
Sign up to save your podcasts
Or


Autor und Sprecher
Technik und Gestaltung
Foto von Armin Rimoldi
Es war am 20. April dieses Jahres, da veröffentlichte das Statistische Bundesamt Daten zu Menschen, die in Deutschland leben und eine Migrationsgeschichte haben. Bevor wir genauer auf die aus dem letzten Mikrozensus entnommenen Daten blicken, sollten wir schauen, wie die untersuchte Gruppe von der Behörde definiert wird, Zitat: „Insgesamt umfasst die Bevölkerung mit Migrationshintergrund alle Personen, die entweder selbst nicht mit deutscher Staatsangehörigkeit geboren sind oder bei denen mindestens ein Elternteil nicht mit deutscher Staatsangehörigkeit geboren ist.“
Hauptergebnis der Untersuchung: 20,2 Millionen Menschen in der Bundesrepublik, sie haben einen Migrationshintergrund, fast ein Viertel unserer Bevölkerung also. Im Vergleich zum Vorjahr ist das ein Mehr von 1,2 Millionen. Auffallend, aber auch selbsterklärend ist die steigende Zahl der Migranten aus der Ukraine, Syrien und Afghanistan.
Die Gründe für das Verlassen des Heimatlandes sind vielfältig: Hauptursache bleiben weiterhin Flucht und Vertreibung, knapp 28 % der Befragten geben dieses Motiv an. Erwerbstätigkeit mit etwas mehr als 24 % und Familienzusammenführung mit annährend 24 % folgen. Ca. 8 % der Einwanderer möchten ihre Ausbildung oder ein Studium in Deutschland absolvieren.
Das Zuhause hinter sich lassen, in ein anderes Land gehen. Freiwillig, um zu lernen und zu wachsen, unfreiwillig um in Sicherheit zu sein, Gründe gibt es viele. Welche auch immer es sein mögen, woanders neu anzufangen fällt schwer. Schlecht, wenn man dann Ablehnung erfährt. Gut, wenn man gern gesehen ist und unterstützt wird. Menschen, die zu uns kommen, sie erleben beides.
Menschen mit Migrationshintergrund: Ich gratuliere meinen beiden Brüdern und mir. Was uns eint? Wir drei gelten als eben solche, unsere Väter stammen aus Indien, Afrika und Großbritannien. Nur unsere Schwester, sie ist nicht Teil dieser Gruppe. Während diese und einer meiner Brüder zur Adoption freigegeben wurden, wuchs ich mit dem verbleibenden Bruder auf. Sein Vater war indischer Herkunft und ins Land gekommen, um Geld zu verdienen, sich eine Zukunft aufzubauen. Aus meiner Perspektive der natürlichste und legitimste Grund für Migration. Mein Vater, ein Brite, war einfach nur in Celle stationiert und kehrte irgendwann nach England zurück. Ich kenne ihn nicht.
Meinem Bruder und mir wurde schnell bewusst, wir wuchsen in den 70iger Jahren auf, dass wir irgendwie nicht dazugehörten zu der Gesellschaft und auch, dass man auf uns – aus vermutlich unterschiedlichen Gründen, die unter anderem in einer Nichtanpassung an sonstige gesellschaftliche Normen ihren Ursprung hatten – herabschaute. Beschimpfungen und verächtliche Bemerkungen waren an der Tagesordnung, Tommy-Bastard ist einer der Begriffe, an den ich mich noch entsinne. Und aufgrund des auffällig anderen Hauttones musste mein mit mir aufwachsender Bruder rassistische Anfeindungen über sich ergehen lassen, immer wieder. Dass unsere Mutter mit ihren vier nicht ehelichen Kindern mit in die Tiraden einbezogen wurde, vermag man sich vorzustellen.
Unser Umgang mit diesem Phänomen? Leiden, aushalten, irgendwann genug Selbstwert-gefühl entwickeln und einfach sein Ding machen. Genau das haben mein Bruder und ich getan. Umgeben und auch unterstützt von Menschen, für die das keine Rolle spielte.
Warum dieser Rückblick? Nun, damals war es dieses nicht näher zu definierende Gefühl kein Teil der deutschen Gesellschaft zu sein. Abneigung und Ausgrenzung waren erlebbar, es fehlte aber noch so etwas wie ein Label, ein Status. Der Begriff „Menschen mit Migrationshintergrund“ wurde uns nun zugewiesen. Danke, wir wissen jetzt endlich, wer wir sind, was uns ausmacht, uns definiert, es ist unsere Herkunft. Wirklich, wahrhaftig?
Oh, und integrieren möchten wir uns bitte auch noch. Ich kann hier nur für mich sprechen: Kooperation, Akzeptanz des hier gesetzten Rahmens des Zusammenlebens: Ja. Integration in eine Welt, die mir immer wieder mit Ablehnung begegnet ist aus unterschiedlichsten Gründen und dies bis heute tut: Nein, Danke. Es sind die Worte meiner Großmutter, die nachhallen. Bei all ihrer konservativ bürgerlichen Grundhaltung und den dazugehörigen Wertvorstellungen, begegnete sie uns mit Liebe, förderte unser Wohlergehen, wir waren ihre Enkel und sie unsere Oma. Und manchmal sagte sie, auch den Anfeindungen der Außenwelt begegnend: „Wir machen uns mit den Leuten nicht gemein.“ Damit bezog sie sich auf vielerlei. Für mich ein Satz, den ich allen freundlich entgegne, die mich ablehnen, weil ich bin, wer ich bin.
