eingeleitet. Diese befindet sich in der Ruine der durch den 2. Weltkrieg zerstörten Aegidenkirche. Darüber hinaus gab es  eine Trauer-Teezeremonie und einen Gottesdienst in der Marktkirche. Am späten Abend wurden im Park der Partnerstädte – Hannover und Hiroshima sind seit 40 Jahren durch eine Städtepartnerschaft verbunden  – Papierlaternen am Maschteich ausgesetzt. Auch in Magdeburg, Heilbronn, Ellwangen, dem nordrhein-westfälischen Nörvenich im Kreis Düren sowie in vielen weiteren Städten fanden Gedenkveranstaltungen statt.

    Ein Blick in die Gegenwart zeigt, dass ein Zurückschauen auf ein solch furchtbares Ereignis wichtiger denn je ist. Im Juni teilte das Friedensforschungsinstitut Sipri mit, dass alle neun Atommächte die nukleare Aufrüstung weiter vorantreiben und ihren Bestand an entsprechenden Kampfmitteln modernisieren. Die USA, Russland, Groß-Britannien, Frankreich, China, Indien, Pakistan, Nordkorea und Israel verfügen über diese unglaublich gefährlichen Massenvernichtungswaffen. Nach Schätzungen von Sipri sind 9.500 der aktuell vorhandenen nuklearen Sprengköpfe einsatzbereit, rund 2.000 davon – sie gehören Russland und den USA – befänden sich in hoher Alarmbereitschaft.

    Im Jahr 2022 waren 56 Staaten auf dieser Welt in Kampfhandlungen eingebunden, laut Schätzungen des Friedensforschungsinstituts lag die Zahl der kriegs- und konfliktbedingten Todesopfer bei 147.609 Menschen. Wir leben in einer sehr unsicheren Zeit und bewegen uns am Rande eines alles andere als erloschenen Vulkans. Es ist gefährlicher geworden auf diesem Planeten.

    4 min
  • Rückschau KW 31

    Autor und Sprecher

    Elisabeth Siefert
    Thorsten A. Siefert

    Technik und Gestaltung

    Thorsten A. Siefert

    Foto von Mike Erskine auf Unsplash

    Musik und unsere Episoden der KW 31

    41 min
  • Übergriffe

    Autor und Sprecher

    Elisabeth Siefert
    Thorsten A. Siefert

    Technik und Gestaltung

    Thorsten A. Siefert

    Foto von Markus Spiske auf Unsplash

    Am 23. Juli dieses Jahres meldete dpa, dass es im sächsischen Ort Sebnitz zu einem Überfall auf eine Flüchtlingsunterkunft gekommen war. Gewaltsam hatten sich insgesamt vier maskierte Männer Zutritt zu der Einrichtung verschafft. Zwei von ihnen betraten das Haus sodann und wendeten gegenüber zwei Bewohnern im Alter von 18 und 16 Jahren Gewalt an. Zudem riefen sie rassistische Parolen. Das Hinzukommen eines weiteren dort untergebrachten Flüchtlings sorgte dafür, dass die Täter die Flucht ergriffen. Während der 16jährige keine medizinische Hilfe benötigte, musste der 18jährige ambulant behandelt werden. Mittlerweile konnte einer der beiden Täter identifiziert werden.

    Osman Oguz vom Sächsischen Flüchtlingsrat machte deutlich, dass es sich bei der Gewalttat um keinen Einzelfall handelt. Der Webseite MIGAZIN sagte sie, dass das in Sebnitz Geschehene im Einklang mit rassistischen Vorfällen und gesellschaftlichen Tendenzen stehe, die der Flüchtlingsrat insbesondere in einigen Stadtteilen von Großstädten und in ländlichen Regionen Sachsens seit einiger Zeit beobachte. Weiter sprach Oguz davon, dass verbale Angriffe gegenüber Geflüchteten immer mehr zur Normalität werden würden.

    Gestern teilte die Bundesregierung, übrigens auf Anfrage der Linksfraktion, mit, dass die Übergriffe auf Flüchtlingsunterkünfte im Vergleich zum Vorjahr zugenommen haben. Ins-gesamt hat man 80 solcher politisch motivierten Straftaten, gemeint sind hier Überfälle, Anschläge, Sachbeschädigungen und auch tätliche Angriffe bis Mitte Juli gezählt. Dabei wurden insgesamt 39 Menschen verletzt, vier von ihnen waren Kinder.  Fast alle Tatverdächtigen sind dem rechten Spektrum zuzuordnen.

