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By Hans-Christian Spengler und Thorsten A. SiefertNewsNews Commentary
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netkiosk.digital episodes

  • Tübingen setzt sich durch!

    Autor und Sprecher

    Elisabeth Siefert
    Thorsten A. Siefert

    Technik und Gestaltung

    Thorsten A. Siefert

    Foto von Christian Spengler

    Ist Ihnen etwas aufgefallen, wenn Sie am frühen Samstag- oder Sonntagmorgen mit dem Auto auf den Bundes- und Landstraßen unterwegs sind? Richtig, der Zustand der Vermüllung, er ist ausgesprochen auffällig. Große Mengen von Einmalverpackungen diverser Schnellrestaurants, sie zieren den Fahrbahnrand oder geben sich auf den dahinterliegenden Feldern ein Stelldichein. Schnell noch eine Cola und ein paar Burger holen, auf dem Weg nach Hause im Auto verzehren und den anfallenden Müll einfach unterwegs aus dem Fahrzeug fliegen lassen, was für ein Spaß!

    Was für die Verkehrswege und deren Umgebung gilt, zeigt sich genauso in Fußgängerzonen: Zu viel Müll, dessen Ursprung häufig ein Ergebnis unserer to-Go-Mentalität ist. Nein, ich bin gewiss kein Umweltengel und entgegen jeder Vernunft sowie aus Gründen der reinen und egoistisch motivierten Convenience ein großer Freund der Einmalverpackung. Der täglich überlebenswichtige Latte Macchiato mit Karamellsirup, ich genieße ihn in einem Pappbecher mit Kunststoffdeckel. Allerdings: Ich entsorge die Bestandteile des Behältnisses fachgerecht. Müll gehört nicht auf die Straße.

    Die Stadt Tübingen war es, welche 2022 die Idee einer Verpackungssteuer umsetzen wollte. Die näheren Bestimmungen: 50 Cent werden für Einweggeschirr berechnet, 20 Cent für das entsprechende Besteck. Maximal sollen nicht mehr als 1,50 € auf den Preis einer Mahlzeit aufgeschlagen werden. Da es unmittelbar zu einem Rechtsstreit aufgrund der angekündigten Regelung kam, hatte man bislang auf den Einzug der Steuer verzichtet.

    Zunächst landete die Klage – geführt von der Betreiberin der örtlichen McDonalds-Filiale – vor dem Verwaltungsgericht Mannheim. Die Franchiseunternehmerin hatte dort Erfolg. Das Gericht argumentierte, dass die Stadt nicht die Kompetenz zum Einzug einer solchen Steuer habe. Zudem seien ergänzende Regelungen von Gemeinden und Städten gemäß des Bundesabfallrechts nicht zulässig. Das ließ den Tübingern keine Ruhe und man legte Revision ein, der Fall wurde nun beim Bundesverwaltungsgericht in Leipzig verhandelt.

    Das Verfahren wurde jetzt entschieden. Ergebnis: Die Erhebung einer Verpackungssteuer auf kommunaler Ebene, sie ist grundsätzlich möglich. Schließlich verbleibe der Müll in den meisten Fällen unweit des Kaufortes. Einen Widerspruch zum Bundesabfallrecht sah man auch nicht. Nachbesserungen forderte das Gericht allerdings bei der fehlenden zeitlichen Begrenzung für behördliche Kontrollen und der Bemessung dessen, was eine Mahlzeit umfasst.

    Kaum liegt nun das Urteil vor, fordert die Umwelthilfe Städte und Gemeinden dazu auf, es Tübingen nachzumachen, McDonalds fürchtet einen Flickenteppich unterschiedlicher kommunaler Regelungen und der sich in einer Auszeit befindende Bürgermeister der Stadt, in der die Steuer nun eingezogen werden kann, sprach von einem „tollen Tag für Tübingen und den Klimaschutz allemal.“ Soweit die Reaktionen.

    Wie sähen denn die Alternativen aus, wenn man auf die Einmalverpackungen verzichten würde? Ja, natürlich wäre beispielsweise ich in der Lage mit meinem eigenen Kaffeebecher einen Latte zu kaufen, selbstverständlich kann man sich Pommes und Currywurst auf einen Pfand-Porzellanteller legen lassen. Dieses Vorgehen, es fordert Planung, Überlegung und macht den Spontankauf von to-go-Produkten schwierig. Und von Convenience kann dann keine Rede mehr sein. Das lehne ich ab, ich fühle mich bevormundet.

    Es ist doch ganz einfach. Möchte ich den Luxus und die Freiheit haben, spontan unterwegs etwas zu essen oder zu trinken, dann komme ich um die Verwendung einer Einwegverpackung nicht wirklich herum. Benötigen wir eine Steuer, um damit unter anderem die zusätzlich entstehenden Entsorgungskosten zu decken oder für einen bewussteren Umgang mit Abfall zu werben? Solange der übrige Müll nach dem Verzehr achtlos in die Umwelt geworfen und dort zurückgelassen wird, ist diese Frage mit einem „Ja!“ zu beantworten.

    Was können wir mit den zusätzlichen Einnahmen noch tun? Da die seit Beginn des Jahres geltende Mehrwegangebotspflicht für gastronomische oder artverwandte Betriebe sich nicht wirklich beim Konsumenten durchsetzt, wäre es vielleicht eine gute Idee, wenn ein Teil der Steuergelder in die Entwicklung praktikabler und gleichzeitig umweltschonend zerfallender Behältnisse, Geschirre und Bestecke investiert werden würde. Die mittlerweile erhältlichen Holzlöffel bei to-go-Jogurts jedenfalls haben meines Erachtens keinen Erfinderpreis verdient, geschmacksneutral geht anders.

    Vermutlich wird man der Laufkundschaft – wie auch mir – ihre to-Go-Gewohnheiten in der Variante „Convenience“ nicht abgewöhnen können. Kompostierbare Verpackungen und Verzehrhilfen scheinen eine gute Lösung für das Müllproblem zu sein. Dann kann alles, was an Schachteln, Papieren und Bechern von der Mahlzeit übrigblieb, ganz einfach in die Biotonne, wie schön wäre das!