Autor und Sprecher
Technik und Gestaltung
Foto von Marcus Aurelius
Schlichtweg nicht nachvollziehbar ist folgende Position: Dass behinderte Menschen Schwierigkeiten beim Finden einer Beschäftigung haben, ist im Wesentlichen ein Vermittlungsproblem und liegt nicht an den Unternehmen. Mit dieser Begründung stimmte die CDU-Fraktion vergangenen Freitag gegen einen Entwurf, der dennoch den Bundestag erfolgreich passierte. Kernelement der Novelle mit dem Titel: Gesetz zur Förderung eines inklusiven Arbeitsmarktes ist:
Wer behinderte Menschen zukünftig nicht im geforderten Umfange beschäftigt, der muss nunmehr eine Ausgleichsabgabe in Höhe von 720 € monatlich zahlen. Dies gilt pro Pflichtarbeitsplatz für Betriebe ab 60 Arbeitnehmer: Innen. Eine Firma dieser Größe müsste zwei Menschen mit Inklusionsbedarf beschäftigen. Tut sie dies nicht, beträgt die zu entrichtende Ausgleichsabgabe folglich 1.440 €. Im gleichen Zuge entfällt das bislang zu bezahlende Bußgeld von 10.000 €, das zu entrichten war, wenn der Betrieb keinen behinderten Menschen beschäftigte.
Schauen wir genauer in den Entwurf. Neben der Verdoppelung der Abgabe und des Entfalls des Bußgeldes, was steht noch darin? Die durch die Novelle erzielten finanziellen Mittel sollen hauptsächlich zum Zwecke von beschäftigungsfördernden Maßnahmen für Menschen mit einer Behinderung ausgegeben werden. Darüber hinaus: Wurden Anspruchsleistungen beim Integrationsamt beantragt, so gelten diese – wenn innerhalb von 6 Wochen kein Bescheid zugestellt wird – als genehmigt. Die Deckelung des Lohnkostenzuschusses beim Budget für Arbeit wird aufgehoben und ein Sachverständigenbeirat Versorgungsmedizinische Begutachtung beim Bundesministerium für Arbeit und Soziales soll eingerichtet werden.
Die Idee hinter der Änderung, so der zuständige Minister, Hubertus Heil, ist es Menschen in den Arbeitsmarkt leichter zu integrieren, die hochqualifiziert seien, aber aufgrund ihrer Behinderung keine Beschäftigung finden würden. Dies, so Heil, sei ökonomischer Unfug und in Zeiten von Fachkräftemangel nicht vertretbar. Eine nachvollziehbare Position, ist doch der Anteil der nach Arbeit suchenden behinderten Menschen mit einer abgeschlossenen Ausbildung recht hoch.
Kritik am Gesetz kommt von den Linken: Während die gezielte Verwendung der bei den Unternehmen erhobenen Ausgleichsabgabe ausdrücklich gelobt wird, weist man gleichzeitig darauf hin, dass immer noch zu wenig für behinderte und chronisch Kranke Langzeitarbeitslose getan werde.
Und die Betroffenen selbst? Dass etwas in Bewegung gerät, wird gelobt. Ottmar Miles-Paul, er ist Sprecher der Liga Selbstvertretung stellt heraus, dass die Ausgleichsabgabe immer noch zu gering sei und kritisiert Sonderbedingungen für kleine Betriebe, die unter den bislang nicht beschäftigenden Unternehmen in der Tat einen Anteil von über 90 % haben.
Eine gute Gesellschaft, man kann sie auch daran erkennen, wie sie mit Menschen umgeht, die Hilfe, Unterstützung oder einfach nur einen Nachteilsausgleich benötigen, um ihren Platz zu finden, eben auch in der Arbeitswelt. Das Gesetz erscheint mir zwar ein Schritt in die richtige Richtung zu sein, aber solange der Wert eines Mitarbeiters durch das eindimensionale Primat einer einzigen Kategorie von Leistung bestimmt und nicht der Mensch mit all seinen Begabungen, Fertig- und Fähigkeiten gesehen wird, sind wir von so etwas wie Gleichberechtigung noch zu deutlich entfernt.
Die Konzentration auf vermeintliche Defizite macht es schwer. Es ist nicht die Aufgabe des behinderten Menschen der Gesellschaft und dem Wirtschaftssystem gerecht zu werden. Ziel der Politik muss es sein, die Entstehung eines Arbeitsmarktes für alle voranzubringen, um langfristig von einem Alimentationssystem weg hin zu echter Partizipation auch der Menschen zu kommen, denen eine vollständige und gleichgestellte Beteiligung am Erwerbsleben bislang ganz oder partiell versagt war.