    Wer in unserem Land Schutz sucht, darf alles andere als das hier Beschriebene erwarten. Die Haltung gegenüber Flüchtlingen von Teilen der deutschen Bevölkerung, sie wird immer unerträglicher. Ursache dafür ist neben einer bei einigen leider verfestigten rechten Gesinnung die Art und Weise, wie politische Themen wie das Asylrecht und die Verschärfung der Abschieberegulierungen in der Öffentlichkeit von Politikern behandelt, besprochen werden. Hilfreich ist in diesem Kontext auch nicht, dass die CDU und ihre Schwesterpartei CSU versuchen, Wähler aus dem rechten Lager zu gewinnen. Demokratische Parteien sollten wissen, dass das der falsche Weg ist. Es ist jetzt an der Zeit, dass alle politischen Kräfte zusammenstehen und deutlich machen, dass ein „Nach-rechts-rücken“ in diesem Land keine Option ist.

    Das Recht auf Asyl steht nicht ohne Grund in unserer Verfassung. Aus dem in der Geschichte Geschehenen ergibt sich die ganz besondere Verpflichtung der Deutschen, Menschen, denen nichts anderes übrigblieb als ihr Zuhause zu verlassen und die alles aufgeben mussten, Zuflucht, Schutz und Unterkunft zu gewähren. Was sie hier auf keinen Fall erwarten darf, sind Beschimpfungen und Übergriffe bis hin zum gewaltsamen Eindringen in die Unterbringungseinrichtungen. Ich schäme mich zutiefst für ein Land, in dem so etwas geschieht.

    4 min
  • Eine SMS

    Autor und Sprecher

    Elisabeth Siefert
    Thorsten A. Siefert

    Technik und Gestaltung

    Thorsten A. Siefert

    Foto von LinkedIn Sales Solutions auf Unsplash

    Lohn und Gehalt, sie finden in vielen Fällen zum Monatsanfang ihren Weg auf unsere Konten. Und wenn wir keiner Arbeit nachgehen, dann können wir doch damit rechnen, dass das notwendige und viel zu geringe Bürgergeld wenigstens pünktlich zur Verfügung steht. Nun stellen Sie sich bitte vor, das Konto wird nicht wie erwartet befüllt. Vielleicht hat der eine oder andere von Ihnen das schon einmal erlebt, in den meisten Fällen klärt sich ein solches Problem innerhalb kürzester Zeit. Dennoch, der Schreck ist erstmal groß und wer über keinen Dispositionskredit verfügt, bei Beziehern von Sozialleistungen ist das tendenziell eher zu erwarten, kommt ganz schön ins Rudern. Denn monatlich wiederkehrende Verpflichtungen, wie zum Beispiel die Strom- und Handyrechnung oder der fällige Betrag für das ÖPNV-Ticket wollen beglichen sein. Und wenn deren Abbuchung nicht erfolgen kann, ist das alles andere als ein gutes Gefühl und sorgt für Schwierigkeiten.

    Sehr problematisch wird es dann, wenn das erwartete Geld überhaupt nicht eintrifft und voraussichtlich nie wieder eintreffen wird. Wie soll es dann weitergehen? Diese Frage stellten sich schon Ende letzter Woche 169.000 italienische Haushalte, die per SMS darüber informiert wurden, dass sie im August kein Bürgergeld mehr erhalten, dieses sei ausgesetzt. Nun war diese Maßnahme zwar bereits im Mai im Rahmen eines nicht zu Unrecht umstrittenen umfangreichen Gesetzespaketes durch die neofaschistische Regierung Italiens beschlossen und auch in den Medien veröffentlicht worden, aber offenbar realisierten die davon Betroffenen deren Folgen erst nach dem Empfang der Kurznachricht auf ihrem Handy.

