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Autor und Sprecher
Technik und Gestaltung
Foto von Marissa Grootes auf Unsplash
In NRW begannen sie gestern. Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Bremen, dann Hamburg, Berlin, Schleswig-Holstein, ganz zum Schluss wie immer Baden-Württemberg, schließlich Bayern. Die Bundesrepublik, sie schaltet Bundesland für Bundesland in den Sommerferien-modus um: Endlich keine Schule, Erholung für Kinder und deren Eltern, auch für Lehrer. Abstand vom Bildungsbetrieb. Verdient. Je nach verfügbarem Urlaub der Eltern werden Reisen gebucht. Gerne in die Ferne, fliegen dorthin, wo zuhause ganz weit weg ist. Dumm nur, dass die Fluggesellschaften und Touristikunternehmen die Ferienzeiten sehr genau kennen und ihren Vorteil daraus ziehen: Werden die Schulen geschlossen, ziehen die Preise deutlich an.
Kein Problem, dann fahren wir eben ein paar Tage früher. In den letzten Wochen passiert in den Bildungsfabriken nicht mehr sonderlich viel, diesen Eindruck jedenfalls müssen die Eltern haben. Tatsächlich geben sich Schulen große Mühe, die Zeit bis zu den Zeugnissen mit interessanten Veranstaltungen zu füllen: Wandertage, Museumsbesuche, ganze Projektwochen werden geplant und durchgeführt. Kurz: Schule betreibt mitunter einen enormen Aufwand bei der Gestaltung des Übergangs hin zu den Ferien. Bei vielen Sorgebe-rechtigten hinterlässt das offenbar keinerlei Eindruck. Man fliegt los, wenn es günstig ist, vor Ferienbeginn.
Peter Meidinger, er ist der Präsident des Deutschen Lehrerverbands, brachte es jetzt in einem Gespräch mit dem Redaktionsnetzwerk Deutschland auf den Punkt. Die Abwesenheiten der Schüler vor dem Start in die Sommerpause, sie sind auffallend. Etwa 2 bis 2,5 Prozent der Schulpflichtigen fehlen. Die Eltern ermahnte er kein schlechtes Vorbild für ihre Kinder zu sein, wenn es darum gehe, staatliche Regeln einzuhalten.
Das NRW-Schulministerium ist da sehr deutlich. Beurlaubungen, so steht es auf der Webseite des Bildungsressorts, um einen günstigen Ferienflieger zu bekommen seien nicht zulässig. Die Schulpflicht, sie gelte, auch kurz vor und nach den Ferien.
Der Kölner Stadtanzeiger war es, der zu Beginn der Woche darüber berichtete, was Eltern drohen kann, wenn sie sich nicht an die eindeutig kommunizierten Regeln halten. Für NRW gilt, so berichtet die Zeitung, dass Schulen nicht genehmigtes Versäumen an die zuständige Bezirksregierung melden können, die dann ein Bußgeldverfahren einleitet. Mit 155 € ist man mit Fehlzeiten bis zu 10 Tagen dabei. Bis zu 1.000 € Bußgeld bei längerer Abwesenheit sind möglich.
Entfernen wir uns von dem Ferienthema. Vielmehr geht es doch darum: Eine menschliches Miteinander fußt auf Übereinkünften, Strukturen und Regeln, die Menschen sich geben und deren Einhaltung sie vereinbaren. Nur so funktioniert ein Miteinander. Im Kleinen wie im Großen, in der Partnerschaft wie im Staat. Wenn jeder sich nimmt, was er glaubt, dass ihm zusteht, zerfällt Gemeinschaft. Es fängt klein an: Das Einhalten der Ferienzeiten, das Beachten der Regeln beim Anstehen im Supermarkt oder beim Parken im Parkhaus. Passen wir nicht auf, und wir sind gerade dabei unaufmerksam und ignorant zu werden, dann verlegt sich die Inakzeptanz des einmal Verbarten ins Große. Wollen wir das?
Autor und Sprecher
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Foto von Element5 Digital
An der Grenze zu Bayern, genauer an der zu Oberfranken, liegt der thüringische Landkreis Sonneberg, in der gleichnamigen Stadt ist auch der Verwaltungssitz der Kommune. Am 11. Juni sollte ein neuer Landrat gewählt werden. Der Amtsinhaber, Jürgen Köpper von CDU, stellte sich neben einem Kandidaten der AfD, einer gemeinsamen Bewerberin der Linken und Grünen sowie einer Parteilosen zur Wahl. Schon vorher diskutierte man im Land einen durchaus wahrscheinlichen Wahlausgang zum Vorteil der AFD. Deren Kandidat Robert Sesselmann jedoch, er verpasste knapp die Mehrheit, fast 47 Prozent der Wähler votierten für ihn. Der bisherige Landrat der CDU, Jürgen Köpper, erhielt knapp 36 %. Diesen Sonntag kommt es nun zur Stichwahl zwischen den beiden. Wird Sonneberg der erste Landkreis der Bundesrepublik mit einem Landrat, der Mitglied der AfD ist?
CDU-Mann Köpper, so berichtet es der MDR, ist ein erfahrener Kommunalpolitiker, der in den vergangenen Jahren engagiert für seinen Landkreis gearbeitet und zur Bewältigung von Problemen beigetragen hat. Für ihn geht es jetzt um sein Amt. Und dafür kämpft er persönlich, sucht die Wähler zu Hause auf. Unterstützung aus der Landes- oder Bundespartei möchte er nicht. Das ergibt Sinn. Die Wahl eines Kommunalpolitikers kann nur dann erfolgreich sein, wenn er im Dialog mit den Menschen vor Ort ist und weiß, was ihnen wichtig ist, was ihnen unter den Nägeln brennt.