Autor und Sprecher
Technik und Gestaltung
Foto von Thorsten Siefert
Auswirkungen des Urteils einer FIFA-Kammer gegen den 1. FC Köln
Autor und Sprecher
Technik und Gestaltung
Foto von Markus Spiske
Es war an einem Donnerstag. Der 27. März 2023, das ist noch gar nicht so lange her. Große Teile der Bundesrepublik, sie erlebten den Verkehrsstillstand, was den ÖPNV betraf. Richtig, der Megastreik, zum Ende des letzten Monats, initiiert von der Eisenbahn- und Verkehrs-gewerkschaft sowie ver.di. Seit diesem Ereignis ist es den Tarifparteien ganz offenbar nicht gelungen, die Forderungen der einen und die Angebote der anderen Seite in Einklang zu bringen.
Heute, Freitag, 21. April 2023: Seit 3.00 Uhr in der Früh und noch bis 11.00 Uhr streiken Mitglieder der Eisenbahn- und Verkehrsgesellschaft erneut. Die Deutsche Bahn wird ihren Fernverkehr bis 13 Uhr einstellen, ihn eventuell dann wieder sukzessive aufnehmen können. Auch der Regional- und Nahverkehr wird pausieren müssen, kann allerdings ggf. früher wieder fortgesetzt werden. Mit Störungen ist allerdings bis in den Nachmittag zu rechnen.
Zudem werden die Flughäfen Düsseldorf, Hamburg und Köln/Bonn von ver.di bestreikt werden. Hamburg war schon gestern vollständig geschlossen, insgesamt entfallen heute und morgen zahlreiche Abflüge. Köln/Bonn und Düsseldorf melden Teilausfälle. Für ca. 80.000 bis 100.000 Menschen in Summe bedeutet dies Umplanen. Grund des Ausstands: Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertreter sind sich nicht einig über Zeitzuschläge und die Bezahlung der Überstunden von Mitarbeit: Innen im Luftsicherheitsbereich an den Airports.
Etwas weiter sind die Tarifverhandlungen im öffentlichen Dienst gediehen. Hier liegt bereits ein Schlichtungsergebnis vor. Auf dem Tisch befindet sich folgender Vorschlag: neben einem Inflationsausgleich von 3.000 € in mehreren Stufen soll es eine Erhöhung des Lohnes ab 2024 um 200 € geben, später einen weiteren Einkommensanstieg von 5,5 %. Dieses Modell in die eigenen Verhandlungen zu übernehmen, ein nicht ungewöhnlicher Vorgang in Tarifauseinandersetzungen, ist erklärtermaßen keine Option für die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft.
Im Fernreiseverkehr heute gilt: Möchten Sie einen innerdeutschen Flug nutzen, dann verzichten Sie lieber darauf und versuchen Sie auf eine spätere Bahnverbindung oder das Auto auszuweichen. Die am Freitag ohnehin vollen Fernreisezüge werden am Nachmittag – wenn sie denn überhaupt aus den Depots rollen – aufgrund der zu erwartenden Überfüllung nur ächzend vorankommen. Bei Flügen ins Ausland ist zu prüfen, ob es an anderen deutschen Flughäfen alternative Reisemöglichkeiten gibt, ggf. lohnt sich auch der Blick in benachbarte Länder.
Pendler und Kurzreisende, die mit Regional- , S-Bahnen und auch Bussen unterwegs sein wollten, sollten sich rechtzeitig Ersatz suchen. Hilfreich ist es auf jeden Fall, sich so früh wie möglich zu informieren. Ansonsten gilt: Sie sind ja geübt in der Sache. Wie haben sie Ende März ihr Ziel erreicht? Die Streikvorwarnung, sie war damals sehr rechtzeitig erfolgt und man hatte den Eindruck, dass die Arbeitsniederlegung ein wenig ins Leere verlief, was wohl auch der Einrichtung des pandemie-erprobten Homeoffice zu verdanken ist. Zu hoffen bleibt nur, dass man sich bei den nun wiederbeginnenden Verhandlungen inhaltlich aneinander annähert. Die EVG jedenfalls erklärte schon, dass sie auch zu weiteren Streiks bereit ist. Es sieht so aus, als wäre neben dem üblichen Organisieren einer Reise oder eines Arbeitsweges die Weiterentwicklung Ihrer Umplanungskompetenz ein zunehmend wichtiger Skill, zumindest in den kommenden Wochen. Bleiben Sie also flexibel.
Autor und Sprecher
Technik und Gestaltung
Foto von Miguel Á. Padriñán
Das Wort Prüfungen sagt unmissverständlich, worum es bei einem solchen Ereignis geht. Und auch wenn man es ausspricht, Prüfungen, dann merkt man bereits einen leichten Schmerz, ein kurzes Stechen, sehr unangenehm. Der Umgang mit dem Stattfinden von Examen aller Art kennt eigentlich nur zwei Aggregatzustände: Geschmeidig ausweichen, wenn irgendwie vermeidbar oder Augen zu und durch. Für die zweite Variante empfiehlt es sich, sofern Ihrerseits ein Interesse am Erfolg der Veranstaltung besteht, doch besser präpariert zu sein.