    6 min
  • Schwarzsehen

    Autor und Sprecher

    Elisabeth Siefert
    Thorsten A. Siefert

    Technik und Gestaltung

    Thorsten A. Siefert

    Foto von cottonbro studio

    Sie kam vorgestern Abend, die E-Mail. Kurze Zeit später konnte man den Inhalt der elektronisch zugestellten Nachricht auch in den Agenturmeldungen nachlesen, am Mittwochmorgen hatte die Information den Weg in die gesamte Medienwelt geschafft. Und nein, es geht nicht um ein gewichtiges politisches oder wirtschaftliches Thema, das zurecht nach einer sorgfältigen, ernsthaften und umfänglichen Berichterstattung verlangen würde. Dennoch wurde die Meldung zu einer der Top-Schlagzeilen des gestrigen Tages: Netflix geht jetzt gegen das bislang tolerierte Accountsharing vor.

    Weltweit 232,5 Millionen Abonnenten nutzen das Programmangebot des Unternehmens. Gegründet wurde es 1997. Die Geschäftsidee DVDs online zu verleihen, ging im Folgejahr an den Start. Daran anschließend folgten die Einführung eines Abo-Modells, die Online-Publikation von Nutzer-Filmkritiken und weitere Innovationen, die dem Dienst eine Dekade später zu einer Mitgliederzahl von 5 Millionen verhalfen. Im Jahr 2007 kam dann das Streaming Angebot hinzu, bis heute das Kerngeschäft von Netflix. Schwierig wurde es für die Firma im letzten Jahr, ein fallender Aktienkurs, mehr Konkurrenz zum Beispiel durch Disney + und weitere Anbieter. Bei diesen kann man jetzt auch Inhalte sehen, die bislang Netflix vorbehalten waren. Abonnenten wanderten ab, Entlassungen wurden unumgänglich.

    Gegen ein Problem, welches das Unternehmen bis heute hat, will es nun vorgehen. Und genau dieser Schritt brachte die Firma gestern in die Schlagzeilen. Es handelt sich um das Nutzen eines Accounts durch mehrere Personen, eine beliebte Methode um Kosten zu sparen. Jemand bzw. ein Haushalt abonniert den Dienst und teilt seine Zugangsdaten zum Beispiel mit Freunden oder den ausgezogenen Kindern. Ergebnis: Für die Zuschauer ergibt sich ein sehr günstiges Preis-Leistungs-Verhältnis, dem Unternehmen entgehen in massivem Umfang Einnahmen. Die Zahl derer, die den Dienst so nutzen, ohne selbst Kunde zu sein, sie liegt geschätzt bei 100 Millionen. Zu viele.

    Dass Netflix das Schwarzsehen abstellen wollte, war schon eine Weile klar. Nun ist es also soweit. In einem ersten Schritt teilte die Firma ihren Kunden deutlich mit, dass der Gebrauch des Abos außerhalb des Haushaltes nicht zulässig ist und forderte sie nun dazu auf, Geräte auszuloggen, die nach den Bestimmungen des Unternehmens keinen Zugriff haben sollten. Wichtig ist in diesem Zusammenhang zu wissen, wie der Streaming Anbieter einen Haushalt definiert: Dort, wo hauptsächlich vom Kunden gestreamt wird, ordnet Netflix die unter der gleichen IP-Adresse angemeldeten Geräte einem Haushalt zu. Die Konsequenz für das Schauen von Programmen außerhalb dieses definierten Empfangsbereiches: Die Inaussicht-stellung der Sperrung eines solchen nicht vertragsgemäß genutzten Zugangs.

    Und Netflix macht ein Angebot, denn man will ja Kunden gewinnen und nicht vergraulen. Möchte ein Nutzer den Zugang zum Streamingdienst mit jemandem außerhalb des Haushalts teilen, so ist dies mittels einer Zusatzmitgliedschaft möglich. Die Kosten dafür belaufen sich auf 4,99 € im Monat. Das Ganze funktioniert nur beim Premium-Abo, dann kann man zwei zusätzliche Nutzer anmelden, oder beim Standard-Account, hier besteht die Möglichkeit einen weiteren Zuschauer zu registrieren.

    Das Unternehmen setzt darauf, dass dieses Konzept aufgeht. In einigen Ländern hat man das Verfahren erprobt und aus Kanada weiß Netflix zu berichten, dass zunächst die Zahl der Nutzer zurückging, dann aber wieder anstieg.

    Die Maßnahmen und das Angebot des Unternehmens, sie erscheinen mir fair. Wenn ich einen Dienst nutze, dessen Inhalte abrufe und mich gut unterhalten lasse, vollkommen unabhängig von einem Programmschema und festen Sendezeiten, dann muss dieser Service, mit dessen Bereitstellung hohe Kosten verbunden sind, auch angemessen bezahlt werden. Entweder kenne ich also jemanden, dessen Anschluss ich als angemeldetes Zusatzmitglied mitnutzen kann oder ich weiche auf das werbefinanzierte Basisabo aus, das aber Einschränkungen in der Programmauswahl hat. Zuschauen ohne zu dafür zu bezahlen ist Schwarzsehen und nicht fair, schon gar nicht allen anderen Kunden gegenüber, die ihre Abo-Beiträge regelmäßig entrichten und sich an die Nutzungsbedingungen halten.

    6 min
  • A good companion?

    Autor und Sprecher

    Elisabeth Siefert
    Thorsten A. Siefert

    Technik und Gestaltung

    Thorsten A. Siefert

    Foto von Alexander Shatov auf Unsplash

    Lange Zeit war ich dieser App gegenüber skeptisch eingestellt und blieb standhaft. Das änderte sich, als ich erkennen musste, dass die meisten Menschen mit denen ich mich austausche jederzeit und unkompliziert über dieses kleine Programm erreichbar sind. Ein grünes Icon, darin eine stilisierte Sprechblase in der sich ein Telefonhörer befindet. Richtig, wir sprechen von WhatsApp, die einen lieben dieses Programm, andere Menschen möchten es aus unterschiedlichen Gründen nicht auf ihrem Smartphone installiert wissen.