    Dabei geht es um Menschen, die auf diese Transferleistung angewiesen sind. Nur solche Haushalte, in denen behinderte Bürger, Minderjährige oder Personen im Alter über 65 Jahren leben, erhalten die Unterstützung noch in Form einer Bonuskarte für bestimmte Lebensmittel. Der Gegenwert beläuft sich auf 382 €.  Alleinstehende ohne Kinder und Menschen ohne Arbeit, sie gehen nun erst einmal leer aus. Ggf., so stand es in der SMS, wäre eine Übernahme der ausfallenden Leistungen durch die Sozialdienste möglich. Das aber hängt davon ab, ob man die Betroffenen als arbeitsunfähig klassifizieren wird. Näheres soll nach der Sommerpause geklärt werden.

    Die Reaktionen im Land auf die Ankündigung der Maßnahme, sie waren heftig. Vertreter der Nicht-Regierungsparteien sprachen von einer Sozialbombe. Auch Forderungen nach der sofortigen Rücknahme des Zahlungsstopps wurden laut, Gewerkschaften riefen zu Protesten auf. Es ist eher fraglich, ob das die neofaschistische Meloni-Regierung in Italien beeindruckt. Diese argumentiert, dass das Bürgergeld für jene, die es bislang bezogen haben, keinen ausreichenden Anreiz bietet, arbeiten zu gehen.

    Ein demokratischer Sozialstaat zeigt seine Qualität dadurch, wie er mit den Schwächsten der Gesellschaft umgeht, also unter anderem auch mit jenen, denen es nicht gelingt, ein eigenes Einkommen zu erwirtschaften. Eine staatliche Unterstützung muss es den Beziehern erlauben, ein menschwürdiges Leben in Teilhabe führen zu können. Nichts anderes sehen auch die Vorgaben der EU vor. Festgelegt hat man, dass die Grundsicherung mindestens 60 % des nationalen mittleren Einkommens entsprechen soll. Fast alle Mitgliedsländer verfehlen dieses Ziel, weil man sich bei der Berechnung an Minimalieinkünften orientiert. Das erscheint mir nicht ausreichend. Sozialleistungen komplett zu streichen und deren Bezieher per SMS davon in Kenntnis zu setzen, wie jetzt in Italien geschehen, nimmt den häufig ohnehin bereits gesellschaftlich ausgegrenzten Betroffenen ein weiteres Stück ihrer Menschenwürde.

    4 min
  • Wetterretrospektive

    Autor und Sprecher

    Elisabeth Siefert
    Thorsten A. Siefert

    Technik und Gestaltung

    Thorsten A. Siefert

    Foto von Johannes Plenio

    Warum nicht über das Wetter reden? Eigentlich habe ich keinen Grund mich zu beschweren. Ich mag – und meine dies an anderer Stelle hier auch schon erwähnt zu haben – den Sommer nicht. Hohe Temperaturen am Tag, häufig kaum Abkühlung in der Nacht. Für jemanden wie mich, der ausgesprochen adipös ist und darüber hinaus eine Reihe weiterer gesundheitlicher Herausforderungen mit sich herumschleppt, ist in den Monaten Juni bis August – dem meteorologischen Sommer also – jedes Grad weniger ein Geschenk. Zumindest in den letzten beiden Wochen des Julis war das auch so. Angenehme, herbstliche Temperaturen am Tag, in der Nacht kühl.

    Ich also bin im Sommerglück, viele andere allerdings nicht. Das verstehe ich gut, besonders wenn es um Kinder geht, die ja jetzt Ferien haben und zurzeit vermutlich vor ihrer Spielekon-sole hocken, anstatt das jahreszeitlich adäquate Freibad und den heimischen Baggersee täglich zu frequentieren. Die Not der Eltern, ihren Nachwuchs angemessen zu entertainen, diese wird erheblich sein, besonders wenn sie arbeiten müssen. Sollten die Großen Urlaub und damit Zeit für die Kleinen haben, dann ist doch irgendwann der Vorrat an und die Lust auf Museen sowie sonstige Indoor-Belustigungseinrichtungen erschöpft. Ich drücke die Daumen fürs Durchhalten und immer neue Ideen.

    Zurück zum Wetter an sich: Mit dem Beginn eines neuen Monats erfreut uns der Deutsche Wetterdienst gerne mit einer ausführlichen Analyse des Geschehens im Vormonat. Da der August gestern begann, war es also genau dafür wieder Zeit.