Stellen wir uns vor, Sie sind vorbereitet, bestens vorbereitet: Literatur wurde gesichtet, gelesen, Exzerpte geschrieben, Lernkarten und Plakate erstellt, schlichtweg der Traum eines jeden Lernenden. Dann kommt der große Tag und die ganz Angelegenheit findet schlichtweg nicht statt. Verschoben, von heute auf übermorgen. So ging es gestern Abiturienten in Nordrhein-Westfalen. Wer sich für Mittwoch auf eine Prüfung in den Fächern Biologie, Ernährungslehre, Informatik, Physik oder Technik vorbereitet hatte, erfuhr am Abend zuvor: Daraus wird nichts.
Verantwortlich: Ein Downloadproblem. Die Klausuren, sie werden von den Schulen vor dem Ereignis heruntergeladen. Das gelang auch einigen Bildungseinrichtungen, andere allerdings gingen leer aus. Offenbar zu viele. Es blieb also dem Schulministerium nichts anderes übrig, als auf Abbruch zu klicken. Dies allerdings tat man erst mit zeitlicher Verzögerung, sodass den Schulen zunächst nur Abwarten übrigblieb, bis man ihnen den Abiturstopp schließlich mitgeteilt hatte. Das ist nichts für ohnehin vor Klausuren angeschlagene Nervensysteme und bekommt wirklich niemandem gut.
Verlegt hat man die betroffenen Prüfungen nun auf Freitag. Und neben den Hauptgeschädigten, also den vorbereiteten Schüler: Innen, sind es auch die Schulen, die quasi über Nacht ihren ganzen Betrieb für den gestrigen Tag umstellen mussten, falls das überhaupt noch machbar war. Und nun soll alles für Freitag neu vorbereitet werden. Für die Beteiligten eine unglaubliche Zumutung. Aus dem Schulministerium war zu hören, dass die Störung und kurzfristige Verschiebung der Abiturklausuren außerordentlich ärgerlich seien. Man wolle die Angelegenheit aufarbeiten und Konsequenzen daraus ziehen.
Jetzt also: Neuer Versuch, schon morgen am Freitag. Der festgelegte Ersatztermin präsentiert sich als neuer Beweis der Sensibilität der Bildungssteuerungseinrichtung des Landes NRW. Nur zu Ihrer Information, liebe Frau Feller, am 21.04. ist ein hoher islamischer Feiertag, das Fasten wird mit dem Zuckerfest beendet. In einer multikulturellen Gesellschaft mal so eben einem nicht unerheblichen Teil der Bevölkerung vor den Kopf stoßen, das ist offenbar für die CDU-Politikerin kein Problem. Mittlerweile hört man aus dem Ministerium, dass islamische Schüler sich befreien lassen und die entsprechende Prüfung dann nachschreiben können. Im aufgrund des zu erwartenden Streiks fehlenden Angebotes an öffentlichen Verkehrsmitteln sieht man keine wirkliche Hürde, schließlich begännen die Klausuren ja erst um 9 Uhr.
Ich jedenfalls schlage vor, den Start des NRW-Abiturs 2024 auf Ostermontag zu legen. Dann hat man auch von Karfreitag an Zeit, alle technischen Probleme vorab zu lösen, ein kleiner Urlaubsstopp für die Mitarbeiter im Bereich Bildung in NRW würde zudem zu einer Reduzierung des Osterreiseverkehrs beitragen.
Autor und Sprecher
Technik und Gestaltung
Foto von Kindel Media
Thema Nr. 1: Demenz. Die Krankheit, die uns und unsere Erinnerungen nach und nach verschwinden lässt. Zunächst bemerkbar als Vergesslichkeit, die ihre Ursache auch einfach im Alltagsstress haben kann. Dann Probleme mit dem Kurzzeitgedächtnis, fortschreitend. Momente des Orientierungsverlustes, die mehr werden. Schwierigkeiten sich zu artikulieren, schließlich auch Misstrauen und sozialer Rückzug. Die Krankheit verläuft schleichend, Symptome können gelindert, Bewältigungsstrategien und der Erhalt von Alltagsfähigkeiten eingeübt werden, aber aufhalten lassen sich Demenzerkrankungen nicht. 57 Millionen Menschen auf der Welt teilen zur Zeit dieses Schicksal, 1,4 Millionen allein in der Bundesrepublik.
Thema Nr. 2: Bei Fragen zu Substanzen, die nicht in die Luft gehören und schädlich sind, kann man auf den Seiten des Umweltbundesamtes wertvolle Antworten und Informationen finden. Es handelt sich um ein komplexes Gemisch fester und flüssiger Partikel, die sich in unserer Luft befinden. Diese entstehen fast ausschließlich durch uns Menschen, bei Verbrennungsprozessen von fossilen Energieträgern zum Beispiel, aber auch durch Staubaufwirbelungen oder Bremsen- und Reifenabrieb. Wir sprechen von Feinstaub.
Die Wirkung auf den Menschen: Entzündungen der Atemwege, Plaquebildung in den Blutgefäßen oder eine erhöhte Thromboseneigung. Auch Herz-Kreislauferkrankungen können durch die Partikel ausgelöst werden. Soweit der Stand des Wissens.
Bringen wir nun beide Themen zusammen: Neu ist die Erkenntnis, dass Feinstaub auch das Risiko für Demenzerkrankungen erhöhen kann. Eine Analyse von 16 Studien zu dieser Fragestellung durch das „British Medical Journal“ hat das ergeben.