    Wenn von WhatsApp die Rede ist – egal in welchem Kontext –  dann steht immer sofort das große Thema Datenschutz im Raum. Da sind zunächst einmal die Gesprächsinhalte, diese werden sicher End-to-end verschlüsselt übertragen. Was Sie also jemand anderem mitzuteilen haben, kann sonst niemand lesen, auch nicht der der Facebook-Konzern.

    Problematischer sind die sogenannten Metadaten, also Informationen über Daten, die vom Betreiber des Messengerdienstes gesammelt werden: die einzigartigen Profilbilder, Standortdaten und sonstige von ihnen für den Dienst zur Verfügung gestellte Informationen. Schwierig sind auch Backups in der Cloud, diese werden nämlich dort unverschlüsselt hinterlegt. Hier gilt: Es gibt Messenger, die mehr Sicherheit bieten. Wer sich für WhatsApp interessiert, sollte sich mit dem Datenschutz bei dieser App aktiv auseinandersetzten, bevor er sie nutzt.

    Dass man dem zum Programm gehörenden Mutterkonzern immer wieder auf die Finger schaut, scheint geboten und wohl notwendig. Da sich Meta nicht an die europäischen Datenschutzbestimmungen hält, wurde gestern Abend von der irischen Aufsichtsbehörde DPC eine Strafe in Höhe von 1,2 Milliarden Euro verhängt. Für die darüber hinaus notwendigen Nachbesserungen hat die Firma nun ein halbes Jahr Zeit.

    Zurück zum Messenger, den zwei Milliarden Menschen nutzen: Apps geraten dann in den Fokus der Berichterstattung, wenn es Probleme mit ihnen gibt oder den Nutzer neue Funktionen erwarten. Genau um diese geht es, in den letzten Wochen wurden unterschiedliche WhatsApp-Updates ausgespielt, welche die Kommunikation bunter und lebendiger machen sollen. Was erwartet die Nutzer?

    Sie stehen im Bekleidungsgeschäft und können sich nicht entscheiden, welches der beiden T-Shirts – mit der Vorauswahl waren sie selbstverständlich 30 Minuten beschäftigt – es nun werden soll. Das ist ein Moment, wo man gute Freunde und deren Rat dringender denn je benötigt. Gar kein Problem, erstellen Sie eine Umfrage und lassen Sie ihre digitale Community mitbestimmen. Neu ist in diesem Kontext, dass Sie jetzt einstellen können, dass jeder Teilnehmer nur einmal abstimmen darf. Und natürlich lässt Sie ihr Messenger nicht im Stich und versorgt Sie kontinuierlich mit aktuellen Updates zu denen von ihnen gestarteten Erhebungen.

    Beliebt ist auch die Funktion Bilder zu teilen. Davon mache ich regelmäßig Gebrauch. Entweder im Tagesstatus oder individuell mithilfe des Weiterleitens. Neu ist hier, dass sie ein Bild, das mit einem Kommentar z.B. in Form einer lustigen Bemerkung versehen war, zusammen mit dieser vollständig weiterleiten können. Einfach und praktisch.

    Doch diese Änderungen sind nichts gegen den Companion-Mode, der seit dem 25. April ausgerollt wurde. Dahinter verbirgt sich die Möglichkeit, dass Programm auf mehreren Handys gleichzeitig zu nutzen. Eine Funktion, auf welche die Anwender schon länger gewartet haben und die beispielsweise beim Apple-eigenen iMessage seit Einführung des Programms zur Verfügung steht. Bis zu vier weitere Endgeräte können verwendet werden, wurde das Smartphone mit der Erstinstallation über zwei Wochen nicht mehr aktiv mit Whatsapp genutzt, so werden alle weiteren Instanzen des Programms abgemeldet, ein sinnvolles Sicherheitsfeature.

    Und ganz aktuell und seit vorgestern verfügbar: Nachrichten können innerhalb von 15 Minuten nach Versenden bearbeitet werden, man kann also noch Wichtiges hinzufügen oder Gesagtes gegebenenfalls relativieren.

    Messenger, sie sind längst Teil unseres Alltags. Ob es für Sie WhatsApp oder eine der vielen Alternativen ist, bleibt Ihre Entscheidung. Allen Programmen gemein sind diese Vorzüge: Mal schnell jemanden informieren, eine Verabredung vereinbaren, sich in einer Gruppe zu einem bestimmten Thema fachlich austauschen oder dem Liebsten mitteilen, dass er und nur er der Liebste ist. Nachrichtendienstprogramme, sie erlauben uns nah beieinander zu sein und im unmittelbaren Austausch zu bleiben. Das ist wunderbar. Und wenn das ständige Pling-Plong mal allzu sehr nervt, so bleibt doch immer noch die ultimative Empfehlung des unvergessenen Peter Lustig: „Ausschalten!“.

    6 min
  • Kein Einzelfall

    Autor und Sprecher

    Elisabeth Siefert
    Thorsten A. Siefert

    Technik und Gestaltung

    Thorsten A. Siefert

    Foto von Pavel Danilyuk

    Die Angelegenheit geriet Ende April in den Fokus der Öffentlichkeit. Lehrer: Innen einer Oberschule im Kreis Spree-Neiße im Bundesland Brandburg, sie hatten in einem an die Presse geleiteten offenen Brandbrief formuliert, was ihnen mehr als nur Sorgen bereitete: Offen tragen Schüler: Innen der Bildungseinrichtung ihre rechtsextreme Haltung zur Schau, kombiniert mit Sexismus und Homophobie.