Die AfD, sie wurde aufgrund dreier Urteile des Verwaltungsgerichts Köln im März als rechtsextremer Verdachtsfall eingestuft. Dagegen wehrt sich die Partei zurzeit. Die von Kandidat Robert Sesselmann im Vorfeld des ersten Wahlgangs besetzten Themen sind populistischer Natur: Sach- statt Geldleistungen für Asylbewerber. Der Euro soll abgeschafft werden, ebenso die Rundfunkgebühren. Holperig in Sachen Verfassungsverständnis ist die Aussage des Juristen, der auch Mitglied des thüringischen Landtags ist, dass man Politiker brauche, „die sich nicht alles aus der Bundesregierung gefallen lassen.“
Gestern nun die Meldung, dass gegen den AfD-Kandidaten von der Thüringer Polizei ermittelt wird. Nachlesen kann man das im Polizeiportal: Es sei zu einem Wortgefecht zwischen zwei mit der Anbringung von Wahlplakaten befassten Männern gekommen. Der polizeiliche Staatsschutz sei eingeschaltet worden, der Kreiswahlleiter des Landkreises Sonneberg zudem über den Sachverhalt informiert. Der Spiegel meldete, Sesselmann habe einem CDU-Wahlhelfer vorgeworfen, dass dieser sich an den AfD-Plakaten zu schaffen gemacht habe. Er, Sesselmann, wisse, wo der Mann wohne. Man würde ihm jemand auf den Hals hetzen und dafür sorgen, dass er keine Aufträge mehr bekomme.
Was dem AfD-Politiker hilft, Stimmen zu gewinnen, ist unter anderem die wirtschaftliche Lage im Landkreis. Ein Lokaljournalist erinnert die Situation vor Ort – im Frühjahr schloss ein Betrieb mit 200 Beschäftigten – an die Zeit kurz nach der Wende, wo die Zukunft mehr als ungewiss war. Wie geht es weiter, zum Beispiel in der Energiepolitik? Hinzu kommen Probleme mit der örtlichen Gesundheitsversorgung und der Infrastruktur. Und Wohnraum fehlt auch. Offenbar viele Menschen im Landkreis Sonneberg, sie erhoffen sich von Sesselmann frisches, beherztes Eingreifen. Kritische Stimmen, die das politische Konzept der AfD und ihres Kandidaten offensichtlich durchschauen, sind ebenso zu hören. Einen AfD-Landrat, dass ist von dieser Seite zu hören, den wünscht man sich nicht.
Gewählt wird am Sonntag, bis dahin ist wird um Stimmen gekämpft. Gut wäre, wenn diesmal mehr Wahlberechtigte an der Abstimmung teilnehmen würden. Das Bild dessen, was die Menschen dort wirklich wollen, wäre klarer und vor allem repräsentativer. Die anderen Parteien im Landkreis Sonneberg stehen hinter dem CDU-Kandidaten, ein demokratischer Schulterschluss. Kurzzeitig eine gute und richtige Strategie. Langfristig aber muss es den Parteien gelingen, die jetzigen Wähler der AfD zu erreichen, ihnen zu begegnen, ihre Probleme ernst zu nehmen und Perspektiven anzubieten. Benötigt werden Alternativen zu dem rechten und mit einfachen und auch eingängigen Lösungen versehenen Politikentwurf der Alternative für Deutschland. Ansonsten besteht die Gefahr, dass die Populisten weiterhin Zulauf erhalten und irgendwann regieren.
Autor und Sprecher
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Nichts, was Sie nicht auch schon erlebt haben. Schon deshalb würde mich Ihre Geschichte zum heutigen Thema sehr interessieren. Ich bin sicher Sie haben mindestens eine, die Sie uns über die Audiokommentarfunktion der App von netkiosk.digital mitteilen können.
Worum geht es? Sie kennen die vollmundigen Versprechen aus der Werbung, den Produktbeschreibungen oder den Vorträgen nur schwer zu unterbrechender eloquenter Verkäufer. Das kann alles, alles und noch viel mehr. Garantiert. Zuverlässig, bewährt, immer einsatzbereit. Sollte eventuell mal etwas sein, dann hilft unser Rundum-Service sofort. Überzeugt? Sie klicken auf bestellen oder nicken freundlich und pieps sind einige hundert Euro von Ihrem Konto abgebucht. Egal, wenn nur die Hälfte des Versprochenen stimmt, dann war das sicher eine sehr gute Investition.
Beginnen wir bei Fernsehgeräten. Bei der großen Zahl derselben, die ich jedes Jahr erwerbe, ist es jetzt nicht erstaunlich, dass ich mitunter einen Apparat vor mir habe, der nicht richtig funktioniert: Ein schwarzer Fleck auf dem Bildschirm eines OLED-TV, plötzlich dröhnende Lautsprecher oder Softwareprobleme. In angemessener Zeit erhielt ich bislang immer Unterstützung und Hilfe, es gab keinen Grund sich zu beklagen. Und selbst wenn sich die Kommunikation mal ein wenig in die Länge zog, wurden die festgestellten Probleme immer gut gelöst.
Bislang. Unlängst ein neuer Fernseher für das Schlafzimmer, MiniLED, QLED, natürlich übernatürlich groß. Der funktioniert super. Wenn man ihn richtig steuern kann. Das allerdings hängt von der Laune der mitgelieferten Fernbedienung ab. Ja, sie reduziert dank Solarzellen meinen CO2-Fußabdruck, erhöht ihn aber gleichzeitig. Wie? Nun, was ich mit dem eigenwilligen Bedienteil auswähle, behagt ihm offenbar nicht. Sportlich ambitioniert werde ich durch Menüs geleitet, von deren Existenz ich bislang keine Kenntnis hatte. Dann plötzlich Stillstand. Nach einer kurzen Pause geht es entweder auf dem Bedienkarussell weiter oder man kann den TV ganz normal steuern, für eine gewisse Zeit zumindest. Es wird auf jeden Fall nicht langweilig, nur meine Vorstellung von Fernsehunterhaltung ist eine andere als die des selbstbestimmt agierenden Solar-Zauberstabs.