Geschaut hat man in den Untersuchungen auf die Wirkungen von Feinstaubpartikeln der Größe PM2,5, das entspricht 2,5 Mikrometern. Das Ergebnis zeigt klar, dass ein Zusammenhang zwischen dem Vorhandensein von Feinstaub – und zwar auch deutlich unterhalb des dafür gültigen EU-Grenzwertes – und der Anzahl von Demenzerkrankungen besteht. Dies ist zwar kein Beweis für die krankheitsauslösende Wirkung von Feinstaub, aber da Demenz wiederrum eine Folge von Herz-Kreislauferkrankungen sein kann, besteht vermutlich eine mittelbare Beziehung.
Zudem ist Feinstaub in der Lage, die Blut-Hirn-Schranke zu schädigen. Entzündungen im Gehirn können durch ihn ausgelöst werden, schlimmstenfalls kommt es zum Absterben von Nervenzellen.
Es kommt auf die Grenzwerte an, wenn es denn überhaupt welche gibt. Und darauf, ob diese eingehalten werden. Die Untersuchenden, sie verweisen auf das von der WHO gesetzte Ziel von unter 5 Mikrogramm Feinstaub pro Kubikmeter Luft. Da offenbar 40 % aller Staaten überhaupt keine Richtlinien oder Gesetze zur Einhaltung der Luftqualität haben, ist es bis zu dem Erreichen des von der Weltgesundheitsorganisation festgesetzten Wertes noch ein langer Weg.
Autor und Sprecher
Technik und Gestaltung
Foto von Lerone Pieters
Der Begriff „Kulturkampf“ lässt sich am besten definieren mit einem Ringen um die Vorherrschaft zwischen konservativen und liberalen Kräften in einer Gesellschaft. Genau eine solche Auseinandersetzung, sie findet bereits seit einigen Jahren und mit immer wieder neuen Zuspitzungen im heutigen Amerika statt. Angetrieben von den Republikanern und ihren Anhängern mit dem Ziel die Uhr eines aus ihrer Sicht zu weit fortgeschrittenem Liberalismus zurückzudrehen. Sichtbar werden lange Schatten von Wertesystemen, die man für eigentlich überwunden gehalten hatte: Ausgrenzung von Minderheiten, die für ihre Freiheitsrechte über Jahrzehnte gekämpft hatten, Einschränkungen des Selbstbestimmungsrechts der Frauen und die unverhohlene Rückkehr des Rassismus ans Tageslicht.
Thema Abtreibungen: Seit Jahrzehnten versuchen unterschiedliche Staaten in den USA die Rechte der Frauen auf einen Schwangerschaftsabbruch einzuschränken, zuletzt in Florida, wo eine Abtreibung nur noch bis zur sechsten Woche legal ist. Und die Auseinandersetzung um das Schwangerschaftsunter-brechungsmedikament Mifepriston, sie wird final von dem obersten Gerichtshof entschieden werden, der mehrheitlich konservativ besetzt ist. Er hatte letztes Jahr erst beschlossen, das Grundsatzurteil „Roe vs. Wade“ aufzuheben, das allen Bürgern der USA bis dahin ein Recht auf eine selbstbestimmte Abbruch-entscheidung ermöglicht hatte.
Wir berichteten unlängst über die Anti-Drag-Initiativen einiger Staaten, generell richtet man sich gegen die Rechte und Interessen der LGBTQ+-Community. Auch hier zeigt sich Florida führend, so ist der Gouverneur bestrebt, aufklärende Informationen zu Gender-Themen oder über die Vielfalt sexueller Orientierungen in Schulen zu untersagen.
Neuer, trauriger Höhepunkt in der letzten Woche: Die Auseinandersetzung um das in den USA beliebte Bier „Bud Light“. Auslöser war die Kooperation des Unternehmens mit einer Influencerin. Ihr Name: Dylan Mulvaney. Zur Person: Sie ist Musicaldarstellerin, 26 Jahre alt und dokumentierte ihren Wechsel zum weiblichen Geschlecht auf Tik-Tok. Dylan ist also ein Social-Media-Star und hat im Übrigen 11 Millionen Fans. Nicht ungewöhnlich, dass Unternehmen mit ihr Werbeverträge abschließen, um Kunden zu gewinnen.
Zurück zu „Bud Light“. Das konservative Amerika ist empört, Dylan Mulvaney wird zur Hassfigur stilisiert und kann sich kaum dagegen wehren. Trump-Anhänger Kid Rock veröffentlicht ein Video, in welchem er auf mehrere Kisten des Bieres mit einem Sturmgewehr schießt. Gerade im mittleren Westen wird das Getränk nun boykottiert, es gab Bombendrohungen gegen Fabriken des Konzerns. Dessen CEO, Brendan Whitworth gab nun am Freitag ein Statement zu der Situation ab. Dabei vermied es der Firmenchef sich in irgendeiner Weise mit seiner Werbeträgerin und der damit verbundenen LGBTQ+ – Community zu solidarisieren. Er sprach davon, dass man nie beabsichtigt habe, Teil einer Diskussion sein zu wollen, die Menschen entzweit. Vielmehr wolle man sie mithilfe des Bieres zusammenführen.