    Recherchen des rbb, sie ergaben sodann, dass eine Gruppe von zehn bis zwölf Schüler: Innen an der Schule offenbar tonangebend agiert, ihnen folgt unerheblichen Zahl von Mitläufern. Ein typisches Bild für Faschismus im kleinen Rahmen. Die Symptome präsentieren sich in erschreckender Eindeutigkeit: Das Zeigen des Hitlergrußes, das Rufen von Nazi-Slogans, Hakenkreuze auf verschneiten Lehrerautos, die Unterdrückung von Migrantenkindern und demokratisch orientierten Mitschülern. Und es ist wie so häufig in einer solchen Situation: Während einige Lehrkräfte sich versuchen der Angelegenheit entgegenzustellen, aber keine ausreichende Unterstützung erhalten, schweigen andere.

    Die Autoren des Brandbriefes, mittlerweile auch namentlich bekannt, verlangen nach einer „Null-Toleranz-Politik“ gegenüber den rechtsextremen Umtrieben an ihrer Schule. Sie schlagen vor, dort mehr Sozialarbeiter zu beschäftigen. Auch dem Kollegium müsse „ein niedrigschwelliges Fortbildungsangebot“ offeriert werden. Schule soll wieder, so werden die Verfasser zitiert, ein Ort der „Angstfreiheit, Weltoffenheit und Sicherheit“ werden.

    Ein Verstehen Sie das bitte richtig. Die Forderung nach einer Null-Toleranz-Haltung gegenüber offen präsentiertem Rechtextremismus, sie ist absolut richtig und alternativlos. Allerdings: Die Pubertät, in der sich die Jugendlichen nun einmal befinden, sie ist eine Phase des Erprobens und Orientierens. Die jungen Menschen sind dabei sich selbst und unzähligen Einflüssen ausgesetzt, die den Prozess der Reifung alles andere als erleichtern.

    Verstehen Sie das bitte richtig. Die Forderung nach einer Null-Toleranz-Haltung gegenüber offen präsentiertem Rechtextremismus, sie ist absolut richtig und alternativlos. Allerdings: Die Pubertät, in der sich die Jugendlichen nun einmal befinden, sie ist eine Phase des Erprobens und Orientierens. Die jungen Menschen sind dabei sich selbst und unzähligen Einflüssen ausgesetzt, die den Prozess der Reifung alles andere als erleichtern.

    Wenn Elternhaus, Schule und Gesellschaft sich ihrer nicht adäquat annehmen, dann ist es die ohnehin schon übermächtige Peergroup, welche die Herrschaft übernimmt. Bietet diese von rechten Kräften gelenkt vermeintlich Sicherheit, Geborgenheit und klare Deutungsmuster, so gerät sie zu einem Angebot, dem Heranwachsende schwer widerstehen können. Diese werden so schnell zu willfährigen Empfängern rechtsextremer Orientierungen, die sie übernehmen und alsbald ein entsprechendes Weltbild entwickeln. Nichts des hier Gesagten, es soll entschuldigen, was getan wurde, es will helfen zunächst einmal zu verstehen, was hier geschieht. 

    7 min
  • Fluten

    Autor und Sprecher

    Elisabeth Siefert
    Thorsten A. Siefert

    Technik und Gestaltung

    Thorsten A. Siefert

    Foto von Jonathan Ford auf Unsplash

    Es war letzte Woche, als wir hier bei netkiosk.digital über die große Hitze und Dürre in Spanien berichteten. Ein Beispiel für das Problem extremer Wetterlagen, mit denen wir in Folge des Klimawandels immer häufiger und intensiver konfrontiert werden. An einem Ort viel zu warm und fehlende Niederschläge über lange Zeit, woanders Wassermassen durch langanhaltenden Starkregen, der aus kleinen Bächen reißende Ströme werden lässt.

    Was – wohl auch ein Ergebnis der Klimaveränderungen – hinzugekommen ist: Die Wetterkatastrophen, sie passieren auch zunehmend vor unserer eigenen Tür, in der unmittelbaren Nachbarschaft.  Immer noch präsent ist für die Menschen in Rheinland-Pfalz das Hochwasser des Sommers 2021 im Ahrtal. Und es war Anfang Mai dieses Jahres, als im Norden desselben Bundeslandes, nur wenige Kilometer von den Redaktions- und Produktionsorten unseres Podcasts entfernt, in der Verbandsgemeinde Daaden-Herdorf durch extremen Starkregen Überschwemmungen und Hangrutsche ausgelöst wurden.

    In diesen Tagen geht unser Blick ein paar hundert Kilometer weiter gen Italien. Wie Spanien zurzeit, so hatte Norditalien im letzten Winter und diesem Frühjahr mit Dürre zu kämpfen. Nun hat sich das Blatt in der Poebene gewendet. Heftige Regenfälle sorgten am Dienstag und Mittwoch für unfassbare Fluten in der Region Emilia-Romagna in knapp 100 Gemeinden. Die Auswirkungen der Wassermassen: Flüsse traten über die Ufer, unzählige Hänge rutschten ab. Über 20.000 Menschen waren gezwungen, ihre Häuser zu verlassen. Besonders betroffen auch die landwirtschaftlichen Nutzflächen, die Verwüstung ist enorm, massive Ernteausfälle absehbar. Die Schäden liegen nach Angaben der Vize-Regions-Präsidentin Priolo bei mehreren Milliarden Euro.

    Die Bilder der Katastrophe, sie zeigen uns die massiven Folgen des Wettergeschehens: Straßen und Wege überflutet, Menschen werden auf dem Rücken von Rettern aus ihren Häusern getragen, wo das noch möglich ist. An anderen Orten stehen die Anwesen zum Teil vollständig unter Wasser, die Pegel der Flüsse sind weiterhin gefährlich hoch. Und neben all der Zerstörung Tote, bislang ist bekannt, dass 14 Menschen aufgrund der Katastrophe ihr Leben verloren.