Die Serviceerfahrung. Nachdem ich dank eines Tests mit einem baugleichen Steuerstab sicher war, dass das Problem wirklich von dem eigenwilligen Fernbedienungswunderwerk ausging, wendete ich mich an den Service des Herstellers. Ich führte vor etwa vier Wochen ein ausgesprochen nettes und kurzweiliges Gespräch mit einer Mitarbeiterin der Hotline. Ergebnis: Austausch-Fernbedienung kommt. Nach zwei Wochen erinnerte ich daran. Der Service schrieb, dass man sich kümmern wolle. Zunächst müsse man den Vorgang nachvollziehen, dann wolle man weiterschauen. Einen Rückruf gab es diesmal nicht. Weitere zwei Wochen vergingen. Heute in der Frühe habe ich eine sehr kurze E-Mail verschickt mit der Frage, ob sich denn in der Sache noch etwas rühren werde. Ohne viele Worte. Anruf heute Nachmittag: Ein sehr netter Mitarbeiter erklärt mir: Die an mich versandte Fernbedienung ist von DHL nicht mehr auffindbar. Man startet einen neuen Versuch. Die Sache bleibt also spannend.
Nächstes Kapitel: Mein Wischroboter. Vor knapp zwei Jahren entschloss ich mich nach wirklich langem Überlegen eine Putzhilfe eines sehr renommierten Herstellers zu erwerben. Alles lief gut, bis ich feststellte, wie viel Strom das Gerät verbrauchte, wenn es in der Station parkte. Wie kam ich darauf? Zog man den Stecker, war der Akku vom reinen Nichtstun gestresst innerhalb weniger Stunden leer. Als lud sich der kleine Saubermann auf und auf und immer wieder auf. Kein Problem, es gibt ja die Möglichkeit, den Helfer nach einmaligem Befüllen des Akkus von seiner Basisstation zu entfernen und gänzlich zu deaktivieren bis zum nächsten Putzen.
Nein, so einfach geht das nicht. In regelmäßigen Abständen war der Roboter nuntotal orientierungslos. Statt mit dem Putzen zu beginnen, hüpfte er känguruartig herum, fuhr nervös gegen alle Möbel, gereinigt wurde nichts. Nach einem Reset war alles wieder normal. Bis zur nächsten oder übernächsten Woche. Es sei denn, ich versetzte das Gerät bis zum jeweils folgenden Einsatz nicht in den Tiefschlaf. Dann waren wir beide im Glück, er lud und entlud seinen Akku durchgehend, putzte aber auch. Ich wendete mich an den Service.
Kurz zusammengefasst: Wie konnte ich denn nur auf die Idee kommen, das Gerät zu deaktivieren. Es fehlte nur noch ein „Da sind Sie selbst schuld!“. Nach vielem Hin und Her las man – ohne mich zu fragen – das Logbuch des Roboters aus. Es sei doch alles in Ordnung. Ich wies darauf hin, dass die Putzhilfe wöchentlich betrieben wird und fragte, ob man nicht bemerkt habe, dass folglich eine Menge Einträge fehlten? Und ich schickte dem Hersteller Videos, auf denen das Gehoppel des technischen Wunderwerks zu betrachten war. Tja, so lautete die Antwort, ich müsse den Roboter nur permanent in der Station belassen, dann wäre ja alles gut. Letzter Stand: Ich teilte mit, dass ich das eben nicht wolle und es mein gutes Recht sei, den Apparat zwischen den Putzgängen zu deaktivieren. Wir – der Hersteller und ich – befinden uns weiterhin im Gespräch, Ausgang offen.
Und schließlich meine Freunde von Microsoft. Das Programm von netkiosk.digital wird ausschließlich auf Macs und Linux-Rechnern produziert. Aus guten Gründen. Sie funktionieren einfach, für Computer eine fast schon unglaubliche Eigenschaft. Wäre da nicht diese wunderbare Sendeautomation, die wir zurzeit zu Zwecken der Vorproduktion, zum Beispiel der Rückschau oder unseres Neulings TIM, benötigen. Diese Software läuft nur unter Windows. Also biss ich in den sauren Apfel und kaufte ein Windows-Gerät. Natürlich von Microsoft, es geht ja auch um Qualität und Haltbarkeit. Das 15-Zoll-Surface-Laptop 5, er funktionierte genau drei Wochen störungsfrei, dann begannen die Probleme. Die Funktionstasten für Lautstärke und Bildhelligkeit wollten nicht mehr sein, was sie sein sollten. Das Trackpad produzierte mal einen solchen, dann einen anderen Klick, so wie es ihm gefiel. Das alles hätte ich ja noch ertragen. Aber dann eröffnete sich mir eine unerwartete Geräuschperformance beim Öffnen und Schließens des Gerätes. Knarren und Schleifen. Von jetzt auf gleich. Ich erspare Ihnen die Beschreibung des Servicedialogsystems von Microsoft. Immerhin, ich erhielt einen Paketaufkleber. Das Surface Notebook, es ist mittlerweile auf der Reise gen Reparaturland. Nach drei Wochen des Betriebs. Ausgang offen und wie die Rückschau der aktuellen Woche und eine neue Folge von TIM entstehen sollen – ich weiß es noch nicht.
Aus dem Erzählten könnte man schließen: Produkte werden kurzlebiger und schlechter, trotz hoher Preise. Die vollmundigen Serviceversprechen der Hersteller werden nicht eingehalten. Kurz: Wir geben sehr viel aus und müssen uns dann wochenlang herumärgern, um das für unser Geld zu erhalten, wofür wir ursprünglich bezahlt hatten. Dies kostet Nerven und vor allem auch sehr viel Zeit. Vielleicht aber liege ich falsch und meine Erfahrungen sind singulärer Natur, weil ich eben so viel Technik konsumiere. Nutzen Sie gerne unsere Audiokommentarfunktion in der netkiosk.digital App und berichten Sie, was Sie so erlebt haben in der wundervollen Welt der perfekten und immer betriebsbereiten Produkte. Es wäre schön, von Ihnen zu hören.