    In der Gesamtschau war der Juli zu nass und – darauf wäre ich besonders nach den letzten beiden Wochen nicht gekommen – tatsächlich auch zu warm. Bezogen auf die Referenzperiode von 1961 bis 1990 lag die Temperatur im vergangenen Monat 1,8 Grad Celsius über dem langjährigen Mittel. Zieht man die schon deutlich wärmere Periode von 1991 bis 2000 zum Vergleich heran, ergibt sich immerhin noch ein Plus von 0,4 Grad Celsius.

    Und tatsächlich war es in den ersten beiden Dritteln des Julis auch sehr warm. Schauen Sie mal in unser Podcast-Archiv. In Today‘s Day vom 17.07. blickte ich auf das bislang heißeste Wochenende im Juli bei uns zurück, an dem Temperaturrekorde gebrochen wurden. Wie schnell man so etwas vergisst. Kühler wurde es dann erst im letzten Drittel des vergangenen Monats.

    Kommen wir zum Regen. Von dem gibt es im Moment reichlich. Wenn wir wieder die Refererenzperiode von 1961 bis 1990 heranziehen, dann liegen wir im Bereich der Niederschläge bei knapp 30 % über dem langjährigen Mittel. Problematisch war und bleibt, dass das kühle Nass zunehmend in Unwettergeschehen eingebettet den Weg zum Boden findet. Gewitter und Starkregen machten und machen in so mancher Region den Menschen zu schaffen.

    Und der August? Vorhersagen über mehrere Tage hinaus haben sich als meist unzutreffend erwiesen. Zunächst einmal, soviel kann man wohl sagen, wird es in den nächsten 10 Tagen noch regnerisch und recht kühl bleiben. Je nach Region im Land sind dann auch wieder, zumindest für einen Teil des kommenden Monats, ein paar wärmere Tage zu erwarten. Belassen wir es bei dieser vagen und groben Einschätzung, mehr Verlässlichkeit bietet hier dann doch der tägliche und damit aktuelle Wetterbericht.

    4 min
  • Die Ticket-Zwischenbilanz

    Autor und Sprecher

    Elisabeth Siefert
    Thorsten A. Siefert

    Technik und Gestaltung

    Thorsten A. Siefert

    Foto von Mike Erskine auf Unsplash

    Wenn Sie alleinstehend sind, beläuft sich der Betrag auf 502 € monatlich. 10% davon fehlen ihnen, wenn sie sich für den regelmäßigen Kauf eines 49 €-Tickets entscheiden. Für jemanden, der Bürgergeld bezieht, ist das ein nicht unerheblicher Teil seines Einkommens. Bevor wir hier also vom Erfolg des Super-Fahrscheins sprechen, möchte ich angemerkt wissen, dass man sich diesen – trotz des unschlagbaren Preis-Leistungs-Verhältnisses – auch leisten können muss. Vollkommen natürlich ergibt sich daraus für mich die Konsequenz, dass Menschen, die von Transferleistungen des Staates leben, den Fahrausweis kostenlos erhalten sollten, ohne etwa einen Antrag auf einen Zuschuss zum Kaufpreis als Ergänzung des Regelbedarfsanteils für fremde Verkehrsdienstleistungen stellen zu müssen, der nur in begründeten Ausnahmefällen genehmigt wird. Der soeben verwendete Verwaltungsfach-begriff sowie das gesamte Verfahren entsprechen nicht meiner Vorstellung von barrierefreier Teilhabe. Und damit wir uns richtig verstehen: Auch wer wenig verdient oder eine geringe Rente bezieht, sollte meines Erachtens den begehrten Monatsfahrschein kostenlos erhalten können.

    Das vorausgeschickt, kann man beim 49 €-Ticket zunächst einmal von einem Erfolg sprechen. Die Bahn jedenfalls sieht das so. Evelyn Palla, bei dem Unternehmen leitend verantwortlich für DB-Regio, berichtet von einem Fahrgastanstieg im Monat Juni. Im Vergleich zum April dieses Jahres habe man einen Zuwachs von 25 % an Fahrgästen verzeichnen können. In einem Gespräch mit dem Redaktionsnetzwerk Deutschland wies Palla darauf hin, dass das Nutzungsprofil zum Teil dem des letzten Sommers, als es das 9€-Ticket für wenige Monate gab, entspreche. Gerade während der Ferien werde der günstige Fahrschein häufig verwendet, um Ausflugsziele zu erreichen.