    Der Blick in weitere Regionen des Landes zeigt, das auch hier Unwetter ihre Spuren hinterlassen haben, sowohl in der Region Kalabrien als auch auf Sizilien. Im Süden Italiens mussten 15.000 Menschen ihre Häuser verlassen. Dass die heftigen Regenfälle diese Folgen hatten, lag an der zuvor für lange Zeit herrschenden Trockenheit. Die Böden in den jetzt von den Fluten betroffenen Gebieten waren nicht in der Lage, die in kurzer Zeit heftig fallenden Niederschläge aufzunehmen, es kam schneller als sonst zu Überschwemmungen.

    Was tut die Politik? Im September letzten Jahres kündigte Italiens rechte Ministerpräsidentin Meloni an, sich um die Umwelt kümmern zu wollen. Den Klimawandel zu bekämpfen sei eine Aufgabe, die Politik und Wirtschaft gemeinsam bewältigen müssten, so hieß es in einer Erklärung der Partei der Regierungschefin seinerzeit. Viel hat sich seitdem nicht getan, ein Dekret zum Kampf gegen die Wasserknappheit wurde aufgrund der zurückliegenden Dürrephase verabschiedet, unter anderem soll die Kapazität von Stauseen erhöht werden, Regenwassersammelbecken will man ausbauen.

    Dass es damit nicht getan ist, dürfte auch Meloni klar sein und die Überflutungen der letzten Tage stellen sie vor neue Aufgaben. Ein tragfähiges Konzept, welches das durch den Klimawandel besonders betroffene Land durch die nächsten Jahrzehnte trägt, es ist bislang jedenfalls nicht erkennbar. Zunächst allerdings, bei nachlassendem Regen geht es nun darum aufzuräumen und die Schäden durch die extremen Unwetter der letzten Tage zu beseitigen, eine Mammutaufgabe für die Menschen in den betroffenen Regionen, die die Regierung des Landes hoffentlich angemessen unterstützen wird.

    5 min
  • Homophobie ist ein Delikt

    Autor und Sprecher

    Elisabeth Siefert
    Thorsten A. Siefert

    Technik und Gestaltung

    Thorsten A. Siefert

    Foto von Alexander Grey

    Es sind die Worte des französischen Regierungssprechers Oliver Véran, die nachhallen: „Homophobie ist keine Meinung, sondern ein Delikt“. Wie kam es zu diesem Satz?

    Letzten Samstag in Frankreich war der Tag gegen die Homophobie, Transphobie und Biphobie – kurz gesagt ein Tag der Akzeptanz gegenüber allen sexuellen Orientierungen und Geschlechtervarianten. Auch die französische Fußballliga bekannte entsprechend des Anlasses Farbe und zwar die des Regenbogens. Die Fußballer der ersten beiden Ligen waren gebeten dem Anlass entsprechend am vergangenen Wochenende Trikots zu tragen, die ihre Spielernummer in Regenbogenfarben zeigte.

    Zunächst einmal: Es ist bedauerlich, dass im Jahr 2023 noch für die Akzeptanz gegenüber anderen Formen des Liebens und Lebens geworben werden muss. Dies dennoch zu tun verdeutlicht, dass es wohl notwendig ist, denn Phobie vor allem, was von der Norm und Klischeevorstellungen, wie das Leben zu sein hat, abweicht, ist in unserer Gesellschaft nach wie vor zugegen. Und aus Angst wird schnell Hass, Verfolgung und schließlich Verbrechen. Es ist also enorm wichtig, Zeichen zu setzen, immer wieder, laut, bunt und gut sichtbar.

    Das Engagement der französischen Fußballliga an diesem Tag, es ist mehr als lobenswert. Gerade in dieser Sportart ist Homophobie noch sehr verbreitet. Dass eine solche Aktion gelingt, setzt allerdings Zweierlei voraus: Einigkeit darüber, dass niemand in unserer Gesellschaft ausgegrenzt werden darf und die Bereitschaft sich für genau dieses Ziel einzusetzen.

    Aufmerksamkeit erregte nun die Weigerung einiger Fußballer, sich an dieser Form der Demonstration von Solidarität zu beteiligen. Die Vereine regierten darauf strikt und suspendierten die entsprechenden Spieler für das vergangene Wochenende. Kritik an der Maßnahme blieb nicht aus, sowohl von der zuständigen Gewerkschaft als auch von einzelnen Sportlern. So wurde argumentiert, dass man selbstverständlich anderen gegenüber respektvoll sei, dies aber auch für sich selbst in Anspruch nehme, wenn es um die eigene Meinung gehe. Atempause.

    Es geht hier nicht um eine Meinung, eine Position. Es geht darum, dass einer Gruppe von Menschen, die seit langer Zeit und immer noch diskriminiert und ausgegrenzt wird – in vielen Staaten dieser Welt geschieht das weiterhin und darüber hinaus noch Schlimmeres – die Rechte zuzugestehen, welche wir gemeinhin als Menschenrechte bezeichnen und deren Zauber darin liegt, für jeden Einzelnen zu gelten.

    Homophobie, Transphobie und Biphobie sind keine Meinung, sie sind aus sich heraus unerträglich und verstoßen massiv gegen die Prinzipien der Gleichheit und Gleichberechtigung, welche unserer Gemeinschaftsordnung zu eigen sind. So gilt folglich der Satz des französischen Regierungssprechers: „Homophobie ist keine Meinung, sondern ein Delikt“.

    4 min
  • iglu

    Autor und Sprecher

    Elisabeth Siefert
    Thorsten A. Siefert

    Technik und Gestaltung

    Thorsten A. Siefert

    Foto von Oleksandr Pidvalnyi

    Alle fünf Jahre wird gelesen. Zuletzt waren 4.600 Viertklässler von insgesamt etwa 252 Grund- und Förderschulen dabei, die zeigten sollten, wie gut ihnen diese Kulturtechnik gelingt. Um das festzustellen, wurden den Kindern Sachtexte, aber auch Auszüge aus altersgerechten literarischen Werken vorgelegt, anschließend folgten die zu bearbeitenden Aufgaben. Diese dienten dem Zweck festzustellen, wie gut es klappt mit der Rezeption von Gedrucktem bei unseren Jüngsten. Aber nicht nur der bundesrepublikanische Nachwuchs wurde geprüft. Vielmehr handelt es sich bei der Internationalen Grundschul-Leseuntersuchung, kurz Iglu, um eine vergleichende Schulleistungsstudie, an der Kinder aus 65 Nationen teilnehmen.