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Foto von Ryutaro Tsukata
Mit Sportlern ist das immer so eine Sache. Häufig – ein wenig hängt das auch von der ausgeübten Sportart ab – verfügen sie über eine hohe soziale Kompetenz und verstehen es andere in Gruppen gut zu integrieren. Auch wenn ich jede Form von Bewegung über das Notwendige hinaus kategorisch ablehne, so habe ich die Fraktion der Ballspieler, Turner oder Biker bislang immer als sympathische Zeitgenossen erlebt. Meist, da bin ich ein Opfer meiner eigenen Vorurteile, saß sogar der Verstand an der richtigen Stelle und zeigte die notwendige Beweglichkeit auch jenseits des Spielfelds.
Nun aber zu Frau Pechstein. Eisschnellläuferin, insgesamt neun olympische Medaillen, fünf davon in Gold. Im Jahr 2009 geriet sie in Schwierigkeiten, ein Bluttest hatte auffällige Werte gezeigt. Ergebnis: Zwei Jahre Sperre. Daran änderte sich auch nichts, als Pechstein sich gerichtlich wehrte und Gutachten zu einer angeborenen Blutanomalie vorlegte. Sportlich blieb Pechstein nach der Zwangspause weiterhin erfolgreich, noch 2022 nahm sie an der Olympiade in Peking teil.
Letztes Wochenende fand in Berlin der CDU-Grundsatzkonvent statt. Die Veranstaltung, sie ist eine der Etappen der Partei auf dem Weg zu einem neuen Programm. Hier sollten sich Mitglieder, Fachleute und auch Menschen aus der Zivilgesellschaft über Positionen des Grundsatzprogrammes austauschen. Frau Pechstein hatte man auch eingeladen. Als Rednerin.
Reden halten ist beileibe keine einfache Sache. Claudia Pechstein hat sich redlich bemüht, ihren Text vorzutragen. Allein, es ist ihr so gar nicht gut gelungen. Das ist auch in Ordnung. Sich vor ein Publikum zu stellen und etwas – frei oder abgelesen – vorzutragen, das bedarf einer guten Vorbereitung, viel Übung gehört auch dazu. In der Partei, die die Sportlerin zum Vortrage einlud, gibt es eine Menge gut geschulter Damen und Herren, die bei der Vorbereitung von Pechsteins Auftritt hätten helfen können. Es spricht nicht sehr für eine Partei einen Nicht-Profi in die Öffentlichkeit zu stellen, ohne ihn vorher unterstützt zu haben. Das Ergebnis ist eine unnötige Bloßstellung.
Neben der Form des Vortrags ist da noch der Inhalt dieser Rede. Die Themen sind vielfältig, ich erspare Ihnen keines: Stärkung des Schul-, Vereins- und Breitensports. Ein Lob für die Ehrenamtlichen. Die Notwendigkeit der Aktivierung der Jüngsten, auch um die zukünftige Entlastung der Gesundheitskassen willens. Betonung des Mottos „Leistung muss sich wieder lohnen“ am Beispiel der eigenen Karriere. Mehr Förderplätze für Sportler bei Bundeswehr und -polizei, die man sich aber verdienen muss. Schwenk zum Polizeidienst und dem Primat des Helfen-Wollens. Dann Asylrecht: Kein Verständnis dafür, dass abgelehnte Asylbewerber im Land bleiben dürfen. Forderung nach einer rechtsstaatlichen Lösung. Dadurch nicht nur Erleichterung der Polizeiarbeit, auch mehr Sicherheit im Alltag: Angstfreie Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel dann möglich. Das sei wichtiger – wir kehren jetzt hier wieder zu Sätzen zurück – als Diskussionen über Gendersternchen, den Begriff „Deutscher Liederabend“ oder die Verwendung der Bezeichnung „Zigeunerschnitzels“. Abschließend ein Lob des Grundwertes „Familie“ in traditioneller Form mit „Mama und Papa“. Die CDU muss als Volkspartei Familienpartei sein.
Wie viel Analyse vertragen Sie? Die Rede fällt allerspätestens inhaltlich in die Kategorie des unbedingt zu Vermeidenden, als Pechstein sich von der Hilfsbereitschaft der Polizei zum Asylrecht bewegt. Aus dem Gesagten verstehe ich, dass abgelehnte Asylbewerber unmittel-bar abzuschieben seien. Dann könnte man die öffentlichen Verkehrsmittel auch wieder angstfrei benutzen. Man mag sich politisch etwas wünschen, es aber derart zu verknüpfen und den nicht anerkannten Asylsuchenden als für andere gefährlichen Menschen darzustellen, ist zunächst einmal sachlicher Unfug, unerträglich und gefährlich. Der Applaus aus der Ecke der Ordentlichen und Anständigen jedenfalls ist ihr so sicher.
Das Gendersternchen oder der „Deutsche Liederabend“, hier höre ich den Klang von „Wir lassen uns von linken, liberalen und progressiven Intellektuellen nicht sagen, was wir zu sagen oder zu schreiben haben. Faust-auf-den-Tisch-Protest Marke Deutscher Stammtisch. Unterirdisch wird es beim Zigeunerschnitzel. Hatten nicht Fr. Pechsteins Eltern sie „anständig“ erzogen? Haben Sie vergessen zu erwähnen, wie viele Sinti und Roma als Zigeuner Opfer der NS-Diktatur geworden sind und wie sie bis heute Ausgrenzung erleben?
Das Glück der Deutschen, es liegt offenbar in der Familie. Aber bitte in einer anständigen, deutschen, traditionellen Familie. Die Summe der möglichen Vielfalten wird so zum gesellschaftlichen Fremdkörper, das ist nie weit entfernt vom Aussätzigen, Verfolgten, bestenfalls noch Vertriebenen. Ich lege Frau Pechstein nahe, ein paar Schuljahre Geschichte zu wiederholen. Dann wird – das würde ich ihr wünschen – über ihre eigenen Worte erschrecken. Nun allerdings sind sie erst einmal in der Welt.
Und es gibt genug Menschen, die zustimmend nicken. Wenn nicht bei jedem der angesprochenen Themen und Positionen, so doch bei einigen. Ein bisschen erinnert mich das Ganze an den Kulturkampf in den USA. Konservative schärfen ihre Waffen, machen ihre Positionen überdeutlich, versichern sich so einer Anhängerschaft, die ihnen zu Mehrheiten verhelfen soll.