    Die Politik, namentlich der Bundesverkehrsminister, spricht von einem Riesenerfolg. Die Zahl derer, die den ÖPNV im Land nutzen, sie sei um eine Million angestiegen. Und diese Neu-Fahrgäste nutzen das Ticket nicht nur zu besonderen Anlässen, sondern auch im Alltag. Menschen, die man offenbar für das Nahverkehrsangebot hat gewinnen können. Wissing betont im Übrigen, dass sich der vergünstigte Fahrschein gerade auf dem Lande lohne und eine preiswerte Alternative zu teuren Monats- oder Einzeltickets darstelle. Das ist richtig, allerdings müssen auch ausreichend attraktive Verbindungen vorhanden sein, damit sich die Nutzung des ÖPNV auszahlt. In ländlichen Regionen ist dies nicht immer der Fall.

    Ein Erfolgsmodell ist das 49-Euro-Ticket sicherlich auch bei den Schülern. In Rheinland-Pfalz erhalten sie ganzjährig anstatt des auf eine Destination begrenzten Monatsfahrscheins jetzt auch das beliebte Ticket, mit dem sie in jeden Winkel der Republik reisen können. An Wochenenden und gerade jetzt während der Ferien die Welt jenseits der zwei Bushaltestellen im Dorf entdecken, das scheint mir mehr zu sein als nur ein Zugewinn an Mobilität.

    Skeptisch, dies bedarf noch der Erwähnung, sieht der Fahrgastverband Pro-Bahn die ganze Angelegenheit. Viele Menschen habe man nicht für den ÖPNV gewinnen können, immerhin sei aber dessen Nutzung nunmehr billiger und einfacher. Außerdem mahnt man von Seiten des Verbands den notwendigen Ausbau der Infrastruktur an.

    Bleibt noch die Frage: Wie geht es weiter? Helmut Dedy, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städtetages, weist darauf hin, dass die Finanzierung des 49 €-Tickets nur für dieses Jahr aber nicht darüber hinaus gesichert sei. Entsprechende Kostenzusagen vom Bund und den Ländern für kommende Jahre würden noch fehlen. Zudem müsse der ÖPNV durch eine Verbesserung des Angebots von Verbindungen und eine ausreichende Zahl an Fahrzeugen insgesamt attraktiver gemacht werden. Da hat Herr Dedy ganz sicher Recht.  

    Kurzbeitrag MAG:

    Hurra, die Lebensmittel werden teurer. Einige zumindest. Neun ausgewählte Produkte sind in dieser Woche bei Penny zu einem Preis erhältlich, welcher auch die Kosten berücksichtigt, die jenseits der unternehmerischen Kalkulation anfallen. Beispiele: So kosten die Käsescheiben nicht mehr 2,19 €, sondern 3,70 €, den Fruchtjogurt erhält man für 1,64 € statt 1,19 €.

    Aufgeschlagen auf den Preis wird hier eine sogenannte Umweltpauschale, die auch Kosten beinhaltet, die zum Beispiel durch den Verbrauch natürlicher Ressourcen, Überdüngung oder auch Luftverschmutzung entstehen. Wer nachvollziehen möchte, woraus genau die Preiserhöhung sich ergibt, dem sei ein Besuch der Webseite des Unternehmens empfohlen, auf welcher erklärt wird, wie bei der Berechnung vorgegangen wurde.

    Grundsätzlich ist es eine gute Idee, wirklich alle Kosten umfassend in die Preiskalkulation mit einzubeziehen. Der Discounter macht auch deutlich, dass je nach Produkt – vegan oder nicht – und Art der Herstellung – konventionell oder Bio – mehr, mitunter aber auch eben nicht viel mehr auf den Preis aufgeschlagen werden muss. Aber wie geht es nach dieser Woche weiter? Wie schnell werden wir vergessen, warum Waren teurer waren?  Schön wäre, wenn etwas mehr als nur der Name des Lebensmittelhändlers von dieser Aktion in Erinnerung bliebe. Man mag hoffen.