    Gestern Mittag nun lagen die Ergebnisse endlich vor, zwei Jahre nach dem durchgeführten Test. Die Nachrichten sind keine guten, 25 Prozent der bundesdeutschen Viertklässler ver-fügen nicht über eine ausreichende Lesekompetenz, um Texte auf dem Mindestniveau verstehen zu können. Anders formuliert: Ein Viertel unserer Kinder verlässt die Grundschule und es ist jetzt bereits klar, dass sie für die folgenden Jahre ihrer Schulzeit nicht so vorbereitet sind, dass sie erfolgreich sinnentnehmend lesen können. Lesen um zu lernen, es  kann den Betroffenen nicht gelingen, der Misserfolg ist bei einer solchen Ausgangsposition vorprogrammiert.

    Die Suche nach den Ursachen, sie begann bereits auf der Pressekonferenz, bei der die Ergebnisse veröffentlicht wurden. Einen Teil ihrer Grundschulzeit haben die Getesteten gar nicht in Bildungseinrichtungen verbringen und dort lernen können, da während der Pandemie die Schulen immer wieder geschlossen waren. Es kam also darauf an, ob die Eltern Zeit, Gelegenheit und auch das notwendige Können hatten, um mit ihren Kindern zu üben. Hashtag „Soziale Lerngerechtigkeit in der Bundesrepublik“.

    Aber Corona allein ist sicherlich nicht ausschließlich für die schlechten Ergebnisse verantwortlich. Der Erfolg des Lesenlernens, er hängt auch hiervon ab: Wie oft lesen Eltern ihren Kindern vor oder mit ihnen gemeinsam? Um beim Nachwuchs die Freude an der Literatur zu wecken, muss man früh beginnen und kontinuierlich wieder nachsteuern, dem Alter, der Entwicklung und den immer wieder neuen Interessen der Kleinen folgend. Die Begegnung mit dem Lesen in der Kindheit, sie entscheidet mit darüber, mit welchem Erfolg der Lernprozess in der Grundschule gelingt.

    Vom Zuhause in den Raum der Schule: Interessant sind die Forderungen, die die wissenschaftliche Leiterin des deutschen Teils der Igel-Studie aus den Untersuchungsergebnissen ableitet. In den ersten Schuljahren muss der Anteil des Lesens am Unterricht erhöht werden. Kinder mit Leistungsrückständen sollen besondere Förderung erfahren, nachdem diagnostisch geklärt wurde, welche Ursachen für die Probleme verantwortlich sind. Darüber hinaus bedarf es einer zusätzlichen Ausbildung der Lehrkräfte im Bereich der Sprach- und Leseförderung und schließlich soll die Unterstützung der Kinder so frühzeitig wie möglich beginnen.

    Die Forderungen, sie sind nachvollziehbar und logisch. Leider wird ihre Umsetzung Geld kosten. Hier geht es nicht um einen Förderlehrer mehr oder einen größeren Materialpool. Lehrpläne müssen dahingehend geprüft werden, ob genug Zeit für die Vermittlung und Einübung elementarer Fertigkeiten im Unterricht eingeräumt wird. Die Ausstattung der Schulen sollte so gestaltet sein, dass sie den Bedürfnissen und Lernwegen ihrer Schüler entspricht, die Materialien müssen vielfältiges und individuelles Lernen ermöglichen.

    Und das Land benötigt deutlich mehr Lehrer, gut ausgebildet und vor allem vorbereitet auf einen Alltag, in dem individuelle Unterstützung und Chancenausgleich ganz weit vorne im Pflichtenheft stehen und nicht Selektion. Länger gemeinsam zu lernen, um mehr voneinander zu lernen, auch darüber ist nachzudenken. Und es muss eine grundsätzliche Bereitschaft vorhanden sein, in die Bildung aller Kinder und damit in die gesamte nächste Generation nachhaltig zu investieren. Könnte man sich dafür entscheiden, wäre das ein erster kleiner Silberstreif an dem doch insgesamt recht dunklen Bildungshorizont.

    5 min
  • Meloni und die RAI

    Autor und Sprecher

    Elisabeth Siefert
    Thorsten A. Siefert

    Technik und Gestaltung

    Thorsten A. Siefert

    Foto von Manuel Moutinho

    In Italien ist es wohl nicht ungewöhnlich. Aber eigentlich entspricht das Vorgehen nicht dem, was in einer modernen westlichen Demokratie möglich sein sollte. Dennoch ist es wohl zur Routine geworden, dass mit jeder neuen Regierung auch eine massive Einflussnahme auf wichtige Posten der RAI ausgeübt wird. Das ist für uns irritierend, im Land am Mittelmeer kaum für jemanden überraschend. Es sei denn, auf den Prozess rund um die Neubesetzung eines Postens wird die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit mehr gelenkt als sonst üblich, ungewollt.

    Geräuschlos kann man das Vorgehen der italienischen Ministerpräsidentin, der postfaschistischen Georgia Meloni, jedenfalls nicht nennen. Entweder es war ungeschickt oder der Politikerin ist es vollständig egal, dass man ihre Machenschaften ohne Mühe durchschauen kann. Zu vermuten ist Letzteres.