Das hat nun gar nicht funktioniert. Die Konservativen erwarten eine deutliche Entschuldigung und kritisieren, dass diese nicht erfolgt sei. Und LGBTQ+ – Community ist empört und versteht das Statement als Distanzierung. Neutraler hätte die Äußerung von Whitworth kaum ausfallen können und dennoch steigt weiter Rauch auf. Die Gräben sind tief und die Konfliktbereitschaft hat vor allem auf der konservativen Seite einen Umfang erreicht, der den Betrachter mehr als bedenklich stimmt. Es scheint, als seien die Türen der gesellschaftlichen Übereinkunft über die Grundlagen eines friedlichen und den anderen akzeptierenden Zusammenlebens längst aus den Angeln gehoben. Ein Weg zurück aus der andauernden Eskalation, eben auch weil er von Politikern des rechten Flügels gar nicht gewollt ist und man von dort aus den Konflikt vorantreibt und zuspitzt, erscheint im Moment weder denk- und schon gar nicht sichtbar. Das ist gefährlich.
Autor und Sprecher
Technik und Gestaltung
Foto von Yash
Die nunmehr überarbeiteten Eckpunkte zum Thema „Legalisierung von Cannabis“ in der Bundesrepublik, sie wurden am vergangenen Donnerstag von den Ministern Lauterbach und Özdemir, der eine bekanntermaßen für Gesundheit zuständig, der andere für Ernährung und Landwirtschaft, vorgestellt. Der Besitz und das Mitführen von 25 Gramm der Substanz wird danach in Zukunft straffrei möglich sein. Das vorab. Zunächst aber ein genauer Blick auf den Entwurf der Regierung, der zweistufig konstruiert ist.
Im ersten Schritt soll die Gründung von „Cannabis Social Clubs“ ermöglicht werden, wir können hier auch einfach von einem Anbau – und Verteilverein sprechen, welcher nicht gewinnorientier arbeiten und höchstens 500 Mitglieder haben darf. Beteilige ich mich an dieser Gemeinschaft, so kann ich maximal 50 Gramm der Substanz monatlich erhalten. Das Mindestalter für eine Zugehörigkeit zu solch einem sozialen Gebilde liegt bei 18 Jahren. Werbung ist nicht erlaubt, ein Präventions- und Jugendschutzbeauftragter wird vom Club benannt. Konsumiert werden darf im Vereinsheim übrigens nicht, der gesamte Komplex muss zudem deutlich entfernt von Kindertagesstätten und Schulen liegen. Nicht-Liebhaber sozialer Kontakte, sie können auch selbst anbauen, drei weibliche Pflanzen darf man besitzen.
Zweite Etappe: Regionale Modellprojekte. Hier geht es um die Erprobung kommerzieller Lieferketten für Cannabis, einfach formuliert: Ein legales und staatlich kontrolliertes System vom Anbau bis zur Verkaufsstelle. Diese Testszenarien sind auf eine Dauer von fünf Jahren geplant und sollen wissenschaftlich begleitet werden. Ob es aber überhaupt dazu kommt, hängt auch von der EU ab, denn das Schengener Durchführungsabkommen spricht deutlich gegen eine solche Lösung.
Der Blick auf das Für und Wider: Das auf dem Schwarzmarkt erhältliche Cannabis ist häufig gestreckt und möglicherweise mit Substanzen versetzt, die zusätzlich gesundheitsschädlich sind. Den Wirkstoffgehalt kennt der Kunde nicht zuverlässig. Zudem wird der Endverbraucher durch den gesetzlich verbotenen Kauf kriminalisiert. All diese negativen Effekte werden bei einer Umsetzung des jetzigen Entwurfs aufgehoben, so hoffen die Befürworter.
Dagegen: Was verfügbar ist, wird nicht nur von Menschen im Alter von über 18 Jahren konsumiert werden. Jugendliche könnten es nun deutlich leichter haben, so fürchten Kritiker, sich die Droge zu beschaffen. Zudem besteht die Möglichkeit, dass durch die Legalisierung eine Verharmlosung der negativen Wirkungen von Cannabis auf den Körper vermittelt wird. Mediziner warnen vor der Gefahr von Hirnschädigungen, die bei Kindern und Jugendlichen auftreten können. Stand der Medizin ist, dass der Konsum der Droge bei dieser Gruppe zu Einbußen der Gehirnleistung führt, auch die soziale Kompetenz soll in Mitleidenschaft gezogen werden.
Erwachsene, sie sollten – wie bislang auch bei Alkohol und anderen nachweislich gesundheitsschädlichen Genussmitteln – frei entscheiden dürfen, ob sie Cannabis oder daraus hergestellte Produkte konsumieren möchten oder nicht. Eine staatliche Regulierung, auch zum Zwecke der Entkriminalisierung, erscheint hier mehr als überfällig. Extrem problematisch hingegen ist die Tatsache, dass – sofern der jetzige Entwurf einer begrenzten Legalisierung so umgesetzt werden sollte – die Droge näher an Jugendliche heranrücken und damit verfügbarer werden kann. Hier liegt meines Erachtens der Nachteil der Social-Clubs-Konstruktion, lässt sich wirklich nachvollziehbar und jederzeit prüfen, wie gesetzeskonform dort verfahren wird?