    5 min
  • Offene Lehrstellen im Land

    Autor und Sprecher

    Elisabeth Siefert
    Thorsten A. Siefert

    Technik und Gestaltung

    Thorsten A. Siefert

    Foto von Sora Shimazaki

    Morgen geht es los. Oder am 1. September. Ein neues Ausbildungsjahr beginnt und damit vollzieht sich für viele junge Menschen, die bisher die Schule besuchten, der Übergang in  das Berufsleben. Doch nicht alle Absolventen des aktuellen Jahrgangs starten jetzt in die Lehre. Die Gründe sind mannigfaltig: Ein höherer Bildungsabschluss wird angestrebt, die Bereitschaft einen längeren Arbeitsweg in Kauf zu nehmen ist nicht vorhanden, im Wunschberuf gibt es keine freien Stellen mehr oder das Abschlusszeugnis der Schule weist nicht das dafür erforderliche Notenprofil auf. Vielleicht ist jemand auch noch nicht für eine Ausbildung bereit.

    All jene, die sich noch aktiv auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz befinden, haben gute Chancen dabei erfolgreich zu sein: Laut Statistik der Bundesagentur für Arbeit waren im Juni noch 250.000 Lehrstellen unbesetzt. Die Zahl der potenziellen Bewerber hingegen war deutlich geringer. Das zeigte sich in den vergangenen Monaten auch dadurch, dass Unternehmen aktiv Werbung für die betriebliche Ausbildung betreiben mussten, da interessierter Nachwuchs schlichtweg fehlt.

    Wer Verkäufer werden möchte, für den stehen die Chancen gut. Hier gab es Ende des letzten Monats noch annährend 40.000 Ausbildungsplätze, die unbesetzt waren. Auch in anderen Branchen kann man problemlos unterkommen: Aus den Bereichen Lagerwirtschaft, Metall, Bau und Fahrzeugführung werden noch freie Lehrstellen gemeldet. Und allein im Handwerk waren 36.000 Ausbildungsplätze nicht besetzt.

    Wer jetzt noch auf der Suche nach einer Lehre ist, sollte etwas finden können. Allerdings: Wenn die Qualifikation nicht ausreicht oder alle raren Ausbildungsplätze im Wunschberuf bereits vergeben sind, dann muss man flexibel sein und sich vielleicht über vergleichbare Berufsbilder informieren. Eventuell besteht die Möglichkeit unter Inkaufnahme eines längeren Arbeitsweges in größerer Entfernung vom Wohnort einen Ausbildungsplatz im favorisierten Beruf zu bekommen.  

    In all diesen Fragen lohnt es sich sicher, Beratung bei der Bundesagentur für Arbeit oder bei den an vielen Schulen tätigen fantastischen Jobfüxen einzuholen, die ja eng mit den Betrieben vor Ort vernetzt sind und deshalb bei der Vermittlung helfen können.

    Für jene, die es noch möchten und die notwendige Beweglichkeit mitbringen, sind die Chancen in diesem Jahr – das kann auch nach dem 1. September sein – eine Ausbildung zu beginnen sehr gut, wenn man die Zahlen von Ende Juni in Betracht zieht. Seitdem wurden natürlich viele Stellen besetzt, aber rein rechnerisch muss es nach wie vor mehr als ausreichend freie Plätze geben. Wie die Entwicklung im Juli genau verlaufen ist, wird die Bundesagentur für Arbeit schon morgen mitteilen können.

    Im nächsten Jahr, das entsprechende Gesetz wurde Anfang des Monats vom Bundesrat gebilligt, wird es – gerade auch für jene, die sich aus unterschiedlichen Gründen schwertun eine Lehrstelle zu finden – eine Ausbildungsgarantie geben. Zurzeit haben nach Angaben der Bundesregierung 1,6 Millionen Menschen im Alter von 20 bis 29 Jahren keine abgeschlossene Berufsausbildung. Unterschiedliche Maßnahmen, wie zusätzliche Beratung, weitere Unterstützung bei der Berufsorientierung durch zum Beispiel Praktika und auch ein Mobilitätszuschuss sollen dabei helfen, jungen Menschen den Übergang in die Ausbildung zu erleichtern. Das sind gute Nachrichten.

    4 min
  • Rückschau KW30

    Autor und Sprecher

    Elisabeth Siefert
    Thorsten A. Siefert

    Technik und Gestaltung

    Thorsten A. Siefert

    Foto von Mike Erskine auf Unsplash

    Unser Rückblick auf die vergangene Kalenderwoche mit viel Musik.

    45 min

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