Ich teile Frau Pechsteins Sicht nicht. So einfach ist das. Ihren Vortrag hielt sie in einer Uniform der Bundespolizei, bei der sie beschäftigt ist. Erneut schwierig. Ist nicht die Polizei wie jedes andere Staatsorgan zur Neutralität verpflichtet. Dass Frau Pechstein eine Meinung hat und diese öffentlich äußert, ist in einer Demokratie eine Selbstverständlichkeit. Das Tragen einer Uniform dabei könnte zu Missdeutungen und -verständnissen führen. Die Sportlerin erweckte so bei einigen Hörern vielleicht den Eindruck, sie habe als offizielle Vertreterin des Staates gesprochen. Dem war nicht so. Dafür bin ich dankbar.
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Berichten zufolge leiden sie an Dehydrierung, Unterkühlung bis hin zur Lungenentzündung. Zwei Palästinenser, zwölf Pakistaner, 43 Ägypter, 47 Syrer. Einige von ihnen befinden sich im Krankenhaus. Sie leben. Sie haben überlebt. Sie sind 104 von ungefähr 750 Menschen, die sich tagelang auf einem Boot befanden mit der Hoffnung auf ein neues, besseres Leben auf dem Weg nach Italien. Das Schiff mit dem sie unterwegs waren, sank vor Griechenland in der Nacht zum letzten Mittwoch, nicht weit entfernt vom Calypsotief im Mittelmeer. Und geschätzt 650 Menschen, sie verloren ihr Leben, 100 Kinder sollen auch dabei gewesen sein.
Das Ereignis hätte verhindert werden können. Was die griechische Küstenwache genau getan bzw. unterlassen hat, darüber besteht noch keine endgültige Klarheit. Sicher ist: Man hat das Schiff über mehrere Tage beobachtet. Der Pressesprecher der Behörde berichtet, dass zunächst Frachtschiffe in die Nähe des Flüchtlingsbootes kamen, Proviant und Wasser über-gaben. Rettungsofferten, die später ein Küstenwachboot unterbreitet hatte, seien zurückge-wiesen worden. Nach dem Ausfall des Motors sei es dann zu einer Panik an Bord gekommen, die schließlich zum Kentern geführt haben soll. 104 Menschen konnten gerettet werden. Bis Freitag suchte man nach weiteren Überlebenden, erfolglos. Die Aktion wurde schließlich eingestellt.
Die erste Diskussion, sie entbrannte darüber, ob es überhaupt hätte soweit kommen müssen. Wäre die griechische Küstenwache nicht verpflichtet gewesen, in jedem Fall eine Rettungsaktion einzuleiten? Nach den Angaben der Behörde sei das von den Flüchtlingen nicht gewollt worden. Schwierig, denn einige Überlebende berichten das Gegenteil.
Schlimmer allerdings die nun laut werdenden Vorwürfe: Die Küstenwache habe versucht, das Flüchtlingsboot mehrfach in Richtung Italien zu ziehen. Eine Art von Pushback, ein Zurückstoßen, damit man nicht nach Griechenland gelangt. Von insgesamt drei Versuchen berichten die Überlebenden. Dies hätte dazu geführt, dass ihr Schiff schließlich instabil geworden und dann gekentert sei. Zu der Schilderung passt, dass man auf Fotos ein am Steuerbord des Bootes befestigtes Seil sehen kann. Zunächst wurden Berichte über den Versuch einer Pushback-Aktion von einem griechischen Regierungssprecher zurückgewiesen. Am Freitag gab man dann doch zu, dass „ein Seil geworfen worden sei“, allerdings etwa zwei Stunden vor dem Untergang.
Unter den Überlebenden: Der Kapitän des Flüchtlingsbootes und 8 Schleuser. Sie alle sind Ägypter. Nachdem diese zunächst nach Kalamata verbracht worden waren, wurden sie dort nun festgenommen.
Entsetzlich die Katastrophe, im Raum die Frage nach der Schuld. Es gibt zu diesem Zeitpunkt keine vollständig gesicherten Erkenntnisse. Natürlich hätten die Schleuser die Menschen nicht der Gefahr aussetzen dürfen, selbstverständlich hätte die Küstenwache schon beim Entdecken des Bootes eine groß angelegte Rettungsaktion starten müssten, einfach aufgrund dessen, was man sehen konnte. Stimmen die Vorwürfe, dass man versucht hat, das Flüchtlingsschiff in Richtung Italien zu pushen und diese Aktion den Untergang verursacht hat? Bei geschätzt 750 Menschen auf einem viel zu kleinen Boot hätte man das doch niemals auch nur erwägen dürfen.
Was hier geschehen ist, zeigt was eben nicht geschehen darf. Wird das durch die unlängst beschlossenen Maßnahmen der Reform des europäischen Asylrechts verhindert werden können? Nein, wenn Menschen kommen wollen, dann kommen sie, nicht abschätzbare Gefahren für ihr Wohl und Leben in Kauf nehmend. Und sie haben – diesen Standpunkt vertrete ich nochmal sehr deutlich – jedes Recht zu kommen. Die Europäer, viele von uns, leben in einer unvergleichlichen Wohlstandsblase. Es sind Bedingungen, von denen ein großer Teil der Menschheit auf diesem Erdball nur träumen kann. Sich abschotten, sie zurückweisen oder inhaftieren – nichts davon wird verhindern, dass sie sich auf den Weg zu uns machen.