    Die Person, um die es zunächst einmal geht, es handelt sich um den vergangene Woche zurückgetretenen RAI-Senderchef Fuortes, der öffentlich erklärte unter der jetzigen rechtsnationalen Regierung nicht mehr in seinem Amt tätig sein zu können. Vorausgegangen war ein Monate währender Konflikt zwischen ihm und der Regierung. Forderungen nach Änderungen des Programms oder der redaktionellen Ausrichtung wurden von Fuortes abgelehnt. Bereits im September hatte sich die Partei Melonis über den Senderchef beschwert. Nun hatte dieser also genug. Von Seiten der Regierung sieht man sich aber offenbar verpflichtet, ihm eine Stelle als Alternative anzubieten. Fuortes, so beschloss man, könne nun Intendant des Theaters San Carlo in Neapel werden.

    Das Haus dort, es hat allerdings einen Leiter, den Franzosen Steffané Lissener. Dies wohl wissend, wurde mit dem Beschäftigungsangebot für Fuortes gleichzeitig die in Italien geltende Höchstaltersgrenze von 70 Jahren für Intendanten auf Menschen ausgedehnt, die eine andere Nationalität besitzen. Das Lissener sich bereits im siebten Lebensjahrzehnt befindet, war damit also der Weg für den ehemaligen RAI-Chef frei. Es sei denn, der französische Theaterchef ist mit seiner von ihm eingereichten Beschwerde beim zuständigen Arbeitsgericht erfolgreich.

    Worum es der Regierung Meloni, das ist offensichtlich: Einflussreiche Positionen in Kultur und Gesellschaft, sie sollen mit politisch für die Neofaschisten verlässlichen Partnern besetzt sein. Ganz besonders im Zentrum des Interesses ist dabei das staatliche Fernsehen RAI. Dem bisherigen Senderchef folgt ein langjähriger Vertrauter Melonis, Giapaolo Rossi. Ihm geht es darum, Schluss mit „Dauerpräsenz der Linksintellektuellen“ im Programm des Senders zu machen. Auch bestimmte Kulturschaffende, die dem linken Spektrum zuge-rechnet werden, sollen weniger präsent sein. Und auch die verantwortlichen Personen für die wichtigsten Nachrichtensendungen, sie sollen mit politisch Getreuen besetzt werden.

    Woran erinnert sie das? Ja, eine Verbindung zwischen Politik und Medien ist in Demokratien nicht ungewöhnlich und das versucht wird, auf die Ausrichtung von Inhalten Einfluss zu nehmen, überrascht nicht. In zugespitzter Form können wir solche Entwicklungen in der Türkei, vollkommen unverhohlen in Russland beobachten. Damit das Konzept eines demokratischen Staates aber funktionieren kann, bedarf es unabhängiger, kritischer und vor allem staatsferner Berichterstattung. Alles Versuche, diese in welcher Form und in welchem Umfang einzuschränken und den Regierenden wunschgemäß auszurichten, sie führen schließlich zu medialer Gleichschaltung, die einen Übergang zu einer Autokratie – häufig politisches Ziel der Rechtspopulisten – erleichtert, vielleicht sogar final erst ermöglicht.

    5 min
  • ESC - gestern und heute

    Autor und Sprecher

    Elisabeth Siefert
    Thorsten A. Siefert

    Technik und Gestaltung

    Thorsten A. Siefert

    Foto von Haley Lawrence auf Unsplash

    Alles nahm seinen Anfang im Jahr 1956 im schweizerischen Lugano. Die Teilnehmer :Innen, sie kamen aus dem gastgebenden Land, Belgien, Luxemburg, Frankreich, Italien, den Niederlanden und der Bundesrepublik. Lys Assia gewann ihn schließlich für die Eidgenossen mit dem Song „Refrain“, den ersten Grand Prix, der schon längere Zeit unter dem englischsprachigen Titel „Eurovision Song Contest“ firmiert, ein Sangeswettbewerb, welcher im überschaubaren Rahmen und auf Schlagerniveau startete, seitdem größer, farbenfroher, experimenteller und auch diverser geworden ist.

    Jeder, der die Veranstaltung in den letzten Jahren verfolgt hat, kann seine persönlichen Favoriten benennen. Unvergessen für mich aus jüngerer Vergangenheit die Beiträge aus Italien, 2022 Mahmood und Blanco mit dem herzzerreißenden Song Brividi, 2021 die unglaublich junge und unfassbar kreative Band Moneskin mit dem lauten und dennoch melodischen Lied Zitti E Bouni.

    Nach langer Eurovision-Abstinenz bin ich in das Anschauen des Wettbewerbs irgendwann in der Mitte der 2000er-Jahre wieder eingestiegen. Beeindruckend die häufig folkloristisch geprägten Beiträge der osteuropäischen Teilnehmer: Innen. Und erinnern Sie sich noch an Verka Zerduchka, eine ukrainische Dragqueen, die mit enormem Glammer und Glitzer 2007 Dancing Lasha Tumbai vortrug oder im Jahr davor an Lordi, die uns mit Hard Rock Halleluja  … sagen wir mal … überraschten. Unvergessen ebenso die Beiträge von Tatu und Dima Bilan aus Russland.

    Nun also zum vergangenen Samstagabend: Eröffnet wurde die Veranstaltung von den Vorjahressiegern Kalush Orchestra aus der Ukraine mit ihrem Song „Stefania“, musikalisch unterstützt von großartigen Künstlern wie Andrew Lloyd Webber und schließlich auch Prinzessin Kate am Flügel. Anschließend folgte der obligatorische Einmarsch der Teilnehmer: Innen begleitet von Kurzauftritten ukrainischer Acts aus den vergangenen Jahrzehnten. Schließlich die Begrüßung durch ein fantastisches Moderatorenquartett: Alesha Dixon, Julia Sanina, die ganz einmalige Hannah Waddingham und schließlich der großartige Graham Norton.