Wäre grundsätzlich nicht ein staatlich kontrollierter Handel von vornherein eine bessere und durch nachvollziehbare Lieferketten die transparentere Lösung? Gerade der Jugendschutz ließe sich bei offiziellen Verkaufsstellen durch ein strenges Kontrollregiment vermutlich besser umsetzen als im Rahmen eines Vereins. Und ein Teil des erzielten Gewinnes, er könnte gut für die Finanzierung von Präventionsmaßnahmen verwendet werden, eine mehr als sinnvolle Investition. Bei der jetzigen EU-Rechtslage ist die Realisierung eines solchen Modells eher unwahrscheinlich. Das ist bedauerlich.
Autor und Sprecher
Technik und Gestaltung
Foto von Arnold Middelkoop
März 1975: Anne Lund, Studentin der Wirtschaftswissenschaften und damals 22 Jahre alt zeichnet ein Logo, das in den kommenden Jahren und Jahrzehnten dank des hohen Wiedererkennungswertes zum Symbol der Anti-Atomkraftbewegung werden wird. Hatten Sie auch diesen gelben Button auf Ihrem Parker und einen entsprechenden Aufkleber auf dem Fahrzeug? Ein klares Statement, freundlich, aber bestimmt, das eine ablehnende Haltung gegenüber einer Energiequelle deutlich macht, deren Probleme Strahlungssicherheit und Langzeitlagerung von Brennstäben bis heute nicht gelöst wurden. In der Bundesrepublik ist die Geschichte der Atomkraft jedenfalls zu Ende erzählt und zwar schon morgen. Denn dann verlieren die letzten drei noch in Betrieb befindlichen AKWs Isar2, Emsland und Neckarwestheim 2 ihre staatliche Lizenz zur Stromerzeugung, es ist Schluss.
Das Abschalten, es vollzieht sich nicht im kritiklosen Raum. Beginnen wir bei der Deutschen Industrie und Handelskammer. In der jetzigen Lage – man nimmt hier Bezug auf etwaige Unsicherheiten in der Versorgung – solle man nicht auf verfügbare Energiequellen verzichten. Dabei sind es Sorgen über mögliche Preissteigerungen, die die DIHK vor allem im Auge hat. Aus Sicht des Verbandes ein nachvollziehbarer Einwand, hatten doch viele Unternehmen in der jüngsten Vergangenheit Probleme durch die explodierenden Kosten für Energie und manche mittelständische Firma musste in der Folge ihren Betrieb einstellen und Konkurs anmelden.
Als umweltbewegt zeigt sich die CDU in Person des ehemaligen Gesundheitsministers Jens Spahn. Die Kritik: Kohlekraftwerke werden weiter betrieben, von denen eine erhebliche Belastung durch die ausgestoßenen Abgase ausgehe. Folglich sollte man dieser Energiequelle zunächst den Rücken zuwenden, bevor man sich von der Atomenergie trennt, die Spahn für umweltschonender hält.
Dann haben wir da noch den Koalitionspartner FDP. Trotz des Machtwortes des Kanzlers in Sachen Ausstieg. Dieser stellt für Wolfgang Kubicki einen „dramatischen Irrtum“ dar, der negative Konsequenzen nach sich ziehen werde. Auch aus der FDP, aber ebenso der CSU kommt der Vorschlag, die Anlagen wenigstens betriebsbereit zu belassen um damit eine Energiereserve vorhalten zu können.
Beruhigende Worte hört man hingegen von Wirtschaftsminister Habeck, der eine sichere Energieversorgung auch in einer atomfreien Zukunft als gegeben ansieht. Die Gasspeicher, sie seien gefüllt, die Flüssiggasterminals ebenso betriebsbereit. Schon 2030 werde der Anteil der erneuerbaren Energien bei 80 % liegen. Seine Parteikollegin Göring-Eckert erwartet alsbald fallende Strompreise. Die Energieerzeugung mithilfe von erneuerbaren Energieträgern sei kostengünstiger als mit Atomkraft.
Wir haben uns zu einer Energiewende entschlossen in diesem Land und Atomkraft, sie wird von Experten als ungeeignet angesehen, wenn es um den Ausgleich von Spitzenlasten geht bei einem Netz, dessen Grundlast auf der Nutzung erneuerbarer Energieträger fußen soll. Das Endlagerproblem, bislang gibt es nur Zwischenlager, ist nach vielen Jahrzehnten der Kernenergienutzung bis heute nicht gelöst. Und die Kraftwerke mal eben weiterlaufen lassen, das geht auch nicht, man hat schließlich keine neuen Brennstäbe bestellt. Die ganze Diskussion über die Abschaltung, sie ist also nicht mehr als politisches Geräusch. Bleiben wir einfach einem einmal eingeschlagenen Weg treu, der nach jetzigem technischem Stand der vernünftigste und nachhaltigste Kurs zu sein scheint.