Viele Optionen haben wir nicht: Nachhaltig helfen und mit großem finanziellem Aufwand die Menschen unterstützen, da wo vor Ort die Möglichkeit besteht auf der einen Seite. Auf der anderen Seite die Tore offenhalten für alle, die sich – aus welchem Motiv heraus auch immer – zur Flucht nach Europa entscheiden. Es ist die Humanste unserer Aufgaben, für sie hier einen Platz zu finden. Dafür werden wir uns vielleicht einschränken müssen, auch unser Leben wird sich verändern. Ein Teil dessen, was wir besitzen, werden wir vielleicht mit ihnen teilen müssen. Das aber ist in keiner Weise vergleichbar mit dem, was die Flüchtlinge sich selbst abverlangt haben: das bisherige Leben hinter sich lassen, um ganz woanders auf dieser Welt neu anzufangen. Das ist etwas, was die Meisten von uns sich nicht einmal vor-stellen können. Die bei uns Ankommenden werden vieles neu lernen, sich an eine fremde Umgebung gewöhnen und sich in einer anderen Kultur zurechtfinden müssen. Bei all dem brauchen Sie vor allem eines von uns: Unterstützung.
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Unsere Rückschau auf die KW 24 mit viel Musik
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Meine Leidenschaft für den Sommer habe ich unlängst mit ihnen geteilt. Dabei sprach ich auch das Thema langanhaltende Trockenheit und deren Folgen an. Am Ende des Beitrags stand der Wunsch, dass größere Katastrophen ausbleiben und Sie alle einen schönen Sommer haben mögen. Gestern erreichten uns Meldungen über Waldbrände in Mecklenburg-Vorpommern und Rheinland-Pfalz, heute – dieser Beitrag entsteht am Mittwochnachmittag – hat sich die Lage dort wieder entspannt. Das sind gute Nachrichten. Denn Waldbrände, sie bedrohen Tiere und Menschen, deren Lebenswelt und auch -grundlage von jetzt auf gleich durch das oft nicht zu bändigende Feuer im schlimmsten Fall vernichtet werden kann.
Dass wir uns mitten in einem Klimawandel befinden, darüber sind sich viele Experten einig: Die Sommer in Zentraleuropa werden heißer. Und der richtige Umgang mit Hitze, er fällt uns hier in der Bundesrepublik schwer. Abhilfe soll nun ein „Nationaler Hitzeschutzplan“ schaffen, den Bundesgesundheitsminister Lauterbach auf den Weg bringen will.
Ihm geht es dabei vor allem um eines: Dass die Zahl der Hitzetoten nicht weiter steigt. Letztes Jahr starben 4.500 Menschen, von 2018 bis 2020 ließen insgesamt 19.000 ihr Leben. Zu viele, findet Lauterbach richtigerweise. Denn dass jemand Opfer der zu hohen Temperaturen wird, das sei, so der Politiker, vermeidbar.
Vorbild Lauterbachs ist der Hitzeschutzplan Frankreichs. Auslöser für dessen Entstehung war der zu heiße Sommer 2003, in dem geschätzt 15.000 Menschen an der Hitze zugrunde gingen. Und so macht es unser Nachbar im Westen: Insgesamt hat der Plan vier Stufen. Bei steigenden Temperaturen beginnen die Behörden mit präventiven Maßnahmen. Das Wohl-ergehen von älteren und alleinlebenden Menschen wird geprüft, indem man sie kontaktiert. Außerdem werden öffentliche Räume zum Zwecke der Abkühlung ausgewiesen und für den Aufenthalt freigegeben. Wo diese Orte sind, kann man mithilfe einer App erfahren. Eine Vielzahl von Trinkwasserbrunnen steht bereit. Wird es zu heiß, kommt es zu Absagen von öffentlichen Großveranstaltungen, in Heimen und Kliniken finden sich Krisenstäbe zusammen.
Auch andere Länder und Städte haben solche oder ähnliche Pläne entwickelt. Dabei geht es nicht nur darum, Schutz vor Hitze zu bieten und Hilfsbedürftigen zur Seite zu stehen. Gerade in Städten versucht man durch bauliche Maßnahmen und Begrünung die steigenden Temperaturen wenigsten etwas einzudämmen. In den USA hingegen setzt man auf reflektierende Dächer und helle Fahrbahnoberflächen. In Japan sind Sonnenschirme, in Handtücher gewickelte Kühlakkus und tragbare Ventilatoren bewährte Mittel, um sich vor der Hitze zu schützen.
Die kommenden Wochen möchte Gesundheitsminister Lauterbach nun nutzen, um mit Fachleuten im Rahmen einer „konzertierten Aktion“ einen nationalen Hitzeschutzplan zu entwickeln. Besonders für alte und chronisch erkrankte Menschen, aber auch für Kinder werden Konzepte benötigt, die helfen weitere unnötige Opfer zu verhindern.
Damit das gelingt, muss auch das Gesundheitswesen in die Planungen mit einbezogen werden. Wichtig ist dieses während einer Hitzewelle nicht zu überlasten und vorab dafür Sorge zu tragen, mögliche Risiken rechtzeitig zu erkennen und diesen entgegenzuwirken. Daran wird nun gearbeitet. Gute Beispiele aus den unterschiedlichsten Regionen der Welt, sie gibt es ja. Hoffen wir, dass es alsbald gelingt, die für uns passenden Konzepte zu identifizieren, diese an die Bedingungen im Land anzupassen und sodann umzusetzen. Der Sommer, so scheint es jedenfalls bis jetzt, verspricht heiß zu werden. Zeit zeitnah zu handeln.
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Sommer 1994, Hannover, Halkettstraße. Meine erste eigene Wohnung, 2 Zimmer, Küche, Bad. Ein 34 Quadratmeter-Paradies im Erdgeschoss, unweit vom Vahrenwalder Platz. Allerdings, nach dem Sommer kam der Herbst, dann der Winter. Das Heizungssystem war keines, Haller-Meurer Gasofen im Wohnzimmer, Vaillant-Gasöfchen im Bad, für das Schlafzimmer ein kleiner Radiator.
Wärmequelle in der Küche? Fehlanzeige. Es war kalt, sehr kalt. Und mit einem geringen Einkommen spart man auch beim Heizen. Trotzdem, dort war 5 Jahre mein Zuhause. Und in den letzten anderthalb Jahren wurde eine Gas-Zentralheizung eingebaut. Ob diese allerdings von Herrn Habeck als umweltfreundlich bewertet werden würde, ich bezweifle es.