    Die Beiträge der Künstler: Innen, sie zeigten die Vielfalt Europas so, wie es eben nur ein Eurovision Song Contest kann: Fantastische Popmusik aus der Schweiz, Belgien und nicht zuletzt Zypern. Nachhaltig beeindruckend die Auftritte der Teilnehmer: Innen aus Frankreich, Italien und Portugal. Folkloritisch geprägte Musik gab es genauso wie die alle Jahre wiederkehrenden durch ihre Perfomance herausragenden und vor allem deshalb gut memorablen Songs: Sie kamen diesmal aus Finnland und Kroatien.  Moment auf das  Handy geschaut und auf der Bühne plötzlich ein Event in schon vergessener Doppelripp-Qualität, überraschend.

    Die Platzierungen: Für Deutschland – wie auch schon die Jahre zuvor – gab es eine verdiente Teilnehmerurkunde, Platz 26 von 26. Auf dem Siegerpodest ganz oben durfte sich die Schwedin Loreen mit ihrem Song Tatoo einfinden, sie hatte bereits 2012 einmal den Wettbewerb gewonnen. Die Sängerin kann ganz offenbar Eurovision, warum an einem bewährten Konzept etwas ändern. Den zweiten Platz gab es für einen teilweise oberkörperbelüfteten Finnen, dessen Song innerhalb von drei Minuten unterschiedliche Genres passierte und mit einem Augenzwinkern auf der Pop-Partymeile endete. Schließlich die Bronzemedaille für Israel, man besang das Unicorn, versehen mit einer wahrhaftig beeindruckenden Tanzperformance.

    Insgesamt: Ein farbenfroher Abend, Vielfalt und gute Musik, eine Reise kreuz und quer über unseren Kontinent. Die Moderation entspannt, hurmorvoll und unprätentiös. Die Produktion einfach großartig, das Publikum begeistert: Eurovision at it´s best. Für ein paar Stunden den Alltag vergessen und wohl wissend und daran denkend, dass der Contest eigentlich in der Ukraine hätte stattfinden sollen. Für all das: Vielen Dank, Liverpool.

    5 min
  • Spanischer Sommer!

    Autor und Sprecher

    Elisabeth Siefert
    Thorsten A. Siefert

    Technik und Gestaltung

    Thorsten A. Siefert

    Foto von Mike Erskine auf Unsplash

    Wenn Sie zu den Fans des Sommers gehören und Temperaturen deutlich über 30 Grad schätzen, dann empfehlen wir einen Urlaub in Spanien. Nicht in ein oder zwei Monaten. Reisen Sie jetzt. Bereits Ende April zeigten die Thermometer auf der iberischen Halbinsel hohe und vor allem anhaltende Messwerte, die für diese Jahreszeit unüblich sind. Sevilla und Cordoba meldeten beispielsweise Temperaturen von um die 36 Grad.

    Spanien reagiert nunmehr auf die Situation und schaltet das Land sozusagen in den Sommermodus um: Freibäder werden bereits Mitte Mai geöffnet, die Taktung des öffentlichen Nahverkehrs erfährt eine Verdichtung, um lange Wartezeiten im Freien zu reduzieren. Und auch der Schulbetrieb wird entsprechend angepasst. Das Land befindet sich im Hitzestress und das mitten im Frühjahr.

    Ernster das Problem der Verfügbarkeit von Trinkwasser. Hinter den Spaniern liegt ein extrem trockener Winter. Die Konsequenz: Die Stauseen – genutzt sowohl für die Stromproduktion als auch die Wasserversorgung – sind teilweise so ausgetrocknet, dass einige Kommunen in Cordoba ihr Trinkwasser aus Tankwagen beziehen müssen. Bleibt die Hitze den Menschen dort erhalten, hilft auch der Regen, der in der Zukunft ggf. fallen wird, nicht weiter. Dieser würde nämlich in den Auffangbecken, die die Stauseen letztendlich sind, zum großen Teil verdunsten.

    Man wird mit der Ressource Wasser haushalten müssen, das ist jetzt bereits absehbar. Lediglich in den Küstenregionen des Landes scheint die Versorgung gesichert. Welche Beschränkungen notwendig sind, zeigen die in Katalonien bereits im Februar ergriffenen Maßnahmen: Massive Beschränkungen für die Großverbraucher Landwirtschaft und Industrie, aber auch eine Limitierung der verfügbaren Menge Wassers pro Person. Ob das ausreicht, wird sich zeigen müssen. Spanien erwartet einen Hitzesommer, der dem von 1914 in nichts nachstehen soll.

    Positive Nebeneffekte? Ja, für Touristen vielleicht. Es war im vergangenen Jahr, als plötzlich ausgetrocknete Stauseen die Sicht freigaben auf Bauwerke und Siedlungen, die für lange Zeit unter Wasser gestanden hatten. Im Februar 2023 konnte man am Stausee Alto Lindoso der Überreste des Ortes Aceredo gewahr werden. Seinerzeit war das Sammelbecken mit nur 15 % des wertvollen Vorrats gefüllt. Eindeutig zu wenig, um durch einen heißen Sommer in diesem Jahr zu kommen.

    Das also ist die Lage in Spanien. Erleben wir in Europa nur ein paar warme Jahre oder handelt es sich doch um den Klimawandel? Vieles spricht für Letzteres. Der vergangene Sommer war einer der Trockensten in Europa. Seit 2015 haben wir die wärmsten Zeiten in Folge erlebt. Ein weiterer Anstieg der Temperaturen in diesem oder im nächsten Jahr wird vom Strömungsmuster „El Niño“ ausgelöst werden, der als ein Garant für neue Hitzerekorde gilt.

    Blickt man weiter in die Zukunft und ändern wir nichts an der Qualität und Quantität von Treibhausgasen, die wir emittieren, dann werden die Folgen noch gravierender sein: eisfreie Alpen, eine erschwerte Wasserversorgung zum Beispiel auch Italiens und ein sehr niedriger Rheinpegel, der die Schifffahrt auf dem Fluss stark einschränken wird. Die Menschen in Europa, sie werden sich sehr umstellen müssen in den nächsten Jahrzehnten, der Klimawandel – das scheint recht sicher zu sein – ist längst in vollem Gange.

    4 min

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