Autor und Sprecher
Technik und Gestaltung
Foto von Valeria Boltneva:
Sie sind so unfassbar praktisch. Und so haltbar. Und so unfassbar praktisch. Ja, ich bemerke, dass ich gerade beginne mich ein wenig im Kreis zu drehen. Dies mag daran liegen, dass meine Liebe zu Küchenutensilien lebenslang leidenschaftslos blieb. Eine Änderung dieses begeisterungslosen Zustands ist nicht in Sicht: Mein Herz schlägt nicht für Kitchen-Aid und Glückshormone steigen keinesfalls in mir auf, wenn ich einem Thermomix in fremder Küchenwildbahn begegne. Aber selbst an mir sind sie nicht spurlos vorübergegangen, die kleinen bunten Plastikdosen, in denen man Reste aufbewahrt, um sie zwei Tage später meist zu entsorgen. Klar ist: Meine Kunststoffbehältnisse stammen größtenteils aus einem schwedischen Möbelhaus und würden in einem ordentlich geführten Haushalt als illegitime Plagiate herablassend von den Originalen betrachtet werden, den Tupperware-Artikeln.
Wer etwas auf seine Lebensmittel hält, der gönnt den restlichen Gewürzgurken ein Ruhebett in einem grünen Tupperbehältnis, natürlich kommen die Erdbeeren in eine rote Schale, Zitrusfrüchte freuen sich über die Farbe gelb. Ich weiß, das hier ist jetzt die Sortierungsfantasie eines Nicht-Tupperianers, aber so ähnlich stelle ich mir das vor. Es ist auch egal, harte Fakten zählen: Tupperware-Produkte gelten als unkaputtbar und wenn es dann doch einmal zu einem Problem kommen sollte, naht Rettung in Form einer 30jährigen Garantie. Und weil die Schüsseln und sonstigen Gebrauchsgegenstände so gut und haltbar sind, bekommt man sie auch zu fantastischen Preisen: So kostet die 1l-Schale Aloha nur 12,90 €, das Klimaoasenset mit Luftzufuhr-Schieberegler gibt es für den Preis von 74,70 €, herabgesetzt von 99,70 €. Es ist schließlich fünfteilig.
Das Vertriebsmodell ist ein Klassiker: Die Party. Und jeder kann dabei sein und eine wundervolle Veranstaltung im eigenen Heim durchführen. Ein paar Leckereien stellen Sie selbst bereit und entführen sodann mithilfe einer Beraterin Ihre Gäste in die Tupper-Welt. Der Rest ist Formularsache, Bestellformularsache. Und wenn Sie kein Freund von Gesellschaft sind: Einen Online-Shop gibt es auch. Ein Tupper-Traum.
Nicht ganz. Tupper-Alptraum, das ist unser eigentliches Thema: Am Montag fiel der Aktienkurs des in Orlando sitzenden Unternehmens um 49 % auf 1,2 $ pro Anteilsschein ins fast Bodenlose. Vorangegangen war eine Warnung der Firma, die darauf hinwies, dass man in Finanzierungsnöten sei und nicht wisse, ob die Geschäfte fortgesetzt werden könnten. Die Börse reagierte entsprechend.
Corona hat sicher niemandem gutgetan, auch Tuppers Original-Vertriebsmodell nicht. Der Verkauf, er bedarf der sozialen Kontakte, des unbeschwerten Miteinanders. Lediglich die Online-Sparte war in dieser Zeit erfolgreich, viele von uns haben während der zurückliegenden Pandemie die Liebe fürs Kochen entdeckt und fleißig Tuppers Helferlein geordert. Corona ist vorbei. Man könnte wieder verstärkt offline durchstarten, aber das will nicht so richtig gelingen. Wir haben uns zu sehr ans Bestellen gewöhnt. Und in diesem Vertriebsfeld sind andere Anbieter schneller, haben mehr Auswahl und deutlich attraktivere Preise.
Diese Gründe, sie sind nur ein Teil der Misserfolgsgeschichte des Unternehmens. Plastikdosen haben in Nachhaltigkeitsland alles andere als einen Kult-Status, die Führung der Firma wechselte in den letzten Jahren häufig und die Alleinstellungsmerkmale der Marke, sie werden von der Kundschaft wohl nicht mehr als solche wahrgenommen.
In den USA sind die Produkte von Tupper mittlerweile auch bei der Supermarktkette Target erhältlich. Dies könnte – für Deutschland hatte man schon Ähnliches geplant – eine weitere Möglichkeit sein, die Waren des Konzerns wieder näher zu den Kunden zu bringen. Und über den alles dominierenden Kunststoff müsste man noch einmal nachdenken und ein ähnlich halt- und belastbares Material finden, das nicht beabsichtigt, Archäologen im Jahr 3.200 in einem fast neuwertigen orangefarbenen Glanze anzustrahlen.
Aufbewahren ist in Zeiten des sparsamen Umgangs mit Ressourcen eine gute Idee, welcher Rohstoff allerdings ist der beste für die dafür benötigten Behältnisse? Hier sollte Tupper vielleicht, zusätzlich zum erforderlichen Umbau seines Vertriebsmodells, forschend vorangehen um dann zu neuem Ruhm zu gelangen, vielleicht sogar in meiner Küche.
From the publisher's feed