Es geht also heute ums Heizen. Energiewende, das heißt auch die Wärmewende. Dieses Thema sorgte in den vergangenen Monaten immer wieder für Aufregung, besonders wenn es um geplante Regelungen bei der Erneuerung von Heizungsanlagen ging. Nichts ist bislang beschlossen, nichts Gesetz. Eilmeldung vom Dienstagnachmittag, an dem dieser Artikel entstanden ist: Der Gesetzentwurf zum Austausch alter Heizungsanlagen soll noch diese Woche in den Bundestag.
Aktuell wird eine durchaus interessante Alternative zur eigenen Heizung diskutiert, die Fernwärme. Industrie und Bundesregierung trafen sich am Montag mit dem Ziel, die Rahmenbedingungen für den Ausbau festzulegen.
Zunächst einmal aber der Erklär-Netkiosk: Fernwärme lässt sich definieren als eine Form der Gebäudebeheizung, bei der die Wärmeenergie außerhalb des eigenen Hauses bzw. der Wohnung erzeugt wird. Heizkraftwerke unterschiedlicher Größe erhitzen Wasser, das dann durch isolierte Leitungen in die einzelnen Haushalte geführt wird. Dieses kann dort dann als Heizungswärme – bei Bedarf – auch als Warmwasser genutzt werden.
Sechs Millionen Wohneinheiten steht die Technologie im Moment zur Verfügung. Doch die Branche ist wachstumsorientiert und stellt eine Verdreifachung des bestehenden Angebots in Aussicht. Doch wie umweltfreundlich ist Fernwärme? Es kommt darauf an, wie man sie erzeugt.
Zu 70 % geschieht dies zurzeit mit fossilen Brennstoffen. Zwar verwendet man zur Bereitstellung der verbleibenden 30 % bereits anteilig erneuerbare Energiequellen oder Geothermie. Allerdings reicht das noch nicht aus. Abwärme aus Rechenzentren, Solarthermie und weitere Verfahren könnten zum Einsatz kommen und dafür sorgen, dass mehr Fernwärme umweltfreundlich bereitgestellt werden kann. Gut ist, dass bei einer Umstellung eines Heizkraftwerkes moderne Technologien gleich eine große Zahl von Wohnungen unter Verzicht auf schädliche Emissionen beheizt werden kann.
Ziel der Bundesregierung ist es jedenfalls, dass jedes Jahr 100.000 neue Fernwärme-anschlüsse bereitgestellt werden. Was die Klimaneutralität angeht, so strebt man hier bis 2030 eine Quote von 50 % an. Orientieren will man sich bei all dem an Dänemark, wo fast zwei Drittel der Haushalte mit Fernwärme versorgt werden. Die Anbieter wünschen sich eine Überarbeitung der Wärmelieferungverordnung sowie bessere Rahmenbedingungen für die Geothermie.
Aber es sind auch noch offene Fragen zu klären: Wie sieht es mit der Preistransparenz und dem Verbraucherschutz aus? Könnte es zu einer Anschlusspflicht kommen, wenn Haus oder Wohnung in der Reichweite eines Fernwärmenetzes liegen? Und gelingt es den Anteil erneuerbarer Energien – in Dänemark liegt dieser jetzt bereits bei 65 % – bei der Erzeugung sukzessive zu erhöhen? Im Herbst, also wenn die Heizsaison wieder beginnt, will man jedenfalls zu einer Fortsetzung des Treffens vom Anfang dieser Woche wieder zusammen-kommen.
Ist nun die Fernwärme das beste Verfahren zum Vollzug der Wärmewende? Sicherlich nicht allein. Final wird es wohl so sein, dass ein Wärmemix, bei welchem umweltschonende Technologien verstärkt zum Einsatz kommen, sich in wenigen Jahrzehnten durchgesetzt haben wird. Ein Weiter-So beim Heizen ist jedenfalls keine Option.
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Foto von Miguel Á. Padriñán
Stellen wir uns vor, wir sind Regierung, nur so, für einen Moment lang. Zwar irgendwie demokratisch gewählt, aber mit wenig Vertrauen in unsere Bürger ausgestattet. Deshalb ist es auch gut und für alle besser, wenn wir den Informationsfluss und -austausch kontrollieren. Mühsam, aber möglich mit Zensur und Falschmeldungen zu operieren. Jederzeit machbar und gar nicht wirkungslos: Den Stecker ziehen, also den vom Internet. Die Organisation von Aufständen, Unruhen und Protesten, Kritik an uns, der Regierung, auf Facebook oder Twitter – das geht nicht. All diesem kann man entgegenwirken, wenn man den Zugang zum Datennetz kappt. Verführerisch oder? Wir meinen es doch nur gut. Und endlich ist Ruhe.
Wer macht denn so etwas? Die Organisation „Access now“, sie hat es sich zur Aufgabe gemacht, sich für die digitalen Freiheitsrechte der Bevölkerung einzusetzen, veröffentlichte im Februar 2023 dazu einen Bericht mit dem Titel „Weapons of control, shields of impunity: Internet shutdowns in 2022. Diesen aktualisierte sie unlängst am 23. Mai. Lesenswert in jedem Fall. Schon ein Blick ins Inhaltsverzeichnis lässt erkennen: Alle Kontinente sind von dem Phänomen betroffen. Egal, ob es um die Eindämmung von Protesten, Einfluss auf Wahlen oder das nachhaltige Sperren von Plattformen des Austauschs im Internet geht. Abschalten läuft.
Betrachtet auf einer Zeitachse von 2016 bis heute zeigt sich ein zunehmender Trend, das Internet innerhalb eines Landes oder einer Region einfach zu deaktivieren, wenn es den Herrschenden notwendig erscheint. Zu Beginn des Betrachtungszeitraums waren es 75 Unerreichbarkeiten innerhalb eines Jahres. 2019 wurde der Zugang zum Netz insgesamt 213-mal gekappt, im letzten Jahr registrierte man 187 dieser Fälle. Auch interessant: Die Anzahl der involvierten Länder, 2016 waren es noch 25, 2019 33, im vergangenen Jahr 35.
Und wer führt die Internetkappungshitparade an: Spitzenreiter ist Indien. Ende Februar zuletzt, da fiel das Land durch sein beherztes Durchgreifen auf: Es waren Informationen zu einer Klausur von sich in der Ausbildung befindlichen Lehrern durchgesickert. Man schaltete in fast dem gesamten Bundesstaat Rajasthan das mobile Internet ab. Eine drastische Maßnahme, um Täuschungen bei Prüfungen zu unterbinden. Vor allem auch deshalb, weil Menschen das Datennetz-to-go natürlich aus vielen anderen Anlässen nutzen wollten oder mussten und dies nun nicht konnten.
Überhaupt scheint die aktuelle Regierung unter Premierminister Modi nicht zimperlich zu sein. Bewusst nutzt man Abschaltungen um die Ausbreitung von regierungsfeindlichen Informationen und Berichten über Proteste zu verhindern oder schlicht Kritik in bestimmten Situationen einzudämmen. Häufig sperrt man auch den Zugang zu Internetseiten oder veranlasst die Löschung von unliebsamen Inhalten. Die Pressefreiheit, sie scheint nicht besonders schützenswert zu sein. Man versucht gezielt durch die Übernahme privater Medien mithilfe von Vertrauten Modis, die Verbreitung von Informationen zu beeinflussen und damit zum Beispiel Regierungsgegner zu diskreditieren.
Problematisch. Eine Demokratie atmet und lebt nur dann, wenn Informationen frei fließen können. Nur so ist Meinungsbildung und – verkürzt dargestellt – politische Partizipation möglich. Es ist heute mehr denn je schwierig, mithilfe objektiver Fakten zu einer eigenen und argumentativ gut vertretbaren Position zu einer politischen Frage zu kommen. In großem Umfang wirken wirkliche Nachrichten, Fake-News und ungesicherte Informationen aus sozialen Netzwerken auf uns ein.
Und erst nach einem Faktencheck und damit einer Objektivierung der gesammelten Informationen kann sich der Bürger ein Bild zu machen. Wenn dann der Staat – so wie in Indien, aber auch vielen anderen Ländern – noch inhaltlich manipulierend eingreift und den freien Zugang zum Internet nicht als Teil des Grundrechts auf ungehinderten Zugang zu Informationen versteht, dann entfernt er sich mit großen Schritten vom Ideal einer freiheitlichen Demokratie.
Autor und Sprecher
Technik und Gestaltung
Foto von Taryn Elliott
Ich, auch als auffallend adipöser Mensch, kann ihn einfach nicht leiden. Zu warm, keine Abkühlung in der Nacht, wenig Regen, ständig Sonnencreme, immer auf der Suche nach Schatten. Das ist für mich der Sommer. Versuchen Sie erst gar nicht, mich für diese Jahreszeit zu gewinnen: Ich bin Nichtschwimmer, halte folglich Freibäder für ganz und gar unnütz und mag tendenziell Eis nicht so sehr, lieber Schokolade. Und die wird auch viel zu schnell warm in den Monaten von Juni bis Ende August. Die meisten von Ihnen werden den Kopf schütteln. Ihr gutes Recht bleibt es, den Sommer zu mögen.
Wenn wir uns die letzten Wochen anschauen – und wir befinden uns noch in den Spätausläufern des Frühlings – dann fällt eines auf: Bis auf eine kurze Periode von wenigen Tagen, an denen es etwas kühler war, schaltet das Wetter in zunehmend längeren Strecken nun auf den beginnenden Sommer um. Und abgesehen von einem temporären Zustrom von Kaltluft mit ein paar Schauern und Gewittern zur Wochenmitte – Stichwort Schafskälte – sieht es so aus, als würde die Schönwetterlage länger vor Anker gehen.
Genau wissen kann man es nie und Vorhersagen über den Zeitraum von bis zu 10 Tagen sind als gewagt zu bezeichnen. Von einem Rekordsommer war schon im Mai die Rede. Der Deutsche Wetterdienst sieht einen zu warmen Sommer vor uns. Allergiker müssen mit einer deutlichen Zunahme von Gräserpollen in der Luft rechnen. Sinkende Pegel der Flüsse könnten wieder für Probleme bei der Schifffahrt sorgen.
Und dann ist da noch die Dürre. Das Problem: Kaum Niederschlag über längere Zeit und plötzlich Starkregen, der vom trockenen Boden nicht aufgenommen werden kann. Hinzu kommt die steigende Waldbrandgefahr. Seit 31. Mai brennt es auf einem ehemaligen Truppenübungsplatz bei Jüterburg in Brandenburg. Gelöscht werden kann nur aus der Luft, da sich noch Munition dort befindet. Letzten Sonntag konnte man mithilfe von Drohnen weiterhin Glutnester identifizieren.
Schaut man sich aktuelle Warnkarten an, so ist die Waldbrandgefahr in Niedersachsen rund um Lüchow und den Landkreis Celle sowie in großen Teilen Ostdeutschlands mittlerweile sehr hoch. Andere Gebiete, für die eine bislang nur hohe Gefahr ausgewiesen wurde, könnten hinzukommen.
Es ergibt auf jeden Fall Sinn, an die wichtigsten Regeln zur Vermeidung eines Brandes zu erinnern: Nicht rauchen, kein offenes Feuer machen, keine Glasabfälle zurücklassen und das Auto auf keinen Fall über trockenem Untergrund abstellen. Das Einhalten dieses Brandschutzkodex ist alternativlos.
Und ja, ich bin und bleibe ein „Sommerbrummel“. Dennoch wünsche ich Ihnen eine schöne und entspannte Jahreszeit, in der Sie ganz viele wunderbare Momente draußen verbringen können: Schwimmen im See, Sonnen auf der Liege und täglich ein Besuch im nahegelegenen italienischen Eiskaffee. Hoffen wir alle nur, dass es nicht zu heiß wird und größere Katastrophen ausbleiben. Haben Sie also einen schönen Sommer 2023.
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